Bronsteyns Agentur für Augenöffnung und kreative Weltveränderung

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Archive for Mai 2012

Vorhuterei – Aufruf zur Überwindung des Trottel-Trotzkismus

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In den 70er Jahren entwickelte sich in der GIM der Kampf zweier Linien.

Auf welche „Avantgarde“, auf welche „Vorhut“ sollte man sich orientieren?

Eine Mehrheitstendenz propagierte die „Verschmelzung mit der neuen Massenavantgarde“.

Was war unter dieser „neuen Massenavantgarde“ zu verstehen? Im wesentlichen der aus der Studentenrevolte hervorgegangene Wust von linken Organisationen, damals K-Gruppen genannt und vorwiegend mao-stalinistischer Organisationen (KBW, KB, diverse KPDs und KPD-MLs).

Dieser Kurs wurde später mit der Fusion mit der KPD/ML (Roter Morgen) zur „Vereinigten Sozialistischen Partei“ zur praktischen Vollendung gebracht. Er war in der Gesamtbilanz im wesentlichen durch Erfolglosigkeit gekennzeichnet.

Aus diesem Flügel der alten GIM ging letztlich die heutige isl hervor. Diese hat heute eine andere „Avantgarde“, eine andere „Vorhut“ im Visier, mit der sie sich gerne verschmelzen möchte. Es handelt sich um den Parteiapparat der Linkspartei.

Ein weiteres Debakel dieser Art, Politik zu machen, wird bei den Landtagswahlen in NRW bevorstehen. Denn die „Verschmelzung“ mit der „Vorhut“ eines reformistischen Parteiapparates ist dort vollendet und perfekt.

http://de.wikipedia.org/wiki/Wolfgang_Zimmermann_(Die_Linke)

Eine andere Tendenz in der alten GIM war die „Kompass-Tendenz“. Diese propagierte in Opposition zum Mehrheitskurs die Verschmelzung mit der „neuen Arbeitervorhut“.

Was war unter dieser „neuen Arbeitervorhut“ zu verstehen? Es war die Annahme (aufgrund einiger konkreter Streikbewegungen), dass eine neue militante Führungsschicht unter den ungelernten Arbeitern in Großbetrieben entstanden wäre. Analog zur Orientierung auf die neuen Massenavantgarde (im wesentlichen die mao-stalinistischen K-Gruppen) sollte die Verschmelzung mit dieser im wesentlichen zurecht phantasierten Vorhut die Aufgabe des Parteiaufbaus lösen.

Die aus der „Kompass-Tendenz“ hervorgegangene „Proletarische Fraktion“ ging in allen Ortsgruppen, wo sie Einfluss hatte, mit grosser Konsequenz an die Aufgabe heran, indem sämtliche Ansätze von Vorfeldstrukturen der GIM (damals vor allem im Schüler- und Studentenbereich) vollständig liquidiert wurden. Studenten, auch wenn sie aus Arbeiterfamilien kamen, wurden als Kleinbürger angesehen. Eine Praxis der „Umsetzungen“ (Studenten gaben ihr Studium auf und „proletarisierten“ sich) vollendete die Selbstliquidation der eigenen Organisation.

Diese Ausrichtung, die die verhängnisvolle Vorhuterei der Mehrheitstendenz wie ein Schatten begleitete, war von völliger Erfolgslosigkeit gezeichnet.

In gewissem Sinn stellt der RSB heute die Fortsetzung dieser Richtung dar.

Die Selbstliquidation der alten GIM war ein gemeinsames (und durchaus erfolgreiches) Werk beider scheinbar gegensätzlichen Tendenzen. Von der einstmals an die 600 Mitglieder starken GIM sind heute isl und RSB übrig geblieben (Immerhin: es gibt noch Überbleibsel, das ist positiv).

Beide stehen vor den Trümmern einer 40jährigen völlig verfehlten Politik.

(Im wesentlichen sind das die gleichen Leute wie 1975, nur sind die Reihen erheblich gelichtet und wo man damals nur unter jungen Leuten war, so heute nur unter „alten Deppen“ – ich zähle mich selbst dazu).

Was aber war der Fehler?

Im Unterschied zu vielen anderen trotzkistischen Kritikern meine ich, dass der zentrale politische Fehler beider Tendenzen nicht in erster Linie in „falschen Positionen“ und Einschätzungen begründet liegt, sondern in der Methode.

Ich will sie „Vorhuterei“ nennen.

Das Konzept ist nämlich jedes Mal gewesen, eine zu gewinnende „Vorhut“ zu identifizieren und zu glauben, durch Verschmelzung mit dieser jeweiligen „Vorhut“ erledige sich der konkrete Parteiaufbau. Diese „Verschmelzung“ beinhaltet gewöhnlich aber praktisch bisher meistens politische Selbstaufgabe.

