Bronsteyns Agentur für Augenöffnung und kreative Weltveränderung

Volksmedien für Journalismus von unten

Archive for August 2012

Der (De)konstruktivistische Angriff auf die Wirklichkeit (und den Marxismus)

with one comment


Übernommen von:
http://systemcrash.wordpress.com/2012/08/23/der-dekonstruktivistische-angriff-auf-die-wirklichkeit-und-den-marxismus/

Ein Beitrag zum “Philosophen-Streit” [1] im NAO Prozess

beim von mir so genannten”philosophen-streit” geht es leider nicht nur um die frage der bestimmung DES revolutionären subjekts oder revolutionärer subjektE (das verhältnis der klassenorientierung zu “frauenfrage” und “rassismus”). es ist alles noch viel schlimmer: es geht um die frage: was ist WIRKLICHKEIT, wie erkennen wir sie, und wie verändern wir sie, und was können wir verändern? also mit anderen worten: das, was in der philosophie als “erkenntnistheorie” bezeichnet wird. ein thema, was dazu führen kann, dass die gehirnwindungen nach der beschäftigung damit wie korkenzieher aussehen könnten!

ich tue es nicht gerne, und bin dafür auch gar nicht qualifiziert, aber da auch im NAO prozess der (de)konstruktivistische angriff auf die wirklichkeit (und den marxismus) stattfindet, muss ich mich in diese philosophischen höhen (oder besser:abgründe) begeben. ich kann mich natürlich nur ausschnittsweise mit dem thema beschäftigen. ich hoffe aber, dass diese ausschnitte genügen, um halbwegs deutlich zu machen, um was es hier geht, und was dabei auf dem spiel steht.

Die (narzisstisch-postmoderne) Verleugnung der Biosphäre am Beispiel des Begriffes “Geschlecht”

da die sog. “frauenfrage” der auslöser war, die die bedeutung dieser fundamentalen fragen für die politische programmdebatte [2] hergebracht hat, werde ich versuchen, am beispiel einiger feministischer “theoriebildungen” die problemstellung deutlich zu machen.

eine grundannahme des dekonstruktivistischen diskurses ist es, dass sprache “wirklichkeit” hevorbringt. die sog “sprechhandlung” sei — so der postmoderne terminus — “performativ”. das heisst, der akt des sprechens selbst sei konstitutiv für die uns betreffende realität. die “schwachen” konstruktivisten würden dies wahrscheinlich auf soziale faktoren beschränken, für die “starken” ist wahrscheinlich selbst der dickdarm eine “kulturell präfomierte entität” .

da der “starke konstruktivismus” sich selbst logisch aus den angeln hebt, da er behauptet, alles sei konstriert, gibt es natürlich keinen grund, warum nicht auch der “starke konstruktivismus” selbst konstruiert sein sollte; d h, er hat kein “fundament”, an dem man seinen geltungsanspruch heften könnte. damit können wir ihn ohne gewissensbisse theoretisch abhaken.

beim schwachen konstruktivismus sieht die sache etwas anders aus. wenn wir uns jetzt dem thema “geschlecht” zuwenden, werden wahrscheinlich viele wissen, dass man im anglo-amerikanischen sprachbereich die unterscheidung von sex und gender hat. diese unterscheidung kennt die deutsche sprache nicht. im prinzip sind diese begriffe daher gar nicht übersetzbar (als analoges beispiel: bei den eskimos gibt es hunderte verschiedene begriffe für “schnee”, die wir mitteleuropäer, die kaum mehr winter kennen, niemals kapieren würden). sie werden daher umschrieben mit folgender bedeutung:

– der begriff sex bezeichnet im wesentlichen das, was wir als “biologisches geschlecht” benennen würden

– der begriff gender bezieht sich auf den einfluss der kultur bei der entwicklung geschlechtlicher identitäten

da der mensch aber immer ein “natur-kultur-verschränktes” wesen ist, ist diese unterscheidung aber eigentlich schon ein ausdruck dafür, dass das verhältnis von individuellem sein und gesellschaftlichen verhältnissen dissoziiert ist. trotzdem mögen sie uns als analytische kategorien helfen zu verstehen, was mit dem (de)konstruktivistischen angriff auf die wirklichkeit gemeint ist.

so heisst es in einem wikipedia-artikel zu Judith Butler (eine führende feministische theoretikerin):

