Bronsteyns Agentur für Augenöffnung und kreative Weltveränderung

Volksmedien für Journalismus von unten

Der (De)konstruktivistische Angriff auf die Wirklichkeit (und den Marxismus)

with one comment


Übernommen von:
http://systemcrash.wordpress.com/2012/08/23/der-dekonstruktivistische-angriff-auf-die-wirklichkeit-und-den-marxismus/

Ein Beitrag zum “Philosophen-Streit” [1] im NAO Prozess

beim von mir so genannten”philosophen-streit” geht es leider nicht nur um die frage der bestimmung DES revolutionären subjekts oder revolutionärer subjektE (das verhältnis der klassenorientierung zu “frauenfrage” und “rassismus”). es ist alles noch viel schlimmer: es geht um die frage: was ist WIRKLICHKEIT, wie erkennen wir sie, und wie verändern wir sie, und was können wir verändern? also mit anderen worten: das, was in der philosophie als “erkenntnistheorie” bezeichnet wird. ein thema, was dazu führen kann, dass die gehirnwindungen nach der beschäftigung damit wie korkenzieher aussehen könnten!

ich tue es nicht gerne, und bin dafür auch gar nicht qualifiziert, aber da auch im NAO prozess der (de)konstruktivistische angriff auf die wirklichkeit (und den marxismus) stattfindet, muss ich mich in diese philosophischen höhen (oder besser:abgründe) begeben. ich kann mich natürlich nur ausschnittsweise mit dem thema beschäftigen. ich hoffe aber, dass diese ausschnitte genügen, um halbwegs deutlich zu machen, um was es hier geht, und was dabei auf dem spiel steht.

Die (narzisstisch-postmoderne) Verleugnung der Biosphäre am Beispiel des Begriffes “Geschlecht”

da die sog. “frauenfrage” der auslöser war, die die bedeutung dieser fundamentalen fragen für die politische programmdebatte [2] hergebracht hat, werde ich versuchen, am beispiel einiger feministischer “theoriebildungen” die problemstellung deutlich zu machen.

eine grundannahme des dekonstruktivistischen diskurses ist es, dass sprache “wirklichkeit” hevorbringt. die sog “sprechhandlung” sei — so der postmoderne terminus — “performativ”. das heisst, der akt des sprechens selbst sei konstitutiv für die uns betreffende realität. die “schwachen” konstruktivisten würden dies wahrscheinlich auf soziale faktoren beschränken, für die “starken” ist wahrscheinlich selbst der dickdarm eine “kulturell präfomierte entität” .

da der “starke konstruktivismus” sich selbst logisch aus den angeln hebt, da er behauptet, alles sei konstriert, gibt es natürlich keinen grund, warum nicht auch der “starke konstruktivismus” selbst konstruiert sein sollte; d h, er hat kein “fundament”, an dem man seinen geltungsanspruch heften könnte. damit können wir ihn ohne gewissensbisse theoretisch abhaken.

beim schwachen konstruktivismus sieht die sache etwas anders aus. wenn wir uns jetzt dem thema “geschlecht” zuwenden, werden wahrscheinlich viele wissen, dass man im anglo-amerikanischen sprachbereich die unterscheidung von sex und gender hat. diese unterscheidung kennt die deutsche sprache nicht. im prinzip sind diese begriffe daher gar nicht übersetzbar (als analoges beispiel: bei den eskimos gibt es hunderte verschiedene begriffe für “schnee”, die wir mitteleuropäer, die kaum mehr winter kennen, niemals kapieren würden). sie werden daher umschrieben mit folgender bedeutung:

– der begriff sex bezeichnet im wesentlichen das, was wir als “biologisches geschlecht” benennen würden

– der begriff gender bezieht sich auf den einfluss der kultur bei der entwicklung geschlechtlicher identitäten

da der mensch aber immer ein “natur-kultur-verschränktes” wesen ist, ist diese unterscheidung aber eigentlich schon ein ausdruck dafür, dass das verhältnis von individuellem sein und gesellschaftlichen verhältnissen dissoziiert ist. trotzdem mögen sie uns als analytische kategorien helfen zu verstehen, was mit dem (de)konstruktivistischen angriff auf die wirklichkeit gemeint ist.

so heisst es in einem wikipedia-artikel zu Judith Butler (eine führende feministische theoretikerin):

