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Koreakrieg 1950-53: Krieg als Vehikel zur Wahlfälschung und zum Militärputsch?

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are Teilnahme von US-Soldaten am Bodo League Massaker (wikimedia)

Teilnahme von US-Soldaten am Bodo League Massaker (wikimedia)

Zum Thema des Koreakrieges 1950-53 gibt es wieder einige Zwischenergebnisse vorzulegen, die so interessant sind, dass ich sie nicht bei mir behalten möchte. Kritische Blogger und systemkritische Medien möchte ich ausdrücklich dazu einladen, an den zeitgeschichtlichen Recherchen zum „vergessenen Krieg“ in Korea mitzuwirken. Dies hat sehr wohl einen aktuellen Bezug, denn wie ich schon ausgeführt hatte ist die Propagandalegende vom „Überfall“ „Nordkoreas“ auf Südkorea Ende Juni 1950 das Generalaxiom dafür, bis in unsere Tage Nordkorea mit seinem stalinistischen Kim-Regime zu dämonisieren.

Bei meinen Recherchen zur Geschichte des Koreakrieges stieß ich auf den Aufsatz von Milchman aus dem Jahr 1965 „D.F. Fleming on „The Origins of the Cold War“.

Ich fand dort folgenden Absatz vor:

It is a matter ot record that Rhee and his Defence Minister had been threatening to invade North Korea for months…. It is further established, also, that Rhee had been decisively defeated in the election of May 30. 1950, an election which the American government forced-upon him.His regime was ‚left tottering.‘ He .had no political future unless war broke out, and his will power was entirely sufficient to bring war about. His prewar threats to march north were discounted during the war, hut after it began the report that Secretary of State Acheson ’never was quite sure that Rhee did not provoke the Red attack of 1950″ was amply justified.

Was mich an diesem Absatz (ein Zitat von D:F.Fleming) erstaunte und verwunderte, war der Hinweis auf Wahlen, die am 30. Mai 1950 stattgefunden haben sollen. Was für Wahlen waren das denn, so fragte ich mich, ging aber in meinen bisherigen Artikeln nicht weiter darauf ein, weil ich einfach zu wenig wusste.

Im deutschen wikipedia-Artikel steht NICHTS über diese Wahlen von 1950 , dafür:

Die UNO, die zu diesem Zeitpunkt den USA nahe stand, übernahm am 14. November 1947 das Mandat für die Wiedervereinigung. Die USA führten am 10. Mai 1948 unter Aufsicht der UNO Wahlen durch, mangels Kooperation der Sowjetunion aber nur im Süden. Aus diesen ging der aus dem Exil in den USA zurückgekehrte Rhee Syngman als Sieger hervor. Von manchen Beobachtern wurde die Wahl als unfair oder gefälscht bezeichnet. Rhee Syngman übernahm die Regierungsgeschäfte von den USA am 13. August 1948 und rief am 15. August die Republik Korea aus. Als Reaktion proklamierte der von den Sowjets geförderte Kim Il-sung am 9. September die Demokratische Volksrepublik Korea. Kim Il-sung galt nach westlichen Maßstäben als Diktator. Auch der proamerikanische und antikommunistische Rhee Syngman zeigte autokratische Tendenzen. Es gab auch eine wahrnehmbare Opposition.

Wenn man nun in den Diskussionsseiten nachvollzieht, wie auch in wikipedia „der Kampf um Wahrheit“ tobt, der begreift sehr rasch manche Formulierungen. Es werden von Wahlen am 10.Mai 1948 gesprochen („unter Aufsicht der UNO“), aus denen Syngman Rhee „als Sieger“ hervorging. „Von manchen Beobachtern“ wurde diese Wahl aber als „unfair oder gefälscht“ bezeichnet. Schön. Aber was ist mit diesen Wahlen vom 30.Mai 1950? Von diesen schreibt Fleming, dass Syngman Rhee entscheidend geschlagen worden war und dass sein Regime „nach links torkelte“. Nett ausgedrückt. Hochinteressant.

