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Nachbemerkung zur Forderung der Wählbarkeit der Vorgesetzten in einem verstaatlichten Betrieb

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Eine wichtige Erläuterung zu folgendem Aufsatz:

 https://bronsteyn.wordpress.com/2012/03/14/verstaatlichung-unter-arbeiterkontrolle-konkretisieren/

Die kapitalistische Produktionsweise ist dadurch gekennzeichnet, dass die Organisationsform der Betriebes im wesentlichen auf dem Stabliniensystem basiert.

Stabliniensystem:

http://de.wikipedia.org/wiki/Stabliniensystem

Diese Organisationsform wurde aus dem Militärwesen übernommen, wo sie bereits in der Antike auftauchte.

In der kapitalistischen Produktionsweise löste sie die aus dem Feudalismus stammenden patriarchalen Strukturen wie Z.B. die Manufakturorganisation (Meister-Geselle-Lehrling) ab.

Auch der Stalinismus kannte als seine wesentliche Organisationsform die Stablinienorganisation, nicht nur in der Sphäre der Produktion.

Auch die Bolschewistische Partei (KPdSU) wurde im Zuge des Stalinisiserungs- und Bürokratisiserungsprozesses de facto in eine Stablinienorganisation umgewandelt (in den 30er Jahren vollendet).

In jeder Hinsicht ist eine Stablinienorganisation gekennzeichnet durch den „top-down“-Charakter der sozialen Beziehungen, d.h. übergeordnete Stellen in der Hierarchie geben nach unten Weisungen und Anordnungen, denen Folge geleistet werden muss. Nicht umsonst heissen direkte Vorgesetzte in der reinen Linienorganisation auch „Disziplinarvorgesetzte“, d.h. sie haben die Macht, untere Ebenen nach Vorgaben der oberen Ebenen zu „disziplinieren“.

Mit der Forderung der Wählbarkeit der Vorgesetzten (auf allen Hierarchieebenen) kommt nun wesentlich ein „bottom-up“-Aspekt hinzu. Die Vorgesetzten werden nämlich durch die Untergebenen gewählt.

Dadurch bleibt die top-down-Struktur in fachlicher Hinsicht prinzipiell vorhanden, wo sie sinnvoll ist. Die Interessen aber, die in der Hierarchie zum Ausdruck kommen, ändern aber  „ihre Richtung“, es dominieren nämlich tendenziell die Interessen von unten.

Wenn Lenin von der  Abschaffung des „Kommandierens“ spricht und Engels von der Unterscheidúng in Architekt und Karrenschieder (und die Aufhebung dieser Unterscheidung im Sozialismus), da meinen beide das Stabliniensystem.

Dass sie beide diesen Begriff nicht wörtlich verwendeten, liegt an der schlichten Tatsache, dass dieser Begriff (nicht seine konkrete praktische Erscheinung) erst 1916 zu einem Begriff der kapitalistischen Managementlehre wurde.

http://de.wikipedia.org/wiki/Henri_Fayol

Auf der Ebene der Organisation der Produktion ist die Überwindung der Stablinienorganisation eine zentrale Aufgabe des Sozialismus. Aber auch schon im revolutionären Prozess spielt die Auflösung der Stablinienorganisation eine unverzichtbare Rolle, z.B. bei der Wählbarkeit der Vorgesetzten in einem zerfallenden Militärapparat (1917 Russland, 1918 Deutschland).

Der Stalinismus war zu keinem Zeitpunkt in der Lage, die Stablinienorganisation zu überwinden, weil sie auch die eigentliche soziale Struktur der eigenen Existenz (als parasitäre bürokratische Kaste) war. Im Gegenteil zwang der Stalinismus dem Arbeiterstaat Russland ab 1929 die Stablinienorganisation erst so richtig und überaus gewaltsam auf.

Die Wiedereinführung von Stablinienorganisationen in der Roten Armee während des Bürgerkrieges war eine den Umständen und Notwendigkeiten dieses Krieges geschuldete Tatsache.

Die Umwandlung des Rätesystems aber in ein faktisches Stabliniensystem (die Parteibürokratie bestimmt von oben die Zusammensetzung der Räte bei rein formaler „demokratischer Akklamation“ von unten) war der  entscheidende Teilprozess der Degeneration (Degeneration= Abweichen vom ursprünglichen Zweck).

Bürokratisch degenerierte und bürokratisch deformierte Arbeiterstaaten sind also wesentlich durch die Fortdauer von Stabliniensystemen geprägt, einer vom Kapitalismus ererbten Struktur.

Zentrales Anliegen einer politischen Revolution z.B. in Kuba muss entsprechend auch die Auflösung der Stablinienorganisation als Organ der politischen Willensbildung sein.

Ich hoffe, ich muss nicht ausführlich erklären, dass z.B. eine Feuerwehr im Einsatz praktischerweise immer als Stablinienorganisation organisiert sein wird.

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Written by bronsteyn

18. März 2012 um 11:53 am

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