“Butler verwendet den Begriff der Performativität in Anlehnung an John L. Austin, der diejenigen Akte als performative Sprechakte bezeichnet, die das, was sie benennen, in Kraft setzen. Worte als performative Akte besitzen nicht nur die Macht, etwas zu beschreiben, sondern besitzen handlungsartige Qualität, indem sie das, was sie bezeichnen, auch vollziehen. Worte bzw. Sprache nehmen hier also den Charakter einer sozialen Tatsache an, wie z. B. die Aussage Es ist ein Junge, der einem bezeichneten Körper einer Kategorie wie etwa Geschlecht zuordnet. “ http://de.wikipedia.org/wiki/Judith_Butler

wenn man mal davon absieht, dass das bewusstseinsniveau dieser gedankengänge auf der stufe der “magie” steht, ist etwas anderes viel frappierender. es wird nämlich die biologische realität der zweigeschlechtlichkeit GELEUGNET. (dass es auch geschlechtliche zwischenformen gibt, ist unbestritten. diese sind aber die ausnahme von der regel)

die biologische funktion der zweigeschlechtlichkeit ist natürlich die fortpflanzung (arterhaltung). damit ist aber in keinster weise eine (soziale) herrschaftshierachie [5] begründet, sondern eine geschlechtsspezifische arbeitsteilung, die unter den entsprechenden gesellschaftlichen bedingungen zum vorteil BEIDER geschlechter gereichen könnte.

der feministische versuch, “männer” und “frauen” rein ” sozial” zu definieren, soll dem vorhaben dienen, die patriarchalen strukturen aufzubrechen. dies kann aber niemals über “sprechhandlungen” vollzogen werden. denn gesellschaftliche verhältnisse sind eine “materielle realität”, die eben auch ein entsprechendes bewusstsein erfordern, um sie zu erkennnen und zu verändern. wir können auch nicht in unser heiss ersehntes urlaubsparadies fliegen, wenn wir unser auto in “flugzeug” umbenennen.

natürlich ist das geschlecht nicht nur eine “soziale kategorie”, sondern eine fundamentale biologische konstante unseres seins und unserer geschlechtsidentität, die man nicht wechseln kann wie seine unterhose.

die (dekonstruktivistischen) feministen begehen den (psychologisch gesehen: den narzisstischen) fehler, zu glauben, man könne die beherrschung des weiblichen geschlechts damit abschaffen, dass man die geschlechter SELBER ABSCHAFFT. das wäre so, als wenn ein flugzeugkonstrukteur, statt an der günstigsten aerodynamik zu arbeiten, versuchen würde, die SCHWERKRAFT abzuschaffen.

natürlich befördern die sozial-kulturellen verhältnisse das asymmetrische geschlechterverhältnis. dies ist aber nicht dadurch zu beseitigen, dass man zu einem salzstreuer “salzstreuerin” sagt, sondern dass eine soziale (politische) bewegung alle formen und verhältnisse gesellschaftlicher herrschaft und unterdrückung aufhebt. denn diese sind selbst materielle realitäten.

dies kann — laut der marxistischen theorie der klassen [3]– nur die klasse der lohnabhängigen (proletariat); da diese durch ihre stellung im gesellschaftlichen produktionsprozess über einen strategischen hebel verfügt (potentiell). nun gibt es natürlich auch in der arbeiterInnenklasse männlichen chauvinismus und rassismus. dieser muss daher politisch bekämpft werden, um eine revolutionäre klasseneinheit herstellen zu können. der hebel der gesellschaftlichen transformation ist aber der klassenkampf der lohnabhängigen. die kämpfe gegen sexismus und rassismus sind dem gegenüber diesem klassenkampf ZUGEORDNET [nicht untergeordnet] (wenn sie eine wirkliche perspektive haben wollen, da es innerhalb der bürgerlichen gesellschaft dafür keine lösung gibt). es handelt sich daher nicht um drei gleichrangige kampffelder. dies ist der wesentliche kerndissens in der debatte um das revolutionäre subjekt.

nun könnte man natürlich sagen, dass die frauen auch über einen strategischen hebel verfügen. schliesslisch sind sie es, die die “bevölkerungstechnische” reproduktion der gesellschaft ermöglichen. weniger geschwurbelt ausgedrückt: sie kriegen die kinder!

aber wie realistisch ist ein kollektiver gebärstreik?

der antike schriftsteller Aristophanes hat ein theaterstück geschrieben, wo unter der führung von Lysistrata die frauen eine kollektive sexverweigerung durchführten, und damit den krieg der männer tatsächlich beendeten. wenn die heutigen feministInnen dieses kunststück in die (politische) tat umsetzen würden, würde ich sofort meine marxistische überzeugung an den nagel hängen!