Dann heißt es bei Fleming weiter, dass Syngman Rhee – wohl infolgedessen – „keine politische Zukunft“ mehr hatte ausser wenn ein Krieg ausbrach und er ein erhebliches Interesse an einem Kriegsausbruch hatte. Apologeten des US – Imperialismus machen hier immer geltend, dass der Wille und das Interesse Syngman Rhees an einem Krieg ja kein Beweis dafür sei, dass er auch wirklich für den Kriegsausbruch verantwortlich war. Schön. Aber die Frage des Kriegsausbruchs haben wir schon geklärt. Am 26. Juni 1950 meldeten zahlreiche westliche Medien die Einnahme der nordkoreanischen Stadt Heaju durch südkoreanische Truppen. Aus meiner Sicht ist das Thema damit definitiv geklärt; die Einnahme einer mittelgroßen Industriestadt stellte eindeutig eine neue Eskalationsstufe bei den ständigen Grenzscharmützeln am 38.Breitengrad ein. Die Frage der Schuld am Kriegsausbruch ist damit aus meiner Sicht geklärt: Die südkoreanischen Truppen Syngman Rhees waren für den Ausbruch des Krieges verantwortlich, und die Legende vom „nordkoreanischen Überfall auf Südkorea“ mithin eine Geschichtslüge. Basta.

Wahlen in Südkorea Mai 1950?

Doch diese seltsamen Wahlen vom 30. Mai 1950 sind damit noch nicht aufgeklärt. Was wurde damals gewählt, wie waren die Ergebnisse und – ach ja – warum taucht dieser Fakt im wikipedia – Artikel zum Koreakrieg ÜBERHAUPT NICHT auf?

Die kimilsungistische Webseite  kdvr.de schreibt dazu:

Es gelang der Sowjetunion in Verhandlungen zu erreichen, daß bis 1950 freie gesamtkoreanische Wahlen stattfinden sollten. Die USA-Imperialisten merkten aber sehr bald, daß ihre Marionette Syngman Rhee keine Chance hatte, diese Wahlen zu gewinnen. In den Wahlprognosen für 1950 wurden Syngman Rhee 1 % der Stimmen vorausgesagt. Er verlor auch alle demokratischen Wahlen. Er hatte also keinerlei Rückhalt im Volke, so daß er, um an der Macht zu bleiben, zur offenen faschistischen Diktatur übergehen mußte. Die Ergebnisse der nach demokratischen Regeln durchgeführten Wahlen wurden für ungültig erklärt.

Vor der Exekution: ein Opfer des Bodo League Massakers

Vor der Exekution: ein Opfer des Bodo League Massakers

Natürlich gehe ich auch an kimilsungistische Quellen quellekritisch heran. Diese Quelle sagt, dass Syngman Rhee alle demokratischen Wahlen verlor. Welche waren das?

Zunächst nochmals zu den südkoreanischen Wahlen von 1948. Das englische wikipedia schreibt da hochinteressantes (verschweigt aber auch die Wahlen von 1950):

Rhee won a seat at the First Assembly of South Korea on 10 May 1948 by a parliamentary vote after left-wing parties boycotted the election. After being elected as the Speaker of the Constituent Assembly on May 31, Rhee was elected the first president of South Korea defeating Kim Koo, the last president of the Provisional Government by a count of 182-13 on 20 July 1948. It should be noted that Kim Koo was not aware of his nomination for presidency; the nomination was likely an attempt to discredit him as a nationalist. On 15 August 1948, he formally took over power from the US military and de jure sovereignty of Korean people from the Provisional Government.

Die Wahlen von 1948 wurden also von den „linksorientierten Parteien“ boykottiert. Es hat sich offenbar um mehr Parteien gehandelt zu haben als nur um die damals noch sehr schwache und zudem offensichtlich gespaltene Kommunistische Partei. Wir dürfen annehmen, dass angesichts des Zusammenbruchs des japanischen Imperiums 1945, der Kollaboration der koreanischen herrschenden Klasse mit den Japanern, der revolutionären Orientierung des koreanischen Nationalismus die Mehrheit der Bevölkerung in Nord und Süd „linksorientiert“ gewesen sein müsste. Zur gleichen Zeit wurden einem Ho Chi Minh in Vietnam 80 % Wählerstimmen bei gesamtvietnamesischen Wahlen prognostiziert (weswegen diese ja auch von Frankreich und den USA verhindert wurden – durch die Teilung Vietnams).  Der erwähnte Kim Koo, der ohne seine Zustimmung zu südkoreanischen Präsidentschaftswahlen nominiert wurde, um damit diskreditiert zu werden (er war konsequenter Nationalist und lehnte jegliche Separatwahlen strikt ab) wurde übrigens interessanterweise ermordet. Nein, Kim Koo war kein Kommunist. Der Mörder Ahn Doo-hee wurde erst 2001 als damaliger Agent des damaligen amerikanischen Geheimdienstes (hiess noch nicht CIA, sondern US Counter-intelligence Corps) enttarnt und erfreute sich eines vermögenden und geachteten Lebens bis 1996 (nein, er saß nur ein Jahr, bis 1950, im Gefängnis und wurde dann „begnadigt“). Orchestriert hatte den politischen Mord „die rechte Hand Synman Rhees“, ein gewisser Kim Chang-Ryong. Über diesen ist zu lesen, dass er von „Armeekollegen“ 1956 ermordet wurde und:

Because of his relentless investigations, Kim Chang-Ryong was hated so much by a majority of the Korean people that his wife and kids even had to flee to South America, as the press said that “even his family is ashamed of him and abandons him”.

