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Thesen zum System überlappender Gruppen nach Rensis Likert

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Das Konzept des Systems überlappender Gruppen wurde von Rensis Likert als Alternative zu den auf Kommandostrukturen basierenden traditionellen Stab-Linien-Systemen entwickelt.

Es weist weit über die Intentionen des Entwicklers hinaus, im Spätkapitalismus die Beschäftigten (die Arbeiter und Angestellten) ins Management partizipativ zu integrieren.

Geringfügig erweitert durch die Wählbarkeit der Vorgesetzten in diesem System stellt es das Grundmuster der Betriebsorganisation im Sozialismus dar.

Das System der überlappenden Gruppen ist insofern allen bisherigen Systemen überlegen, da es diese (hierarchischen Systeme) unter anderem auch als Subsysteme darzustellen vermag. Es ist insofern ein Meta-System.

Das System überlappender Gruppen eignet sich aber auch zur Konstruktion und Darstellung hochkompexer Organisationen auf nichthierarischer, herrschaftsfreier Basis.

Der Sozialismus kann auf dieser Grundlage folgendermassen beschrieben werden:

Es handelt sich um ein Gesellschaftssystem, in dem die Schlüssel-Industrien in Gemeineigentum überführt sind. Der sozialistische Übergangsstaat (der Arbeiterstaat) definiert die Rahmenrichtlinien der wirtschaftlichen Aktivität dieser vergesellschafteten Unternehmen, die im Grunde Dienstleister im Dienst der gesamten Gesellschaft sind. Die Vorgesetzten in diesen Unternehmen werden von den Beschäftigten gewählt; in likertschen Kategorien ausgedrückt: das Team bestimmt über seine Linking Pins zu anderen Teams.

Im Kommunismus wird es, wenn der sozialistische Arbeiterstaat abgestorben ist, keine Rätedemokratie mehr geben (Auch die Herrschaft der Mehrheit über die Minderheit ist Herrschaft, wie Engels schon feststellte). Aber es wird weltumspannende Systeme mit einander kooperierender überlappender Gruppen geben, die von hoher Komplexität sein werden und im weitesten Sinne Serien im Sinne Charles Fouriers darstellen werden.

Das von Rensis Likert entwickelte Konzept der Linking-Pin-Gruppen weist insofern weit in die Zukunft.

Das System der überlappender Gruppen muss daher von revolutionären Linken erfasst, angeeignet und kreativ aufgegriffen werden.

nähere Erläuterungen zum Likertschen System:

https://bronsteyn.wordpress.com/2012/04/22/basis-konzepte-fur-eine-sozialistische-wirtschaft-im-21-jahrhundert/

Merkmale des Likertschen System der überlappenden Gruppen (Linking Pin Model):

– Basisstruktur ist die Gruppe, das Team (nicht wie im traditionellen Stab-Linien-System, die Stelle)

– die Überlappung ist ein wesentliches Merkmal und bedeutet, dass ein Mitglied einer Gruppe auch Mitglied einer anderen Gruppe, sogar mehreren, sein kann

– Die Überlappung stellt eine Schnittstelle zwischen zwei Gruppen dar. Sie kann hierarchischen Charakter haben, muss es aber nicht.

– Das System kann sowohl hierarchische als auch nicht-hierarchische (vernetzte) Strukturen darstellen.

– Jede nur mögliche Form der Entscheidungsfindung ist in diesem System denkbar.

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Written by bronsteyn

25. April 2012 um 12:40 pm

5 Antworten

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  1. Ich würde gerne einige Begriffsinhalte aus Ihrer Definition näher erläutert wissen: Schlüsselindustrie, Gemeineigentum, Rahmenrichtlinien, Vergesellschaftung. Konkreter: Wer hat die Verfügungsmacht über die Produktionsmittel & das Produktionsziel? Also: Wer bestimmt was, wie, wo, wann produziert wird? Ist in den „Rahmenrichtlinien“ das Wertgesetz mit eingeschlossen? Die Wählbarkeit von Vorgesetzten ist nichts sozialismusspezifisches, weil es auch im Kapitalismus ohne Wesensänderung möglich wäre.