“Butler verwendet den Begriff der Performativität in Anlehnung an John L. Austin, der diejenigen Akte als performative Sprechakte bezeichnet, die das, was sie benennen, in Kraft setzen. Worte als performative Akte besitzen nicht nur die Macht, etwas zu beschreiben, sondern besitzen handlungsartige Qualität, indem sie das, was sie bezeichnen, auch vollziehen. Worte bzw. Sprache nehmen hier also den Charakter einer sozialen Tatsache an, wie z. B. die Aussage Es ist ein Junge, der einem bezeichneten Körper einer Kategorie wie etwa Geschlecht zuordnet. “ http://de.wikipedia.org/wiki/Judith_Butler

wenn man mal davon absieht, dass das bewusstseinsniveau dieser gedankengänge auf der stufe der “magie” steht, ist etwas anderes viel frappierender. es wird nämlich die biologische realität der zweigeschlechtlichkeit GELEUGNET. (dass es auch geschlechtliche zwischenformen gibt, ist unbestritten. diese sind aber die ausnahme von der regel)

die biologische funktion der zweigeschlechtlichkeit ist natürlich die fortpflanzung (arterhaltung). damit ist aber in keinster weise eine (soziale) herrschaftshierachie [5] begründet, sondern eine geschlechtsspezifische arbeitsteilung, die unter den entsprechenden gesellschaftlichen bedingungen zum vorteil BEIDER geschlechter gereichen könnte.

der feministische versuch, “männer” und “frauen” rein ” sozial” zu definieren, soll dem vorhaben dienen, die patriarchalen strukturen aufzubrechen. dies kann aber niemals über “sprechhandlungen” vollzogen werden. denn gesellschaftliche verhältnisse sind eine “materielle realität”, die eben auch ein entsprechendes bewusstsein erfordern, um sie zu erkennnen und zu verändern. wir können auch nicht in unser heiss ersehntes urlaubsparadies fliegen, wenn wir unser auto in “flugzeug” umbenennen.

natürlich ist das geschlecht nicht nur eine “soziale kategorie”, sondern eine fundamentale biologische konstante unseres seins und unserer geschlechtsidentität, die man nicht wechseln kann wie seine unterhose.

die (dekonstruktivistischen) feministen begehen den (psychologisch gesehen: den narzisstischen) fehler, zu glauben, man könne die beherrschung des weiblichen geschlechts damit abschaffen, dass man die geschlechter SELBER ABSCHAFFT. das wäre so, als wenn ein flugzeugkonstrukteur, statt an der günstigsten aerodynamik zu arbeiten, versuchen würde, die SCHWERKRAFT abzuschaffen.

natürlich befördern die sozial-kulturellen verhältnisse das asymmetrische geschlechterverhältnis. dies ist aber nicht dadurch zu beseitigen, dass man zu einem salzstreuer “salzstreuerin” sagt, sondern dass eine soziale (politische) bewegung alle formen und verhältnisse gesellschaftlicher herrschaft und unterdrückung aufhebt. denn diese sind selbst materielle realitäten.

dies kann — laut der marxistischen theorie der klassen [3]– nur die klasse der lohnabhängigen (proletariat); da diese durch ihre stellung im gesellschaftlichen produktionsprozess über einen strategischen hebel verfügt (potentiell). nun gibt es natürlich auch in der arbeiterInnenklasse männlichen chauvinismus und rassismus. dieser muss daher politisch bekämpft werden, um eine revolutionäre klasseneinheit herstellen zu können. der hebel der gesellschaftlichen transformation ist aber der klassenkampf der lohnabhängigen. die kämpfe gegen sexismus und rassismus sind dem gegenüber diesem klassenkampf ZUGEORDNET [nicht untergeordnet] (wenn sie eine wirkliche perspektive haben wollen, da es innerhalb der bürgerlichen gesellschaft dafür keine lösung gibt). es handelt sich daher nicht um drei gleichrangige kampffelder. dies ist der wesentliche kerndissens in der debatte um das revolutionäre subjekt.

nun könnte man natürlich sagen, dass die frauen auch über einen strategischen hebel verfügen. schliesslisch sind sie es, die die “bevölkerungstechnische” reproduktion der gesellschaft ermöglichen. weniger geschwurbelt ausgedrückt: sie kriegen die kinder!

aber wie realistisch ist ein kollektiver gebärstreik?

der antike schriftsteller Aristophanes hat ein theaterstück geschrieben, wo unter der führung von Lysistrata die frauen eine kollektive sexverweigerung durchführten, und damit den krieg der männer tatsächlich beendeten. wenn die heutigen feministInnen dieses kunststück in die (politische) tat umsetzen würden, würde ich sofort meine marxistische überzeugung an den nagel hängen!

