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Archive for the ‘Korea-Krieg’ Category

Die südkoreanische Guerillia gegen das Rhee-Regime vor Ausbruch des Koreakrieges

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Wenig bekannt für die Vorgeschichte des Koreakrieges 1950-53 ist die Existenz einer südkoreanischen Aufstandsbewegung gegen das faschistische Syngman Rhee – Regime. Ein wichtiger Schauplatz dieser Kämpfe war die heutige Provinz Gwanju im Südwesten Koreas und auch Südkoreas. Diese Fakten sind im deutschen Sprachraum noch weitgehend unbekannt.

Die sogenannte Yosu – Rebellion fand im Oktober 1948 statt. Sie begann damit, dass zwei Einheiten der Constabulary (einer Art Militärpolizei) unter dem Einfluss linker Organisationen meuterten. Sie sollten zur Niederwerfung des Aufstandes auf die Insel Jeju (manchmal Cheju geschrieben) geschickt werden, verweigerten sich aber in geradezu heroischer Weise diesem Auftrag. Etwa 2000 dieser Meuterer, verstärkt durch Zivilisten, besetzten Souchon nördlich der Hafenstadt Yosu und einige andere umliegende Ortschaften.

Sie umzingelten rechtsradikale Kräfte der Rhee-Regierung und „jeden, der gut angezogen war“, wobei sie Polizisten der Regierung exekutierten, die (nord)koreanische Flagge hissten und die nationale Einheit Koreas forderten.

Unter den Zivilisten bei den Rebellen waren 70 Lehrer. Der Leiter des Volkskomitees von Yosu war Song Uk, der Leiter der Mittelschule für Mädchen von Yosu. Die Mädchen wurden als „röter als das Innere einer Wassermelone“ charakterisiert. Sie kämpften später mit japanischen Waffen bewaffnet bei der Verteidigung der Stadt.

In Souchon wurden einige Polizisten summarisch erschossen, aber andere vor ein Volksgericht gestellt. Einige wurden dort als unschuldig befunden, einige misshandelt, viele exekutiert.  Der Polizeichef wurde verstümmelt, seine  Leiche durch die Strassen geschleift und an einem Pfahl verbrannt.

Etwa 900 Personen, darunter 400 Polizisten, sollen in Souchon durch die Rebellen getötet worden sein.

Der Aufstand erregte internationales Aufsehen und schockierte das Rhee – Regime. Ausländische Journalisten kamen nach Südkorea wegen dieser Story. Das US -State Department sprach von der „Barbarei“ der Rebellen von Yosu.

Amerikanische Offiziere nahmen an den Planungen zur Niederwerfung der Rebellion teil – nach geheimen Protokollen hatten sie die verdeckte Leitung über die südkoreanischen Militäreinheiten.

Der Widerstand der Rebellen war couragiert, aber schlecht organisiert und wurde in wenigen Tagen gebrochen.

Ein Reporter der Times berichtete von 5000 Gefangenen, die mit Stöcken, Eisenketten und Gewehrkolben misshandelt wurden. Viele (unbekannt wie viele) wurden exekutiert.

Der US-amerikanische Counter-Insurgency-Experte James Hausman, der an der Unterdrückung des Aufstandes teilnahm, berichtete später, dass so viele loyale Zivilisten getötet worden waren, dass „die Leute anfangen zu denken, dass wir so schlimm wie der Feind sind“.

Yosu wurde im Häuserkampf verteidigt und schwer zerstört. Die Stadt lag in Schutt und Asche. Leichen und zerbrochenes Mobiliar lag auf den Reisfeldern und in den Höfen.

Syngman Rhee, der erklärte, dass Korea niemals viele Verräter in seiner Geschichte gekannt hatte (welcher Zynismus…), nutzte die Gelegenheit, um ein Nationales Sicherheitsgesetz durchzusetzen. Es richtete sich gegen alles, was von der südkoreanischen Linken verblieben war, aber auch gegen viele andere tausende, die ohne linke Verbindungen waren.

Allen großen Organisationen wurde nachgestellt und diese wurden ausgelöscht.

Im Frühjahr 1950 waren etwa 60000 Menschen in den Gefängnissen, und 50 bis 80 Prozent von ihnen wegen Verstosses gegen das Nationale Sicherheitsgesetz. Die Constabulary wurde ausgelöscht, über tausend Offiziere und andere wurden festgesetzt.

Auch die „Nationalversammlung“ war nicht immun: 16 Abgeordnete saßen im Gefängnis.

Aber die Städte waren leichter zu handhaben für Rhee als das Land. Etwa 1000 oder mehr Teilnehmer des Yosu – Aufstandes flohen in das nahe Chiri Gebirge, das mit Wäldern bedeckt war. Sie wurden Teil eines Guerilliakrieges, der von der Südkoreanischen Arbeiterpartei organisiert wurde und der bald weite Teile des Landes erfasste. Junge Kämpfer erkundeten die Berge nach geeigneten Orten für Basen sicheren Plätzen. Ein Trainigscenter basierend auf den Methoden von Chinas Achter Feldarmee und den Schriften von Mao Zedong wurde in der Provinz Cungchong eingerichtet.

Im Frühjahr 1949 wurden die Guerillias auf mindestens 3500 bis zu 6000 von der CIA geschätzt, aber es gibt einige Belege, dass ihre Zahl weit höher war.

Ein früherer amerikanischer Ausbilder erklärte die Schwierigkeiten, die Guerillias zu greifen. Die Berge waren demnach dicht bewaldet, schroff, felsig und rau, ein ideales Versteck für die Guerilliagruppen, aber ein Hindernis für größere Truppenbewegungen, denen die Guerillias ausweichen konnten. Ein Eingriff aus der Luft war gar völlig unmöglich.

Es gab spektakuläre Erfolge der Guerillias, aber auch schwere Niederlagen, darunter die Aufdeckung und Einnahme ihres Hauptquartiers in Süd Cholla (Heute: Provinz Gwanju).

In den Lagern der Guerillia herrschte puritanische Strenge. Es gab zwar viele Frauen unter den Kämpfern, aber Zölibat herrschte. Übergriffe gegen die Bevölkerung wurden streng bestraft, z.B. Vergewaltigung durch Enthauptung mit dem Schwert. Ausstattung und Versorgungslage der Guerillia war gut (sie wurde wohl von der Landbevölkerung aktiv unterstützt und versorgt).

Es wurde damals und später von imperialistischer Seite (zeitgenössische Kommentatoren und später „Historiker“) behauptet, dass nordkoreanische Agenten und Militärs hinter der Guerillia steckten, also gewissermaßen ein nordkoreanischer Exprt gewesen seien. Allerdings handelte es sich um die zwei Provinzen Nord- und Süd – Cholla (heute: Provinz Gwanju) am äussersten Südwestzipfel Koreas. Der 38. Breitengrad war sehr sehr weit entfernt und auch das in Nordkorea existierende „Kangdong Institut“, das Guerilliaeinheiten ausbildete.

Jedoch auch zeitgenössische amerikanische Beobachter konstatierten, dass der Norden kaum in die südliche Partisanenbewegung involviert war, wohl aber auf der Gegenseite das amerikanische Militär, das den Repressionskräften jede Unterstützung gab, ihre Aktionen plante und sie oft auch selbst kommandierten.

Im März 1950 schrieb der Korrespondent der New York Times sinngemäß, dass weite Teile Südkoreas von einer Landguerillia kontrolliert wurden. Summarische Exekutionen gefangener Guerillias und verdächtiger Bauern waren an der Tagesordnung.

Die südkoreanische Guerilliabewegung war noch jung, aber am Lernen, erlitt Rückschläge in einigen Gebieten, hielt sich aber in anderen, und das alles vor dem Kriegsausbruch Juni 1950.

Als aber der Norden seinen Vormarsch begann ( ab 27.6.1950) nahm die Guerilliaaktivität sprunghaft zu. In den ersten zwei Monaten des Krieges war die Anzahl der Opfer des südkoreanischen Guerilliakrieges (einschließlich eliminierter Verdächtiger) doppelt so hoch wie die Gesamtzahl der gefallenen amerikanischen Soldaten im gesamten Koreakrieg.

Quelle:

The Korean War 1945-1953

Von Hugh Deane

Veröffentlicht von China Books, 1999

ISBN 0835126447, 9780835126441

246 Seiten

http://books.google.com/books?id=XMJpnYmKNQsC&hl=de

Written by bronsteyn

5. Juni 2009 at 9:23 pm

Veröffentlicht in Geschichte, Korea, Korea-Krieg, US-Imperium

1222 Ereignisse während des Koreakrieges als Genozid (Völkermord) klassifiziert

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Die südkoreanische Wahrheits- und Versöhnungskomission / Truth and Reconciliation Comission hatte 2007/12/04  insgesamt 1222 Ereignisse während des Koreakrieges als Genozid, d.h. Völkermord, klassifiziert.

Zu dieser Klassifizierung ist grundsätzlich zu sagen, dass sie relativ strikten Regeln folgt und keine propagandistische Floskel darstellt.

wikipedia schreibt dazu:

Am 9. Dezember 1948 beschloss die Generalversammlung der Vereinten Nationen in der Resolution 260 die „Konvention über die Verhütung und Bestrafung des Völkermordes(Convention pour la prévention et la répression du crime de génocide, Convention on the Prevention and Punishment of the Crime of Genocide), die am 12. Januar 1951 in Kraft trat.

(Grauenhafte Ironie: genau diese UNO führte zur gleichen Zeit einen Krieg, in dem es zu genau den besprochenen Genoziden kam)

Die Konvention definiert Völkermord in Artikel II als „eine der folgenden Handlungen, begangen in der Absicht, eine nationale, ethnische, rassische oder religiöse Gruppe ganz oder teilweise zu zerstören“:

a) das Töten von Angehörigen der Gruppe
b) das Zufügen von schweren körperlichen oder seelischen Schäden bei Angehörigen der Gruppe
c) die absichtliche Unterwerfung unter Lebensbedingungen, die auf die völlige oder teilweise physische Zerstörung der Gruppe abzielen
d) die Anordnung von Maßnahmen zur Geburtenverhinderung e) die gewaltsame Überführung von Kindern der Gruppe in eine andere Gruppe

weiter:

Zu beachten ist, dass nur die Absicht zur Vernichtung der Gruppe erforderlich ist, nicht aber auch die vollständige Ausführung der Absicht. Es muss eine über den Tatvorsatz hinausgehende Absicht vorliegen, eine nationale, ethnische, rassische oder religiöse Gruppe als solche ganz oder teilweise zu zerstören. Die Handlungen nach Artikel II Buchstaben a) bis e) der Konvention (in Deutschland umgesetzt durch § 6 Abs. 1 Nr. 1 bis 5 VStGB) hingegen müssen tatsächlich (und willentlich) begangen werden. Dies bedeutet insbesondere, dass es nicht vieler Opfer bedarf, damit die Täter sich des Völkermordes schuldig machen. Bloß ihre Vernichtungsabsicht muss sich auf die ganze Gruppe oder einen maßgeblichen Teil von ihr richten. Die Täter erfüllen den Straftatbestand beispielsweise, wenn sie – in dieser besonderen Absicht – einzelnen Gruppenmitgliedern ernsthafte körperliche oder geistige Schäden zufügen oder den Fortbestand der Gruppe verhindern wollen, etwa durch Zwangskastration. Eine Anklage wegen Völkermord bedarf daher nicht der Ermordung auch nur eines Menschen.

Umgekehrt gilt auch: Handlungen nach Artikel II Buchstaben a) bis e) der Konvention sind kein Völkermord, wenn ihr Ziel nicht darin besteht, eine Gruppe ganz oder teilweise zu vernichten, egal wieviele Mitglieder getötet oder sonstwie beeinträchtigt werden. Solche Maßnahmen sind ebenfalls kein Völkermord, wenn ihr Ziel darin besteht, eine Gruppe auszurotten, die nicht durch nationale, ethnische, rassische oder religiöse Eigenschaften definiert ist.

Die Definition des (international anerkannten) Straftatbestandes des Genozids ist also nicht unheikel und stellenweise sichtlich auch juristisch- künstlich.

Schön, aber mit diesem Wissen im Hintergrund betrachten wir mal die Angaben der südkoreanischen TRC.

After close examination of 7,533 civilian genocide incidents around the time of the Korean War, finally 1,222 of these cases have been classified as genocides. Such a classification and decision has a significant meaning, since the characteristics of truth-finding investigations hereafter will reflect this classification and decision.

Also von 7533 untersuchten Ereignissen während des Koreakrieges wurden gemäß obiger Definition 1222 Fälle als Genozid eingestuft. Ich vermerke nochmals, dass der Begriff „incident“ (Fall) nichts über die konkreten Opferzahlen aussagt. Ein Fall ist ein Fall, egal ob zehn oder hunderttausend Menschen Opfer des Genozids wurden. Trotzdem sind die Zahlenangaben der TRC aufschlussreich:

Das TRC unterscheidet bei diesen 1222 Fällen (incidents) neun Typen:

  • 552 Massaker durchgeführt durch Soldaten und Polizeikräfte
  • 303 Fälle „vermutlichen Verrates“ (mir nicht ganz klar, was gemeint ist): suspected treason
  • 215 Fälle durchgeführt durch US – Soldaten. Hier schreibt TRC: In particular, the civilian massacres committed by the US army during the Korea War are high in number.  As of November 2007, about 215 sites have been found to be sites where civilian massacre by the US Army took place.  So far there has not been any investigation with the exception of the Nogeunri Incident, thus the exact number of deaths and details of linkage to the US Army are not known.  Accordingly, a nationwide investigation seems inevitable. Das TRC spricht also von einer „hohen Zahl“ an Massaker an Zivilisten, die durch die US – Armee (und nicht durch ihre südkoreanischen Marionetten) durchgeführt wurden. Es fügt hinzu, dass ausser den Nogeunri – Massaker noch keines näher untersucht worden ist, so daß die genaue Zahl der Opfer sowie der Verwicklung der US – Armee noch gar nicht wirklich bekannt sind. Das TRC schreibt, dass eine landesweite Untersuchung unverzichtbar zu diesem Thema ist.
  • 101 Einzelfälle des sogenannten Bodoyeonmaeng Massacre (was ich bislang als Bodo-Laegue-Massaker bezeichnete). Hierzu schreibt TRC: Bodoyeonmaeng was a national organization with 300,000 members formed to control and convert the leftists. When the Korean War broke out, the government feared that the members who were formerly leftists could not be trusted and ordered the killing of the members in the Pyeongtaek region. It is estimated that more than 100,000 members of the Bodoyeonmaeng were massacred. Die Zahl 100000 gilt also als „gesichert“, die Schätzungen, so erfuhr ich aus anderen Quellen, liegen in jedem Fall mehrfach so hoch.
  • 26 Fälle von Massakern an politischen Gefangenen (der Begriff Prisoner bezieht sich, das ergibt sich aus dem Zusammenhang, auf inhaftierte politische Gefangene. TRC schreibt hierzu: Immediately after the start of the Korean War, from July 4 to 6, 1950, around 1,800 political prisoners in the Daejeon Prison were massacred. At that time, the prison held about 37,000 prisoners altogether and it is estimated that about 20,000 prisoners were killed in all (17,000 prisoners originally from Pyeongtaek were spared). Among the deaths, there were detainees who had not yet received their sentences and it is said that some had been arrested during illegal inspections.Es gilt also als „gesichert“, dass das Rhee-Regime vom 4. bis zum 6. Juni 1950 18000, insgesamt 20000 von 37000 politischen Gefangenen umbrachte.
  • 20 Fälle im Rahmen des Yeosun Massacre. Es handelt sich um den Soldatenaufstand in der südkoreanischen Stadt Yeosun (auch Yosu transkribiert). Die ca 3000 Soldaten weigerten sich, gegen die Aufständischen von Jeju im Rahmen des Jeju – Massakers (das im übrigen hier nicht erfasst ist, da es nicht im engeren Sinne zum Koreakrieg zählt)  zum Einsatz gebracht zu werden (was Hochachtung verdient) Hierzu schreibt TRC: The Yeosun Massacres refers to a series of events that include a soldiers‘ uprising caused by 3,000 soldiers belonging to the ROK Army stationed in Yeosun region when they refused to carry out the order to repress the Jeju 4.3 Incident. The consequent repression resulted in counter-terrorism, massacres, looting and arson. A total of 2,634 people were killed in 7 regions including Yeosun and 4,325 were missing. Sie lesen ja selbst: 2634 Ermordete und 4325 Vermisste. Es handelt sich offensichtlich NICHT um die Ereignisse dieses Soldatenaufstandes selbst (der zeitlich VOR dem Ausbruch des Koreakrieges lag), sondern um die darauf folgende Repressionswelle im Rahmen des Koreakrieges.
  • 3 andere Fälle.