    Momentan sehe ich daher bei Ihrer Definition nur folgendes, wobei alles in Anführungszeichen zu vage ist:
    Sozialismus = System, in dem die „Schlüssel-„Industrien „Gemeineigentum“ sind und der Staat ökonomische „Rahmenrichtlinien“ „definiert“.

    Eine weitere entscheidende Frage: Was ist das Bewegungsgesetz des Sozialismus? Was treibt ihn an (Triebkraft jeder Entwicklung ist der Widerspruch)? Konkret: Welche (dialekt.-)materielle Basis motiviert die Unternehmen im Sozialismus innovativ zu sein?

    Jan L

    26. April 2012 at 9:09 pm

    • – Wer hat die Verfügungsmacht über die Produktionsmittel & das Produktionsziel?
      Die Beschäftigen, das geht aus der Wählbarkeit der Vorgesetzten hervor.

      – Wer bestimmt was, wie, wo, wann produziert wird?
      Die vergesellschafteten Betiebe sind Dienstleister der Gesellschaft. Die Räteregierung legt die Rahmenrichtlinien fest, die konkrete Ausführung entscheiden die Beschäftigten.

      – Ist in den “Rahmenrichtlinien” das Wertgesetz mit eingeschlossen?
      Mit Verlaub, eine blödsinnige Frage. Natürlich nicht.
      http://de.wikipedia.org/wiki/Wertgesetz
      Das Wertgesetz ist kein juristisches Gesetz, sondern eine „Gesetzmässigkeit“.
      Dem Wertgesetz muss sicher bis zu seiner endgültigen Aufhebung noch Rechnung getragen werden.

      – Die Wählbarkeit von Vorgesetzten ist nichts sozialismusspezifisches, weil es auch im Kapitalismus ohne Wesensänderung möglich wäre.
      Das ist falsch.

      – Was ist das Bewegungsgesetz des Sozialismus?
      Bedarfsdeckung und Befriedigungder Bedürfnisse der Gesellschaftsmitglieder.

      – Was treibt ihn an (Triebkraft jeder Entwicklung ist der Widerspruch)?
      Wie in allen anderen Gesellschaftsepochen auch: das Streben der Menschen nach Verbesserung und Optimierung ihrer Lebensbedingungen.

      – Konkret: Welche (dialekt.-)materielle Basis motiviert die Unternehmen im Sozialismus innovativ zu sein?
      * Das Bestreben, die notwendige Arbeit und Arbeitszeit weiter zu reduzieren
      * Die menschliche Leidenschaft der Problemlösung
      * Die schrittweise Einführung der anziehenden Arbeit

      bronsteyn

      28. April 2012 at 8:19 pm

      • Naja, das politisch-ideologische Ablehnen des Wertgesetztes hätte auch eine „Rahmenrichtlinie“ sein können. Ich weiß ja nicht, was Sie unter „Rahmenrichtlinie“ verstehen. Der Begriffsinhalt und -umfang ist, wie gesagt, nicht eindeutig. Und es tut mir Leid, aber Ihre weiteren Antworten verwundern mich. Als dialektischer Materialist geht man doch von der Materie als das Primäre und dem Bewusstsein als das „Sekundäre“, das wiederum die Materie beeinflusst aus? Ihre Antworten sind im wesentlichen ideeller Natur: „Streben nach Verbesserung“, „Bestreben“, „Leidenschaft“, „anziehend“. Es bleibt also immer noch ein Geheimnis, welches materielle „Ding“ dieses „Streben“, diese „Leidenschaft“ usw. auslöst.