Nette Leichen, die da im Keller der Geschichte zu finden sind, nicht wahr?

Die erwähnten Details illustrieren, dass die Wahlen von 1948 in Südkorea ganz und gar nicht danach aussehen, in irgend einer Weise „demokratisch“ gewesen zu sein. Dass sie massiv durch Syngman Rhee gefälscht wurden, liegt zumindestens angesichts dieser Fakten nahe. Auch weitere Angaben im englischen wikipedia-Artikel über den Koreakrieg legen dies nahe:

As president, Rhee assumed dictatorial powers even before the Korean War broke out in 1950. He allowed the internal security force (headed by his right-hand man, Kim Chang-ryong) to detain and torture suspected Communists and North Korean agents. His government also oversaw several massacres, the most notable one being on the island of Jeju island in response to an uprising by leftist factions.

Ist doch hochinteressant, nicht wahr? Syngman Rhee „nahm“ also dikatorische Macht an und liess „Kommunisten“ und „nordkoreanische Agenten“ festnehmen und foltern und war verantwortlich für „einige“ Massaker (darunter ist das von Jeju nur ein gut dokumentiertes).

Doch kehren wir zu der Frage zurück, um was für Wahlen es sich bei den erwähnten vom 30. Mai 1950 handelte. Daß wir auf Grundlage der vorliegenden Fakten die südkoreanischen Wahlen von 1948 für massiv manipuliert, von politischen Betrugsmanövern und sogar politischen Morden begleitet, sowie von weiten Teilen der (südkoreanischen) Bevölkerung boykottiert abhaken können, dürfte klar sein. Das erwähnte Jeju – Massaker war zudem noch eines von mehreren, und ich bitte zu beachten, dass von „leftist factions“ gesprochen wird, also mehreren linken Fraktionen und Strömungen. In den Propagandalegenden des Imperialismus später wurden alle diese Fraktionen und Gruppierungen als „kommunistisch gelenkt“ (gemeint ist: unter Steuerung der stalinistischen KP), so wie ja auch heute bei jedem Massaker in Afghanistan behauptet wird, es hätten sich „Taliban“ in den betreffenden Dörfern und Landstrichen aufgehalten.

Wahlen in Südkorea Mai 1950!

Zur Frage der Wahlen vom 30. Mai 1950 wurde ich auf einer Webseite fündig, auf der ich am wenigsten mit Antwort gerechnet hätte.

Es handelt sich um die Webseite http://korea50.army.mil, also eine Webseite der US-Armee. Dort ist zum Thema Syngman Rhee zu lesen:

He spent the next 30 years as a spokesman for Korean independence, and in 1919 was elected president of the „Korean Provisional Government“ in exile in Washington, D.C. Rhee became the best known Korean leader during World War II and campaigned vigorously for a policy of immediate independence and unification of the Korean Peninsula. He soon built up a mass political organization supported by strong-arm squads. With the assassination of major moderate leaders, Rhee’s new party won South Korea’s first elections, and he became president in 1948.

Syngman Rhee lebte ab 1934 in den USA und stand dort einer vollkommen machtlosen koreanischen Exilregierung vor (Korea war damals japanische Kolonie). Nach dem Ende des 2. Weltkrieges wurde er von der US – Armee in das gerade in zwei Zonen geteilte Korea gebracht. „Große Aufgaben“ standen ihm dort bevor. ES ist wohl nicht abwegig, ihn als Agenten (im Sinne von Sachwalter, Interessensvertreter) der USA zu betrachten.

Er baute also eine „politische Massenorganisation“ auf die von „strong-arm squads“ unterstützt wurden. Den Begriff darf man wohl mit „Schlägertruppen“ übersetzen, und die Analogie mit der SA der NSDAP liegt sicherlich nahe. Bedeutsamer noch ist, dass dieser US – Army – Text offen ausspricht, dass durch die Ermordung „moderater“ Führer Syngman Rhee diese Wahlen von 1948 „gewonnen“ hatte (oder wie ist dieser Satz sonst zu verstehen?).

Damit dürfte der Charakter dieser Wahlen von 1948 gründlichst geklärt sein.