Wie ist es möglich, dass eine historisch und programmatisch eigentlich erledigte politische Strömung wie die DKP, die vor der deutschen Vereinigung in Berlin noch gar nicht existierte, heute mit ca 150 Mitgliedern in Berlin die stärkste Strömung darstellt?

Ist es denn etwa notwendig, eine falsche politische Linie zu haben, um personell zu wachsen und sich zu verankern?

Ich richte meine Frage an die hier lesenden Mitglieder von isl und RSB.

Haben die deutschen Trotzkisten einfach rundum praktisch versagt?

150 organisierte Trotzkisten in Berlin wären heute sicher ein qualitativer Sprung in der Geschichte des Trotzkismus.

Warum dominieren heute links von der Linkspartei immer noch klaustrophobische stalinistische Sekten, deren Anziehungskraft auf die Mehrheit des Proletariats der eines Klärbeckens entspricht?

Liegt es an irgendeiner falschen abstrakten politischen Linie oder liegt es an grundlegenden Fehlern in der Arbeitsmethode?

Gewiss, es gibt eine Menge trotzkistischer Kleingruppen, die „den Pablismus“ des Vereinigten Sekretariats der 4. Internationale für dieses abgrundtiefe Versagen der deutschen Trotzkisten verantworlich macht.

Aber auch diese darf ich fragen; wie steht es denn mit euch selbst?

Der Aufstieg der SAV beispielsweise von einer ursprünglich klitzekleinen Gruppe um eine Zeitung „Voran“ zeigt, dass es offensichtlich auch möglich ist, mit falschen politischen Linien das praktisch richtige zu tun, nämlich neue Aktivisten zu gewinnen und in eine politische Praxis einzubinden. Und die Linie der SAV, durch Entrismus in die Linkspartei den Apparat und die passiven Mitglieder dieser Partei nach links „zu drücken“ ist offenkundig ebenso falsch wie die Linie der Verschmelzung mit dem Apparat, wie es die isl praktiziert.

Trotzdem machte aber die SAV trotz einer falschen politischen Linie einiges doch „richtiger“ als die anderen, denn sie darf als die stärkste trotzkistische Gruppierung derzeit gelten.

Gewiss: auch diese Strömung hat es geschafft, ihren einstmals durchaus hohen politischen Kredit aus WASG-/BASG-Zeiten zu verspielen (Hintergrund war anscheinend, dass ein Beschluss der internationalen Leitung der CWI die SAV zwang, sich mit einem Großteil des kritischen WASG-Potentials zu überwerfen und in die Linkspartei zu entrieren).

Damit wären wir bei den zahlreichen trotzkistischen Kleingruppen, die wortreich sowohl die isl, als auch den RSB, als auch die SAV mit „richtigen politischen Linien“ kritisieren.

Diese Gruppen möchte ich gern unter dem Begriff „Eunuchen-Trotzkismus“ subsummieren.

Was ist ein Eunuche?

Ein Eunuche weiß genau, wie es richtig geht, ist aber selbst völlig unfähig, es auch zu tun.

(Hintergrund: Eunuchen im alten China und im Orient hatten ursprünglich die zentrale Aufgabe, den asiatischen Despoten in Sachen sexueller Befriedigung der umfangeichen Harems zu beraten und entsprechende Vergnügungen desselben zu organisieren)

Wer es selbst nicht kann, kann aber immerhin anderen vorhalten, es nicht zu tun. Das ist durchaus schlau und nützlich. Da die eigene Praxisunfähigkeit dadurch bestens kaschiert wird und zudem die kritischen Kritiker sich in dem Licht sonnen können, es immer besser zu wissen als alle anderen, hat man sich dadurch auch eine lauschige Nische im Sumpf der „linken Szene“ gesichert.

Zwar können nur Trottel ernsthaft annehmen, man könne die eigene Mitgliederzahl vor allem und im wesentlichen dadurch erhöhen, indem man in allen nur denkbaren Varianten die anderen Gruppen der Fehler bezichtigt, die man selbst unfähig ist, auch nur ansatzweise zu machen, aber um die Lösung der Führungskrise des Proletariats geht es dabei auch gar nicht so sehr.

Eine Gruppe braucht eine Gruppenidentität, und in Ermangelung eigener programmatischer und strategischer Klarheit ist die Kritik der kritischen Kritik immer die naheliegende Wahl.

Da man selbst diese Fehler gar nicht machen kann, kommt man auch gar nicht erst in die Versuchung, sie auch selber zu machen. Wer etwas tut, macht Fehler. Wer nichts tut, macht aber keine Fehler. Wer aber nichts anderes tut, als anderen Fehler vorzuhalten, braucht auch nichts weiter zu tun, um sich gefahrlos wichtig zu machen.