        Und ist es nicht nach dem Prinzip Basis-Überbau nicht wichtiger erstmal die ökonomischen Elemente des Sozialismus herauszufinden, die eben Innovation ermöglichen sollen und den Sozialismus entwicklungsfähig machen statt sich vor allem mit Überbau-Problem wie der Organisationslehre zu beschäftigen? Natürlich ist letzteres auch eine notwendige Bedingung für das Funktionieren des Sozialismus.

        Beschäftigte ist auch so ein schöner Begriff, aber was heißt das nun genau? Sollen in Ihrer Sozialismus-Vorstellung alle über alles Verfügungsmacht besitzen und dann wird demokratisch gewählt? Was ist mit mathematischer Optimierung und Produktionsprogrammplanung in einer höheren Managment-Ebene? Wer entwickelt die strategische Ausrichtung oder bestimmt wie die Investitionsplanung aussieht? Ganz so einfach ist es nicht.

        Jan L

        30. April 2012 at 3:37 pm

      • Es tut mir leid, aber Sie haben die Grundlagen des historischen Materialismus in gravierender Weise falsch verstanden, was in den ersten beiden Absätzen Ihres Beitrages zu erkennen ist.
        Es ist ein leider weit verbreitetes Mißverständnis, etwa Basis mit Sein und Überbau mit Bewusstsein gleichzusetzen.
        Das ist völlig falsch.
        Die Basis bedingt den Überbau und das Sein bestimmt das Bewusstsein. Auch der materielle und organisatorische Überbau einer Gesellschaft ist z.B. Sein.
        Engels dazu:

        „Nach materialistischer Anschauung ist das in letzter Instanz bestimmende Moment in der Geschichte die Produktion und die Reproduktion des menschlichen Lebens. Mehr haben weder Marx noch ich je behauptet. Wenn nun jemand das dahin verdreht, das ökonomische Moment sei das einzig Bestimmende, so verwandelt er jenen Satz in eine nichtssagende, abstrakte absurde Phrase. Die ökonomische Lage ist die Basis, aber die verschiedenen Momente des Überbaus – politische Formen des Klassenkampfes und seine Resultate -, Verfassungen, nach gewonnener Schlacht durch die siegende Klasse festgestellt usw., Rechtsformen und nun gar die Reflexe aller dieser wirklichen Kämpfe im Gehirn der Beteiligten, politischen, juristische und philosophische Theorien, religiöse Anschauungen und deren Weiterentwicklung zum Dogmensystem, Üben auch ihre Einwirkung auf den Verlauf der geschichtlichen Kämpfe aus und bestimmen in vielen Fällen vorwiegend deren Form. Es ist eine Wechselwirkung aller dieser Momente, worin schließlich durch all die unendliche Menge von Zufälligkeiten (d.h. von Dingen und Ereignissen, deren innerer Zusammenhang untereinander so entfernt oder so unerreichbar ist, daß wir ihn als nicht vorhanden betrachten und vernachlässigen können) als notwendig sich die ökonomische Bewegung durchsetzt. Sonst wäre die Anwendung der Theorie auf eine beliebige Geschichtsperiode ja leichter als die Lösung einer einfachen Gleichung ersten Grades.“ (Friedrich Engels, Briefen J. Bloch vom 21.9.1890, in Marx/Engels, Ausgewählte Werke in 2 Bänden, Bd. II, S. 458/9).

        Bitte nehmen Sie den von mir hervorgehobenen Satz von Engels bitte ernst. Genau diesen Grundfehler machen Sie, genau darauf basiert ihr Mißverständnis.

        Sie schreiben:

        Und ist es nicht nach dem Prinzip Basis-Überbau nicht wichtiger erstmal die ökonomischen Elemente des Sozialismus herauszufinden, die eben Innovation ermöglichen sollen und den Sozialismus entwicklungsfähig machen statt sich vor allem mit Überbau-Problem wie der Organisationslehre zu beschäftigen? Natürlich ist letzteres auch eine notwendige Bedingung für das Funktionieren des Sozialismus.