Zum unterdessen gut dokumentierten Kriegsverbrechen von Nogeun-Ri schreibt TRC:

On July 25th, 1950, Korean villagers were forced by U.S. soldiers to evacuate their homes and move south. The next day, July 26, the villagers continued south along the road. When the villagers reached the vicinity of Nogeunri, the U.S. soldiers stopped them at a roadblock and ordered the group onto the railroad tracks, where the soldiers searched them and their personal belongings. Although the soldiers found no prohibited items (such as weapons or other military contraband), the soldiers ordered an air attack upon the villagers via radio communications with U.S. aircraft. Shortly afterwards, planes flew over and dropped bombs and fired machine guns, killing approximately 100 villagers on the railroad tracks. Those villagers who survived sought protection in a small culvert underneath the railroad tracks. The U.S. soldiers drove the villagers out of the culvert and into double tunnels nearby. The U.S. soldiers then fired into both ends of the tunnels over a period of four days (July 26-29, 1950), resulting in approximately 300 additional deaths.

Ich hatte ja schon Filmdokumente über dieses Verbrechen präsentiert.

Doch damit nicht der Eindruck entsteht, das TRC wäre einseitig oder gar – wie von rechtsradikalen Kreisen in Südkorea gern unterstellt – von Nordkorea gesteuert. Auch Übergriffe und Erschiessungen durch nordkoreanische Truppen werden dokumentiert:

Ganghwa Civilian Massacre by North Korean Forces

Verified on December 30, 2008

The Commission confirmed that local leftists, North Korean troops, and local police forces killed dozens of civilians shortly before the North Korean military withdrew from the area. The mass killings occurred between July 25, 1950, and early October 1950.

Die Komission bekräftigt, dass „lokale Linke“, nordkoreanische Truppen und „lokale Polizeikräfte“ in Ganghwa dutzende von Zivilisten töteten, bevor die nordkoreanische Armee das Gebiet räumte. Diese Erschiessungen ereigneten sich zwischen dem 25. Juli und Anfang Oktober 1950.

The Commission identified a total of 66 victims. This included 55 victims whose surviving family members had submitted petitions to the Commission. It is recommended, and if the family agrees, that the Family Registry be revised to reflect the new findings. This would include facts surrounding the victim’s death including information on his or her death certificate.

Die Komission identifizierte 66 Todesopfer, gemeldet durch 55 überlebende Familienmitglieder. Das TRC räumt aber ein, dass diese Fälle nochmals geprüft werden müssen.

Es ist anzunehmen, dass es sich bei diesen Opfern um Angehörige der extremen Rechten um Syngman Rhee handelte. Ich möchte auch diese durch lokale Linke und Nationalisten mit Unterstützung der nordkoreanischen Armee durchgeführten Erschiessungen nicht rechtfertigen. Doch der Unterschied zwischen den Opferzahlen (66 versus „mindestens 100000“ plus plus plus) ist frappierend.

Es passt so gar nicht zu den bisherigen Legenden über die blutrünstigen „Kommunisten“, die aus dem Norden über das „demokratische“ „friedfertige“ Südkorea hergefallen wären. Auch ist es bemerkenswert, dass TRC die Rolle „lokaler Linker“ und „lokaler Polizeikräfte“ hervorhebt. Was waren das für „lokale Polizeikräfte“ im von Rhee terrorisierten Südkorea? Entweder waren es Überläufer oder Repräsentanten eines lokalen Volkskomitees, gebildet aus der einheimischen (südkoreanischen) Bevölkerung. Die erneute Bildung von Volkskomitees (räteartigen Strukturen) im Verlauf des Vormarsches der nordkoreanischen Armee kann als gesichert gelten.

Dieses Ereignis liefert also auf seine Weise nochmals zusätzlich den Beweis, dass Syngman Rhees Regime bei der südkoreanischen Bevölkerung verhasst war und dort keine wirkliche Basis hatte.

Written by bronsteyn

5. Juni 2009 at 3:10 pm

Veröffentlicht in Korea, Korea-Krieg, US-Imperium

US-Kriegsverbrechen in Korea 1950-53 (einige Videos)

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Ich möchte zu meinen bisherigen Artikeln zum Koreakrieg einige Videos nachreichen.

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Bislang (so etwa bis zum Jahr 2000) wäre man ja geneigt gewesen, die nordkoreanischen Darstellungen der US-Kriegsverbrechen während des Koreakrieges wenigstens für Übertreibungen oder gar propagandistische Legenden zu halten. Doch seit der Aufdeckung etwa des Bodo – League – Massakers (massenhafte Ermordung südkoreanischer politischer Häftlinge durch die südkoreanische Regierung Sommer 1950) durch die südkoreanische Wahrheits- und Versöhnungskomission gewinnen auch die nordkoreanischen Darstellungen der amerikanischen Kriegsverbrechen während dieses Krieges an Glaubwürdigkeit.

Dieses Video zeigt Aufnahmen aus den Exponaten des Sinchon-Ri Museum in North Korea.

Dieses Video zeigt den Mitschnitt einer Präsentation einer Museumsführerin im Sinchon-Ri Museum in North Korea.

Ein Video mit Filmaufnahmen seitens amerikanischer Kameraleute, auch der englische Kommentar entstammt einem History-TV-Channel. Die nähere Quelle ist mir noch unbekannt. Der youtube-User johnrigs123 ist nordkoreanischer Sympathien vollkommen unverdächtig, wie man aus seinem Profil ersehen kann, sondern gehört nach meiner Einschätzungmöglicherweise  der „libertären“ Rechten in den USA an oder neigt ihr zu. Er progagiert ein entschiedenes Christentum (mit sektiererischen Zügen). Soviel zu Quellenanalyse und Quellekritik: kein Nordkorea-Sympathisant.

Die dem Video zugrunde liegende TV – Dokumentation würde ich noch gern ermitteln, vielleicht können Sie ja helfen, Liebe Leser.

Thema des Videos ist das US-Massaker von Ngeun.ri

Ein weiteres Video, gleiche TV-Doku, gleicher Uploader.

Written by bronsteyn

5. Juni 2009 at 1:26 pm

Veröffentlicht in Korea, Korea-Krieg, US-Imperium

Und wieder Korea und seine Vorkriegsgeschichte

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Es ist wirklich erstaunlich, auf was ich bei meinen Recherchen so stosse. Nein, erfreulich sind diese grauenvollen Dinge nicht, die ich da so ausgrabe. An jedem Zipfel, an dem ich zupfe, stoße ich auf ein vertuschtes und vergessenes Verbrechen.

Habe ein interessantes, teilweise online zu lesendes Buch entdeckt:

The Korean War 1945-1953

By Hugh Deane

weitere interessante Seiten, auf die ich stiess:

http://zeroempty000.blogspot.com/2006/02/massacres-of-civillians-under-and.html

Summer of Terror: At least 100,000 said executed by Korean ally of US in 1950 [with interactive video]

The South Korean Massacre at Taejon: New Evidence on US Responsibility and Coverup

http://briandeutsch.blogspot.com/2008/10/60th-anniversary-of-yosu-rebellion.html

Es handelt sich in der Tat nicht um „ein paar Leichen im Keller“ des US – Imperialismus, sondern mindestens um hunderttausende, wenn man die ganzen Ziviltoten und Gefallenen des Koreakrieges hinzuzählt, sogar um Millionen.

Und die gleiche Klientel, die für diese abscheulichen Massaker verantwortlich sind, bzw. deren heutige Nachfolger, reden heute vom „Irren in Pyöngyang“. Ich will Kim Jong Il, der für mich aussieht wie ein Büroangestellter, sicher nicht in irgendeiner Weise promoten.

Aber die wirklichen Irren sitzen bis heute im Pentagon, in Langley und im Weissen Haus.

Und sie machen einfach so weiter.

Wie lange noch?

Written by bronsteyn

5. Juni 2009 at 1:49 am

Veröffentlicht in Korea, Korea-Krieg, US-Imperium

Koreakrieg – ein Krieg der Konterrevolution

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Verhaftung eines Demonstranten in Seoul 1948

Verhaftung eines Demonstranten in Seoul 1948

Je mehr ich über den Koreakrieg recherchiere, auf desto erstaunlichere undüberraschendere Fakten stosse ich. Einen Artikel aus dem Jahr 2000 möchte ich Ihnen nicht vorenthalten – er ist mal wieder auf englisch (aber wenigstens nicht auf koreanisch oder japanisch, was ich beides nicht ansatzweise beherrsche).

Der Artikel ist von Iggy Kim (offenkundig ein koreanischer Name) und erschien auf den Webseiten der australischen Partei Green Left im Juli 2000. Ich gebe den Artikel vollständig auf englisch wieder. Da ich mich nicht in der Lage sehe, ihn in aller Kürze vollständig zu übersetzen, habe ich nach dem englischen Text seine wichtigsten Aussagen exerpiert  und  ihn durch einige Bemerkungen meinerseits ergänzt. Zur Überprüfung der Korrektheit meines Exerpts habe ich den vollständigen englischen Text so belassen wie er ist.

Am Schluß folgen noch zusammenfassende Thesen von mir.

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The Korean War: a war of counter-revolution

SEOUL — Fifty years after the outbreak of the Korean War, it is still seen as a war to defend peaceful South Korea against the aggressive ambitions of “totalitarian” North Korea. This theme dominated the 50th anniversary memorial speeches here last month, soon after the summit meeting in Pyongyang between the South’s Kim Dae Jung and the North’s Kim Jong Il.

The extremity of North Korea’s Stalinist distortions make even the most sympathetic leftist believe that such a bizarre regime is capable of anything, with the result that the view spread by Seoul and Washington that the root of the Korean War was the North’s “invasion” has not been vigorously contested by the left outside Korea.

In 1950, the division between north and south had been recently imposed from without. It had no legitimacy in the eyes of most Korean people.

A five-year revolution and counter-revolution escalated into the Korean War — the final and most savage step in the crushing of a workers‘ and peasants‘ revolution that followed the defeat of the Japanese in World War II.

Origins

The Korean population extended into Manchuria and Siberia. After Japan annexed the Korean peninsula in 1910, an armed resistance took root in these areas and waged attacks on occupied Korea. Until 1945, this region-wide dynamic played a vital part in the revolutionary struggle.

After the 1917 Russian Revolution, Japanese imperialism assisted the counter-revolution in Siberia, using its Korean colony as a base. A Japanese victory over revolutionary Russia would have led to greater subjugation for the Korean people.

The Korean resistance found a natural ally in Russia’s revolutionary movement and a joint fight against Japan was waged. To politically assist this alliance, the Bolshevik leadership dispatched Alexandra Kim, a Bolshevik of Korean origin, to Siberia.

During the struggle, many Siberian Koreans were won to socialism. A sizable number joined the Russian Communist Party and many others established separate organisations. The most significant was the Korean People’s Socialist Party, formed by resistance leader Yi Dong-Wi at Khabarovk in June 1918.

In August 1919, after a major offensive by Tsarist forces, Yi and other resistance fighters retreated to China alongside a wave of Korean refugees.

Meanwhile, within Korea, a liberal bourgeois independence movement gathered momentum. On March 1, 1919, mass marches to proclaim a US-style declaration of independence were held. Over subsequent months, the March 1st Movement mobilised 2 million Koreans in more than 1500 demonstrations.

The movement appealed to the imperialists who were conferring in Versailles on how to carve up the globe and share the loot of victory. As a victor, Japan’s free hand in the Far East went unchallenged.

The Japanese viciously crushed the March 1st Movement. Troops fired into the mass marches, beheaded children, crucified Christians and carried out scores of other atrocities. More than 7500 people were killed and 16,000 were injured.

Several leaders fled to China and helped establish the Korean Provisional Government (KPG) in Shanghai in April 1919. Yi Dong-Wi and some other socialists joined the KPG shortly afterwards. Some of the liberal bourgeoisie in this alliance, dismayed at the West’s silence about the crushing of the March 1st Movement, turned to the Bolsheviks for assistance. Two of them accompanied Yi as delegates to the First Congress of the Peoples of the East in Soviet Baku in 1920.

The KPG did not last long. A section, based around Rhee Syngman, later South Korea’s repressive first president, continued to see lobbying the US as the ultimate solution. After Yi’s arrival in Shanghai in 1920, factional strife erupted over the issue of financial aid from the Soviet Union.

Yi returned to Siberia to reorganise the guerillas. The effort collapsed amidst a violent conflict with the Soviet Red Army, the “free city incident”. Yi died in Siberia in 1924.

In 1925, Rhee Syngman was expelled from the KPG for embezzlement and returned to the US. The KPG had been torn apart and the remaining figures sought support from Chiang Kai-Shek’s Kuomintang.

A generation gap emerged. Those who remained in China increasingly became irrelevant as the renewing movement inside Korea moved leftward and a new generation of guerillas regrouped in Manchuria. A new unity with the Chinese Communists‘ struggle and continued assistance from the Soviet Union gave the new guerilla movement momentum.

Within Korea, the labour movement became more important. After the 1910 annexation, the Japanese evicted many Korean peasants and forced them into the factories. The struggles of this new working class readily took an anti-imperialist character.

In the 1920s, due to a rapid boost in Japanese investment, the working class expanded considerably in size and class consciousness. Between 1926 and 1931, the number of industrial clashes more than doubled and the number of workers participating in them rose from 5984 to 21,180.

Inspired by the workers‘ struggles and the Russian Revolution, and sobered by the lessons of the March 1st Movement, communist circles sprang up throughout Korea and began fusing with the workers‘ movement. This changed balance of class forces put the politically conscious workers at the centre of the independence movement.