Ein typischer Vertreter solcherart Typs von Eunuchen-Trotzkismus ist sicherlich die Spartacist-Arbeiterpartei, die selbst dann wohl verhasst wären, wenn ihre Losungen „Nachts ist der Himmel dunkel“ oder „Wasser fliesst gemäß der Schwerkraft von bergauf nach bergab“ lauten würden. Aber es sind nicht die allseits isolierten Sparts allein, so gut wie jede andere kleinere trotzkistische Gruppe ist da mehr oder weniger hinzuzuzählen, auch diejenigen, die meinen, mit einer tollen „Mutterorganisation“ irgendwo im Ausland würde sich das Problem der Praxis vor Ort von selber lösen.

Worin aber liegt der Kardinalfehler?

Er liegt darin, dass es gar keine wirkliche revolutionäre Praxis gibt.

Die Praxis einer revolutionären Organisation ist die Mobilisierung und Organisierung des Proletariats entlang seiner sozialen Interessen bis zur Machtergreifung.

Praxis besteht insofern in 1.) Aufklärung 2.) Organisierung und 3.) Mobilisierung.

Die Praxis von revolutionären Kommunisten muss in dieser Hinsicht im Grunde in der ständigen Kommunikation mit Menschen bestehen, die es noch nicht sind.

Dies würde eigentlich bedeuten, sich mit Fragen wie dem Aufbau von Vorfeldstrukturen, der Organisierung von Basisinitiativen am Arbeitsplatz oder am Wohnort beschäftigen zu müssen.

Aber seltsamerweise geschieht das nicht, auch nicht in NAO-Prozess.

Warum nicht?

Wenn es eine Einheit der subjektiven Revolutionäre herbeizuführen gilt, dann muss das vor allem in der Praxis sein. In Rahmen einer gemeinsamen Praxis, einer wirklichen Praxis, können erst Differenzen in den Positionen geduldig geklärt werden.

Die Frage aber, ob diversen „richtigen“ trotzkistischen Positionen gegenständliche Wahrheit zukomme – ist keine Frage der Theorie, sondern eine praktische Frage. In der Praxis muß die Trotzkistin, der Trotzkist die Wahrheit, i.e. Wirklichkeit und Macht, Diesseitigkeit seines/ihres Denkens beweisen. Der Streit über die Richtigkeit oder Nichtrichtigkeit von Losungen und Forderungen  – der von der Praxis isoliert ist – ist eine rein scholastische Frage.

(Irgendwo habe ich das so ähnlich schon einmal gelesen? Nur wo?)

Alles gesellschaftliche Leben ist wesentlich praktisch.

Alle Mysterien, welche den Trotzkismus zum Mystizismus veranlassen, finden ihre rationelle Lösung in der menschlichen Praxis und in dem Begreifen dieser Praxis.

In diesem Sinne rufe ich Trottel-Trotzkisten (die sich mit Vorhuten fangen und mit ihr verschmelzen beschäftigen) und Eunuchen-Trotzkisten (die alles besser wissen, aber nichts können) auf, über diese Thesen nachzudenken und mit mir in den Austausch zu treten.

Ja: auch ich zähle mich sowohl zu den Trottel-Trotzkisten als auch den Eunuchen-Trotzkisten und suche nach jenen, die den bestehenden Zustand überwinden und an den konkreten Parteiaufbau gehen wollen.

Wer sich ob positiv oder negativ von diesem Text angesprochen fühlt, den bitte ich, sich mit mir in Verbindung zu setzen, um uns dazu auszutauschen.

Bronsteyn[at]gmx.de

Nachtrag:

Ich blicke persönlich auch auf eine lange Kette von vielen Misserfolgen und wenigen Erfolgen zurück. Die geäusserte Kritik habe ich insofern auch an mir selbst geübt.

Wenn ich aber zusammenzufassen versuche, worin das „Geheimnis“ meiner wenigen Erfolge lag, dann war es folgendes:

Leitfaden zur Gewinnung von Aktivisten

  • Unbedingte Vermeidung des Eindrucks seminarmarxistischen Besserwisser-Tums
  • Erstens: Würdigung des Gesprächspartners
  • Zweitens: Konkretes Angebot einer konkreten gemeinsamen Praxis (welche auch immer)
  • Drittens: (und erst hier) im Rahmen der Zusammenarbeit geduldige Diskussion der bestehenden Differenzen
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Written by bronsteyn

10. Mai 2012 at 12:01 pm

Die Wärmestrom-Seite Lenins

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Im NAO-Blog hat Systemcrash eine Debatte um den Begriff „Wärmestrom“ angestossen.

http://www.nao-prozess.de/blog/projekt-warmestrom-zur-kritik-der-waffen-der-kritik/

Kältestrom und Wärmestrom sind gesellschaftsanalytische Begriffe in „Das Prinzip Hoffnung“ von Ernst Bloch:

  • mit Kältestrom ist die nüchterne exakte Gesellschaftsanalyse als Kritik der politischen Ökonomie gemeint;
  • mit dem Wärmestrom eine Gesellschaftsanalyse, die von den Erwartungen (Hoffnungen) der Menschen ausgeht.

Stellt die Berücksichtigung der Wärmestrom-Seite revolutionärer Politik nun gar eine Revision etwa der „Leninistischen Parteikonzeption“ dar?