Doch wir lesen weiterhin erstaunliches in diesem Text:

Only two years after its National Assembly had adopted a constitution, the Republic of (South) Korea (ROK) held its second general election in May 1950. Politically, the unstable situation created by widespread communist activities, and aggravated by partisan bitterness and violence, did not prevent the full and free campaigning that preceded the election, which resulted in an overwhelming victory not for President Syngman Rhee or his political opposition, but for democracy. More than 85 percent of eligible voters went to the polls. The election gave 56 seats in the national assembly to the government party of Rhee, 26 to members of the Democratic Nationalist party and other opposition parties, and 128 to independents. This clearly was an expression of the people’s lack of confidence in the government and the existing political parties. Rhee’s authoritarian hold on Korean politics was being called into serious question.

Demnach fanden tatsächlich zwei Jahre nach diesen durch Gewaltanwendung massiv gefälschten Wahlen wieder Separatwahlen in Südkorea statt, und zwar (siehe da) Mai 1950. Die damalige Situation bezeichnet der Autor der US – Army als „unstabil“ wegen „weitgestreuter kommunistischer Aktivitäten“. Nun wir wissen ja, wie solche Ausdrücke quellenkritisch zu werten sind. Rein sachlich aber ist da zu lesen, dass es offenbar eine „Partisanenbewegung“ im Süden Korea gegen die Rhee-Regierung gab (Ich weiß auch, dass „partisan“ in diesem Zusammenhang „parteilich“ bedeutet, trotzdem meine Schlussfolgerung). Euphemistisch fährt der Text fort, dass nicht Syngman Rhee aus diesen Wahlen als Sieger hervorging, sondern „die Demokratie“ (Syngman Rhee ist heutzutage eher eine Persona non grata, auf die man sich besser nicht positiv bezieht). Es gab eine Wahlbeteiligung von 85 Prozent, 56 Sitze für die faschistische Rhee- Partei, 26 für eine „Demokratische Nationalistische Partei“ und 128 für „Unabhängige“. Die Kommunistische Partei, das wissen wir, war bei diesen Wahlen verboten. Wahrscheinlich wurden auch diese Wahlen von Teilen der Linken und Nationalisten boykottiert. Trotzdem waren sie eine spektakuläre Niederlage für Syngman Rhee. Der Text schreibt weiter, dass das ein Ausdruck des Fehlens jeglichen Vertrauens der Bevölkerung in die Regierung und in „die existierenden Parteien“ war.

Hochinternessant. Es heisst auch noch, dass Rhees Machtstellung in der (süd)koreanischen Politik „ernsthaft in Frage“ stand. Weniger als einen Monat später brach der Koreakrieg aus.

Also genau diese „Regierung“, der sogar diese History-Seite der US – Armee bescheinigt, dass ihr jegliches Vertrauen in der (südkoreanischen!!) Bevölkerung fehlte und deren Macht „ernsthaft in Frage“ stand, wurde im Rahmen einer großkotzigen UNO – Aktion unter Führung der USA offensiv verteidigt. Ein ewiger Schandfleck auf dem Ansehen dieser „Organisation“. Die UNO – Aktion aufgrund Resolution 85 des Sicherheitsrates diente also dazu, unter Einsatz von einer halben Million Soldaten eine massakrierende Diktatur in ganz Korea durchzusetzen. Das und nichts anderes ist die historische Wahrheit!

Die Tatsache der von Syngman Rhee Mai 1950 verlorenen Wahlen konnte ich auch noch mit anderen Quellen verifizieren.

Zusammenhänge mit dem Bodo League Massaker

Ich verbleibe bei der US-Army-Quelle, deren Euphemismus zwar nicht zu übersehen ist, aber dennoch sehr aufschlussreich ist. Wie war der anfängliche Kriegsverlauf:

From Taejon, where Rhee’s government had fled in the face of communist infantrymen and tanks, South Koreans were exhorted by their leaders to drive out the invaders, but to no avail. Seoul fell on June 28, and South Korean troops straggled in retreat across the Han River bridges. Those members of Rhee’s government who had reached Taejon soon moved to Pusan, but after a week they relocated to Taegu to stay closer to the front. Rhee initially had vehemently resisted the advice of his aides and the American ambassador to relocate the government to Pusan, preferring to meet death at the hands of the enemy rather than to lead a government in exile. If he was to die, he had declared, it would be on the soil of his native land. Rhee later recanted once he came to realize the grave political implications should he fall into the hands of the North Koreans. One thing was certain: The invasion had brought a respite in Rhee’s political wars; politics were put aside, if only for as long as it took to ascertain the South’s ability to retain a toehold on the Korean Peninsula, along the Pusan Perimeter.