However, throughout the 1920s, repeated crackdowns and internal divisions hampered the development of a national communist organisation. National coordination was to be found only in the wider independence movement. In 1927, a broad national liberation front, the Sin-gan-heh, was formed and quickly established more than 100 branches outside Seoul, its membership reaching about 30,000. A parallel women’s organisation, the Gu-nu-heh, was also formed.

Consolidation

The Korean communist movement consolidated into two geographically separate tendencies in the 1930s. In 1932, the Chinese Communist Party in Manchuria combined Korean and Chinese partisans into the Northeast Anti-Japanese United Army. Kim Il-Sung, who had joined the guerilla movement in 1930, was made commander of the sixth division.

In the late 1930s, Kim Il-Sung’s division scored a number of spectacular successes against Japanese forces, earning him widespread respect among Koreans in Manchuria and north-eastern Korea.

In the greater part of the Korean peninsula, the scattering of underground communist groups began to come together around the leadership of revolutionary worker Park Hun-Young, based in Kwangju. Facing direct Japanese occupation and lacking the international assistance received by the Manchurian tendency, the “Peninsular tendency” faced greater obstacles. It carried out much of its work through its leadership of the National Council of Trade Unions (Jun-pyoung).

Turning point

A turning point was reached in 1937 when the Sino-Japanese War erupted. The majority of right-wing Korean nationalists went over to the Japanese, openly accepting their rule.

In contrast, the revolutionary workers and peasants intensified the struggle. While Park Hun-Young’s group consolidated as the major left force, it was unable to fully weld together the peninsula-wide movement. As well, many of the movement’s leaders were arrested and killed.

At the outbreak of the World War II in 1939, the Japanese manoeuvred to further divide the Korean independence movement by bribing and neutralising the remaining bourgeois nationalists. This was in preparation for Japan’s later entry into the war. As the bridgehead into the north Asian landmass, the Korean peninsula was pivotal for Japanese imperialism.

Moreover, at the start of 1941, the fortunes of the guerilla war began turning against the Koreans. Many leaders were killed in combat or executed after capture. By March, Kim Il-Sung was among just a handful of surviving partisan leaders with authority and experience.

Kim and his remaining soldiers fled to Siberia and became integrated into a guerilla unit of the Soviet Red Army that carried out incursions into Manchuria. Many others fled further south-west to Mao Zedong’s Chinese Communists‘ headquarters at Yenan and became more directly involved in the Chinese movement.

Revolution

By August 1945, with Japan on its knees, Korea’s workers and peasants rose in revolution. Democratic people’s committees mushroomed and took sweeping control of industry and the land. This momentous revolution in its democratic stage forged an alliance of all pro-independence forces.

In addition to Park Hun-Young’s group, the other major force in this alliance was the Committee for the Preparation of Korean Independence (CPKI). Set up by the Japanese to ensure its troops a safe withdrawal from Korea, the CPKI was composed of left liberals who, while amenable to negotiating with the retreating Japanese, had retained popular legitimacy for not having previously gone over to the colonial rulers. Its head was Yo Un-Hyong, a KPG leader in China who had been brought back to Korea by Japanese agents in 1927 to serve a prison term.

Exiled groups began to return from China, Siberia and the US. Kim Il-Sung’s partisans marched from Siberia as a liberating army alongside Soviet troops. These exiles, too, were integrated into the emerging revolutionary government.

On September 6, 1945, these disparate forces and representatives of the people’s committees proclaimed a Korean People’s Republic (KPR) in Seoul on the basis of a 27-point program. The key points related to land redistribution, nationalisation of major industries, rent control, an eight-hour day and a minimum wage.

On September 8, Park Hun-Young’s group established itself in Seoul and became the Korean Communist Party (KCP) and the US military began arriving to occupy Korea south of the 38th parallel.

The US and the Soviet Union were to jointly oversee Korea’s “decolonisation” on either side of the “temporary” border at the 38th. The revolution’s contrasting paths in the North and South were shaped by the fundamentally different nature of the US and Soviet occupations.

In the North, Kim Il-Sung’s forces established their centre in Pyongyang and became the northern branch of the KCP. Through a separate congress of people’s committees from the five northern provinces, it began implementing the KPR program.

Counter-revolution

In the South, the KCP initially welcomed the US as an ally and sought its assistance for the KPR government. However, US General John Hodge immediately began recruiting Japanese collaborators to the US Military Government in Korea (USMGIK) formed on September 9.

Under USMGIK protection, the forces around Rhee Syngman launched a counter-revolution. Rhee conducted a ruthless terror campaign, assisted by thousands of members of the landlord class and Japanese collaborators fleeing the revolution in the North. Northern reactionaries formed a network of extreme right-wing youth groups, of which the most infamous — the Sobuk (north-west) Youth — astounded even the US military with its barbarity.

On December 8, the USMGIK banned strikes. On December 12, the revolutionary government was outlawed and the people’s committees ordered to disband. On December 18, Hodge created a southern army led by Koreans who had fought with the Japanese military.

Later in December, the US, Soviet Union and Britain met to decide the future of Korea. In an attempt to appease imperialism, Joseph Stalin agreed to put Korea under the joint trusteeship of the US and USSR for five years, thereby abandoning the revolution in the South.

By February 1946, the KPR government was thoroughly polarised. The two most prominent centrists, Kim Ku and Kim Kyu-Shik, had joined Rhee in an anticommunist coalition called the Representative Democratic Council (RDC). At the other pole, the southern KCP had quickly shed its illusions in the US and moved underground to build a struggle against the USMGIK. Above ground, the KCP, Yo Un-Hyoung and other leftists formed the Democratic National Front.

In March, the anticommunist Korean Labor Federation for the Promotion of Independence (No-chong) was formed. With assistance from the RDC, the bosses, police, right-wing terror gangs and the US, No-chong launched a campaign of thuggery and harassment against the Jun-pyoung. In May, Rhee ordered the offices of several popular newspapers to be smashed up. Hodge arrested key KCP and other leftist leaders on the pretext of a counterfeit ring.

The leaders, including Park Hun-Young, who managed to evade the crackdown, fled to Haeju, just north of the 38th parallel, where they attempted to foster the increasingly militant mass opposition movement.

On September 23, a strike by 8000 railway workers in Pusan quickly grew into a general strike of workers and students in all the South’s major cities. The US military arrested strike leaders en masse.

In Taegu, on October 1, huge riots occurred after police smashed picket lines and fired into a crowd of student demonstrators, killing three and wounding scores. The enraged workers killed 38 police.

In Yongchon, on October 3, 10,000 people attacked the police station and killed more than 40 police, including the county chief. Some 20 landlords and pro-Japanese officials were also killed.

Defeat

A few days later, the US military declared martial law to crush the uprising. They fired into large crowds of demonstrators in numerous cities and towns, killing and wounding an unknown number of people.

The director of the US Department of Transportation described the US military’s role in Taegu: “We were out to break that thing up and we didn’t have time to worry too much if a few innocent people got hurt. We set up concentration camps outside of town and held strikers there when the jails got too full. It was war.”

By the end of October, the Jun-pyoung lay in ruins and an enormous amount of revolutionary energy and confidence had been destroyed. The tragic defeat revealed the weakness of the KCP in the South. The leadership in Haeju had been unable to concentrate the uprising into a well-coordinated revolution. The October struggles had been essentially local and spontaneous, and lacked effective political leadership.

In the North, the position of Park Hun-Young vis-a-vis Kim Il-Sung was severely weakened and a heated debate about how to restore the revolution in the South began. The view took hold that the southern movement did not have the capacity to do this without a military initiative from the north.

In the South, Rhee dispensed with his “left” allies. He had Kim Ku and Kim Kyu-Shik assassinated. By the end of 1947, Rhee’s regime was strong enough for the US to push for United Nations-sponsored May 1948 elections to ratify a capitalist republic in the South.

The prospect of a permanent division of Korea sparked renewed upheaval. When mass demonstrations failed to stop the sham election, some workers and peasants began localised guerilla battles in early 1948.

Cheju

The fiercest fighting took place on the southern island of Cheju, where the people’s committees were deeply rooted. During the colonial JOperiod, the majority of Cheju people left the island to work in the industrial centres of Manchuria and the northern-most part of Korea where they became deeply involved in the workers‘ and independence movements. In 1945, filled with hope by the revolution, they returned to Cheju.

On April 3, 1948, Cheju’s KCP and people’s committees initiated a sweeping counter-offensive. By early June 1948, the People’s Liberation Army (PLA) — operating from caves, bunkers and tunnels and armed with weapons left behind by the Japanese — had liberated most villages in the interior of the island.

Meanwhile, the sham election had gone ahead on May 10, run by the ultra-rightist National Police on a restricted franchise and boycotted by most parties. Rhee was swept to power and on August 15 formally established the Republic of Korea (ROK).

Rhee’s response to the Cheju uprising was single-minded. Under US command, the ROK military, police and terror gangs unleashed one of the most vicious episodes in the counter-revolution.

By April 1949, 20,000 homes had been destroyed and about 100,000 people (one-third of the population) had been removed to coastal areas under ROK-US control. Torture, mutilation, gang rape and arbitrary execution were rife.

By the end, about a quarter of the Cheju population had been massacred. The US embassy happily reported: “The all-out guerilla extermination campaign came to a virtual end in April with order restored and most rebels and sympathizers killed, captured, or converted”.

However, sections of the PLA survived and regrouped in Halla Mountain in the island’s centre. There they continued their struggle after the start of the Korean War and were not vanquished until 1952. Survivors of the PLA remained hidden in the caves until 1959.

Yosu

On October 19, dissident ROK soldiers in the port city of Yosu rose in opposition to being mobilised for the war in Cheju. About 2000 insurgent soldiers took control of the city. By October 20, a number of nearby towns had also been liberated.

Yosu’s citizens paraded with red flags and shouted slogans. At a mass meeting on October 20, the people’s committee was reinstated as the governing body. People’s courts were established to try police officers, landlords, regime officials and other supporters of the Rhee dictatorship.

In the suppression that followed, the Rhee regime was hell-bent on weeding out all rebel elements in the army. The bloodletting was planned and directed by the US military.

The Korean War

Despite the defeats in 1946 and 1948-9, the struggle to complete the revolution did not subside until after the counter-revolution had escalated into all-out war in 1950-3.

In those horrific years, the US — still smarting from the “loss” of China — led 16 other countries to defeat the Korean revolution once and for all. The US saw as the “enemy” the mass of Korean working people, and committed and condoned enormous atrocities.

The US occupation had from the very start been characterised by mass cruelty legitimised by racism. As a French journalist poignantly summed it up at the time, “[The Koreans] were not even communists, they were gooks”.

The commanding officer of the invading forces at the time, Douglas MacArthur, stated later: “I would have dropped between 30 and 50 atomic bombs, strung across the neck of Manchuria, spread behind us — from the Sea of Japan to the Yellow Sea — a belt of radioactive cobalt”. The US did not go that far, but it used napalm, germ warfare, carpet-bombing, massacres of civilians of all ages and concentration camps even for children.

When the US occupied the North, it unleashed a barbaric revenge. The extent of the atrocities was revealed by the discovery of mass graves in the North long after 1953.

So massive was the destruction that Korea would still be in ruins had it not been for the worker-led reconstruction of the North, and the massive US funding to rebuild the South as an anticommunist bulwark.

Industrialisation in the South

After the forces of North in the early part of the war helped southern workers again liberate the peninsula, the reestablished people’s committees carried out sweeping land redistribution to poor peasants.

When the US regained control of the South, its class relations had changed substantially and the invaders saw the political dangers in reversing measures which were, on the whole, not critical for imperialism.

The land redistribution broke the landlord class, aiding the rapid growth and dominance of an industrial capitalist class in the South. After the war, this class did all it could to ensure no repeat of the 1945 revolution or its expansion from the north. The ROK was subjected to massive anticommunist scare campaigns, fervent indoctrination of its citizens from childhood and a distorted official history of the war and its origins.

This was backed by physical repression by a large US-trained and commanded security apparatus. Anyone suspected of being a “Red” was immediately set upon, interrogated, maybe tortured and blacklisted. The security forces were greatly aided by Rhee’s union federation, which politically policed the labour movement. In April 1960, No-chong became the conservative Federation of Korean Trade Unions.

The counter-revolution also helped to fossilise the Democratic People’s Republic of Korea’s (North Korea) Stalinist party bureaucracy. During the war, Kim Il-Sung had opposition factions suppressed and their leaders killed, and democracy within the state and party was severely curtailed. After 1953, the heavily militarised standoff between the North and South continued to give Kim’s autocracy a measure of legitimacy.

In such a hostile and war-weary climate, the revolutionary movement was not to revive on a significant scale until the 1980s.

BY IGGY KIM

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Zusammenfassung der wichtigsten Aussagen von Iggy Kim

Da mir die Zeit fehlt, den Artikel vollständig zu übersetzen, hier die wichtigsten Punkte, die mir auffielen und zu denen mir was einfällt:

  • Der Autor Kim schreibt, dass über 50 Jahre nach Ausbruch des Koreakrieges dieser immer noch (von vielen und vor allem den Medien) als ein Krieg zur Verteidigung eines friedlichen Südkorea gegen die Ambitionen eines „totalitären“ Nordkorea gesehen wird. Die „Extremität“ des nordkoreanischen stalinistischen Systems lassen sogar den „sympathischsten Linken“, so Kim, glauben, dass das nordkoreanische System zu so etwas fähig sei (genauer: war; dies bezieht sich wohl auf die „Überfall“-Theorie). Deswegen wurde bislang der von Washington und Seoul verbreiteten Sicht, wonach es sich (1950) um eine nordkoreanische Invasion gehandelt habe, von der Linken ausserhalb Koreas entschlossen widersprochen. Hierzu möchte ich bemerken, dass dies auch genau mein Eindruck ist. Die Exzentritäten in der Selbstdarstellung des nordkoreanischen Systems liess die Linken, sofern sie nicht „kimilsungistisch“ orientiert war, das Thema Korea und Koreakrieg bislang weitgehend meiden. Ich schließe mich selbst dabei noch nicht einmal aus, denn mir ging es bis heute genau so.
  • Weiter schreibt Kim, dass im Jahr 1950 die koreanische Teilung in Nord und Süd aus der Sicht der damaligen Koreaner dem Land gerade aufgezwungen worden war und keine Legitimität in den Augen der Koreaner in Nord und Süd hatte. Ich möchte meinerseits dazu bemerken, dass hierbei die USA offensichtlich den wichtigsten Part spielten. Die sowjetischen Truppen hatten Korea ja schon 1950 geräumt, die US – TRuppen stehen bis heute in Südkorea.
  • Dann aber formuliert Kim deutliche Worte: „Eine fünfjährige Revolution und Konterrevolution eskalierte zum Korea-Krieg“, „ein letzter und grausamer Schritt zur Zerschlagung der Arbeiter- und Bauernrevolution, die auf die Niederlage der Japaner im 2.Weltkrieg folgte“. Ich bin froh, dass Kim, ein Koreaner, diese Sätze in dieser Klarheit formuliert hat, denn dieser Eindruck drängt sich mir auf, seitdem ich mich mit der Geschichte Koreas beschäftige.
  • Kim berichtet dann davon, dass nach der Annektion Koreas durch Japan (1910) sich schon eine koreanische Widerstandsarmee in Sibirien formierte. Diese fand 1917 in den russischen Bolschewiki ihre natürlichen Verbündeten. Die Bolschewiki entsandte die koreanischstämmige Alexandra Kim in die Region und viele Koreaner in Sibirien wurden für den Sozialismus gewonnen. 1918 wurde in Sibirien eine Koreanische Sozialistische Partei begründet. Koreanische Sozialisten mussten 1919 zeitweise vor den zaristischen Truppen (russischer Bürgerkrieg) nach China ausweichen.
  • Im gleichen Jahr (1919) gab es eine bürgerliche Massenbewegung in Korea für die Unabhängigkeit von Japan mit 2 Millionen Demonstranten. Diese Bewegung wurde von Japan gewaltsam zerschlagen. Japan hatte von den europäischen Mächten freie Hand in Korea und China bekommen. Etwa 7500 Menschen wurden getötet, Grausamkeiten verübt, etwa Christen gekreuzigt (die Christen Koreas waren im Unterschied zu denen Chinas oder Japans immer antiimperialistisch gesinnt), Kinder geköpft usw.
  • Damals kam es zur Bildung einer Provisorischen Regierung Koreas (PRK) im Exil, in Shanghai. An dieser beteiligten sich sowohl Sozialisten als auch bürgerliche Nationalisten. Auch Syngman Rhee (die spätere US-Marionette) war daran beteiligt, und der Sozialist Yi Dong-Wi. 1925 wurde Syngman Rhee wegen Unterschlagung aus der PRK ausgeschlossen und ging in die USA. Die PRK zerfiel und geriet unter den Einfluss Chiang Kai-Sheks (Kuomintang).
  • Es kam zu einem „Generationswechsel“. In Korea selbst ging die nationalistische Bewegung nach links und verschmolz mit der Arbeiterbewegung. In der Mandschurei (seit 1932 von Japan besetzt)  entwickelte auch sich eine Guerilliabewegung (gegen die japanische Besatzung), in der Chinesen und Koreaner gemeinsam kämpften.
  • Kim stellt die Entwicklung der koreanischen Arbeiterbewegung dar. Diese entwickelte sich aus enteigneten Bauern, die in die Fabriken gezwungen worden waren (ein Aspekt der japanischen „Modernisierung“ des annektierten Korea). Das ist eine Erklärung für die enge Verflechtung der koreanischen Arbeiterbewegung mit dem Antiimperialismus und dem koreanischen Nationalismus. Aus meiner Sicht: die Arbeiterbewegung, die sich mehr und mehr dem Sozialismus zuwandte, wurde zur eigentlichen Trägerin des koreanischen Nationalismus (dem Nationalismus einer unterdrückten und kolonialisierten Nation).
  • Es gab Spaltungen und Diversifikationen, doch mit „Sin-gan-heh“ entstand 1927 eine breite nationale Befreiungsbewegung mit zehntausenden Mitgliedern, einer Großen Frauenorganisation usw. Eine Kommunistische Partei Koreas existierte damals nicht mehr (war von der Komintern aufgelöst worden, da vielfach gespalten).

Interessant Kims Angaben zur weiteren Entwicklung der kommunistischen Bewegung. Diese konsolidierte sich in zwei auch geographisch unterschiedlichen Strömungen und Schwerpunkten.

  • Da war zum einen die von der Chinesischen Kommunistischen Partei gegründete „Vereinigte Nordöstliche Antijapanische Armee“, in der Chinesen, Koreaner und andere in der japanisch besetzten Mandschurei gemeinsam einen Guerilliakrieg gegen die Japaner kämpften. Zu dieser Armee gehörte auch Kim Il-Sung, der Divisionskommandeur in dieser (vom restlichen China abgeschnittenen) Partisanenarmee war.
  • Der größere Teil der kommunistischen Bewegung Koreas aber konzentrierte sich im besetzten und annektierten Korea selbst um den revolutionären Arbeiterführer Park Hun-Young, und zwar – hochinteressant – vor allem in Gwangju. Diese Strömung besaß im Unterschied zu den Mandschuriern kaum Unterstützung von aussen, führte aber den Gewerkschaftsverband National Council of Trade Unions (Jun-pyoung) an. Zu  Gwanju kurz der Hinweis, dass diese Stadt in Südkorea liegt und viel später (1980) zum Schauplatz eines Aufstandes und darauf folgenden Massakers wurde. Bis heute gilt Gwanju als „rebellisch“.

Dann fährt Kim fort mit den Ereignissen ab 1937. In diesem Jahr brach der Krieg zwischen Japan und China aus. Dies hatte für Korea einige Folgen:

  • Die rechten Nationalisten Koreas (hauptsächlich der besitzenden Klassen) gingen auf die Seite des japanischen Imperialismus über und kollaborierten offen mit den Besatzern. Die japanischen Besatzungsbehörden taten ihrerseits alles, um die koreanische Oberschicht in ihr system einzubinden.
  • Die Arbeiter- und Bauernorganisationen intensivierten ihren Widerstand. Park Hun-Youngs Gwanjuer Organisation war zwar die wichtigste linke Organisation in Korea, wurde aber harter Repression unterworfen. Viele Widerständler (es gab offenbar eine innerkoreanische Guerillia) wurden von der japanischen Repression im Kampf getötet oder nach Gefangennahme ermordet.
  • In der japanisch besetzten Mandschurei erlitten die dortigen Widerstandskräfte gleichfalls Niederlagen. Kim Il Sung musste mit einigen Einheiten nach Sibirien fliehen und wurde dort in Guerilliaeinheiten der Sowjetarmee integriert. Andere Kämpfer der Nordöstlichen Antijapaischen Armee flüchteten in Maos Hauptquartier in Yenan und gliederten sich den dortigen Verbänden der KPCh an.

Was Iggy Kim dann berichtet, war mir bislang auch neu. Er spricht von einer Revolution im August 1945 (also dem Monat der Kapitulation Japans) in Korea:

  • Demokratische Volkskomitees (möglicherweise eine Art Rätestruktur) sprossen „wie Pilze aus dem Boden“ und übernahmen die Kontrolle über Land (Großgrundbesitz war vorherrschend) und Industrieanlagen. In dieser Situation kam eine allgemeine Allianz aller koreanischen Parteien für die sofortige Unabhängigkeit zustande. Neben Park Hun-Young’s kommunistischer Organisation u.a. war dies ein Committee for the Preparation of Korean Independence (CPKI), das sogar von den Japanern in den letzten Monaten ins Leben gerufen worden war, um den Abzug der eigenen Truppen „zu sichern“.  Dieses CPKI wurde allerdings von der Bevölkerung „zurückhaltend“ betrachtet, da es eben mit den Interessen der japanischen Besatzungsmacht eng verbunden war.
  • Mit Kriegsende kehrten koreanische Exilanten in Massen nach Korea zurück, darunter auch Kim Il Sung, an der Seite der siegreichen Sowjetarmee. Die koreanischen Einheiten der Sowjetarmee wurden in „die entstehende revolutionäre Regierung integriert“.
  • Am 6. September wurde in Seoul (also dem heutigen Südkorea) durch verschiedene politische Kräfte und Repräsentanten der Volkskomitees die Koreanische Volksrepublik (Korean People’s Republic KPR) proklammiert, und zwar auf der Basis eines 27-Punkte-Programms, das Landverteilung, Nationalisierung der großen Industrien, Mindestlohn, 8-Stundentag usw. beinhaltete.
  • Am 8. September 1945 begründete die Gwanjuer Organisation Park Hun-Youngs in Seoul die Kommunistische Partei Koreas (KPK).
  • Am gleichen Tag erreichten US-amerikanische Truppen den 38. Breitengrad. Die USA und die UdSSR hatten dies unter sich ausgehandelt. Jede Seite sollte auf ihrer Seite des Breitengrads die „Dekolonialisierung“ durchführen.
  • Kim Il Sungs Partisanen nahmen derweil ihr Hauptquartier in Pyöngyang. Dort riefen sie einen separaten Kongress der Nordprovinzen zusammen, der die Programmpunkte der in Seoul gegründeten KPR (Koreanischen Volksrepublik) ohne Abstriche übernahm. Kim Il Sungs Leute begründeten dann auch die nördliche Organisation der Kommunistischen Partei Koreas.

Um kurz innezuhalten, was die Konsequenz des dargestellten ist: die Demokratische Volksrepublik Korea (heute die offizielle Bezeichnung Nordkoreas) wurde also vor Ankunft der Besatzungstruppen proklammiert, und zwar durch eine breite Front von politischen Strömungen, von der die wichtigste wohl die Volkskomitees waren. Eine Kommunistische Partei Koreas gab es da noch nicht, und Kim Il Sung hatte direkt damit auch nichts zu tun.  Diese DVRK war aus einer antikolonialen Revolution des koreanischen Volkes im Laufe des Zusammenbruchs der japanischen Herrschaft über das Land hervorgegangen. Und diese DVRK wurde in Seoul begründet, also im heutigen Südkorea, und zwar durch im wesentlichen südkoreanische Kräfte, darunter die einflussreiche kommunistische Organisation um Park Hun-Young.

Starker Tobak.

Und wie ging es weiter? Nun, Iggy Kim nennt sein nächstes Kapitel „Konterrevolution“.

  • Die Kommunistische Partei Koreas (Park Hun-Young) begrüßte die ankommenden US-Soldaten als Alliierte. Eine bemerkenswerte Naivität, möchte ich bemerken. Allerdings entsprach das noch voll und ganz der Allianz im Krieg. Auch der vietnamesische Vietminh hatte mit den USA während des Krieges ja zusammengearbeitet, so wie jede antijapanische Bewegung oder Partei in Ostasien.
  • General John Hodge (USA) begann allerdings unmittelbar mit der Rekrutierung von Kollaborateuren (also Koreanern, die für die japanischen Besatzungsbehörden gearbeitet hatten). Das US Military Government in Korea (USMGIK) wurde am 9.September eingerichtet. Syngman Rhee, der vom USMGIK von Anfang an protegiert und unterstützt wurde, sammelte flüchtige „Landlords“ (Großgrundbesitzer) und ehemalige Beamte und Offiziere in japanischen Diensten aus dem Norden und begründete ein Terrornetzwerk, darunter eine Organisation namens Sobuk, die sogar die US-Besatzungsbehörden mit ihrer Brutalität in Erstaunen setzten (Wir erinnern an die Schlägerbanden, die die US-Army-Quelle erwähnte.
  • Doch auch USMGIK blieb nicht passiv. Am 8. Dezember 1945 wurden in der amerikanischen Besatzungszone Streiks verboten, am 12. Dezember 1945 wurde die revolutionäre Regierung (KPR) verboten und die Volkskomitees zur Auflösung aufgefordert. Schon am 18. Dezember 1945 wurde aus ehemaligen Offizieren der japanischen Armee eine „südkoreanische“ Armee aufgestellt.
  • Im gleichen Monat berieten die USA, die UdSSR und Großbritannien über das weitere Verfahren in Korea. Hier ist es bemerkenswert, dass Iggy Kim schreibt: In an attempt to appease imperialism, Joseph Stalin agreed to put Korea under the joint trusteeship of the US and USSR for five years, thereby abandoning the revolution in the South. Also: Stalin versuchte den Imperialismus zu beschwichtigen, indem er zustimmte, Korea unter gemeinsame Verwaltung für fünf Jahre zu stellen, womit er die Revolution im Süden „im Stich liess“, „aufgab“.

Es bleibt zu erwähnen, dass die revolutionäre Regierung Gesamtkoreas, die ja in Seoul am 6.9.1945 proklammiert worden war, zwar von den US-Besatzungsbehörden verboten worden war, aber trotzdem existierte. Wie sich aber leicht nachvollziehen lässt, war diese aus einer breiten Palette zusammengesetzte Regierung aufgrund der Entscheidungen der Großmächte über den Kopf der Koreaner hinweg nun Zerreissproben ausgesetzt.

  • Syngman Rhee begründete im Februar 1946 das Representative Democratic Council (RDC), zu dem einige „zentristische“ Mitglieder der PRK überliefen (Kim Ku and Kim Kyu-Shik). Dieses RDC war explizit „antikommunistisch“ ausgerichtet und Teil des rechtsextremen Netzwerkes um Syngman Rhee. Dieser RDC versuchte nun auch die Gewerkschaftsbewegung zu spalten und begründete Mai 1946 die Korean Labor Federation for the Promotion of Independence (No-chong) gegen die traditionreiche National Council of Trade Unions (Jun-pyoung), die von südkoreanischen Kommunisten geführt wurde.
  • Mit Unterstützung der USMGIK entfalteten Rhee und seine Leute eine gewalttätige Terrorkampagne gegen die National Council of Trade Unions (Jun-pyoung) und die Kommunistische Partei Koreas (wir sprechen hier immer noch vom Süden!!).  Die Büros mehrerer populärer Zeitungen wurden von Rhees Schlägerbanden verwüstet. US-General Hodge half und liess mehrere Schlüsselfiguren der KPK und anderer Linksparteien verhaften.
  • Der legendäre Führer der südkoreanischen Kommunisten, Park Hun-Young, musste in die (nordkoreanische) Stadt Haeju flüchten und versuchte von dort aus die wachsende militante Opposition im Süden zu kordinieren. Ich entnehme diesen Aussagen von Iggy Kim, dass die Führer der südkoreanischen Opposition um ihr Leben fürchten mussten, denn sie hatten nicht nur die ehemaligen Kollaborateure um Rhee gegen sich, sondern auch die US-Besatzungsmacht.
  • Am 23. September 1946 kam es zu einem Streik der Eisenbahnarbeiter in Pusan (Südostkorea), der sich über ganz Südkorea in allen großen Städten ausbreitete. da Streik illegal war, wurden massenweise Verhaftungen durch die besatzungsbehörden vorgenommen.
  • Nachdem in Taegu Polizisten Streikposten angegriffen hatten und in die demonstrierende Menge geschossen hatte (Todesopfer), kam es zum Aufruhr, bei dem 38 Polizisten getötet wurden (Hier ist daran zu erinneren, dass die Polizei sich aus ehemaligen japanischen Polizisten – also Kollaborateuren – zusammensetzte).
  • In Yongchon kam es am 3.Oktober 1946 gleichfalls zu einem Aufruhr, als 10000 Menschen die Polizeistation stürmten und eine ganze Reihe Polizisten und „Landlords“ sowie „projapanische Beamte“ töteten.
  • Die US-Besatzungsbehörden verhängten das Kriegsrecht. Ein amerikanischer Offizier über die Rolle des US-Militärs in Taegu: “We were out to break that thing up and we didn’t have time to worry too much if a few innocent people got hurt. We set up concentration camps outside of town and held strikers there when the jails got too full. It was war.” Aha.

Ende Oktober 1946, so Iggy Kim weiter, war die Streikbewegung und auch der Gewerkschaftsverband zerschlagen. Er führt es darauf zurück, dass die Führung zu schwach war und die ganze Bewegung einen sehr spontanen Charakter hatte. Eine Revolution wäre nach Kim Ansicht möglich gewesen in Südkorea, aber es fehlte eine wirkliche Führung. Gewiss hinderte das die Rhee-Faschisten und die US-Behörden nicht daran, diese Rebellion von 1946 zu einer „kommunistisch gelenkten Verschwörung“ zu erklären, wie das damals bereits „Sprachgebrauch“ war. Ich möchte aber noch einen anderen Punkt anführen: Es war damals ja überhaupt nicht Linie der Stalin – Führung in Moskau, es in Südkorea zu einer Revolution kommen zu lassen. Appeasement gegenüber dem Imperialismus – sagt Iggy Kim ja selbst – war die offizielle kommunistische Linie, nicht nur in Korea, sondern weltweit.