Zunächst einmal möchte ich die These aufstellen, dass ein Großteil dessen, was seit Jahrzehnten als „leninistische Parteikonzeption“ verkauft wird, Teil der „Bolschewismus-Legende“ ist, die ab 1921 von G. Sinowjew entwickelt wurde, von Stalinismus begeistert aufgenommen und zu einem absurden Konstrukt ausgebaut wurde und in seiner Starrheit dafür veranwortlich ist, dass revolutionäre Kerne, die sich dieser mythischen Abstraktion verschrieben, politisch erfolglos blieben.

Aber daran ist aus meiner Sicht Lenin weitgehend unschuldig.

Wenn es eine wirklich prägnante Zusammenfassung von Lenins grundsätzlichem Verständnis einer revolutionären Arbeiterpartei gibt, dann findet sie sich in seiner Schrift „Der linke Radikalismus – die Kinderkrankheit des Kommunismus“, im 2. Kapitel.

http://www.marxists.org/deutsch/archiv/lenin/1920/linksrad/kap02.html

Der zentrale Absatz dieses Kapitels ist derjenige, in dem Lenin folgende Frage aufwirft:

Sollte man nicht lieber die der Sowjetmacht und den Bolschewiki gezollten Beifallskundgebungen häufiger mit einer sehr ernsten Analyse der Ursachen verknüpfen, die bewirkten, daß die Bolschewiki die für das revolutionäre Proletariat notwendige Disziplin schaffen konnten?

Und da taucht vor allem die Frage auf: wodurch wird die Disziplin der revolutionären Partei des Proletariats aufrechterhalten? wodurch wird sie kontrolliert? wodurch gestärkt?

Vulgär“leninistische“ Plattköpfe würden an dieser Stelle ihren Vorstellungen entsprechend natürlich jetzt Ausführungen Lenins über „demokratischen Zentralismus“ und „Kader“-Bildung erwarten.

Doch dieser Text ist von Lenin selbst und nicht von irgendeinem Epigonen, der von der Sinowjewschen Bolschewismus-Legende befangen ist.

Lenin war nämlich ein Genie.

Zwar kannte er die Unterscheidung der Ebene Kältestrom – Wärmestrom (Bloch) in der Form noch nicht, aber er hatte stets beide Ebenen in Blick, wobei, wie ich zeigen werden, die Ebene des Wärmestroms ihm die entscheidende und wichtige in der praktischen Politik war.

Lenins Antwort auf die selbst gestellte Frage zu Disziplin lautete:

Erstens durch das Klassenbewußtsein der proletarischen Avantgarde und ihre Ergebenheit für die Revolution, durch ihre Ausdauer, ihre Selbstaufopferung, ihren Heroismus.

Zweitens durch ihre Fähigkeit, sich mit den breitesten Massen der Werktätigen, in erster Linie mit den proletarischen, aber auch mit den nichtproletariscben werktätigen Massen zu verbinden, sich ihnen anzunähern, ja, wenn man will, sich bis zu einem gewissen Grade mit ihnen zu verschmelzen.

Drittens durch die Richtigkeit der politischen Führung, die von dieser Avantgarde verwirklicht wird, durch die Richtigkeit ihrer politischen Strategie und Taktik, unter der Bedingung, daß sich die breitesten Massen durch eigene Erfahrung von dieser Richtigkeit überzeugen.

Ich möchte an allen drei Punkten herausarbeiten, worin die Wärmestrom-Seite an Lenins wirklicher Parteikonzeption bestand.

Erstens durch das Klassenbewußtsein der proletarischen Avantgarde und ihre Ergebenheit für die Revolution, durch ihre Ausdauer, ihre Selbstaufopferung, ihren Heroismus.

Klassenbewusstsein der proletarischen Avantgarde kann man durchaus als Kältestrom – Aspekt auffassen. Aber alle anderen von Lenin genannten Punkte sind Wärmestrom-Aspekte: Ergebenheit für die Revolution, Ausdauer, Selbstaufopferung, Heroismus. Ist es ein Zufall, dass es sich im wesentlichen um emotionale Faktoren handelt? Keineswegs.

Es sind auch keine Faktoren, die sich künstlich schaffen liessen, sondern ihre Basis in den Leidenschaften und Überzeugungen der Akteure besitzen müssen.

Ein Mensch, der nicht durchdrungen ist von der realen und konkreten Utopie der Schaffung einer vergesellschafteten, menschenwürdigen Gesellschaft, kann weder Ergebenheit, Ausdauer noch Heroismus aufbringen. Ein treffender zusammenfassender Ausdruck wäre auch Begeisterung.

Vulgärleninisten reduzieren diesen Satz gern auf „Klassenbewusstsein“ und verballhornen diesen Begriff zusätzlich noch dadurch, dass sie ihn auf abstrakte Kritik der Lohnarbeit und des Wertgesetzes reduzieren. Damit ist aber Lenins Satz weitgehend inhaltlich entkernt.

