Bronsteyns Agentur für Augenöffnung und kreative Weltveränderung

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Trotzki über Charles Fourier 1923

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Zu den „Marxisten“, die den Marxismus durch Verbannung der „fourieristischen“ Konzepte (vor allem des Konzepts der anziehenden Arbeit) kastrieren und eines seiner wichtigsten Wesenskerne berauben, gehören auch viele, die sich als „Trotzkisten“ bezeichnen.

Doch auf Trotzki selbst können sie sich dabei nicht berufen.

Trotzki: Fragen des Alltagslebens, 1923

Der große französische Utopist Fourier baute seine Phalansteren (Zukunftskommunen) – als Gegengewicht zur christlichen Askese und der Unterdrückung der Natur des Menschen  – auf der richtigen und vernünftigen Ausnützung und Kombination der menschlichen Instikte und Leidenschaften auf. Das ist ein tiefer Gedanke. Der Arbeiterstaat ist weder ein geistlicher Orden noch ein Kloster. Wir nehmen die Menschen so, wie die Natur sie geschaffen und wie sie die alte Gesellschaft zum Teil erzogen, zum Teil verstümmelt hat. Wir suchen nach Stützpunkten in diesem lebendigen Menschenmaterial, um unseren Parteihebel und revolutionär-staatlichen Hebel anzusetzen. Das Bestreben, sich aufzuheitern, sich zu zerstreuen, zuzuschauen und zu lachen, ist das berechtigste Streben der menschlichen Natur. Wir können und müssen diesem Bedürfnis eine Befriedigung von immer höherer künstlerischer Qualität gewähren und zugleich das Vergnügen zum Werkzeug der kollektiven Erziehung, ohne pädagogische Bevormundung, ohne aufdringliches Hinlenken auf die Bahn der Wahrheit machen.

Das Bestreben, sich aufzuheitern und zu lachen bezeichnet Trotzki also als „berechtigstes Streben der menschlichen Natur“ und zieht sogar im dunklen Jahr 1923, als die junge Sowjetrepublik gerade den schweren Bürgerkrieg überlebt hat, ganz unmittelbare praktische Konsequenzen für die revolutionäre Kulturarbeit. Das Vergnügen wird hier zum Werkzeug der kollektiven Erziehung erklärt, und Trotzki bezieht sich vor allem auf das damals noch völlig neuartige Medium des Kinos.

Und das in einer Gesellschaft, die sogar nach Lenins Meinung noch nicht als wahrhaft sozialistische Gesellschaft angesehen werden konnte, weil die Klassen noch nichtaufgehoben waren und „unser gesamter Apparat nichts taugt“.

Die kommunistische (nach-sozialistische) Zukunft aber basiert nach Trotzkis Auffassung  auf der richtigen und vernünftigen Ausnützung und Kombination der menschlichen Instinkte und Leidenschaften.

Sonst würde er das zweifellos nicht als einen „tiefen Gedanken“ Fouriers bezeichnen.

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Written by bronsteyn

9. April 2012 um 3:09 pm

Eine Antwort

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  1. Bronsteyn, du hast in deiner Schlussfolgerung den Staat raus gelassen. Trotzki will mit STAATLICHEN HEBELN Instinkte und Leidenschaften ausnützen. Das ist nicht zum Lachen. Auch ein anderer großer Staatsmann hat viel von Leidenschaft und Instinkt als Werkzeug zur kollektiven Erziehung gehalten.

    Einige Auszüge aus „Mein Kampf“:

    „Das Instinktmäßige zu wecken und aufzupeitschen“

    „… sind Volksbewegungen, sind Vulkanausbrüche menschlicher Leidenschaften und seelischer Empfindungen, aufgerührt .. durch … Brandfackel des unter die Masse geschleuderten Worts.“

    „Es lag zu allen Zeiten weniger in einer die Massen beherrschenden Erkenntnis als an einem als sie beseelenden Fanatismus und manchmal an einer sie vorwärtsjagenden Hysterie.“

    „In einer Volksversammlung spricht nicht der Redner am besten, der der anwesenden Intelligenz am nächsten steht, sondern derjenige, der das Herz der Massen erobert.“

    „Die Masse ist wie ein Tier, das instinktiven Gefühlen gehorcht.“ usw.

    Um eines klar zu stellen, ich setze den Revolutionär Trotzki nicht auf eine Stufe mit dem Rassisten Hitler.
    Ich möchte lediglich auf die Möglichkeit der Anwendung solcher Gedanken auf alle staatlichen Repressionsapparate, und gerade diese, hinweisen.

    En passant Bronsteyn, ich finde den Werbeclip mit der Mädchenunterhose ziemlich frauenfeindlich. Ich habe den Eindruck, euer Verein besteht aus lauter alten, geilen Böcken, die den Mädels mit leidenschaftlicher Gier unter die Röcke schauen. Falls du es mal mit einer anderen Richtung versuchen willst, ich kann die aus meinem Bestand ein paar gebrauchte Unterhosen schicken ( Größe 54, mit Bremsspuren), dazu, für die musikalischeUntermalung, den fetzigen Schlager von Hennes Dünnbier „Die Unnerbuzz, die Unnerbuzz“ .

    Meilleures Salutations

    Kim B.

    P.S: Würde mich sehr geehrt fühlen, auch diesen Kommentar auf der Startseite deiner Webseite wiederzufinden.

    Kim B.

    10. April 2012 at 12:19 pm


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