Im Grunde, so scheint mir, versuchte die KP Südkoreas einfach die klassische stalinistische Volksfrontpolitik zu fahren. Die September 1945 proklammierte PRK war nichts anderes als eine klassische Volksfront, sogar unter Einbindung von ehemaligen Kollaborateuren. Es verwundert mich von daher nicht, wenn auch ein Park Hun-Young und andere KP- und Gewerkschaftsführer in Südkorea eher zurückhaltend waren. Man rechnete ja mit einer baldigen Wiedervereinigung, und die Kräfte des Ancien Regime um Syngman Rhee waren trotz ihrer Brutalität wohl chancenlos, in einem vereinten Korea eine nennenswerte Rolle zu spielen.

Versetze ich mich in die Sicht der damaligen Opposition in Südkorea, dann kann ich das durchaus nachvollziehen. Die Lynchjustiz gegen ehemalige japanische Kollaborateure mag da als Exzess des Volkszorns angesehen worden sein, den es nicht unbedingt anzuheizen gelte. Sicherlich machte man sich auch Hoffnungen, dass die US- Truppen eines Tages einfach abziehen würden (wie es die Sowjetarmee ja auch 1948 tat).

Aus heutiger Sicht aber muss ich sagen: welch tragische Naivität, betrachtet mit dem Wissen dessen, wie die ganze Geschichte dann weiterging (bis heute).

Doch zurück zu Iggy Kims Ausführungen. Die zerschlagene Streik- und Auftstandsbewegung in Südkorea Oktober 1946 hatte einige Folgen und Konsequenzen.

  • Für die Kommunistische Partei (Südkoreas). Park Hun-Young in Haeju fand sich gegenüber den ursprünglich eigentlich schwächeren Kräften um Kim Il Sung in Pyöngyang in einer schwachen Position wieder. Die mächtige Organisation und Bewegung der südkoreanischen Kommunisten und Arbeitermilitanten war niedergeschlagen. Die eigentlich aus der mandschurischen Guerillia entstandene Strömung Kim Il Sungs dagegen war in Pyöngyang allerdings im Besitz der Macht. Es gab eine nordkoreanische Armee, und eine Besatzungsmacht (die Rote Armee), die nicht gegen die Kräfte, die sich auf die PRK beriefen vorging.
  • Für die Partei der Arbeit (Nordkoreas). Ursprünglich war Pyöngyang nur der Sitz des nordkoreanischen Büros der Kommunistischen Partei Koreas (Oktobr 1945), der Schwerpunkt dieser Partei war  stets in Südkorea gewesen. Im Zuge der llegalisierung und Verfolgung der Kommunisten in Südkorea gewann die nordkoreanische Abteilung Eigenständigkeit unter Kim Il Sung. !946 erfolgte die Vereinigung mit der „Neuen Volkspartei“, die sich aus Exilanten zusammensetzte, die aus China (und nicht der UdSSR) heimgekehrt waren. Am 29. Juli 1946 erfolgte die Gründung der Arbeiterpartei Nordkoreas.
  • Analog gab es im Süden die Gründung einer Arbeiterpartei Südkoreas, deren Führer jedoch bis 1948 vor der anhaltenden Verfolgung durch das Rhee – Regime nach Norden flohen.

Einige der obigen Angaben habe ich durch Informationen aus wikipedia u.a. ergänzt.

Doch zurück nach Südkorea. Was waren die Folgen der niedergeschlagenen Streikbewegung von 1946? Was ist zu vermuten? Richtig, verschärfte Repression.

  • Syngman Rhee läßt die zu ihm übergelaufenen „Zentristen“ Kim Ku und Kim Kyu-Shik der PRK umbringen (Nähere Umstände schildert Iggy Kim nicht).
  • Das Regime forciert Separatwahlen in Südkorea und provoziert damit weitere Aufstände im Land. Allerdings gelingt es den USA, die Unterstützung der gerade gegründeten UNO für diese Wahlen einzuholen, womit die Geschichte der UNO schon mit „Schandwahlen“ beginnt. „Sham elections“ ist der Ausdruck, den Iggy Kim für diese Wahlen verwendet, die Ende 1947 angesetzt werden und Mai 1948 durchgeführt werden sollen.
  • Kim spricht davon, dass die Aussicht auf eine permanente Teilung Koreas im Süden neue Aufstände hervorrief und Anfang 1948 erste Guerilliaherde entstanden.
  • Die „Schandwahlen“ für Südkorea fanden am 10. Mai 1948 statt und wurden „von den meisten Parteien“ in Südkorea boykottiert und waren auch durch eingeschränkte Wahlrechte gekennzeichnet (was immer das genau heisst).

Iggy Kims nächstes Kapitel behandelt den Jeju – Aufstand (Cheju bei ihm geschrieben), den wir schon kennen. Kurz die wichtigsten Eckpunkte seines diesbezüglichen Kapitels:

  • In der Kolonialzeit 1910-1945 waren Einwohner Jejus meistens als Arbeiter (wohl auch Zwangsarbeiter) in der Mandschurei oder in Nordkorea, wo sie tiefen Kontakt mit den dortigen Aufstandsbewegungen bekommen hatten. Am 3. April 1948 begann dort ein Aufstand durch eine autonome „Volksbefreiungsarmee“ mit erbeuteten japanischen Waffen einen Aufstand (wir wissen aus anderen Zusammenhängen: gegen eine von Rhee aufgezwungene Regionalverwaltung).
  • Die Reaktion auf diesen Aufstand war brutal. Bis April 1949 wurden auf Jeju 20000 Häuser zerstört, 100000 Menschen wurden zwangsumgesiedelt, ein Viertel der Bevölkerung der Insel massakriert, unfassbare Grausamkeiten begangen: Torture, mutilation, gang rape and arbitrary execution were rife.
  • Die US-Botschaft erklärte damals: “The all-out guerilla extermination campaign came to a virtual end in April with order restored and most rebels and sympathizers killed, captured, or converted”. Die Massakeraktionen fanden zu einem Gutteil unter US-Kommando oder zumindestens der Assistenz von „US-Beratern“ statt.
  • Trotzdem, und das ist erstaunlich, überlebten Einheiten der Volksbefreiungsarmee im Gebiet des Halla Gebirges und wurden bis 1952 nicht besiegt (also noch bis in den Koreakrieg hinein). Überlebende versteckten sich bis 1959 in Höhlen.

Dann erwähnt Iggy Kim ein weiteres bedeutsames Ereignis dieser Zeit, von dem ich bislang noch nichts wußte:

  • Im Oktober 1948 meuterten in der Hafenstadt Yosu Soldaten gegen ihre Entsendung auf die aufständische Insel Jeju. Etwa 2000 aufständische Soldaten (der südkoreanischen Armee!!) übernahmen die Kontrolle über die Stadt und befreiten bis zum 20. Oktober weitere Nachbarstädte von den Rhee-Truppen. Die Einwohner von Yosu paradierten mit roten Fahnen und riefen Sprechchöre. Ein Volkskomitee wurde als lokale Regierungsmacht eingesetzt. Volksgerichte wurden eingesetzt, um Kollaborateure des Rhee-Regimes anzuklagen und zu verurteilen. Bei der darauf folgenden Repression (die von US-Offizieren geleitet wurde) wurde die gesamte südkoreanische Armee von „rebellischen Elementen“ „gesäubert.

Starker Tobak. Da wundert mich nichts mehr. Vor dem Hintergrund ist sehr wohl nachvollziehbar, warum die südkoreanische Armee bei Kriegsausbruch 1950 in Massen desertierte.

Kommen wir nun zum Schluss von Iggy Kims Ausführungen.

  • Iggy Kim schreibt, dass trotz der Konterrevolution 1946 und 1948/49 in Südkorea der Kampf zur Vollendung der Revolution nicht nachliess – bis…. ja bis die Konterrevolution in den Koreakrieg 1950-53 überging. Die USA führte 16 andere Nationen an, die das land mit ihren Armeen überschwemmten, um die koreanische Revolution „ein für allemal“ zu zerstören. Und er fügt hinzu, dass die USA in der Abeiterbevölkerung Koreas insgesamt ihren Feind sah und an dieser unglaubliche Grausamkeiten verübte. Die Intervention war dabei auch durch Rassismus gekennzeichnet: As a French journalist poignantly summed it up at the time, “[The Koreans] were not even communists, they were gooks”. Er erwähnt auch die Phantasien des Irren vom US-Oberkommando, MacArthur, über einen radioaktiven Strahlungsgürtel an der Grenze zu China sowie auch die beispielslosen Zerstörungen und Massaker, die die Interventen später in Nordkorea anrichteten.

Die Folgen des Koreakrieges skizziert Iggy Kim wie folgt:

Nachdem die nordkoreanische Armee in einer frühen Phase des Krieges einen Großteil Südkoreas befreit hatte, blühten dort trotz Bombenhagels die Volkskomitees wieder auf und verteilten den Großgrundbesitz an die armen Bauern. Diese Maßnahmen wurden teilweise von den US – Interventen nicht wieder rückgängig gemacht, weil sie wohl die Gefahren sahen, die das mit sich gebracht hätten. Und eine gemäßigte Landreform gefährdet nicht prinzipiell die Interessen des Imperialismus.

Die Landreform ermöglichte aber auch den Aufstieg einer industriellen Kapitalistenklasse in Südkorea nach dem Krieg.

Die Republik (Süd)Korea kennzeichnete sich (bis mindestens 1980) durch massive antikommunistische Hasskampagnen, politische Indoktrination von Kindesbeinen an, eine verfälschte und verlogene Geschichtsschreibung über den Krieg und seine Ursachen. Dies ergänzt durch einen riesigen Sicherheitsapparat, der physische repression ausübte gegen alles was „rot“ war, eine polizeilich gelenkte und drangsalierte Gewerkschaftsbewegung usw. (Federation of Korean Trade Unions)

Die Konterrevolution, so Iggy Kim weiter, half aber auch, die stalinistische Parteibürokratie der DPRK zu „fossilisieren“. Durch und während des Krieges konnte Kim Il Sung oppositionelle Fraktionen in der kommunistischen Partei unterdrücken, ihre Führer teilweise umbringen lassen, und die demokratie in Partei und Staat streng beschränken. Nach 1953 gab das militärische Unentschieden zwischen Nord und Süd der Autokratie Kim Il Sungs ein gewisses Maß an Legitimität, so Iggy Kim.

In einem solch feindseligen und kriegsschwangeren Klima konnte die revolutionäre Bewegung bis in die 80er Jahre nicht mehr wiederbelebt werden, so schließt Iggy Kim.

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Unvollendete und verratene Revolution in Korea

1. Die verbreitete Behauptung, der Korea-Krieg 1950-53 wäre ein internationaler Verteidigungskrieg für eine bedrohte Demokratie in Südkorea gegen eine Aggression aus Nordkorea gewesen, ist ein Geschichtsfälschung und eine Propagandalüge, die entschieden und unbedingt bekämpft, widerlegt und entlarvt werden muss. Die UNO war dabei ein verachtenswertes Instrument einer blutigen Konterrevolution.

2. Nach dem Zusammenbruch des japanischen Kaissereiches fand in Korea eine Revolution statt, die in jeder Hinsicht mit der russischen Revolution zu vergleichen ist – mehr noch als die chinesische, die starke Elemente früherer Bauernaufstände in China 240 v. Chr bis zur Taiping-Revolution aufgriff. Die koreanische Revolution fand aber in einem bereits industriell geprägten Rahmen statt und die industrielle Arbeiterklasse (geschaffen durch die japanische Kolonialisierung) spielte eine führende Rolle.

3. Die frühen Phasen dieser Revolution 1945-48 war durch die Entstehung von Rätestrukturen gekennzeichnet (Volkskomitees).  Es zeigten sich alle Merkmale von Trotzkis Theorie der Permanenten Revolution: das Bürgertum war nicht in der Lage, auch nur die bürgerlich-demokratischen Aufgaben zu übernehmen, vielmehr war es durch die Kollaboration mit dem japanischen Kaiserreich diskreditiert. Die Initiative lag von daher bei der koreanischen Arbeiterklasse.

4. Die führende Partei der koreanischen Arbeiterschaft, die in viele Gruppen gespaltene Kommunistische Partei, war zu Beginn dieser Revolution noch gar nicht als Partei formiert. Die in den Kommunistischen Parteien dominierende Volksfront – Konzeption (Bündnis mit „progressiven“ Teilen der herrschenden Klasse) wurde wohl auch hier vertreten. Das Problem dabei war nur: die herrschende Klasse hatte (bis auf wenige Ausnahmen) mit Japan kollaboriert und war ganz und gar nicht geneigt zu Volksfrontabenteuern. Umgekehrt war der Hass der koreanischen Arbeiter und Bauern auf die japanische Kolonialmacht so gross (bedingt durch Massaker, Zwangspostitution/Trostfrauen, kulturelle und soziale Unterdrückung), dass für solche Manöver nicht der kleinste Spielraum existierte.

5. Die USA übernahmen zu dieser Zeit endgültig die Rolle als Führungsmacht des Imperialismus. Für den US-Imperialismus stellte sich das Problem Korea nicht nur von der Seite einer ehemaligen japanischen Kolonie dar, die nach Unabhängigkeit strebt. Ganz Ostasien befand sich im Prozess einer antikolonialen Revolution (Vietnam, Philipinen, Indonesien usw). Die Strategie hiess „rollback“ und letztlich Wiedererrichtung der westlichen Kolonialherrschaft, wobei die USA die alten Kolonialmächte (dazu gehörte in diesem Fall auch Japan) zu beerben dachte.

6. Insofern war es für die US – Besatzungsbehörden logisch und konsequent, die im Lande gründlich diskreditierte Kompradorenschicht, die japanorientierte Elite aus Landlords und kaiserlich-japanischen Beamten wieder unter eigener Hoheitin die alten Machtpositionen einzusetzen. Dies war – nur nebenbei bemerkt – eine Strategie der USA nicht nur in Korea, sondern auch in Vietnam, in Kambodscha, in Laos, auf der malaiischen Halbinsel usw.

7. Besonderes Augenmerk verdient die Haltung der UdSSR. Gemeinhin behaupten imperialistische Geschichtslegenden, Stalin habe offensive, expansive Absichten gehabt – vor allem in Korea. Stalin war gewiss ein blutiger Diktator, aber seine Interessen waren auf einen Ausgleich mit dem Imperialismus ausgerichtet. Die Zustimmung zur Teilung Koreas und zu einer „gemeinsamen“ Treuhänderschaft spielte den USA in die Hände. Bereits 1948 verliessen die sowjetischen Truppen Korea (die us-amerikanischen blieben dort bis heute). Sowjetische Strategie war die Bildung einer gesamtkoreanischen Volksfrontregierung, die zwischen den Mächten einen neutralen Puffer bilden sollte (ähnliches beabsichtigte Stalin mit Deutschland, siehe Stalinnote von 1952). Die UdSSR blieb bei der Niederwerfung der südkoreanischen Aufstände gegen Syngman Rhee tatenlos.

