Bronsteyns Agentur für Augenöffnung und kreative Weltveränderung

Volksmedien für Journalismus von unten

„scharf-links“ reichweitenstärkstes linkes Online-Medium

with one comment


Auch für mich waren diese Informationen auf der Webseite von scharf-links zu Silvester überraschend:
http://www.scharf-links.de/61.0.html?&tx_ttnews[tt_news]=20920&tx_ttnews[backPid]=56&cHash=7d86237c92

Nicht nur dass 19,2 Millionen Seitenaufrufe und 2,3 Millionen BesucherInnen für sich sprechen, von Januar (130.000 B.) bis Dezember (260.000 B.) konnte die Reichweite verdoppelt werden. ‚scharf-links’ ist damit weiterhin das reichweitenstärkste, nichtkommerzielle, deutschsprachige, linke Online-Medium.

Während meiner Zeit bei der „Linken Zeitung“ galt „Scharf-Links“ als rivalisierendes Medium, mit der verantwortlichen Herausgeberin von Scharf-Links verband den autokratischen „Chefredakteur“ der LZ eine Art Intim-Feindschaft.
Hervorgegangen war Scharf-Links aus einer Spaltung des sogenannten „Netzwerks Linke Opposition“ und damit der „Linken Zeitung“.
Die genauen Ursachen und der Verlauf dieser Spaltung lässt sich für mich nicht wirklich nachvollziehen.
Wenn jedenfalls der verantwortlichen Redakteurin von Scharf-Links zu Recht Intrigantentum vorgeworfen werden sollte, dann gilt das erst Recht für die Sektierer der „Linken Zeitung“, denn das weiß ich aus eigener Anschauung sehr genau.
Wenn ich irgendwann Zeit dafür erübrigen kann, werde ich den gesamten Vorgang meines Ausschlusses aus der LZ anhand von Mails dokumentieren. Die daran beteiligten Personen haben für mich für alle Zeiten jeden politischen Kredit verloren. Dies betrifft auch und vor allem die Sekte „Arbeitermacht“.
In typisch stalinistischer Anwendung der Technik der „damnatio memoriae“ hat man in der LZ sogar von allen meinen Artikeln, die ich je geschrieben habe, auch noch den Namen entfernt, als ob es sich dabei um „Leistungen“ des cholerischen und intriganten „Chefredakteurs“ oder einer seiner Spezis gehandelt hätte.
In grossen Teilen der Linken ist die Auffassung verbreitet, der politische Wert einer Gruppe oder Organisation würde sich an irgendeiner abstrakten „Richtigkeit“ oder „Falschheit“ von theoretischen Positionen bemessen.
Letztlich ist das ein unmarxistischer Standpunkt.
Denn genau so wenig, wie man ein Individuum danach bemessen sollte, wonach es sich dünkt (klingt wie ein Zitat, nicht wahr?) genau so wenig darf man das bei politischen Organisationen und Gruppen.
Aus Trotzkis Übergangsprogramm der 4. Internationale Losungen zu kopieren und bei jeder Gelegenheit als der Weisheit letzter Schluss zu verkünden, ist kein Garant dafür, dass es sich auch um eine wirkliche revolutionäre und marxistische Organisation handelt.
(Über den Unsinn des selbstgerechten Konzepts einer „5.Internationale“ schweige ich mich mal aus).
Mindestens genau so wichtig wie theoretische Positionen ist nämlich das konkrete Verhalten, die Praxis einer Gruppe oder Organisation.
Verbindet sie sich auf ihr mögliche Art und Weise mit konkreten Klassenkämpfen, praktiziert sie „Danketsu“ oder spielt sie nur den ewigen Besserwisser, wie ein Eunuch, der genau weiß, wie es geht, aber leider leider nicht kann, weil die „Eier“ fehlen (eigentlich ein unbedeutend erscheinender Körperteil, oder?).
Verkörpert sie das historische Ziel der Errichtung einer Räterepublik des Proletariats (der Mehrheit der Bevölkerung), und zwar nicht nur in Worten, sondern auch in Taten, oder handelt es sich nur um eine wortreiche Staffage, die die eigenen intriganten Neigungen und (völlig aussichtslosen) Hoffnungen auf eine Führerschaft über das Proletariat kaschieren?
Ja, denn jede „revolutionäre“ Gruppe oder Organisation muss genau daran gemessen werden.
Selbsternannte Interessensvertreter des Proletariats gibt es wahrlich genug, wenn man von den Selbstbeschreibungen diverser Sekten ausgeht.
Doch genau diese Selbstbeschreibungen sind eine tückische Kategorie, und sie können und dürfen nicht das einzige und schon gar nicht das entscheidende Kriterium für die Einschätzung sein.
Entscheidend ist aus meiner Sicht vielmehr das, was Lenin einmal so formulierte:

Und da taucht vor allem die Frage auf: wodurch wird die Disziplin der revolutionären Partei des Proletariats aufrechterhalten? wodurch wird sie kontrolliert? wodurch gestärkt?
Erstens durch das Klassenbewußtsein der proletarischen Avantgarde und ihre Ergebenheit für die Revolution, durch ihre Ausdauer, ihre Selbstaufopferung, ihren Heroismus.
Zweitens durch ihre Fähigkeit, sich mit den breitesten Massen der Werktätigen, in erster Linie mit den proletarischen, aber auch mit den nichtproletariscben werktätigen Massen zu verbinden, sich ihnen anzunähern, ja, wenn man will, sich bis zu einem gewissen Grade mit ihnen zu verschmelzen.
Drittens durch die Richtigkeit der politischen Führung, die von dieser Avantgarde verwirklicht wird, durch die Richtigkeit ihrer politischen Strategie und Taktik, unter der Bedingung, daß sich die breitesten Massen durch eigene Erfahrung von dieser Richtigkeit überzeugen. Ohne diese Bedingungen kann in einer revolutionären Partei, die wirklich fähig ist, die Partei der fortgeschrittenen Klasse zu sein, deren Aufgabe es ist, die Bourgeoisie zu stürzen und die ganze Gesellschaft umzugestalten, die Disziplin nicht verwirklicht werden.
Ohne diese Bedingungen werden die Versuche, eine Disziplin zu schaffen, unweigerlich zu einer Fiktion, zu einer Phrase, zu einer Farce. Diese Bedingungen können aber anderseits nicht auf einmal entstehen. Sie werden nur durch langes Bemühen, durch harte Erfahrung erarbeitet; ihre Erarbeitung wird erleichtert durch die richtige revolutionäre Theorie, die ihrerseits kein Dogma ist, sondern nur in engem Zusammenhang mit der Praxis einer wirklichen Massenbewegung und einer wirklich revolutionären Bewegung endgültige Gestalt annimmt.

http://www.marxists.org/deutsch/archiv/lenin/1920/linksrad/kap02.html
Jeder Leninist oder Trotzkist hat diese Sätze irgendwann schon einmal gelesen, aber nur Einfaltspinsel können das Primat der revolutionären Praxis in diesen Zeilen überlesen.
Denn
erstens beweist sich Ergebenheit für die Revolution, Ausdauer und Selbstaufopferung letztlich auf praktischem Gebiet; sogar Klassenbewusstsein (Bewusstsein über die Situation und den Entwicklungsstand der Arbeiterklasse und ihre historischen Aufgaben) ist letztlich eine praktische Frage
zweitens kann die Verbindung mit den breitesten (proletarischen und nichtproletarischen) Massen und die Verschmelzung mit ihnen letztlich auch nur eine praktische sein, und nicht eine nur im Kopf vorgestellte
drittens spricht Lenin von einer „verwirklichten“ politischen Führung, die durch die Avantgarde hergestellt wird, und nicht von einer im Kopf vorgestellten oder auf geduldigem Papier propagierten.
Gewiss, kleine Gruppen haben kleine Möglichkeiten, aber die geringen Möglichkeiten können auch nur praktisch, durch Eingreifen in den Klassenkampf (selbst mit äusserst beschränkten Mitteln) genutzt werden, und zwar durch praktische und unmittelbare Solidarität mit den kämpfenden Sektoren der Arbeiterklasse.
Die Genossen der japanischen JRCL (Revolutionär-Kommunistische Liga Japans) fassen das in dem japanischen Wort „Danketsu“ zusammen.

Gemessen an diesen Kriterien hat „Scharf-Links“ durchaus bedeutendes geschaffen, ob die verantwortliche Redakteurin in der Vergangenheit oder auch noch in der Gegenwart falsche Positionen hatte oder nicht, intrigant war oder nicht.
Die Bilanz für die Linke Zeitung dagegen fällt erbärmlich aus. Die erdrückende Mehrzahl der Artikel ist von externen Webseiten übernommen, hauptsächlich von Sekten wie der Arbeitermacht (die wahre Akteurin hinter den Kulissen der LZ) oder wsws.org (die Publikationen dieser in der Praxis ultrasektiererischen Gruppierung haben wenigstens als politische Analysen eine gewisse journalistische Qualität).
Von den tatsächlich noch beteiligten Gruppen oder Pseudo-„Organisationen“ an diesem „strömungsübergreifenden Projekt“ (es handelt sich um genau 3 solcher „Gruppen“) weiß ich aus eigener Anschauung, dass es sich (meiner Meinung nach, versteht sich) um unverbesserliche Sektierer und Intriganten handelt.

Von daher ist die für viele sicherlich überraschende Vorrangstellung von „Scharf-Links“ durchaus erklärbar. „Scharf-Links“ hat sich zu einem attraktiven linken Online-Medium entwickelt, und das bei einer Personaldecke, die sogar formal geringer ist als die der LZ.
Es wird wohl daran liegen, dass „Scharf-Links“ vieles richtig macht, was die Nutzung des Internets zur politischen Agitation und Propaganda angeht.
Den Kampf um Leserschaft und Aufmerksamkeit hat damit eindeutig „Scharf-Links“ gegenüber der „Linken Zeitung“ gewonnen.
8000 Besucher täglich ist in jedem Fall respektabel, und ich weiß sehr wohl, dass dazu einige wichtige Fähigkeiten gehören, zum Beispiel Ausdauer und Regelmässigkeit, Fähigkeit, sich den Massen (Lesern) anzunähern und im gewissen Sinne mit ihnen zu verschmelzen, Plattform zu bieten für dringend notwendige Debatten, lesenswerter Anlaufpunkt zu sein für Menschen, die nicht auf die Einlullungsmaschinerie der konzerngesteuerten Medien angewiesen sein wollen.

Insofern ist der Erfolg von „Scharf-Links“, bei allen möglichen Meinungsverschiedenheiten und Differenzen, durchaus verdient zu nennen.

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Written by bronsteyn

2. Januar 2012 um 5:27 pm

Eine Antwort

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  1. Interessante Hinweise! Ich werde mich damit in Zukunft mehr beschaeftigen! Freue mich auf neue Beitraege!

    Hilmar

    16. Januar 2012 at 12:17 am


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