Jenseits des Geschlechterk(r)ampfes

die “Moderne” hat die grosse leistung vollbracht, die traditionelle trennung der weiblichen und männlichen sphären (produktion gegen reproduktion) immer stärker zurückzudrängen. immer mehr frauen stehen “ihre frau” im berufsleben. sie drängen vehement und mit grosser kompetenz in die kultur, in die politik und in die wirtschaft. noch haben sie nicht die “hälfte des himmels” erobert. aber die erreichten bastionen weiblicher partizipation können nicht mehr zurückgedreht werden. der versuch, nach den frauenbewegten 70er jahren einen kulturellen roll back durchzuführen, um die frauen wieder an heim und herd zurückzubringen (kinder, küche, kirche oder koitus) muss als gescheitert angesehen werden. zwar haben es frauen immer noch schwerer, beruf und familie unter einen hut zu bringen (stichwort: doppelbelastung, die aber vermutlich mehrfachbelastung ist) und noch sind frauenlöhne statistisch immer noch signifikant geringer als männerlöhne, aber ihre gesellschaftliche teilhabe, die immer mehr in richtung volle gleichstellung drängt, ist eine realität, die niemand mehr verleugnen kann.

schon deshalb ist das feministische gerede, dass männer schon immer “schweine und unterdrücker” waren nicht nur eine leere und hohle phrase, es ist in wirklichkeit eine beleidung des weiblichen geschlechts selber.

“das macht nämlich den umkehrschluss unumgänglich, dass frauen von anfang an eine herde schafe waren. (…) denn wenn man ernsthaft behauptet, dass frauen 5000 jahre (…) lang unterdrückt gewesen sind, kommt man kaum an dem schluss vorbei, dass sie nicht nur schwächer, sondern offenbar auch dümmer als die männer gewesen sind.” [4]

in wirklichkeit ist aber so, dass männer und frauen immer schon aufeinander angewiesen waren und die für ihre lebensumstände günstigsten “arrangements” eingegangen sind. die entwicklung des gesellschaftlichen fortschritts durch industrie und informationstechnologie hat die bedingungen geschaffen, die entartung der geschlechtsspezifischen arbeitsteilung in eine “herrschafthierachie” [5] zu überwinden und auf eine höhere entwicklungsstufe zu führen.

“wenn wir biologisch differenzierte geschlechterrollen als etwas sehen, das frauen und männern auferlegt wurde, dann können männer in der tat nur von grund auf miese typen sein, und den frauen fiele die rolle des ewigen dummerchens zu. rollendifferenzierungen kann aber unmöglich einfach das resultat von herrschaftausübung sein, denn damit würden wir eine seite als die der opfer definieren, und eben die, welche befreit werden sollen, wären damit unwiderruflich als ohnmächtig abgestempelt.

ist aber das handeln von männern und frauen weitgehend durch gewisse biologische vorgaben bedingt, die ihre frühere bedeutung zum teil verloren haben, dann haben BEIDE SEITEN [herv von mir] gleichermassen befreiung nötig. das patriarchat gehört offenbar nicht zu den dingen, die man mit etwas gutem willen hätte vermeiden können, denn wo auch immer die evolution über die HACKE [herv von mir] hinausging, entstanden alsbald patriarchale verhältnisse. WÄRE es zu vermeiden gewesen, dann müsste man wohl sagen, dass männer miese typen und frauen dummerchen sind.

nein, das patriarchat ist nicht einfach ein zu korrigierender irrtum, sondern etwas, worüber wir hinauswachsen müssen: nur so kommen wir davon los, männer als schuldige und frauen als schafe zu sehen [herv von mir].” [4]

und daher kann auch die “feministische bewegung” ihre ziele nur dann verwirklichen, wenn sie sich mit dem (potentiellen) emanzipationskampf der arbeiterInnenklasse solidarisch verbindet. und es ist die bringschuld der linken und arbeiterbewegung, den männlichen chauvinismus, macker- und machoverhalten und rassistische denkststereotypen in ihren eigenen reihen erbarmungslos politsch zu bekämpfen!