Jenseits des Geschlechterk(r)ampfes

die “Moderne” hat die grosse leistung vollbracht, die traditionelle trennung der weiblichen und männlichen sphären (produktion gegen reproduktion) immer stärker zurückzudrängen. immer mehr frauen stehen “ihre frau” im berufsleben. sie drängen vehement und mit grosser kompetenz in die kultur, in die politik und in die wirtschaft. noch haben sie nicht die “hälfte des himmels” erobert. aber die erreichten bastionen weiblicher partizipation können nicht mehr zurückgedreht werden. der versuch, nach den frauenbewegten 70er jahren einen kulturellen roll back durchzuführen, um die frauen wieder an heim und herd zurückzubringen (kinder, küche, kirche oder koitus) muss als gescheitert angesehen werden. zwar haben es frauen immer noch schwerer, beruf und familie unter einen hut zu bringen (stichwort: doppelbelastung, die aber vermutlich mehrfachbelastung ist) und noch sind frauenlöhne statistisch immer noch signifikant geringer als männerlöhne, aber ihre gesellschaftliche teilhabe, die immer mehr in richtung volle gleichstellung drängt, ist eine realität, die niemand mehr verleugnen kann.

schon deshalb ist das feministische gerede, dass männer schon immer “schweine und unterdrücker” waren nicht nur eine leere und hohle phrase, es ist in wirklichkeit eine beleidung des weiblichen geschlechts selber.

“das macht nämlich den umkehrschluss unumgänglich, dass frauen von anfang an eine herde schafe waren. (…) denn wenn man ernsthaft behauptet, dass frauen 5000 jahre (…) lang unterdrückt gewesen sind, kommt man kaum an dem schluss vorbei, dass sie nicht nur schwächer, sondern offenbar auch dümmer als die männer gewesen sind.” [4]

in wirklichkeit ist aber so, dass männer und frauen immer schon aufeinander angewiesen waren und die für ihre lebensumstände günstigsten “arrangements” eingegangen sind. die entwicklung des gesellschaftlichen fortschritts durch industrie und informationstechnologie hat die bedingungen geschaffen, die entartung der geschlechtsspezifischen arbeitsteilung in eine “herrschafthierachie” [5] zu überwinden und auf eine höhere entwicklungsstufe zu führen.

“wenn wir biologisch differenzierte geschlechterrollen als etwas sehen, das frauen und männern auferlegt wurde, dann können männer in der tat nur von grund auf miese typen sein, und den frauen fiele die rolle des ewigen dummerchens zu. rollendifferenzierungen kann aber unmöglich einfach das resultat von herrschaftausübung sein, denn damit würden wir eine seite als die der opfer definieren, und eben die, welche befreit werden sollen, wären damit unwiderruflich als ohnmächtig abgestempelt.

ist aber das handeln von männern und frauen weitgehend durch gewisse biologische vorgaben bedingt, die ihre frühere bedeutung zum teil verloren haben, dann haben BEIDE SEITEN [herv von mir] gleichermassen befreiung nötig. das patriarchat gehört offenbar nicht zu den dingen, die man mit etwas gutem willen hätte vermeiden können, denn wo auch immer die evolution über die HACKE [herv von mir] hinausging, entstanden alsbald patriarchale verhältnisse. WÄRE es zu vermeiden gewesen, dann müsste man wohl sagen, dass männer miese typen und frauen dummerchen sind.

nein, das patriarchat ist nicht einfach ein zu korrigierender irrtum, sondern etwas, worüber wir hinauswachsen müssen: nur so kommen wir davon los, männer als schuldige und frauen als schafe zu sehen [herv von mir].” [4]

und daher kann auch die “feministische bewegung” ihre ziele nur dann verwirklichen, wenn sie sich mit dem (potentiellen) emanzipationskampf der arbeiterInnenklasse solidarisch verbindet. und es ist die bringschuld der linken und arbeiterbewegung, den männlichen chauvinismus, macker- und machoverhalten und rassistische denkststereotypen in ihren eigenen reihen erbarmungslos politsch zu bekämpfen!