8. Der Ausbruch des Koreakrieges war der Höhepunkt einer gezielten konterrevolutionären Kampagne der Syngman Rhee Regierung in Südkorea, mit der die Intervention der USA in Korea erzwungen werden sollte. Schon vor 1950 hätte sich die Syngman Rhee – Regierung, die Wahlen fälschte, Gewerkschaften drangsalierte und illegalisierte und jede politische Opposition blutig verfolgte, nicht halten können.  Das Südkorea des Syngman Rhee 1950 war vergleichbar solchen mörderischen Diktaturen eines Somoza, eines Batista, eines Diem, eines Suharto, eines Marcos. Ohne den Eingriff der US-Besatzungsbehörden wäre sie schon vor 1950 durch Kräfte im eignenen Land gestürzt worden. 1946 brachte eine massive Streikbewegung sein Regime ins Wanken, wobei Polizeistationen gestürmt und Repressionskräfte gelyncht wurden. Es kam zu Soldatenaufständen wie in Yosu und zu regionalen Erhebungen wie auf Jeju. In allen diesen Fällen konnte nur massive Unterstützung durch die US – Armee das Regime retten.

9. Formal wurde der Koreakrieg durch den Überfall von Rhee-Truppen auf die nordkoreanische Stadt Haeju ausgelöst. Dieser Umstand wurde durch die imperiale Medienmaschinerie über 50 Jahre erfolgreich vertuscht, und zwar deswegen, weil es vermutlich ein Kalkül von Rhee und der Truman – Regierung war, auf diese Weise einen westlichen konterrevolutionären Kreuzzug gegen Korea auszulösen. Eigentlicher Zweck des Kriegsausbruchs seitens Rhee und seiner US-Herren aber war die Liquidierung der südkoreanischen Opposition im sogenannten Bodo League – Massaker. Diese Massentötung von politischen Gefangenen (niedrigste Schätzungen „sehr konservativ“ 100000) rottete die Führungskräfte der südkoreanischen Opposition in einer noch nie dagewesenen Radikalität (gemessen an Koreas Geschichte) aus. Das weltweite Geschrei über den Vormarsch nordkoreanischer Truppen nach dem Überfall auf Jeju (und andere Städte) machte es möglich, dass die Existenz dieses grässlichen Massakers erst nach dem Jahre 2000 überhaupt bekannt wurde.

10. Die nordkoreanische Regierung war damals zwar schon unter stalinistischer Führung, aber noch kein stalinistisches System, wie wir es heute von Nordkorea kennen. Gerade in den Jahren 1948-50 hatten sich viele südkoreanische Oppositionelle in den Norden geflüchtet, da sie ihres Lebens im Süden nicht mehr sicher waren (Umgekehrt hatte sich die gesamte ehemalige Kollaboration des japanischen Kaissereiches nach Süden zu Syngman Rhee geflüchtet). Die nordkoreanische Regierung sah sich damals selbst in der Tradition der 1945 in Seoul proklammierten Volksrepublik Korea und setzte auf die Wiedervereinigung.

11. Während die Syngman Rhee – Spezialtruppen unter Anleitung von US-Offizieren hunderttausende von Menschen, politischen Gefangenen, „politisch suspekten“ usw massakrierten, liefen die Truppen des regulären südkoreanischen Heeres vor den nordkoreanischen Truppen auseinander und desertierten, und dies wohl weniger aus Angst, als vielmehr aus Unwillen, für eine faschistische Regierung gegen die eigenen Landsleute zu kämpfen. In der ersten Phase des Krieges sind die direkten Todesopfer bei Kriegshandlungen eher gering.

12. Im September 1950 starteten die USA die Landungsoperation bei Incheon, keine drei Monate nach Kriegsausbruch. Es ist wahrscheinlich, dass diese Landungsoperation schon lange zuvor geplant und vorbereitet wurde. Insgesamt kamen zwischen 500000 und 1,5 Millionen Soldaten aus den USA und ihren Verbündeten zum Einsatz, was die Anzahl südkoreanischer UND nordkoreanischer Soldaten bei Kriegsbeginn bei weitem übertrifft. Es handelte sich also um eine Invasion, deren Ziel die Eroberung ganz Koreas war. Mit dieser monströsen Überlegenheit und einem beispiellosen Luftkrieg gegen die koreanische Bevölkerung in Nord und Süd rückten die Interventen gegen die chinesische Grenze vor.

13. Während die UdSSR lange zögerte, Nordkorea zu Hilfe zu kommen, konnte die junge Volksrepublik China keine US-Truppen an ihren Grenzen dulden, zumal die USA den Kriegsherrn Chiang Kai Chek unterstützte (der sich nach Taiwan geflüchtet hatte).  Das Eingreifen von 300 000 – 400 000 chinesischen Freiwilligen wendete das Blatt. Auch die UdSSR leistete vor allem Hilfe bei der Luftwaffe (MIG-15). Trotzdem ist auffällig, dass die vordringenden Verbände der Chinesen und der Nordkoreaner nicht weit über den 38. Breitengrad hinausdrangen. Es ist zweifelhaft, ob das nur an militärischen Bedingungen lag. Das Interesse nach einer Wiederherstellung des Status Quo ante war von chinesischer und russischer Seite schon früh formuliert worden.

14. Obwohl der Krieg schon 1951 also im Stellungskampf erstarrte, dauerte er bis 1953. Dann wurde der Waffenstillstand geschlossen, der bis heute gilt. Er war von den Grenzen her zwar die Wiederherstellung des Status Quo ante, aber er stellte auch die Erstickung der koreanischen Revolution dar. Alle oppositionellen Kräfte waren vernichtet und ausgemerzt. Es blieben nur das faschistische syngman Rhee – Regime im Süden und das Kim Il Sung Regime im Norden übrig.

15. Das Kim Ill Sung Regime im Norden existiert, weil die Fraktion, aus der es hervorgegangen ist, als einzige Fraktion der Arbeiterbewegung und der kommunistischen Bewegung überhaupt überlebt hat. Die südkoreanische Anti-Rhee-Opposition war in der Frühphase des Krieges weitgehend massakriert worden. Konkurrierende kommunistische Fraktionen schaltete die aus dem nordkoreanischen Militär hervorgegangene Kim Il Sung – Fraktion im Fraktionskampf aus.

16. Das Kim- Regime im Norden lässt sich charakterisieren als ein stalinistisches Regime, das viele Elemente klassischer historischer asiatischer Despotien übernimmt (z.B. den sogenannten Personenkult). Es basiert auf einer nichtkapitalistischen Grundlage und stellt im wesentlichen ein Zwangsregime dar, hat keine nennenswerten Elemente einer Räterepublik. Es hat aber sowohl im eigenen Land als auch in Südkorea und in vielen Ländern Asiens ein gewisses Prestige durch seinen Widerstand gegen US – Erpressungen und dem unbestreitbaren Heldenmut nordkoreanischer Soldaten im Koreakrieg. Es dient aber andererseits auch als bequemes Zerrbild eines sozialistischen Staates in der imperialistischen Propaganda. Gleichzeitig ist es aber auch Ausdruck des Unvermögens des US – Imperialismus, die Konterrevolution von 1950 zum Ende geführt zu haben. Es gibt Äußerungen des Kim-Regimes, eigentlich einen „chinesischen Weg“ gehen zu wollen, also einer abgestuften Einführung des Kapitalismus im eigenen Land und einer darauf fussenden Wiederveinigung in Form einer Konföderation. Ironie der Geschichte ist, dass selbst das dem US – Imperialismus zu gefährlich ist.

17. Seit 1980 (Austand und Massaker von Gwanju) entwickelt sich wieder eine unabhängige Arbeiterbewegung in Südkorea. Die Gründung des KCTU als von Staat und Unternehmern unabhängige Gewerkschaft knüpft an die große Tradition der Arbeiterbewegung vor 1950 an. Gleichzeitig werden seit 2000 in Südkorea die unglaublichen Massaker der Rhee-Regierung bekannt und werden erforscht und aufgearbeitet. Es ist die Frage, wie lange sich die Geschichtslügen im Bewusstsein der koreanischen Arbeiterbevölkerung noch werden halten können.

18. Jede imperialistische Erpressung der DVRK durch die USA hilft auch der nordkoreanischen Bürokratie, sich hinter der Glorie des Koreakrieges zu verstecken.  Nicht nur die DVRK, ganz Korea muss gegen den US – Imperialismus verteidigt werden. Die Forderung nach dem Abzug der US – Truppen von der koreanischen Halbinsel ist unverzichtbar.

19. Die Wiedervereinigung Koreas kann sinnvollerweise nur in Form einer gesamtkoreanischen Arbeiterräterepublik erfolgen. Dies impliziert die Enteignung der Industriekapitals im Süden und die Entmachtung der Parteioligarchie im Norden. Wie kann das geschehen? Das ist eine offene Frage.

Written by bronsteyn

4. Juni 2009 at 11:29 pm

Veröffentlicht in Korea, Korea-Krieg, US-Imperium

Weitere Facts und Fotos zum „Bodo League“ – Massaker in Korea 1950

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Mir fehlt gerade die Zeit, den folgenden Artikel zu übersetzen oder wenigstens auszugsweise in einen neuen Artikel hineinzuarbeiten. Ich halte den Artikel „Alleged communists massacred under the eyes of American soldiers“ (Vermeintliche Kommunisten massakriert unter den Augen amerikanischer Soldaten) aber für sehr wichtig, auch als Untermauerung meiner bisherigen Recherche – Ergebnisse.

Die beiliegenden Fotos entstammen aus US – Archiven und sind hinsichtlich ihrer Geheimhaltung seit 5.Mai (das ist noch nicht lange her) deklassifiziert (also freigegeben). Der Verfasser des Artikels gehört zur koreanischen Wahrheits- und Versöhnungskomission.

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Alleged communists massacred under the eyes of American soldiers

Last month the US government declassified images of thought-to-be communist sympathisers being massacred by South Korean authorities between 1950 and 1951. Tackling a sensitive subject, the evidence throws more weight behind the argument that the US were partly to blame.

Dong-Choon Kim, Korea (South)
Standing Commissioner for the Truth and Reconcialiation Commission.

The Korean conflict acted as a trigger for the Cold War. The country, rescued from Japanese control following World War II, was divided in half and shared between two rival regimes – the communist-supported northern side and the „free world“-supported southern side. To separate the two halves, a line was drawn along the 38th Parallel north (circle of latitude), creating North Korea and South Korea. In 1949, South Korea created the National Guidance League (NGL), which recruited, by force, all suspected extreme left-leaning activists, in order to control any potential north-side sympathisers. Quotas were quickly set up for all NGL places to be filled, and to keep them at full capacity police forced thousands of farmers, many of them illiterate, to join the NGL, even though they had no link with the far left. Experts estimate that up until the North Korean invasion, the NGL recruited around 350,000 members.

When the north stormed its southern counterpart, marking the start of the war in June 1950, the southern authorities panicked. Fearing an insurrection from these hundreds of thousands of supposed left-leaning thinkers, the South Korean government ordered that they be got rid of. The members were massacred.

„At least 100,000 people were killed“

Nearly 60 years after the war, the South Korean government launched an enquiry into the massacred members of the NGL. The Truth and Reconciliation Commission is today inspecting the graves, which were classified as „top secret“ by Washington and Seoul up until now. Dong-Choon Kim is one of fifteen members of the commission, which is juridically independent from the government.

At least 100,000 people [NGL members] were killed. And this number is just part of the total massacred during the Korean War [at least two million civilians were killed during the conflict between 1950 and 1953]. The killings took place in several hundreds of places, but most of them have been damaged or have disappeared entirely over half a century’s time. We can only certify the existence of around 50 graves now, seven of which were uncovered last year.

Our mission is limited to research and making recommendations for reconciliation. We haven’t been ordered to punish those responsible or deal with compensating the victims. Most of the officers accountable and the chief of the police are already dead. Only low-ranking soldiers and policemen have made confessions. Although we’re encouraging victimisers to confess and apologise, it’s very difficult for them to actually do it. As a president, former head-of-state Roh Moo-hyun apologised to the families of victims of the April 3 Jeju incident and Ulsan National Guidance league incident. As for America’s role in the massacres, it’s quite a sensitive issue. We are trying to investigate it.“

Photos taken by the US Army during the massacres

The following photos were taken by the American Army during the mass killings in 1950-1951. They were made public by the US National Archives and Records Administration on 5 May this year. They’re part of a series of declassified images.

Korean officers shoot people in a pit (1951).

Korean officers shoot people in a pit (1951).


A genocide site in Chungju (29 October 1950).

A genocide site in Chungju (29 October 1950).


Mass killings in Daejeon (July 1950).

Mass killings in Daejeon (July 1950).


The mass execution of South Korean political prisoners by the South Korean military and police at Daejeon (July 1950).

The mass execution of South Korean political prisoners by the South Korean military and police at Daejeon (July 1950).

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The commission at work

The following pictures were taken by South Korea’s Truth and Reconciliation Commission during investigations. (Truth and Reconcialiation Commission, June 1 3, 2008)

JPEG - 113.2 kb

Rechts handelt es sich offenkundig um eine Kinderleiche:

The first remains found in Cheongwon Bunteo Valley (August 2007)..
Excavating a site at Cheongwon Bunteo Valley (August 2007).

Excavating a site at Cheongwon Bunteo Valley (August 2007).

Written by bronsteyn

3. Juni 2009 at 10:29 pm

Veröffentlicht in Geschichte, Korea, Korea-Krieg

Koreakrieg 1950-53: Krieg als Vehikel zur Wahlfälschung und zum Militärputsch?

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are Teilnahme von US-Soldaten am Bodo League Massaker (wikimedia)

Teilnahme von US-Soldaten am Bodo League Massaker (wikimedia)

Zum Thema des Koreakrieges 1950-53 gibt es wieder einige Zwischenergebnisse vorzulegen, die so interessant sind, dass ich sie nicht bei mir behalten möchte. Kritische Blogger und systemkritische Medien möchte ich ausdrücklich dazu einladen, an den zeitgeschichtlichen Recherchen zum „vergessenen Krieg“ in Korea mitzuwirken. Dies hat sehr wohl einen aktuellen Bezug, denn wie ich schon ausgeführt hatte ist die Propagandalegende vom „Überfall“ „Nordkoreas“ auf Südkorea Ende Juni 1950 das Generalaxiom dafür, bis in unsere Tage Nordkorea mit seinem stalinistischen Kim-Regime zu dämonisieren.

Bei meinen Recherchen zur Geschichte des Koreakrieges stieß ich auf den Aufsatz von Milchman aus dem Jahr 1965 „D.F. Fleming on „The Origins of the Cold War“.

Ich fand dort folgenden Absatz vor:

It is a matter ot record that Rhee and his Defence Minister had been threatening to invade North Korea for months…. It is further established, also, that Rhee had been decisively defeated in the election of May 30. 1950, an election which the American government forced-upon him.His regime was ‚left tottering.‘ He .had no political future unless war broke out, and his will power was entirely sufficient to bring war about. His prewar threats to march north were discounted during the war, hut after it began the report that Secretary of State Acheson ’never was quite sure that Rhee did not provoke the Red attack of 1950″ was amply justified.