Die Kritik des Kapitalismus kann nur Kopf der Leidenschaften sein, und darf nicht blosse Leidenschaft des Kopfes sein, denn solches ist nicht anziehend.

Die von Lenin benannten Wärmestrom-Aspekte sind allerdings aus nach aussen anziehend, überzeugend, wenn sie von wirklicher Begeisterung getragen werden.

Dass sich unter diesen Voraussetzungen Disziplin ganz anders darstellt als ein Postulat, eine Forderung, versteht sich von selbst.

Zweitens durch ihre Fähigkeit, sich mit den breitesten Massen der Werktätigen, in erster Linie mit den proletarischen, aber auch mit den nichtproletarischen werktätigen Massen zu verbinden, sich ihnen anzunähern, ja, wenn man will, sich bis zu einem gewissen Grade mit ihnen zu verschmelzen.

Auch dieser Satz wird immer wieder zitiert und selten in seiner ganzen Wahrheit verstanden. Nämlich auch hier gibt es einen deutlichen und klaren Wärmestrom-Aspekt.

Die Fähigkeit der Annäherung an die werktätigen Massen, der Verschmelzung bis zu einem gewissen Grade mit ihnen, setzt eine Qualität voraus, die man als Einfühlungsvermögen beschreiben kann und die nach heutigem Stand der Wissenschaft der sogenannten emotionalen Intelligenz zuzuordnen ist. Ohne dieses Einfühlungsvermögen in das subjektive Bewusstsein derjenigen Sektoren der Massen, mit denen man es zu tun hat, ist diese „Annäherung“ im besten Falle eine oberflächliche Maskerade, die schnell durchschaut wird.

Drittens durch die Richtigkeit der politischen Führung, die von dieser Avantgarde verwirklicht wird, durch die Richtigkeit ihrer politischen Strategie und Taktik, unter der Bedingung, daß sich die breitesten Massen durch eigene Erfahrung von dieser Richtigkeit überzeugen.

Auch dieser Satz wird oft zitiert und meistens in seiner vollen Tragweite nicht wirklich verstanden. Alle möglichen speziell trotzkistischen Sekten reduzieren und entkernen diesen Satz zu etwas, was ich Eunuchen-Trotzkismus nennen möchte. Ein Eunuche weiß genau, wie es richtig geht, ist aber für immer unfähig, es selbst zu tun. Aus diesem falschen Verständnis heraus rührt das verbreitete Besserwissertum vieler Sekten, wenn sie glauben, durch Kritikastertum irgendwen davon zu überzeugen, dass sie die „richtige politische Führung“ wären.

Das war aber nicht das, was Lenin hier zum Ausdruck bringen wollte. Lenin war kein Trottel, sondern ein Genie. Was er hier sagt, ist unmittelbar praktisch zu verstehen, denn er spricht von einer „verwirklichten“ politischen Führung, und keiner im Kopf eingebildeten.

Kein Eunuchen-Trotzkismus kann sich hier auf ihn stützen.

Er spricht von der Richtigkeit einer „verwirklichten“ politischen Führung, von deren Richtigkeit sich die Massen „durch eigene Erfahrung“ überzeugen. Und hier ist auch ganz offensichtlich auch eine wirkliche „eigene Erfahrung“ zu verstehen, und keine, die sich Sektenmitglieder in ihren eigenen Köpfen vorstellen.

Und was den Wärmestrom-Aspekt angeht: wovon Lenin hier spricht ist der Aufbau von Vertrauen.

Aufbau von Vertrauen ist etwas, das auch entscheidend mit der Ebene der Gefühle und Emotionen zu tun hat.

Aufbau von Vertrauen – das ist Lichtjahre entfernt von der Neigung vieler Sekten zu Intrigen und Manövern, eine geradezu grassierende Pest in vielen Gruppen subjektiver Revolutionäre. Wo Vertrauen nicht in der praktischen Zusammenarbeit untereinander aufgebaut werden kann, da kann es auch nicht „mit den Massen“ aufgebaut werden.

Ich darf also zusammenfassen, worin aus meiner Sicht auf der Wärmestrom-Ebene die wirkliche Leninsche Parteikonzeption besteht:

Erstens in der Formierung von Kernen begeisterter, überzeugter Kommunisten im ursprünglichen Sinn.

Zweitens in der Entwicklung von praktischem Einfühlungsvermögen dieser Kerne in die Sektoren der Massen, in die sie praktisch und solidarisch einwirken.

Drittens in der Fähigkeit, Vertrauen zwischen sich selbst und diesen Sektoren aufzubauen, wodurch sich erst auch das eigene personelle Wachstum ergeben kann.

Unter diesen Voraussetzungen ist das Thema der Disziplin (Verbindlichkeit) eines, das sich von selbst löst.