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[1] http://www.nao-prozess.de/blog/philosophenstreit-im-nao-prozess/

[2] vergleich: http://www.nao-prozess.de/blog/e-4-parteilichkeit-antagonistische-orientierung-vormals-klassenorientierung/ und von mir: http://www.nao-prozess.de/blog/ueberlegungen-zum-revolutionaeren-subjekt/ und: http://www.nao-prozess.de/blog/nao-essential-debatte-revolutionaeres-subjekt-und-frauenfrage/

[3] dieser begriff klingt etwas zu “akademisch”. genaugenommen gibt es nur verstreute hinweise im werk von marx, die aber für eine “klassentheorie” ausreichen mögen

[4] Ken Wilber, EROS KOSMOS LOGOS, S. 208

[5] der begriff stammt von Riane Eisler und Wilber zitiert sie in EROS KOSMOS LOGOS

Written by bronsteyn

23. August 2012 at 3:18 pm

Griechische Lehren

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Übernahme von:
http://systemcrash.wordpress.com/2012/08/18/griechische-lehren/
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Bericht von der Griechenland Veranstaltung mit Andreas Kloke in Berlin am 17. August 2012

gestern kamen etwa 80 bis 90 leute zur veranstaltung des “Griechenland-Solidaritätskomitee” zur aktuellen politischen und sozialen lage dort. für eine linke veranstaltung an einem freitäglichen lauschig-warmen sommerabend recht gut besucht. später dünnte sich diese zahl aber merklich aus, da die diskussion doch etwas aus dem ruder lief und das anwesende meinungsspektrum doch etwas ZU GROSS war für eine wirklich zielführende diskussion. aber der reihe nach ….

das referat des gen. Kloke war so weit politisch ok. leider war der vortrag etwas “trocken”, was die aufmerksamkeit der zuhörer nicht gerade beförderte. Kloke vertrat ja seinerzeit vor den wahlen eine sehr linke linie gegenüber SYRIZA, was ja sogar zu einem konflikt mit dem mutterverband (die mandelianische “4.” internationale [ehemals VS]) geführt hatte [1]. allerdings ist es sehr schwer von deutschland aus, TAKTISCHE FRAGEN der griechischen linken zu beantworten, da dafür einfach die kenntnis der konkreten situation vor ort erforderlich ist. dies wurde auch vom diskussionsleiter, dem gen. Micha Prütz, mit sehr deutlichen worten hervorgehoben, die an die anwesenden mitglieder von (selbsternannten) “revolutionären avantgarden” gerichtet waren. anstatt solche taktischen fragen zu diskutieren, wäre es wichtiger für die deutsche linke praktische solidarität zu üben und den klassenkampf im “eigenen land” – nach der unsterblichen parole karl liebknechts: “der hauptfeind steht im eigenen land!” – zu befördern.

gerade die deutsche linke und arbeiterbewegung hat eine besondere verantwortung gegenüber dem griechischen “Massenwiderstand”, da insbesondere die deutsche imperialistische ökonomie und politik federführend bei der umsetzung der austeritätspolitik ist (und damit direkt verantwortlich für “Massenverelendung” in griechenland) und zweitens das deutsche kapital (NOCH) von der kapitalistischen krise profitiert; und damit auch die deutsche arbeiterklasse offensichtlich politisch ruhigstellen kann. der kampf gegen nationalistische standortpolitik der reformistischen apparate (sowohl in deutschland als auch in griechenland) ist eine der wesentlichen aufgaben der revolutionären linken, was auch im schlusswort des gen. Kloke hervorgehoben wurde. dies wurde auch mit wesentlich mehr verve vorgetragen, was dann auch mit lauten applaus honoriert wurde.

ein paar Knackpunkte in der diskussion

es gab eine debatte bezüglich der fragen der EU mitgliedschaft von griechenland und der ökonischen folgen einer “revolutionären politik” für griechenland. da beide fragen miteinander eng verzahnt sind, will ich versuchen auch zu beidem eine “gebündelte” (vorläufige) position darzustellen (natürlich nur in groben umrissen).

die EU ist eine rein bürgerliche und imperialistische institution, zu der revolutionäre keine irgendwie geartete “taktische” haltung einnehmen. revolutionäre marxisten sind weder für noch gegen einen austritt, da es nicht unsere aufgabe ist, der bürgerlichen politik tipps zu geben. unsere haltung ist die notwendigkeit des BRUCHS MIT DEM KAPITALISTISCHEN SYSTEM IM GANZEN. dabei können wir nicht im voraus bestimmen, welche haltung dazu in ANDEREN ländern eingenommen werden wird. dies wird entschieden werden im lebendigen klassenkampf und nicht an irgendwelchen schreibtischen oder reissbrettern von analysten der bourgeoisie.