Was mich an diesem Absatz (ein Zitat von D:F.Fleming) erstaunte und verwunderte, war der Hinweis auf Wahlen, die am 30. Mai 1950 stattgefunden haben sollen. Was für Wahlen waren das denn, so fragte ich mich, ging aber in meinen bisherigen Artikeln nicht weiter darauf ein, weil ich einfach zu wenig wusste.

Im deutschen wikipedia-Artikel steht NICHTS über diese Wahlen von 1950 , dafür:

Die UNO, die zu diesem Zeitpunkt den USA nahe stand, übernahm am 14. November 1947 das Mandat für die Wiedervereinigung. Die USA führten am 10. Mai 1948 unter Aufsicht der UNO Wahlen durch, mangels Kooperation der Sowjetunion aber nur im Süden. Aus diesen ging der aus dem Exil in den USA zurückgekehrte Rhee Syngman als Sieger hervor. Von manchen Beobachtern wurde die Wahl als unfair oder gefälscht bezeichnet. Rhee Syngman übernahm die Regierungsgeschäfte von den USA am 13. August 1948 und rief am 15. August die Republik Korea aus. Als Reaktion proklamierte der von den Sowjets geförderte Kim Il-sung am 9. September die Demokratische Volksrepublik Korea. Kim Il-sung galt nach westlichen Maßstäben als Diktator. Auch der proamerikanische und antikommunistische Rhee Syngman zeigte autokratische Tendenzen. Es gab auch eine wahrnehmbare Opposition.

Wenn man nun in den Diskussionsseiten nachvollzieht, wie auch in wikipedia „der Kampf um Wahrheit“ tobt, der begreift sehr rasch manche Formulierungen. Es werden von Wahlen am 10.Mai 1948 gesprochen („unter Aufsicht der UNO“), aus denen Syngman Rhee „als Sieger“ hervorging. „Von manchen Beobachtern“ wurde diese Wahl aber als „unfair oder gefälscht“ bezeichnet. Schön. Aber was ist mit diesen Wahlen vom 30.Mai 1950? Von diesen schreibt Fleming, dass Syngman Rhee entscheidend geschlagen worden war und dass sein Regime „nach links torkelte“. Nett ausgedrückt. Hochinteressant.

Dann heißt es bei Fleming weiter, dass Syngman Rhee – wohl infolgedessen – „keine politische Zukunft“ mehr hatte ausser wenn ein Krieg ausbrach und er ein erhebliches Interesse an einem Kriegsausbruch hatte. Apologeten des US – Imperialismus machen hier immer geltend, dass der Wille und das Interesse Syngman Rhees an einem Krieg ja kein Beweis dafür sei, dass er auch wirklich für den Kriegsausbruch verantwortlich war. Schön. Aber die Frage des Kriegsausbruchs haben wir schon geklärt. Am 26. Juni 1950 meldeten zahlreiche westliche Medien die Einnahme der nordkoreanischen Stadt Heaju durch südkoreanische Truppen. Aus meiner Sicht ist das Thema damit definitiv geklärt; die Einnahme einer mittelgroßen Industriestadt stellte eindeutig eine neue Eskalationsstufe bei den ständigen Grenzscharmützeln am 38.Breitengrad ein. Die Frage der Schuld am Kriegsausbruch ist damit aus meiner Sicht geklärt: Die südkoreanischen Truppen Syngman Rhees waren für den Ausbruch des Krieges verantwortlich, und die Legende vom „nordkoreanischen Überfall auf Südkorea“ mithin eine Geschichtslüge. Basta.

Wahlen in Südkorea Mai 1950?

Doch diese seltsamen Wahlen vom 30. Mai 1950 sind damit noch nicht aufgeklärt. Was wurde damals gewählt, wie waren die Ergebnisse und – ach ja – warum taucht dieser Fakt im wikipedia – Artikel zum Koreakrieg ÜBERHAUPT NICHT auf?

Die kimilsungistische Webseite  kdvr.de schreibt dazu:

Es gelang der Sowjetunion in Verhandlungen zu erreichen, daß bis 1950 freie gesamtkoreanische Wahlen stattfinden sollten. Die USA-Imperialisten merkten aber sehr bald, daß ihre Marionette Syngman Rhee keine Chance hatte, diese Wahlen zu gewinnen. In den Wahlprognosen für 1950 wurden Syngman Rhee 1 % der Stimmen vorausgesagt. Er verlor auch alle demokratischen Wahlen. Er hatte also keinerlei Rückhalt im Volke, so daß er, um an der Macht zu bleiben, zur offenen faschistischen Diktatur übergehen mußte. Die Ergebnisse der nach demokratischen Regeln durchgeführten Wahlen wurden für ungültig erklärt.

Vor der Exekution: ein Opfer des Bodo League Massakers

Vor der Exekution: ein Opfer des Bodo League Massakers

Natürlich gehe ich auch an kimilsungistische Quellen quellekritisch heran. Diese Quelle sagt, dass Syngman Rhee alle demokratischen Wahlen verlor. Welche waren das?

Zunächst nochmals zu den südkoreanischen Wahlen von 1948. Das englische wikipedia schreibt da hochinteressantes (verschweigt aber auch die Wahlen von 1950):

Rhee won a seat at the First Assembly of South Korea on 10 May 1948 by a parliamentary vote after left-wing parties boycotted the election. After being elected as the Speaker of the Constituent Assembly on May 31, Rhee was elected the first president of South Korea defeating Kim Koo, the last president of the Provisional Government by a count of 182-13 on 20 July 1948. It should be noted that Kim Koo was not aware of his nomination for presidency; the nomination was likely an attempt to discredit him as a nationalist. On 15 August 1948, he formally took over power from the US military and de jure sovereignty of Korean people from the Provisional Government.

Die Wahlen von 1948 wurden also von den „linksorientierten Parteien“ boykottiert. Es hat sich offenbar um mehr Parteien gehandelt zu haben als nur um die damals noch sehr schwache und zudem offensichtlich gespaltene Kommunistische Partei. Wir dürfen annehmen, dass angesichts des Zusammenbruchs des japanischen Imperiums 1945, der Kollaboration der koreanischen herrschenden Klasse mit den Japanern, der revolutionären Orientierung des koreanischen Nationalismus die Mehrheit der Bevölkerung in Nord und Süd „linksorientiert“ gewesen sein müsste. Zur gleichen Zeit wurden einem Ho Chi Minh in Vietnam 80 % Wählerstimmen bei gesamtvietnamesischen Wahlen prognostiziert (weswegen diese ja auch von Frankreich und den USA verhindert wurden – durch die Teilung Vietnams).  Der erwähnte Kim Koo, der ohne seine Zustimmung zu südkoreanischen Präsidentschaftswahlen nominiert wurde, um damit diskreditiert zu werden (er war konsequenter Nationalist und lehnte jegliche Separatwahlen strikt ab) wurde übrigens interessanterweise ermordet. Nein, Kim Koo war kein Kommunist. Der Mörder Ahn Doo-hee wurde erst 2001 als damaliger Agent des damaligen amerikanischen Geheimdienstes (hiess noch nicht CIA, sondern US Counter-intelligence Corps) enttarnt und erfreute sich eines vermögenden und geachteten Lebens bis 1996 (nein, er saß nur ein Jahr, bis 1950, im Gefängnis und wurde dann „begnadigt“). Orchestriert hatte den politischen Mord „die rechte Hand Synman Rhees“, ein gewisser Kim Chang-Ryong. Über diesen ist zu lesen, dass er von „Armeekollegen“ 1956 ermordet wurde und:

Because of his relentless investigations, Kim Chang-Ryong was hated so much by a majority of the Korean people that his wife and kids even had to flee to South America, as the press said that “even his family is ashamed of him and abandons him”.

Nette Leichen, die da im Keller der Geschichte zu finden sind, nicht wahr?

Die erwähnten Details illustrieren, dass die Wahlen von 1948 in Südkorea ganz und gar nicht danach aussehen, in irgend einer Weise „demokratisch“ gewesen zu sein. Dass sie massiv durch Syngman Rhee gefälscht wurden, liegt zumindestens angesichts dieser Fakten nahe. Auch weitere Angaben im englischen wikipedia-Artikel über den Koreakrieg legen dies nahe:

As president, Rhee assumed dictatorial powers even before the Korean War broke out in 1950. He allowed the internal security force (headed by his right-hand man, Kim Chang-ryong) to detain and torture suspected Communists and North Korean agents. His government also oversaw several massacres, the most notable one being on the island of Jeju island in response to an uprising by leftist factions.

Ist doch hochinteressant, nicht wahr? Syngman Rhee „nahm“ also dikatorische Macht an und liess „Kommunisten“ und „nordkoreanische Agenten“ festnehmen und foltern und war verantwortlich für „einige“ Massaker (darunter ist das von Jeju nur ein gut dokumentiertes).

Doch kehren wir zu der Frage zurück, um was für Wahlen es sich bei den erwähnten vom 30. Mai 1950 handelte. Daß wir auf Grundlage der vorliegenden Fakten die südkoreanischen Wahlen von 1948 für massiv manipuliert, von politischen Betrugsmanövern und sogar politischen Morden begleitet, sowie von weiten Teilen der (südkoreanischen) Bevölkerung boykottiert abhaken können, dürfte klar sein. Das erwähnte Jeju – Massaker war zudem noch eines von mehreren, und ich bitte zu beachten, dass von „leftist factions“ gesprochen wird, also mehreren linken Fraktionen und Strömungen. In den Propagandalegenden des Imperialismus später wurden alle diese Fraktionen und Gruppierungen als „kommunistisch gelenkt“ (gemeint ist: unter Steuerung der stalinistischen KP), so wie ja auch heute bei jedem Massaker in Afghanistan behauptet wird, es hätten sich „Taliban“ in den betreffenden Dörfern und Landstrichen aufgehalten.

Wahlen in Südkorea Mai 1950!

Zur Frage der Wahlen vom 30. Mai 1950 wurde ich auf einer Webseite fündig, auf der ich am wenigsten mit Antwort gerechnet hätte.

Es handelt sich um die Webseite http://korea50.army.mil, also eine Webseite der US-Armee. Dort ist zum Thema Syngman Rhee zu lesen:

He spent the next 30 years as a spokesman for Korean independence, and in 1919 was elected president of the „Korean Provisional Government“ in exile in Washington, D.C. Rhee became the best known Korean leader during World War II and campaigned vigorously for a policy of immediate independence and unification of the Korean Peninsula. He soon built up a mass political organization supported by strong-arm squads. With the assassination of major moderate leaders, Rhee’s new party won South Korea’s first elections, and he became president in 1948.

Syngman Rhee lebte ab 1934 in den USA und stand dort einer vollkommen machtlosen koreanischen Exilregierung vor (Korea war damals japanische Kolonie). Nach dem Ende des 2. Weltkrieges wurde er von der US – Armee in das gerade in zwei Zonen geteilte Korea gebracht. „Große Aufgaben“ standen ihm dort bevor. ES ist wohl nicht abwegig, ihn als Agenten (im Sinne von Sachwalter, Interessensvertreter) der USA zu betrachten.

Er baute also eine „politische Massenorganisation“ auf die von „strong-arm squads“ unterstützt wurden. Den Begriff darf man wohl mit „Schlägertruppen“ übersetzen, und die Analogie mit der SA der NSDAP liegt sicherlich nahe. Bedeutsamer noch ist, dass dieser US – Army – Text offen ausspricht, dass durch die Ermordung „moderater“ Führer Syngman Rhee diese Wahlen von 1948 „gewonnen“ hatte (oder wie ist dieser Satz sonst zu verstehen?).

Damit dürfte der Charakter dieser Wahlen von 1948 gründlichst geklärt sein.

Doch wir lesen weiterhin erstaunliches in diesem Text:

Only two years after its National Assembly had adopted a constitution, the Republic of (South) Korea (ROK) held its second general election in May 1950. Politically, the unstable situation created by widespread communist activities, and aggravated by partisan bitterness and violence, did not prevent the full and free campaigning that preceded the election, which resulted in an overwhelming victory not for President Syngman Rhee or his political opposition, but for democracy. More than 85 percent of eligible voters went to the polls. The election gave 56 seats in the national assembly to the government party of Rhee, 26 to members of the Democratic Nationalist party and other opposition parties, and 128 to independents. This clearly was an expression of the people’s lack of confidence in the government and the existing political parties. Rhee’s authoritarian hold on Korean politics was being called into serious question.

Demnach fanden tatsächlich zwei Jahre nach diesen durch Gewaltanwendung massiv gefälschten Wahlen wieder Separatwahlen in Südkorea statt, und zwar (siehe da) Mai 1950. Die damalige Situation bezeichnet der Autor der US – Army als „unstabil“ wegen „weitgestreuter kommunistischer Aktivitäten“. Nun wir wissen ja, wie solche Ausdrücke quellenkritisch zu werten sind. Rein sachlich aber ist da zu lesen, dass es offenbar eine „Partisanenbewegung“ im Süden Korea gegen die Rhee-Regierung gab (Ich weiß auch, dass „partisan“ in diesem Zusammenhang „parteilich“ bedeutet, trotzdem meine Schlussfolgerung). Euphemistisch fährt der Text fort, dass nicht Syngman Rhee aus diesen Wahlen als Sieger hervorging, sondern „die Demokratie“ (Syngman Rhee ist heutzutage eher eine Persona non grata, auf die man sich besser nicht positiv bezieht). Es gab eine Wahlbeteiligung von 85 Prozent, 56 Sitze für die faschistische Rhee- Partei, 26 für eine „Demokratische Nationalistische Partei“ und 128 für „Unabhängige“. Die Kommunistische Partei, das wissen wir, war bei diesen Wahlen verboten. Wahrscheinlich wurden auch diese Wahlen von Teilen der Linken und Nationalisten boykottiert. Trotzdem waren sie eine spektakuläre Niederlage für Syngman Rhee. Der Text schreibt weiter, dass das ein Ausdruck des Fehlens jeglichen Vertrauens der Bevölkerung in die Regierung und in „die existierenden Parteien“ war.

Hochinternessant. Es heisst auch noch, dass Rhees Machtstellung in der (süd)koreanischen Politik „ernsthaft in Frage“ stand. Weniger als einen Monat später brach der Koreakrieg aus.

Also genau diese „Regierung“, der sogar diese History-Seite der US – Armee bescheinigt, dass ihr jegliches Vertrauen in der (südkoreanischen!!) Bevölkerung fehlte und deren Macht „ernsthaft in Frage“ stand, wurde im Rahmen einer großkotzigen UNO – Aktion unter Führung der USA offensiv verteidigt. Ein ewiger Schandfleck auf dem Ansehen dieser „Organisation“. Die UNO – Aktion aufgrund Resolution 85 des Sicherheitsrates diente also dazu, unter Einsatz von einer halben Million Soldaten eine massakrierende Diktatur in ganz Korea durchzusetzen. Das und nichts anderes ist die historische Wahrheit!

Die Tatsache der von Syngman Rhee Mai 1950 verlorenen Wahlen konnte ich auch noch mit anderen Quellen verifizieren.