        Ich bitte mich nicht misszuverstehen, ich meine es freundlich aber auch sehr ernst: Sie haben Grundlagen des Marxismus leider nicht verstanden.
        Die Organisation der Produktion ist eine Angelegenheit der Basis und nicht des Überbaus. Muss ich das wirklich erklären?
        Und in der wirtschaftlichen Organisationslehre geht es um nichts anderes.
        Was Sie als „Überbau-Problem“ bezeichnen und in Ihrem völlig falschen Verständnis des Marxismus von daher abwerten, ist ein Kernpunkt der ökonomischen Basis.
        Sicher, Organisationslehre (der Produktion) an sich ist eine Sache des Bewusstseins, aber das Objekt derselben ist eben der Kernpunkt der ökonomischen Basis. Aber mit einer solchen Argumentation könnten Sie auch das Gesamtwerk „Das Kapital“ von Karl Marx, das sich mit der Basis des Kapitalismus, mit der kapitalistischen Produktionsweise beschäftigt, zu einem „Überbau-Phänomen“ deklarieren, weil es sich eben „nur“ um Theorie und mithin „nur“ um Bewusstsein, dem eines Karl Marx, handelt.

        Merken Sie nicht selbst, wie absurd das ist?
        Es ist kein Makel, den Marxismus so misszuverstehen, zumal die stalinistische Ideologie die Grundlagen des Marxismus genau so entstellt hat, aber bitte nehmen Sie meinen Hinweis ernst, dass Ihre Marxismus – Auffassung genau jene ist, die Engels als eine nichtssagende, abstrakte absurde Phrase bezeichnet und über die ein Karl Marx schon sagte: „Wenn das Marxismus sein soll, dann bin ich kein Marxist“.
        Ich will wirklich nicht polemisch sein, sondern mein Anliegen an Sie ist ernst: Sie haben da etwas grundlegend falsch verstanden.

        Und was die Leidenschaften angeht, so schreibt Engels dazu:

        Die Menschen machen ihre Geschichte, wie diese auch immer ausfalle, indem jeder seine eigenen, bewußt gewollten Zwecke verfolgt, und die Resultante dieser vielen in verschiedenen Richtungen agierenden Willen und ihrer mannigfachen Einwirkung auf die Außenwelt ist eben die Geschichte. Es kommt also auch darauf an, was die vielen einzelnen wollen. Der Wille wird bestimmt durch Leidenschaft oder Überlegung. Aber die Hebel, die wieder die Leidenschaft oder die Überlegung unmittelbar bestimmen, sind sehr verschiedener Art. Teils können es äußere Gegenstände sein, teils ideelle Beweggründe, Ehrgeiz, ‚Begeisterung für Wahrheit und Recht1, persönlicher Haß oder auch rein individuelle Schrullen aller Art. Aber einerseits haben wir gesehen, daß die in der Geschichte tätigen Einzelwillen meist ganz andere als die gewollten – oft geradezu die entgegengesetzten – Resultate hervorbringen, ihre Beweggründe also ebenfalls für das Gesamtergebnis nur von untergeordneter Bedeutung sind.

        bronsteyn

        1. Mai 2012 at 5:05 am

  2. „Die Basis bedingt den Überbau und das Sein bestimmt das Bewusstsein. Auch der materielle und organisatorische Überbau einer Gesellschaft ist z.B. Sein.“
    Um zu gewährleisten, dass wir über dieselben Begriffsinhalte denken, würde ich Sie bitten eine eindeutige Definition darüber, was Basis, Sein und Materie ist, zu geben.

    Interessant ist auch, dass Sie garnicht auf die eigentlich Kritik der unklaren Begriffsverwendung in ihrer Sozialismusdefinition eingehen. Warum?

    Jan L

    1. Mai 2012 at 2:18 pm


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