es wurde in der debatte hervorgehoben, dass es in den medien eine massive “angstkampagne” gegeben hat, die vor den ökonomischen folgen eines möglichen wahlsieges von SYRIZA gewarnt hatte (u a als folge der austritt oder der rausschmiss aus der EU). in der tat kann man vermuten, dass ein austritt aus der EU für griechenland mit erheblichen wirtschaftlichen einbußen verbunden wäre. darum war es auch NICHT die politik von SYRIZA, sich mit der EURO-bourgeoisie anzulegen, sondern eine NEUVERHANDLUNG der schuldenabwicklung anzustreben.

aber unabhängig davon, dass SYRIZA KEIN revolutionäres ökonomisches programm vertreten hatte sondern ein “linksreformistsiches” (bestenfalls), kann man der zunehmenden ökonomischen krise in griechenland auch NICHT INNERHALB der bürgerlichen institutionen (und ihrer immanenten kapitallogik) herr werden, sondern muss man ihnen BRECHEN. auch auf die gefahr hin, dass dann erst mal alles “schlimmer” wird und es zu wirtschaftsanktionen und blockaden kommt, muss dieser REVOLUTIONÄRE BRUCH aber trotzdem vollzogen werden, weil es eben keinen “ausweg” auf kapitalistischer ebene GIBT.

wir revolutionären marxisten vertrauen auch darauf, dass so ein revolutionärer umsturz nicht nur auf griechenland beschränkt bleibt, sondern dass es zu weltweiter internationalistischer solidarität der arbeiterbewegung aller länder kommen wird, und dass auch der klassenkampf ausserhalb griechenlands einen mächtigen impuls erfahren wird.

um Rosa Luxemburg [2] zu paraphrasieren:

in griechenland kann die frage nur gestellt werden, gelöst werden kann sie nur im internationalen maßstab!

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[1] http://www.scharf-links.de/44.0.html?&tx_ttnews%5Btt_news%5D=25346&tx_ttnews%5BbackPid%5D=56&cHash=0f2a6d278d

[2] ”In Rußland konnte das Problem nur gestellt werden. Es konnte nicht in Rußland gelöst werden. Und in diesem Sinne gehört die Zukunft überall dem „Bolschewismus“.” http://www.marxists.org/deutsch/archiv/luxemburg/1918/russrev/teil4.htm

Written by bronsteyn

18. August 2012 at 1:13 pm

Veröffentlicht in Griechenland

Bergwerksarbeiter im Iran: Drei Schichten innerhalb von 15 Tagen!