Rhee „floh“ mit seiner (vom der Mehrheit des gesamtkoreanischen Volkes gehassten und verachteten) Regierung also zuerst nach Taejon, und forderte dort („erfolglos“ heißt es) die Südkoreaner zum Widerstand gegen die nordkoreanischen Truppen auf. Seoul fällt schon am 28.6.1950, also vier Tage nach der Einnahme Haejus durch Rhee-Truppen. Dann heißt es, er hätte der Verlegung der südkoreanischen Regierung nach Pusan „widerstanden“, um „lieber den Tod durch die Hand des Feindes“ zu finden als eine Exilregierung zu leiten. Hatte es vielleicht auch damit zu tun, dass in Pusan großer Teil des „Bodo League Massakers“ stattfand und da die Augen der internationalen Öffentlichkeit „kontraproduktiv“ gewesen wären?

Offensichtlich konnte sich Syngman Rhee aber auf seine Protektoren in der US – Administration verlassen.

Early in the war, Rhee effectively gave Truman an ultimatum. Much as he might wish that Truman would accept his views and make American policy coincide with Korean policy, Rhee intended to pursue what he felt the welfare of his country demanded. Rhee declared: „The government and people of the Republic of Korea consider this is the time to unify Korea, and for anything less than unification to come out of these great sacrifices of Koreans and their powerful allies would be unthinkable. The Korean government would consider as without binding effect any future agreement or understanding made regarding Korea by other states without the consent and approval of the government of the Republic of Korea.“

Rhee stellte 1950 also ein „Ultimatum“ an den ohnehin kriegsgeneigten US-Präsidenten Truman, durch das  er inhaltlich diesen zwingen wollte, die Vereinigung von Korea zu erkämpfen. Alles andere war für ihn „undenkbar“. Und es ist offensichtlich, dass Rhee sich die „Vereinigung Koreas“ unter einer Militärdiktatur der extremen Rechten (die aus ehemaligen japanischen Kollaborateuren bestand) vorstellte. Diese Vehemenz und gleichzeitig Maßlosigkeit seiner Forderung an die USA, ihm zu helfen, die Dikatur über ganz Korea zu errichten, wird verständlich vor dem Hintergrund des Bodo League Massakers und anderer Massaker an der eigenen Bevölkerung. Ohne eine auf die USA gestützte Dikatur hätte sich Rhee selbst im Süden weder halten können, noch für Jahrzehnte die Verbrechen der koreanischen Faschisten speziell an der südkoreanischen Bevölkerung vertuschen können. Doch es ist wichtig, hier Syngman Rhee nicht zum Einzeltäter zu deklarieren, wie das hierzulande gern mit Adolf Hitler gemacht wird. Syngman Rhee war zu keinem Zeitpunkt etwas anderes als ein Handlanger der USA.

Damit vervollständigt sich das düstere Bild.

Zusammenfassung

Ich darf zusammenfassen?