——

[1] http://www.nao-prozess.de/blog/philosophenstreit-im-nao-prozess/

[2] vergleich: http://www.nao-prozess.de/blog/e-4-parteilichkeit-antagonistische-orientierung-vormals-klassenorientierung/ und von mir: http://www.nao-prozess.de/blog/ueberlegungen-zum-revolutionaeren-subjekt/ und: http://www.nao-prozess.de/blog/nao-essential-debatte-revolutionaeres-subjekt-und-frauenfrage/

[3] dieser begriff klingt etwas zu “akademisch”. genaugenommen gibt es nur verstreute hinweise im werk von marx, die aber für eine “klassentheorie” ausreichen mögen

[4] Ken Wilber, EROS KOSMOS LOGOS, S. 208

[5] der begriff stammt von Riane Eisler und Wilber zitiert sie in EROS KOSMOS LOGOS

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Written by bronsteyn

23. August 2012 um 3:18 pm

Eine Antwort

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  1. Thesen zur Verflechtung von Kapitalismus und “Patriarchat”
    =========================================

    die folgenden thesen sind der NAO essential(programm)-debatte geschuldet und beruhen zum teil auf formulierungen von DGS, was ich jetzt aber nicht extra kenntlich gemacht habe.

    these 1: Die Lohnabhängigen sind die Klasse, für die eine Überwindung des Lohn-Arbeits-Kapital-Verhältnisses (der kapitalistischen Produktionsweise) die meisten Vorteile bringen würde; auf Grund ihrer zahlmäßigen Größe und ihrer Stellung im modernen Produktionsprozeß ist sie zugleich die Klasse, die über den strategischen hebel verfügt, eine solche systemtranszendenz auch wirklichkeit werden zu lassen.

    these 2: Der Widerspruch zwischen Lohnarbeit und Kapital ist aber nicht das einzige Herrschaft- und Ausbeutungsverhältnis in (post)modernen Gesellschaftsformationen. Patriarchat und Rassismus sind relativ eigenständige, aber heute mit den Mechanismen der kapitalistischen Produktionsweise verflochtene Herrschafts- und Ausbeutungsformen; sie können nicht aus dem Kapitalverhältnis ‘abgeleitet’ werden, sie werden aber durch das kapitalverhältnis beinflusst und modifiziert.

    these 3: Der Kampf gegen Patriarchat, Kapitalismus und Rassismus sind zwar von einander relativ unabhängige Kämpfe und politische Orientierungen. Aufgrund der Verflechtung dieser Herrschaftsverhältnisse gehen wir aber davon aus, daß die Erfolgsaussichten des Kampfes gegen sie steigen, wenn der Kampf gegen sie nicht getrennt von einander, sondern in wechselseitig solidarischer Bezugnahme geführt wird.

    these 4: Um eine solche solidarische Bezugnahme der Kämpfe zu ermöglichen, ist ein entschlossener Kampf gegen Rassismus sowie gegen patriarchale Strukturen und sexistische Verhaltensweisen auch innerhalb der linken und unter den Lohnabhängigen notwendig. Dies schließt ein Recht auf autonome Organisierung der in diesen gesellschaftlichen Verhältnissen (Patriarchat und Rassismus) Beherrschten und Ausgebeuteten ein.
    im gegensatz zu (traditionellen) vorstellungen der klasseneinheit, die die “frauen- und racefrage” zu “nebenwidersprüchen” degradieren und ihre sehr berechtigten anliegen dem klassenkampf der arbeiterInnen politisch UNTERORDNEN (wollen), vertreten wir im NAO prozess die ansicht, dass es für eine wirklich REVOLUTIONÄRE klasseneinheit erforderlich ist, den chauvinismus und rassismus in den “eigenen reihen” zu bekämpfen und die antipatriarchalen und antirassistischen kämpfe mit dem (antikapitalistischen) klassenkampf der arbeiterinnenklasse solidarisch zu verbinden und ihnen damit eine wirklich (systemüberwindende) strategische perspektive zu ermöglichen.
    Unser Ziel ist die Überwindung aller Herrschaft und Ausbeutung – oder, um eine Formulierung des jungen Marx weniger “hegelianisch” zu paraphrasieren: die Überwindung aller Verhältnisse, in denen Menschen “erniedrigte, geknechtete, verlassene, verächtliche wesen” sind!

    Anhang: ein paar kurze anmerkungungen zum dekonstruktivistischen “geschlechts-begriff” und zur “feministischen strategie”
    =========================