Lenin schließt seine Ausführungen zu dieser Frage ab mit den Worten:

Ohne diese Bedingungen kann in einer revolutionären Partei, die wirklich fähig ist, die Partei der fortgeschrittenen Klasse zu sein, deren Aufgabe es ist, die Bourgeoisie zu stürzen und die ganze Gesellschaft umzugestalten, die Disziplin nicht verwirklicht werden. Ohne diese Bedingungen werden die Versuche, eine Disziplin zu schaffen, unweigerlich zu einer Fiktion, zu einer Phrase, zu einer Farce. Diese Bedingungen können aber anderseits nicht auf einmal entstehen. Sie werden nur durch langes Bemühen, durch harte Erfahrung erarbeitet; ihre Erarbeitung wird erleichtert durch die richtige revolutionäre Theorie, die ihrerseits kein Dogma ist, sondern nur in engem Zusammenhang mit der Praxis einer wirklichen Massenbewegung und einer wirklich revolutionären Bewegung endgültige Gestalt annimmt.

Wenn ich hier die Wärmestrom-Seite Lenins hervorgehoben habe, dann nicht deswegen, weil ich die „kalte“ rationale Kältestrom-Seite deswegen unter den Tisch kehren wollte.

Aber die aus meiner Sicht groteske Überausrichtung vieler Strömungen auf die blosse Kritik des Kapitalismus ohne die bewusste Schaffung einer revolutionären Hoffnung, die an den Erwartungen der Menschen anknüpft, ist aus meiner Sicht eine Hauptursache für die gesellschaftliche Isolation der revolutionären Linken.

Die Zersplitterung in dutzende, ja hunderte von Kleinstgruppen ist ein Ausdruck davon.

Das muss überwunden werden.

Written by bronsteyn

7. Mai 2012 at 1:28 am

Projekt “Wärmestrom” – Zur Kritik der Waffen der Kritik

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Von systemcrash

http://systemcrash.wordpress.com/2012/05/04/projekt-warmestrom-zur-kritik-der-waffen-der-kritik/

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[MATERIALIEN ZUR METHODISCHEN NEUBEWAFFNUNG DER REVOLUTIONÄREN LINKEN]

Vorbemerkung

der gen. Bronsteyn von der MI und ich sind uns einig, dass die radikale linke neben der nüchternen analyse der gesellschaftlichen verhältnisse eine zukunftsweisende utopie braucht, die die ebene der gefühle, hoffnungen und träume “breiter Massen” anspricht. wir haben uns für die darstellung dieser “zweiten ebene” drei themenkomplexe herausgesucht, die wir als zentral für dieses vorhaben ansehen.

(1) das konzept der attraktiven arbeit bei Fourier. da gibt es von bronsteyn bereits sehr entwickelte vorarbeiten(vergl. https://bronsteyn.wordpress.com/2012/04/03/%E2%80%9Etravail-attractif-anziehende-arbeit/)

(2) die begriffe “kältestrom/wärmestrom” in der philosophie von Ernst Bloch. die will bronsteyn für die (organisations)debatte der radikalen linken fruchtbar machen (noch in planung, vergl. dazu: http://systemcrash.wordpress.com/2012/04/30/analyse-und-hoffnung/)

(3) der versuch, psychoanalyse und marxismus miteinander zu verbinden in der arbeit von Wilhelm Reich. zu dem punkt möchte ich einige beiträge leisten. (siehe auch: http://systemcrash.wordpress.com/2011/12/06/wilhelm-reich-was-ist-klassenbewusstsein/)

im moment befinden wir uns noch — mit der löblichen ausnahme von punkt (1) — in der phase der materialsammlung. ich veröffentliche den text trotzdem, damit mögliche anregungen, einwände und kritikpunkte mit in die ausarbeitung ggfls. einfliessen können.

[ad (3)]

DIE VERBINDUNG VON PSYCHOANALYSE UND MARXISMUS IN DER ARBEIT VON WILHELM REICH UND IHRE IMPLIKATIONEN FÜR DIE ORGANISATIONSDEBATTE DER RADIKALEN LINKEN

A. Thesen für eine erweiterte politische Methodik (“Dialektischer Materialismus und Psychoanalyse”)

der name von Wilhelm Reich steht für den versuch, marxismus und psychoanalyse miteinander zu verbinden. es gibt zwar auch andere autoren und denkschulen, die ähnliches versucht haben, aber Reich war wohl der einzige, der BEIDE bereiche auch kompetent handhaben konnte. natürlich gibt es von beiden seiten erhebliche politische und weltanschauliche bedenken. schon Reich musste sich damit auseinandersetzen und er zitierte den marxistischen historiker (und china kenner)

Wittfogel:

“einzelne marxistische kritiker – die ‘bilderstürmer’ – machen es sich bei der beurteilung der heute bestehenden wissenschaft sehr leicht. sie murmeln mit einer zusammenfassenden geste: ‘bürgerliche wissenschaft!’, und damit ist für sie die ganze wissenschaft abgetan, das problem erledigt. (…) der dialektiker weiss, dass eine kultur nicht einheitlich ist, wie ein scheffel erbsen, sondern dass jede gesellschaftsordnung ihre widersprüche hat und dass in ihrem schoße die ausgangspunkte neuer gesellschaftsepochen keimhaft vorbereitet sind. für den dialektiker ist also keineswegs schon alles, was im bürgerlichen zeitalter von bürgerlichen händen geschaffen wurde, minderen wertes und für die zukunftsgesellschaft unverwendbar.” (Wittfogel, zit nach Reich, Dialektischer Materialismus und Psychoanalyse)

worum es also geht, ist den wissenschaftlichen gehalt der psychoanalyse für den marxismus fruchtbar zu machen, und nicht das “bürgerliche” weltbild oder andere philosophischen überzeugungen einzelner analytiker zum ausgangspunkt der kritik zu machen (was übrigens selbst eine ‘idealistische’ herangehensweise wäre). überhaupt scheint es über den angeblichen gegensatz von materialismus und idealismus in der linken zu viele anhänger des vugärmaterialismus zu geben.

hierzu marx in den ökonomisch-philosophischen manuskripten:

” Man sieht, wie Subjektivismus und Objektivismus, Spiritualismus und Materialismus, Tätigkeit und Leiden erst im gesellschaftlichen Zustand ihren Gegensatz und damit ihr Dasein als solche Gegensätze verlieren; (man sieht, wie die Lösung der theoretischen Gegensätze selbst nur auf eine praktische Art, nur durch die praktische Energie des Menschen möglich ist und ihre Lösung daher keineswegs nur eine Aufgabe der Erkenntnis, sondern eine wirkliche Lebensaufgabe ist, welche die Philosophie nicht lösen konnte, eben weil sie dieselbe als nur theoretische Aufgabe faßte.”

nach marx ist also der “gegensatz von materialismus und spiritualismus” kein theoretischer (oder erkenntnismässiger) sondern abhängig vom gesellschaftlichen zustand und seine überwindung eine “wirkliche lebnsaufgabe” und keine philosophische oder weltanschauliche. jeder anhänger einer nondualen weisheitslehre (z b ZEN) würde marx hier absolut zustimmen.

auch friedrich engels hat sich schon über die vulgärmaterialistische verballhornung der marxschen lehre aufgeregt:

“Nach materialistischer Anschauung ist das in letzter Instanz bestimmende Moment in der Geschichte die Produktion und die Reproduktion des menschlichen Lebens. Mehr haben weder Marx noch ich je behauptet. Wenn nun jemand das dahin verdreht, das ökonomische Moment sei das einzig Bestimmende, so verwandelt er jenen Satz in eine nichtssagende, abstrakte absurde Phrase. Die ökonomische Lage ist die Basis, aber die verschiedenen Momente des Überbaus – politische Formen des Klassenkampfes und seine Resultate -, Verfassungen, nach gewonnener Schlacht durch die siegende Klasse festgestellt usw., Rechtsformen und nun gar die Reflexe aller dieser wirklichen Kämpfe im Gehirn der Beteiligten, politischen, juristische und philosophische Theorien, religiöse Anschauungen und deren Weiterentwicklung zum Dogmensystem, üben auch ihre Einwirkung auf den Verlauf der geschichtlichen Kämpfe aus und bestimmen in vielen Fällen vorwiegend deren Form. Es ist eine Wechselwirkung aller dieser Momente, worin schließlich durch all die unendliche Menge von Zufälligkeiten (d.h. von Dingen und Ereignissen, deren innerer Zusammenhang untereinander so entfernt oder so unerreichbar ist, daß wir ihn als nicht vorhanden betrachten und vernachlässigen können) als notwendig sich die ökonomische Bewegung durchsetzt. Sonst wäre die Anwendung der Theorie auf eine beliebige Geschichtsperiode ja leichter als die Lösung einer einfachen Gleichung ersten Grades.”

man sieht, das sein bestimmt zwar das bewusstsein, aber das bewusstsein wirkt eben auch wieder auf das sein zurück. das ganze wird noch dadurch komplizierter, dass die gesellschaftliche lage nicht automatisch ein entsprechendes bewusstsein erzeugt. sondern beides kann schroff auseinderfallen; und dies ist sogar der normalfall. wenn es anders wäre, würde es in der geschichte nur so wimmeln von revolutionen. dem ist aber nicht so, und die ursache dafür ist genau dieses auseinanderfallen von gesellschaftlichem sein und bewusstsein.

genau an dieser stelle kommt die psychanalyse ins spiel. ist ist nämlich ein scharnier zwischen den endpunkten “ökonomische struktur der gesellschaft” und “ideologischer überbau”, dadurch dass sie das seelenleben des VERGESELLSCHAFTETEN menschen untersucht. marx kannte noch keine psychologie, aber er wusste sehr wohl, das geschichtliche abläufe sowohl von äusseren als auch INNEREN faktoren abhängig sind:

“Der Hauptmangel alles bisherigen Materialismus (den Feuerbachschen mit eingerechnet) ist, daß der Gegenstand, die Wirklichkeit, Sinnlichkeit, nur unter der Form des Objekts oder der Anschauung gefaßt wird; nicht aber als sinnlich menschliche Tätigkeit, Praxis; nicht subjektiv. Daher die tätige Seite abstrakt im Gegensatz zu dem Materialismus vom dem Idealismus – der natürlich die wirkliche, sinnliche Tätigkeit als solche nicht kennt – entwickelt. Feuerbach will sinnliche – von den Gedankenobjekten wirklich unterschiedne Objekte: aber er faßt die menschliche Tätigkeit selbst nicht als gegenständlicheTätigkeit.”