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Der Sekretär der staatlichen Organisation „Haus der Arbeiter in Tabas“ hat mitgeteilt, dass die VERÄNDERUNGEN der Arbeitsbedingungen der Bergwerkarbeiter im Tabas-Kohlebergwerk illegal sind und gegen das Arbeitsgesetz verstoßen.
Gholamreza Mohammadi hat in einem Interview mit ILNA (Iranische Nachrichten Agentur) mitgeteilt, dass die Arbeitsbedingungen der Arbeiter in den Bergwerken im Tabas-Gebiet verändert worden sind. Er sagte weiter, dass einige private Kohlenbergwerkgesellschaften, wie „Madanjoo“ und „Negin“ ,in denen die Bergwerkunfälle eine lange Geschichte haben, die Arbeiter zwingen, in 2 bis 3 aufeinanderfolgenden Schichten kontinuierlich innerhalb von 15 Tagen zu arbeiten.
Der Sekretär sagte in diesem Zusammenhang, dass die Arbeiter in den privaten Bergwerken 15 Stunden am Tag arbeiten, wodurch die Arbeit unter Tage langfristig schädliche Auswirkungen auf die Gesundheit der Arbeiter haben werde. Außerdem fügte er hinzu, dürfe nach Paragraph 52 des Arbeitsgesetzes in Bergwerken nicht mehr als 6 Stunden am Tag und nicht mehr als 36 Stunden in der Woche gearbeitet werden.
Er fuhr fort: Die Arbeiter der Tabas-Bergwerke würden nicht von den Vorzügen der harten und gefährlichen Arbeiten profitieren, sondern sie bekommen mit mehr als 15 Stunden Arbeit am Tag weder ihre Überstunden noch ihre Vergünstigungen.
Er beschrieb die Arbeitsbedingungen der Arbeiter in privaten Minen wie folgt: Die Arbeiter arbeiten innerhalb von 15 Tagen kontinuierlich täglich 15-Stunden in 3 Schichten. Zudem müssen sie ihre Ruhezeiten in vorgefertigten Containern ohne jegliche Annehmlichkeiten verbringen.
Er fügte hinzu, dass die Arbeitgeber der Bergwerke nicht den Mindestlohn bezahlen. Ein Arbeiter, der täglich 15 Stunden arbeitet, bekommt monatlich ungefähr 500.000 Toman (circa 250 $). Dieser Arbeitslohn ist für diese gefährliche und gesundheitsschädigende Arbeit ungerecht.
Der Exekutivsekretär von „Haus der Arbeiter in Tabas“ teilte mit, dass die Arbeiter der Bergwerke mit einem Arbeitsvertrag eingestellt werden, der eine Gültigkeit von einem Monat aufweist. Zurzeit arbeitet kein Arbeiter in den Tabas Kohlebergwerken mit einem festen Vertrag und die maximale Zeit, die ein Arbeiter in einem Bergwerk beschäftigt ist, beträgt 6 Monate. Und diese Bedingungen hindern die Arbeiter daran, ihre gesetzlichen Forderungen gegenüber dem Arbeitgeber durchzusetzen.
Er betonte, dass es keine Aufsichtsinstanz über Arbeitgeber im Bergwerksbereich gibt und deswegen führten die langen Arbeitszeiten unter den beschriebenen Bedingungen zur Erkrankung und ernsten Schädigung der Bergwerkleute.
Mohammadi , der sich auf den Missbrauch der Bergleute aus Mangel an Arbeitsplätzen berief, sagte : „Die Erschöpfung der Bergleute unter den genannten Arbeitsbedingungen führt dazu, dass der Arbeitgeber nicht mehr bereit ist, diese Arbeiter wiedereinzustellen und andererseits sind diese beschädigten Arbeitskräfte nicht mehr in der Lage, andere Arbeitsplätze zu bekommen.
Er berichtete, dass derzeit mehr als 2500 Arbeiter in Kohlebergwerken in Tabas tätig sind. Die Bergwerkbesitzer profitieren unter solchen Umstände ungemein viel. Wenn die Besitzer gesetzlich arbeiten wollten, müssten sie vier Schichten einrichten und für jede Schicht die zusätzlichen Services übernehmen. Nun mit der Arbeit in zwei oder drei Schichten sind die Arbeiter gezwungen, am Arbeitsplatz zu bleiben. Dieser Umstand führt dazu, dass die Arbeitgeber die zusätzlichen Kosten (Anreisekosten, Unterbringung usw.) einsparen.
Mohammadi sagte, wenn die Arbeitsweise der privaten Bergwerkgesellschaften in Tabas überwacht werden würde, könnte der Staat Möglichkeiten für die Beschäftigung von zusätzlich 1000 neuen Arbeitsplätzen gewährleisten.
http://iran-worker.blogspot.de/2012/08/bergwerksarbeiter-im-iran-drei.html

Written by bronsteyn

17. August 2012 at 2:08 pm

Veröffentlicht in Iran

Wie weiter im NAO-Prozess?

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Zum folgendem Artikel von DGS (SIB)
http://www.nao-prozess.de/blog/wie-weiter-im-nao-prozess/

Habe ich folgende Stellungnahme geschrieben:
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4. August 2012 um 13:11

andere (khs [2]ist da prominent, auch – aber anders akzentuiert – bronsteyn [3]) sehen den schwerpunkt bei der entwicklung einer gemeinsamen “praxis”, über die dann auch die theoretische annäherung erfolgen soll.