  • Die Wiedervereinigung Koreas war in der Phase 1950-53 der Wunsch der großen Mehrheit des koreanischen Volkes (einschließlich der Nordkoreaner, die eine Nationalversammlung forderten). Auch die Politik der Kommunistischen Partei Koreas (die sich in mehrere Flügel spaltete), war auf eine Wiedervereinigung ausgerichtet.
  • Die koreanische Oberschicht war durch ihre Kollaboration mit dem japanischen Imperium gründlichst diskreditiert und sammelte sich hinter dem US-Agenten Syngman Rhee, den die USA zur Marionette ausersehen hatten, obwohl der US – Administration der Charakter der extremen Rechten um Rhee durchaus klar und bekannt war. Diese Kreise wussten, dass sie mit friedlichen Mitteln ihren Besitz und ihre Machtstellung nicht behalten konnten.
  • Die Teilung des Landes wurde durch das Regime Syngman Rhees erzwungen. Koreanische Nationalisten und Neutralisten ebenso wie Kommunisten und andere linksorientierte Strömungen in Südkorea wurden drangsaliert, ermordet und (wahrscheinlich) massenweise ins Gefängnis gesteckt. Diese Maßnahmen wurden (zum Gefallen der Stahlhelm-Fraktion der US-Administration) so deklariert, dass es sich um „kommunistische Subversion“ handelte.
  • Trotz der massiven Gewaltmaßnahmen der Rhee-Faschisten gingen sogar die drangsalierten Wahlen von 1950 spektakulär verloren. Da Linksparteien ohnehin verboten waren, war eine Mehrheit von „Unabhängigen“ im Pseudoparlament das endgültige und untrüglich Zeichen dafür, dass die Rhee – Faschisten auch mit scheindemokratischen Mitteln und Methoden sich nicht würden halten können. Die Auslösung eines Krieges war das effizienteste Mittel, denn gewichtige Teile der US-Administration waren im Rahmen ihrer konterrevolutionären „rollback“ – Phantasien bereit dazu. Die antikoloniale Revolution in Ostasien sollte gestoppt und wieder „zurückgerollt“ werden.
  • Der Krieg wurde durch die Rhee-Truppen u.a. durch die Einnahme Haejus ausgelöst. Allerdings rechneten die Rhee- Faschisten wohl gar nicht mit einem Sieg in einem konventionellen Bürgerkrieg (zu Recht).  Während die südkoreanischen Truppen vor den vorrückenden Nordkoreanern auseinanderliefen, beschäftigten sich die Spezialtruppen der Rhee-Faschisten unter Anleitung ihrer US-Berater weit hinter den Frontlinien (vor allem im Südosten der Halbinsel) mit der systematischen Auslöschung und Massakrierung der internen Opposition. Hier wurden offenbar keine Unterschiede zwischen Kommunisten, sonstigen Linken, Nationalisten sowie vollkommen unbeteiligten gemacht. Es scheint sich um die gezielte Ausrottung ganzer Bevölkerungsteile gehandelt zu haben. Es ist zu vermuten, dass die Liquidation oppositioneller Bevölkerungsteile die zentrale Aufgabe der Rhee – Truppen in dieser Zeit war . Zu unerklärlich ist sonst die große Differenz zwischen den Todesopfern in militärischen Kampfhandlungen zwischen Nord und Süd (die sich in Grenzen halten) und den geradezu monströsen Ermordungszahlen etwa des Bodo League Massakers. Die Rhee – Faschisten waren sich offenkundig sehr sicher, dass die USA direkt militärisch intervenieren würden, sonst hätten sie nicht, wie geschehen, in aller Ruhe massakriert, während die Armee an der Front auseinanderlief.
  • Mit dem Eingreifen der USA unter dem betrügerischen Vorwand einer UN-Polizeiaktion konnte der Niedergang der faschistischen Rhee-Truppen aufgehalten werden. Der ausländische Intervent übernahm die Kriegsführung, zu der die Rhee – Faschisten nicht mehr in der Lage gewesen wären.

Im gewissen Sinne ist die erste Phase des Koreakrieges 1950 also im Grunde als ein Militärputsch im Stile Pinochets oder Suhartos zu beurteilen. Die massiven Massaker (kann man das ein „Autogenozid“ nennen?) nahmen vorweg, was die US – POlitik in den späteren Jahrzehnten vielfach wiederholte (Iran 1954, Guatemala 1954,Chile 1973 usw usf.).

Die im Titel dieses Artikels gestellte Frage, ob der Koreakrieg 1950-53 ein Vehikel zur Wahlfälschung und zum Militärputsch durch rechtsextremistische Kräfte gewesen war, läßt sich angesichts der bisher vorliegenden Faktenlage eindeutig mit JA beantworten. Die uns bis heute präsentierte Legende von der Verteidigung irgendeiner „südkoreanischen Demokratie“ gegen den „Überfall des kommunistischen Nordkorea“ ist mithin als eine monströse Lüge zu charakterisieren.

Das Rhee-Regime war ohne substanzielle Unterstützung in der Bevölkerung und hatte in jedem Falle (Nord wie Süd) die Mehrheit gegen sich. Zudem hatte es selbst die von ihm manipulierten und drangsalierten Wahlen spektakulär verloren.

Gewiss „interpretiert“ jedes Regime, jede Partei geschichtliche Fakten stets zum eigenen Vorteil. Aber es handelt sich hier nicht um eine Frage bloßer Interpretation, die graduell in diese oder jene Richtung etwas „bewerten“ könnte. Es liegt der Fakt vor, dass mit den gängigen Korea-Legenden eines der übelsten historischen Verbrechen vertuscht wurde, und das ist keine Frage gradueller Interpretation mehr.  Die Koreakriegslüge vertuschte den Tatbestand eines brutalen Militärputsches und eines damit einhergehenden monströsen Massakers an den fortschrittlichsten und aktivsten Elementen zumindest der südkoreanischen Bevölkerung.