    auch wenn es richtig ist, dass männliche lohnarbeiter ein “objektives interesse” am bestehen patriarchaler strukturen haben, lässt sich daraus meines erachtens KEINE gleichrangigkeit von antikapitalismus und antipatriarchalismus ableiten (den “rassismus” lasse ich an dieser stelle aussen vor, weil für mich noch nicht klar genug entfaltet).
    “die frauen” als abstrakt geschlechtlich definierte “gruppe” hätten zwar auch [theoretisch] einen “strategischen hebel” zur überwindung der gesellschaftlichen verhältnisse, aber für wie realistisch kann man(n) einen kollektiven gebär- oder sexverweigerungsstreik der frauen betrachten? die frage zu stellen ist bereits ihre antwort.
    die lohnarbeiter(klasse) kann zwar auch nicht ewig lange streikaktionen durchführen, sie kann aber irgendwann zu einem punkt gelangen, wo in ihnen die erkenntnis reift, dass sie die (gesellschaftlich relevanten) produktionsmittel (und die bedingungen ihres zusammenwirkens) in die eigene verwaltungskompetenz (mittels räten ‘von unten’) überführen muss. dazu muss sie auch den bürgerlichen staatsapparat durch ihre klassenunabhängigen strukturen ersetzen. dies nennen wir im NAO prozess den “revolutionären bruch”.
    DGS vertritt die [feministsich-dekonstruktivistische] position, dass die überwindung patriarchaler strukturen die “abschaffung der geschlechter als ‘soziale kategorie’ erfordetert. diese position ist meines erachtens unhaltbar.
    das geschlecht von menschen*) (oder DER menschen, das ist MIR egal) ist immer sowohl NATUR (biosphäre) ALS AUCH KULTUR (noossphäre. nous (griech.) = geist) in ihrer verschränkung. von daher ist die forderung, der abschaffung der ‘sozialen geschlechter’ nicht nur utopisch, sie ist auch reaktionär in bezug auf die überwindung geschlechtlicher spaltungslinien innerhalb der arbeiterInnenklasse (die natürlich auch binnenstrukturell mehrfach differenziert ist).
    aus all’ diesen überlegungungen folgt als logische konsequenz die UNVEREINBARKEIT von marxismus und feminismus. wenn daher die frage “des revolutionären subjekts” im sinne eines (faulen) ‘pluralismus’ (von ‘marxisten und ‘postautonomen’) entschieden werden sollte, wird das für mich das entscheidene kriterium sein, nicht mehr am NAO prozess teilzunehmen, da dies mit einer REVOLUTIONÄREN (marxistischen) programmatik dann nichts mehr zu tun hätte.
    das von DG immer wieder ins feld angeführte argument, männliche lohnabhängige würden aber nichts gegen sexismus (im gegenteil: sie profitieren davon) unternehmen, ist als ‘empirischer fakt’ richtig (sie kämpfen ja noch nicht mal gegen das kapitalverhältnis [im systemischen sinne], was ja in ihrem ureigensten interesse wäre). aber genauso richtig ist es, dass die mehrheit der frauen kein ‘feministisches bewusstsein’ hat. trotzdem hindert es DG nicht daran, für diese perspektive zu kämpfen.
    und so kämpfen wir [in der „frauenfrage“: traditionalistischen] marxisten dafür, dass die emanzipation der arbeiterInnenklasse zugleich auch die ‘allgemeine emanzipation’ sein wird (was freilich nicht widerspruchsfrei über die historische bühne gehen wird).
    diese position — das sei unumwunden zugegeben — ist allerdings in letzter konsequenz ein “geschichtsphilosophischer glaube”, der nicht strukturell-logisch oder rationalistisch-reduktionistisch ‘ableitbar’ ist. an dieser stelle verwandelt sich ‘politik’ in eine ‘weltanschauung’, was freilich jeder/in mit seinem/ihrem eigenen gewissen ausmachen muss.
    “Der Kommunismus als positive Aufhebung des Privateigentums als menschlicher Selbstentfremdung und darum als wirkliche Aneignung des menschlichen Wesens durch und für den Menschen; darum als vollständige, bewußt und innerhalb des ganzen Reichtums der bisherigen Entwicklung gewordne Rückkehr des Menschen für sich als eines gesellschaftlichen, d. h. menschlichen Menschen. Dieser Kommunismus ist als vollendeter Naturalismus Humanismus, als vollendeter Humanismus Naturalismus, er ist die wahrhafte Auflösung des Widerstreites zwischen dem Menschen mit der Natur und mit dem Menschen, die wahre Auflosung des Streits zwischen Existenz und Wesen, zwischen Vergegenständlichung und Selbstbestätigung, zwischen Freiheit und Notwendigkeit, zwischen Individuum und Gattung. Er ist das aufgelöste Rätsel der Geschichte und weiß sich als diese Lösung.”
    —marx, ökonomisch-philosophische manuskripte
    ——-
    *) “obwohl “geschlecht” bei/m menschen immer biologie UND kultur sein wird; aber nicht jede kultur muss ein geschlecht zwangsläufig be”herr”schen”

    http://www.nao-prozess.de/blog/thesen-zur-verflechtung-von-kapitalismus-und-patriarchat/

    systemcrash

    25. August 2012 at 1:49 pm


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