Ich sehe da verschiedene Ebenen.
Die eine Ebene ist die der Organisation der Revolutionäre, eine andere die der Organisation der Arbeiter/innen. Eine andere Ebene ist die, ob es diese Unterscheidung überhaupt geben kann/darf/muss/soll.
Damit zusammen hängt auch die Frage ob und inwieweit die Klassenorientierung, d.h. die Orientierung an der Klasse des Proletariats beibehalten/aufgegeben/aufgeweicht/zugunsten einer allgemeinen “Antagonismus”-Orientierung aufgehoben werden soll/kann/muss/darf.
Noch eine ganz andere Ebene ist die des Verständnisses davon, was genau unter “Leninismus” zu verstehen ist und ob oder ob nicht es etwas von Lenin zu lernen/ zu übernehmen gilt oder auch nicht. Hinzu kommt die Ebene des Verhältnisses von Theorie und Praxis beim Organisierungsprozess revolutionärer Kerne.
Und alle diese Ebenen haben zudem noch eine theoretische und eine praktische Seite.
Ganz schön verwickelt.
Einige Stellungsnahmen von mir dazu:
1. Grundsätzlich gehe ich durchaus von einer “Program first”-Orientierung aus. Das revolutionäre Programm muss aus meiner Sicht folgende Essentials beinhalten:
– Klassenorientierung (an die proletarische Klasse)
– Räterepublik als politisches Ziel
– Methode des Übergangsprogramms
2. Die Herausbildung eines solchen Pols wird nach meiner Einschätzung nur sehr sehr langsam vor sich gehen und kann nur im Zusammenhang mit gemeinsamer Praxis der beteiligten Gruppen und Kerne vor sich gehen (wer da dazu gehört bzw. dazu gehören will, ist zudem für mich noch offen).
3. Im Zusammenhang mit einer gemeinsamen Praxis diskutieren sich programmatische Fragen und Differenzen ganz anders als ohne, die entsprechenden Diskussionen verlieren so ihren drohenden scholastischen Charakter.
4. Wenn ich von der proletarischen Klasse bzw. der Arbeiter/innen/klasse spreche, dann meine ich damit jene 70-80% der deutschen Bevölkerung, die nichts besitzen als allenfalls ihr Auto (an nennenswertem “Kapital”). Proletariat in diesem Sinne durch “Lohnabhängige” zu ersetzen, lehne ich auf der theoretischen Ebene völlig und auf der praktischen (propagandistischen) Ebene weitgehend ab, vor allem deswegen, um dieser Bevölkerungsmehrheit ihre Existenz als “schlafender Riese” zu vermitteln.
5. Ich befürworte entschieden den unnachgiebigen Kampf gegen rassistische Diskriminierung und Unterdrückung und meine auch, dass dieser Kampf in konkreten Situationen sogar Priorität vor allem anderen haben kann (und insofern nicht “Nebensache” ist), aber ich lehne es ab, von einem Kampf der “schwarzen Rasse” gegen die “weisse Rasse” zu sprechen, weil das eine Mystifikation ist.
6. Ich sehe das meiste, was von “Leninisten” wie von “Antileninisten” als “Leninismus” verkauft wird, als Ausfluss der Sinowjewschen Bolschewismus-Legende an. Ich würde die 22 Punkte von DGS diesbezüglich durchaus befürworten, sehe aber noch als Leninsches Esssential seine Ausführungen über die Disziplin der bolschewistischen Partei im “Linken Radikalismus” an. Hier formuliert er in 3 Punkten die Grundzüge einer erfolgreichen revolutionären Organisation, ohne sich mit auch nur einer Silbe in Appelle an rein formaler Disziplin, “DemoZent” oder ähnliches zu ereifern, was ihm auch zu diesem Zeitpunkt noch völlig fremd war (erst die Sinowjewsche Bolschewismus-Legende schuf den Pseudo-”Leninismus”, wie er später verstanden wurde).
7. Die Unterscheidung in Sandschipper und Ärmelschoner-Träger gibt für das Verständnis dessen, was Proletariat ist, nicht viel her. Über 50% aller Arbeitsplätze sind heute PC-Arbeitsplätze, ohne dass die Menschen, die dahinter sitzen, deswegen weniger proletarisch (besitzlos an Produktionsmitteln) wären.
Fliessbandarbeiter, die Schrauben festdrehen müssen (wie in “Moderne Zeiten”) gibt es deswegen kaum noch, weil es dafür CNC-gesteuerte Maschinen, Industrieroboter gibt.
Trotzdem ist das Proletariat insgesamt gewachsen und stellt die erdrückende Mehrheit der Weltbevölkerung.
8. Theoretisch-programmatische Annäherungen lassen sich nicht erzwingen, weder durch Apelle noch durch rhetorische Tricks. Dies gilt sowohl für die Rassenkampf-Enthusiasten als auch die Kämpfer für Genderisierung. Und schon gar nicht helfen da Hinweise, wonach sich an irgendwelchen “aktuellen Diskussionsprozessen” in irgendwelchen Sub-Szenen zu orientieren sei, ansonsten man das Maul halten solle.
9. Ich halte daran fest, dass politische Gruppen nicht nur und auch nicht in erster Linie an dem zu beurteilen und zu messen sind, wonach sie sich selber dünken, also welche programmatischen Stellungnahmen sie von sich geben. Das steht nicht im Widerspruch zu meiner “Program first”-Orientierung. Grundlage für eine revolutionäre Organisation ist eine klare revolutionäre Programmatik, ohne die läuft nichts, nicht wirklich.
Aber nicht jede Gruppe ist auch das, was sie von sich behauptet.
Sonst müsste ich ja beispielsweise unter allen Gruppen der GAM am nächsten stehen, deren Aktionsprogramm von 2011 ich durchaus (mit Ausnahme des Konstruktes der “5.Internationale”) zustimmen könnte. Der Gruppe konkreter Menschen aber, aus denen die GAM unabhängig ihrer Deklarationen besteht, misstraue ich aber aus guten Gründen und Erfahrungen gründlichst. Deswegen meine ich, dass eine wirkliche programmatische Annäherung auch nur im Zusammenhang mit einer vertrauensbildenden Praxis erfolgen kann. Umgekehrt kenne ich viele ehrliche und sehr fähige Aktivisten, die in Organisationen und Gruppen mit sehr verwaschenen programmatischen Grundlagen “herumhängen”. Auch hier kann nur eine vertrauensbildende Praxis auch eine programmatische Annäherung (eher:Klärung) bringen.
10. Ich stimme khs in einem für mich wesentlichen Punkt (nicht unbedingt auch in den anderen) zu: Revolutionäre Politik darf nicht nur in Kampagnen bestehen, sondern muss als unbedingtes Standbein die “proletarisch-revolutionäre Organisierung” vorranbringen.