Ein gewöhnlicher Militärputsch war es allerdings nicht, denn da gab es ja noch die nordkoreanische Armee, die dem entgegen stand, sowie ganz offenbar eine Menge „Partisanengruppen“ auch im Süden. Ein gewöhnlicher Militärputsch plus Massaker hätte also nicht ausgereicht. Es gab eine Interessenskoincidenz mit den aggressiven Zielen der Truman – Regierung, die auch die chinesische Revolution wieder rückgängig machen wollte. Nun stand die gewaltsame Wiedervereinigung Koreas unter einem faschistischen Militärregime an (den gleichen Versuch machten die USA mehrere Male in Vietnam 1954-1975).

Wie wir allerdings wissen, scheiterte der Versuch, Korea unter dem Faschisten Rhee und seine kollaborationistische Klientel zu „einen“, daran, dass die gerade ausgerufene Volksrepublik China keineswegs geneigt war, US-Truppen an ihrer Grenze zu dulden oder die Umwandlung Gesamtkoreas in eine Art Supermilitärkolonie der USA zuzulassen. Chinesische Freiwilligenverbände wendeten das Blatt und drängten die „Alliierten“ wieder zurück. Die nordkoreanische Armee war damals auf wenige zehntausend Mann zusammengeschmolzen, und die politischen Lager der Linken (einschließlich der Kommunisten, Nationalisten usw) in Korea waren durch die massiven Massaker schwer dezimiert. Der Weg für eine Dualität zwischen den am Stalinismus orientierten Verbänden der nordkoreanischen Armee, die zum Träger des späteren Nordkoreas wurden, und der faschistischen Militärdiktatur im Süden war damit endgültig geebnet.

Schon 1950 war damit die Situation eigentlich klar (nach meiner Einschätzung scheuten sich die chinesischen Verbände damals, Ende 1950, den 38. Breitengrad zu weit zu überschreiten). Der Krieg dauerte allerdings noch bis 1953.

Der Faschist Syngman Rhee regierte bis 1960 als Diktator Südkorea weiter. In diesem Jahr wurde er – nach wiederholten Manipulationen an Scheinwahlen – von massiven Studentendemonstrationen zur Abdankung gezwungen. Er verließ das Land mit einigen Millionen Dollar und starb 1965 in Honolulu, Hawaii, USA.

wikipedia (deutsch):

Rhees vermutlich durch Manipulation zustandegekommene Wiederwahlen 1956 und 1960 standen im Zeichen von Unruhen im Land, gegen die er rücksichtslos vorgehen ließ. Eine vierte Amtszeit wurde 1960 durch Studentenproteste verhindert, wonach er mit Hilfe des CIA nach Hawaii ausgeflogen wurde.

Weiterführende Links

  • SEHR ZU EMPEHLENDER Artikel in © DIE ZEIT, 22/2002 „Tötet alle, verbrennt alles!“ – Über das Jeju – Massaker:
    Deutschlands WM-Fußballer werden auf Südkoreas Trauminsel Jeju wohnen. Sie birgt ein schreckliches Geheimnis: Vor fünfzig Jahren ermordeten hier koreanische Truppen unter den Augen der amerikanischen Militärregierung 30 000 Menschen.
    Dieser Artikel sollte allen Menschen um die Ohren geschlagen werden, die (mit entsprechendem Hirnschiss durch Schule und Medien) von einem „demokratischen Südkorea“ vor 1950 reden. Jeju  war eher ein gigantisches My Lay. Es wurde alles geboten, was kranke und verbrecherische Hirne sich nur ausmalen können: Verstümmelungen bei lebendigem Leib, Massenvergewaltigungen, sexuelle Folter, Zwangsprostitution, Zwangsheiraten, Massaker an Kindern, kurzum, alles was man so unter „freiem Westen“ versteht.
  • Hier die Darstellung eines Einzelschicksals eines Überlebenden des Bodo League Massakers. Der Artikel macht auch transparent, was Bodo League eigentlich war: eine Zwangsorganisation zur „Umerziehung“ von linksorientierten Menschen zu Gefolgsleuten der extremen Rechten (den Ex-Kollaborateuren mit dem japanischen Imperium). Diese Massnahmen hatten offenkundig wenig Erfolg. Im Bodo League Massaker wurden daher nicht nur summarisch Zwangsmitglieder von Bodo League umgebracht, sondern alle Menschen, die mit Bodo League Zwangsmitgliedern in irgendeinem Zusammenhang standen.

Nachbemerkung:

Die Quellenlage ist insgesamt sehr schwierig, weil die offiziellen Behörden in Südkorea die Aufdeckung der Massaker im Rahmen des Koreakrieges weitgehend sabotieren und versuchen, als Tabu zu behandeln. Die mutigen südkoreanischen Kräfte, die an der Aufdeckung der schockierenden historischen Ereignisse arbeiten, stellen nur wenig englische Texte zur Verfügung. Ich persönlich kann weder koreanisch noch japanisch – es sind aber offenbar viele Materialien in diesen Sprachen zu der Thematik verfügbar.