“Die materialistische Lehre von der Veränderung der Umstände und der Erziehung vergißt, daß die Umstände von den Menschen verändert und der Erzieher selbst erzogen werden muß. Sie muß daher die Gesellschaft in zwei Teile – von denen der eine über ihr erhaben ist – sondieren.

Das Zusammenfallen des Ändern[s] der Umstände und der menschlichen Tätigkeit oder Selbstveränderung kann nur als revolutionäre Praxis gefaßt und rationell verstanden werden.” (thesen über feuerbach)

man sieht, bei marx gibt es keinen “weltanschaulichen” gegensatz von materiellen bedingungen und bewusstseinsstrukturen, sondern er synthetisiert diesen dualismus im begriff der “revolutionären praxis” (hebt ihn im hegelschen sinne auf), die sowohl die umstände als auch den menschen mit diesen umständen durch ihre und in ihrer selbstaktivität verändert. beides sind also sich gegenseitig bedingende und wechselwirkende prozesse, wo es keinen “primat” gibt (wie beim dilemma von henne und ei), sondern beides ist eben EINS (natürlich ist dies der idealfall. unter konkreten historischen bedingungen klafft immer eine lücke zwischen theorie und praxis, die aber annäherungsweise immer mehr geschlossen wird)

um diese lücke zu schliessen, benötigt die radikale linke sowohl die analyse der ökonomischen struktur als auch die psycho analyse des seelenlebens des vergesellschafteten menschen, um theorie und praxis auf EINEN begriff zu bringen: revolutionäre (theoretische) praxis !

B. Kritik am “Fetisch Politik” (“Was ist Klassenbewusstsein?“)

Reich kritisierte die falsche politik der KPD angesichts des heraufziehenden hitlerismus und zeigte auf, das sie es nicht verstand zu verstehen, “was in den Massen vorgeht”. sie blieb quasi auf der ebene des “kältestroms” und konnte dadurch den bereits latenten sympathien für den nazismus nichts adäquates entgegensetzen (ich sehe hier durchaus schnittpunkte zwischen Reich und trotzkis schriften über deutschland). so wie es Ernst Bloch sinngemäss zusammenfasste: die linken sagten die wahrheit, aber die nazis erreichten die herzen der menschen (quelle ?)

im grunde haben wir es beim “fetisch politik” mit einem ganz simplem phänomen zu tun, was symbolhaft im märchen “des kaisers neue kleider” schon ausgedrückt wurde. man lässt sich beindrucken von den “hohen” formen der politik, diplomatie, unverständliche sprache, symbolen der nationalen “Macht und Würde” etc und wendet sich entweder ab oder macht diesen mummenschanz mit. beim ersten fall befindet man sich im widerspruch, das man leuten, die man für halunken hält, die politischen geschäfte überlässt, die einen auch durchaus selbst betreffen. im zweiten fall macht man sich zum bestandteil des systems und kann keine revolutionäre alternative mehr “denken” (es handelt sich in der tat um ein “denktabu” ab einem bestimmten grad politischer degeneration). dass ein kind sagte “der kaiser ist ja nackt!” ist das symbol dafür, dass wir relativ von diesen kulturellen vordeformierungen (anpassungsdruck, gehorsamkeitskult) unbeleckt sein müssen, um den baum vor lauter wald noch sehen zu können und einfache wahrheiten auch einfach und klar aussprechen zu können. “LAND BROT FRIEDEN!” der bolschewiki konnte selbst wahrscheinlich ein analaphetischer bauer verstehen, die diplomatischen noten der berufspolitiker sollen bewusst nicht von den breiten Massen verstanden werden. demagogie und bewusst verschleiernde sprache sind immer ein zeichen dafür, dass eigene interessen im spiel sind. die wahrheit der revolutionäre braucht keine demagogie, sie ist einfach und klar und appeliert bewusst an das kritische selbstvermögen breitester “volksmassen”, um diese im eigenen, wohlverstandenen interesse zur “selbstermächtigung” zu mobilisieren.

Written by bronsteyn

4. Mai 2012 at 11:08 am

Solidarität mit der griechischen Arbeiterklasse

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Written by bronsteyn

2. Mai 2012 at 2:07 pm

Veröffentlicht in Griechenland