khs:

Während erstere als Beispiel dafür stehen, Kampagnenpolitik verbreitern und effektiver gestalten zu wollen, stehen die Basisgruppen für das Konzept, mit dem Voluntarismus von Kampagnenarbeit zu brechen und eine proletarisch-revolutionäre Organisierung voranzubringen.

. Hier spreche ich mich für die Schaffung von low-lewel-Organisationen (Ebene der Organisation der Arbeiter) aus, historisch als “Vorfeldstrukturen” bezeichnet oder “Arbeitervereinigungen” aufgrund gemeinsamer Interessen. In diese Strukturen muss die Organisation der Revolutionäre (wenn sie denn existiert) hineinwirken, sich als ihr organisatorisches und politisch.programmatisches Rückgrat verstehen (ohne jeden Ultimatismus).

So würde ich mich derzeit “verorten”.
Abhängig von der Ebene stehe ich also in einigen Punkten DGS durchaus sehr nahe, in anderen khs.

Mit UG (= „Ums Ganze“ – Bündnis) kann ich noch wenig anfangen. Mich stört bei denen vor allem die völlig undifferenzierte Handhabung eines Leninismus-Begriffs, der eindeutig der Sinowjewschen Bolschewismus-Legende zuzuorden ist (in ihrer Negation), was ihre sonstigen durchaus interessanten Ideen fast völlig entwertet.

Written by bronsteyn

10. August 2012 at 2:24 am

Einladung zum Sommerfest

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Hallo Leute!

Hier an Euch die Einladung zum übergreifenden Sommerfest der Eisenbahner/innen aller Betriebe und Bereiche. Ob ODEG, S-Bahn oder DB-Regio, jede Kollegin und jeder Kollege ist, incl. Kind und Kegel, willkommen. Aber auch unsere Kollegen/innen bei der CfM, bei Daimler oder der BVG! Ebenso Eure Freunde und Unterstützer/innen!

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Sommerfest der Eisenbahner/innen

Am 18.08.2012 ab 15 Uhr im BLO-Atelier [ehem. Bw Lichtenberg]
(150m nördlich vom S-Bhf Nöldnerplatz)

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Deine Einladung gegen bittere Schichten und trockene Stullen im Rucksack, findest Du im Anhang. Auch zur Weiterleitung an weitere Kolleginnen und Kollegen (A4) und/oder zum Ausdrucken und Verteilen (A5) geeignet.

WILLKOMMEN ZUM SOMMERFEST der Volksmusik DES WIDERSTANDES GEGEN AUSSCHREIBUNG UND ZERSCHLAGUNG DER BERLINER S-BAHN!

Einen faden Beigeschmack, den gibt es bei der Politik und beim Arbeitgeber!


Aktionsausschuss.blogspot.com
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Einladungen zum Ausdrucken
DIN A4
SOMMERFEST – RETTUNG NAHT A4
DIN A5
SOMMERFEST – RETTUNG NAHT A5

Written by bronsteyn

10. August 2012 at 1:18 am

Veröffentlicht in Arbeiterkämpfe, Deutschland