Hinzu kommt noch ein sehr heikler Umstand: das Bodo League Massaker etwa wird – so konnte ich feststellen – von nationalistischer japanischer Seite teilweise missbraucht, um die Verbrechen des japanischen Imperialismus 1910-1945 in Korea zu relativieren, etwa in dem Stil „Die Koreaner“ sollen sich nicht so aufregen, „sie“ haben ja „selbst“ Massaker auf dem Gewissen.

Es ist klar, dass nationalistische Sichtweisen zu nichts führen, selbst wenn ich speziell für den koreanischen Nationalismus durchaus Verständnis aufbringen kann (wie für den Nationalismus jeder unterdrückten Nation). Nicht zufällig stellt sich auch die Kim-Regierung Nordkoreas vorzugsweise nationalistisch dar, während die südkoreanische Regierung selbst im eigenen Land bei vielen Menschen als US-Marionette gilt (ganz sicher nicht zu Unrecht).

Ich verweise in diesem Zusammenhang nochmals auf die seltsamen Todesumstände des südkoreanischen EX-Präsidenten Roh Moo-myun und die denkwürdigen Begleiterscheinungen bei dessen Begräbnis (beide Artikel von Radio Utopie). Hier der entsprechende wikipedia – Artikel über ihn (wie üblich sind wikipedia-Texte mit kritischer Vorsicht zu lesen, da grabschen sehr viele Finger rein)

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Written by bronsteyn

2. Juni 2009 um 5:27 pm

Veröffentlicht in Korea, Korea-Krieg

5 Antworten

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  1. […] Wahlen vom 30. Mai 1950, die der südkoreanische Führer Syngman Rhee verloren hat, etwas recherchiert. [Trackback URI]    […]

  2. Prima Recherche. Einen kleinen nebensächlichen Fehler habe ich aber darin gefunden. Die CIA wurde bereits 1947 gegründet. Das Counter Intelligence Corps (CIC) war nicht der Voläufer der CIA, sondern ein parallel zur CIA bestehender Militärgeheimdienst der USA, was heute in etwa der Rolle des DIA entspricht. Siehe:

    http://en.wikipedia.org/wiki/Counter_Intelligence_Corps

    http://en.wikipedia.org/wiki/CIA

    Die streng geheimen Aktivitäten des CIC mal genauer zu betrachten, lohnt durchaus.

    In Deutschland ist das CIC im Rahmen des Skandals um den „technischen Dienst“ des Bundes deutscher Jugend erwähnt worden:

    http://www.mein-parteibuch.com/wiki/Bund_Deutscher_Jugend

    Der deutsche Politiker Franz-Josef Strauß war übrigens Bernt Engelmann zufolge nach Kriegsende Dolmetscher bei einem First Lieutenant des CIC: Ernest Hauser.

    http://www.mein-parteibuch.com/wiki/Franz_Josef_Strau%C3%9F

    Ja, das ist genau der Ernest Hauser, der später zusammen mit Strauß in den Starfighter-Skandal verwickelt war:

    http://wissen.spiegel.de/wissen/dokument/dokument.html?id=41389555

    Beim CIC gibt es sicher noch viel zu entdecken.

    Katzenfreund

    2. Juni 2009 at 10:20 pm

    • Danke für den Hinweis. Kann sein, dass die CIA schon 1947 gegründet wurde. Der CIC ist also nochmal was anderes.
      Der US – Imperialismus verfügt ja über eine ganze Reihe von solchen gesellschaftlich universell schädlichen Diensten. Die CIA ist auf „verdeckte Operationen“ (False-Flag-Aktionen, Morde, diskrete Massenmorde, Drogenschmuggel usw ) spezialisiert, während die NSA, die im Internet sämtliche (oder fast sämtliche) E-Mails mitliest, eher ein klassischer „Nachrichtendienst“ ist.
      Der CIC war mir allerdings bisher noch nicht bekannt. Hochinteressant.

      bronsteyn

      3. Juni 2009 at 11:16 am

  3. […] Süd-Regierung, die aus heutiger Sicht unzweifelhaft auf massivem Wahlbetrug beruhte.  Zu allem Unglück für die USA und das Rhee-Regime kam noch die katastrophale Wahlniederlage vom 30….. Die Mehrheit im südlichen Separatparlament hatten nun Unabhängige, die die schnellstmögliche […]

  4. […] Koreakrieg 1950-53: Krieg als Vehikel zur Wahlfälschung und zum Militärputsch? […]


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