Zusammenhänge mit dem Bodo League Massaker

Ich verbleibe bei der US-Army-Quelle, deren Euphemismus zwar nicht zu übersehen ist, aber dennoch sehr aufschlussreich ist. Wie war der anfängliche Kriegsverlauf:

From Taejon, where Rhee’s government had fled in the face of communist infantrymen and tanks, South Koreans were exhorted by their leaders to drive out the invaders, but to no avail. Seoul fell on June 28, and South Korean troops straggled in retreat across the Han River bridges. Those members of Rhee’s government who had reached Taejon soon moved to Pusan, but after a week they relocated to Taegu to stay closer to the front. Rhee initially had vehemently resisted the advice of his aides and the American ambassador to relocate the government to Pusan, preferring to meet death at the hands of the enemy rather than to lead a government in exile. If he was to die, he had declared, it would be on the soil of his native land. Rhee later recanted once he came to realize the grave political implications should he fall into the hands of the North Koreans. One thing was certain: The invasion had brought a respite in Rhee’s political wars; politics were put aside, if only for as long as it took to ascertain the South’s ability to retain a toehold on the Korean Peninsula, along the Pusan Perimeter.

Rhee „floh“ mit seiner (vom der Mehrheit des gesamtkoreanischen Volkes gehassten und verachteten) Regierung also zuerst nach Taejon, und forderte dort („erfolglos“ heißt es) die Südkoreaner zum Widerstand gegen die nordkoreanischen Truppen auf. Seoul fällt schon am 28.6.1950, also vier Tage nach der Einnahme Haejus durch Rhee-Truppen. Dann heißt es, er hätte der Verlegung der südkoreanischen Regierung nach Pusan „widerstanden“, um „lieber den Tod durch die Hand des Feindes“ zu finden als eine Exilregierung zu leiten. Hatte es vielleicht auch damit zu tun, dass in Pusan großer Teil des „Bodo League Massakers“ stattfand und da die Augen der internationalen Öffentlichkeit „kontraproduktiv“ gewesen wären?

Offensichtlich konnte sich Syngman Rhee aber auf seine Protektoren in der US – Administration verlassen.

Early in the war, Rhee effectively gave Truman an ultimatum. Much as he might wish that Truman would accept his views and make American policy coincide with Korean policy, Rhee intended to pursue what he felt the welfare of his country demanded. Rhee declared: „The government and people of the Republic of Korea consider this is the time to unify Korea, and for anything less than unification to come out of these great sacrifices of Koreans and their powerful allies would be unthinkable. The Korean government would consider as without binding effect any future agreement or understanding made regarding Korea by other states without the consent and approval of the government of the Republic of Korea.“

Rhee stellte 1950 also ein „Ultimatum“ an den ohnehin kriegsgeneigten US-Präsidenten Truman, durch das  er inhaltlich diesen zwingen wollte, die Vereinigung von Korea zu erkämpfen. Alles andere war für ihn „undenkbar“. Und es ist offensichtlich, dass Rhee sich die „Vereinigung Koreas“ unter einer Militärdiktatur der extremen Rechten (die aus ehemaligen japanischen Kollaborateuren bestand) vorstellte. Diese Vehemenz und gleichzeitig Maßlosigkeit seiner Forderung an die USA, ihm zu helfen, die Dikatur über ganz Korea zu errichten, wird verständlich vor dem Hintergrund des Bodo League Massakers und anderer Massaker an der eigenen Bevölkerung. Ohne eine auf die USA gestützte Dikatur hätte sich Rhee selbst im Süden weder halten können, noch für Jahrzehnte die Verbrechen der koreanischen Faschisten speziell an der südkoreanischen Bevölkerung vertuschen können. Doch es ist wichtig, hier Syngman Rhee nicht zum Einzeltäter zu deklarieren, wie das hierzulande gern mit Adolf Hitler gemacht wird. Syngman Rhee war zu keinem Zeitpunkt etwas anderes als ein Handlanger der USA.

Damit vervollständigt sich das düstere Bild.

Zusammenfassung

Ich darf zusammenfassen?

  • Die Wiedervereinigung Koreas war in der Phase 1950-53 der Wunsch der großen Mehrheit des koreanischen Volkes (einschließlich der Nordkoreaner, die eine Nationalversammlung forderten). Auch die Politik der Kommunistischen Partei Koreas (die sich in mehrere Flügel spaltete), war auf eine Wiedervereinigung ausgerichtet.
  • Die koreanische Oberschicht war durch ihre Kollaboration mit dem japanischen Imperium gründlichst diskreditiert und sammelte sich hinter dem US-Agenten Syngman Rhee, den die USA zur Marionette ausersehen hatten, obwohl der US – Administration der Charakter der extremen Rechten um Rhee durchaus klar und bekannt war. Diese Kreise wussten, dass sie mit friedlichen Mitteln ihren Besitz und ihre Machtstellung nicht behalten konnten.
  • Die Teilung des Landes wurde durch das Regime Syngman Rhees erzwungen. Koreanische Nationalisten und Neutralisten ebenso wie Kommunisten und andere linksorientierte Strömungen in Südkorea wurden drangsaliert, ermordet und (wahrscheinlich) massenweise ins Gefängnis gesteckt. Diese Maßnahmen wurden (zum Gefallen der Stahlhelm-Fraktion der US-Administration) so deklariert, dass es sich um „kommunistische Subversion“ handelte.
  • Trotz der massiven Gewaltmaßnahmen der Rhee-Faschisten gingen sogar die drangsalierten Wahlen von 1950 spektakulär verloren. Da Linksparteien ohnehin verboten waren, war eine Mehrheit von „Unabhängigen“ im Pseudoparlament das endgültige und untrüglich Zeichen dafür, dass die Rhee – Faschisten auch mit scheindemokratischen Mitteln und Methoden sich nicht würden halten können. Die Auslösung eines Krieges war das effizienteste Mittel, denn gewichtige Teile der US-Administration waren im Rahmen ihrer konterrevolutionären „rollback“ – Phantasien bereit dazu. Die antikoloniale Revolution in Ostasien sollte gestoppt und wieder „zurückgerollt“ werden.
  • Der Krieg wurde durch die Rhee-Truppen u.a. durch die Einnahme Haejus ausgelöst. Allerdings rechneten die Rhee- Faschisten wohl gar nicht mit einem Sieg in einem konventionellen Bürgerkrieg (zu Recht).  Während die südkoreanischen Truppen vor den vorrückenden Nordkoreanern auseinanderliefen, beschäftigten sich die Spezialtruppen der Rhee-Faschisten unter Anleitung ihrer US-Berater weit hinter den Frontlinien (vor allem im Südosten der Halbinsel) mit der systematischen Auslöschung und Massakrierung der internen Opposition. Hier wurden offenbar keine Unterschiede zwischen Kommunisten, sonstigen Linken, Nationalisten sowie vollkommen unbeteiligten gemacht. Es scheint sich um die gezielte Ausrottung ganzer Bevölkerungsteile gehandelt zu haben. Es ist zu vermuten, dass die Liquidation oppositioneller Bevölkerungsteile die zentrale Aufgabe der Rhee – Truppen in dieser Zeit war . Zu unerklärlich ist sonst die große Differenz zwischen den Todesopfern in militärischen Kampfhandlungen zwischen Nord und Süd (die sich in Grenzen halten) und den geradezu monströsen Ermordungszahlen etwa des Bodo League Massakers. Die Rhee – Faschisten waren sich offenkundig sehr sicher, dass die USA direkt militärisch intervenieren würden, sonst hätten sie nicht, wie geschehen, in aller Ruhe massakriert, während die Armee an der Front auseinanderlief.
  • Mit dem Eingreifen der USA unter dem betrügerischen Vorwand einer UN-Polizeiaktion konnte der Niedergang der faschistischen Rhee-Truppen aufgehalten werden. Der ausländische Intervent übernahm die Kriegsführung, zu der die Rhee – Faschisten nicht mehr in der Lage gewesen wären.

Im gewissen Sinne ist die erste Phase des Koreakrieges 1950 also im Grunde als ein Militärputsch im Stile Pinochets oder Suhartos zu beurteilen. Die massiven Massaker (kann man das ein „Autogenozid“ nennen?) nahmen vorweg, was die US – POlitik in den späteren Jahrzehnten vielfach wiederholte (Iran 1954, Guatemala 1954,Chile 1973 usw usf.).

Die im Titel dieses Artikels gestellte Frage, ob der Koreakrieg 1950-53 ein Vehikel zur Wahlfälschung und zum Militärputsch durch rechtsextremistische Kräfte gewesen war, läßt sich angesichts der bisher vorliegenden Faktenlage eindeutig mit JA beantworten. Die uns bis heute präsentierte Legende von der Verteidigung irgendeiner „südkoreanischen Demokratie“ gegen den „Überfall des kommunistischen Nordkorea“ ist mithin als eine monströse Lüge zu charakterisieren.

Das Rhee-Regime war ohne substanzielle Unterstützung in der Bevölkerung und hatte in jedem Falle (Nord wie Süd) die Mehrheit gegen sich. Zudem hatte es selbst die von ihm manipulierten und drangsalierten Wahlen spektakulär verloren.

Gewiss „interpretiert“ jedes Regime, jede Partei geschichtliche Fakten stets zum eigenen Vorteil. Aber es handelt sich hier nicht um eine Frage bloßer Interpretation, die graduell in diese oder jene Richtung etwas „bewerten“ könnte. Es liegt der Fakt vor, dass mit den gängigen Korea-Legenden eines der übelsten historischen Verbrechen vertuscht wurde, und das ist keine Frage gradueller Interpretation mehr.  Die Koreakriegslüge vertuschte den Tatbestand eines brutalen Militärputsches und eines damit einhergehenden monströsen Massakers an den fortschrittlichsten und aktivsten Elementen zumindest der südkoreanischen Bevölkerung.

Ein gewöhnlicher Militärputsch war es allerdings nicht, denn da gab es ja noch die nordkoreanische Armee, die dem entgegen stand, sowie ganz offenbar eine Menge „Partisanengruppen“ auch im Süden. Ein gewöhnlicher Militärputsch plus Massaker hätte also nicht ausgereicht. Es gab eine Interessenskoincidenz mit den aggressiven Zielen der Truman – Regierung, die auch die chinesische Revolution wieder rückgängig machen wollte. Nun stand die gewaltsame Wiedervereinigung Koreas unter einem faschistischen Militärregime an (den gleichen Versuch machten die USA mehrere Male in Vietnam 1954-1975).

Wie wir allerdings wissen, scheiterte der Versuch, Korea unter dem Faschisten Rhee und seine kollaborationistische Klientel zu „einen“, daran, dass die gerade ausgerufene Volksrepublik China keineswegs geneigt war, US-Truppen an ihrer Grenze zu dulden oder die Umwandlung Gesamtkoreas in eine Art Supermilitärkolonie der USA zuzulassen. Chinesische Freiwilligenverbände wendeten das Blatt und drängten die „Alliierten“ wieder zurück. Die nordkoreanische Armee war damals auf wenige zehntausend Mann zusammengeschmolzen, und die politischen Lager der Linken (einschließlich der Kommunisten, Nationalisten usw) in Korea waren durch die massiven Massaker schwer dezimiert. Der Weg für eine Dualität zwischen den am Stalinismus orientierten Verbänden der nordkoreanischen Armee, die zum Träger des späteren Nordkoreas wurden, und der faschistischen Militärdiktatur im Süden war damit endgültig geebnet.

Schon 1950 war damit die Situation eigentlich klar (nach meiner Einschätzung scheuten sich die chinesischen Verbände damals, Ende 1950, den 38. Breitengrad zu weit zu überschreiten). Der Krieg dauerte allerdings noch bis 1953.

Der Faschist Syngman Rhee regierte bis 1960 als Diktator Südkorea weiter. In diesem Jahr wurde er – nach wiederholten Manipulationen an Scheinwahlen – von massiven Studentendemonstrationen zur Abdankung gezwungen. Er verließ das Land mit einigen Millionen Dollar und starb 1965 in Honolulu, Hawaii, USA.

wikipedia (deutsch):

Rhees vermutlich durch Manipulation zustandegekommene Wiederwahlen 1956 und 1960 standen im Zeichen von Unruhen im Land, gegen die er rücksichtslos vorgehen ließ. Eine vierte Amtszeit wurde 1960 durch Studentenproteste verhindert, wonach er mit Hilfe des CIA nach Hawaii ausgeflogen wurde.

Weiterführende Links

  • SEHR ZU EMPEHLENDER Artikel in © DIE ZEIT, 22/2002 „Tötet alle, verbrennt alles!“ – Über das Jeju – Massaker:
    Deutschlands WM-Fußballer werden auf Südkoreas Trauminsel Jeju wohnen. Sie birgt ein schreckliches Geheimnis: Vor fünfzig Jahren ermordeten hier koreanische Truppen unter den Augen der amerikanischen Militärregierung 30 000 Menschen.
    Dieser Artikel sollte allen Menschen um die Ohren geschlagen werden, die (mit entsprechendem Hirnschiss durch Schule und Medien) von einem „demokratischen Südkorea“ vor 1950 reden. Jeju  war eher ein gigantisches My Lay. Es wurde alles geboten, was kranke und verbrecherische Hirne sich nur ausmalen können: Verstümmelungen bei lebendigem Leib, Massenvergewaltigungen, sexuelle Folter, Zwangsprostitution, Zwangsheiraten, Massaker an Kindern, kurzum, alles was man so unter „freiem Westen“ versteht.
  • Hier die Darstellung eines Einzelschicksals eines Überlebenden des Bodo League Massakers. Der Artikel macht auch transparent, was Bodo League eigentlich war: eine Zwangsorganisation zur „Umerziehung“ von linksorientierten Menschen zu Gefolgsleuten der extremen Rechten (den Ex-Kollaborateuren mit dem japanischen Imperium). Diese Massnahmen hatten offenkundig wenig Erfolg. Im Bodo League Massaker wurden daher nicht nur summarisch Zwangsmitglieder von Bodo League umgebracht, sondern alle Menschen, die mit Bodo League Zwangsmitgliedern in irgendeinem Zusammenhang standen.

Nachbemerkung:

Die Quellenlage ist insgesamt sehr schwierig, weil die offiziellen Behörden in Südkorea die Aufdeckung der Massaker im Rahmen des Koreakrieges weitgehend sabotieren und versuchen, als Tabu zu behandeln. Die mutigen südkoreanischen Kräfte, die an der Aufdeckung der schockierenden historischen Ereignisse arbeiten, stellen nur wenig englische Texte zur Verfügung. Ich persönlich kann weder koreanisch noch japanisch – es sind aber offenbar viele Materialien in diesen Sprachen zu der Thematik verfügbar.

Hinzu kommt noch ein sehr heikler Umstand: das Bodo League Massaker etwa wird – so konnte ich feststellen – von nationalistischer japanischer Seite teilweise missbraucht, um die Verbrechen des japanischen Imperialismus 1910-1945 in Korea zu relativieren, etwa in dem Stil „Die Koreaner“ sollen sich nicht so aufregen, „sie“ haben ja „selbst“ Massaker auf dem Gewissen.

Es ist klar, dass nationalistische Sichtweisen zu nichts führen, selbst wenn ich speziell für den koreanischen Nationalismus durchaus Verständnis aufbringen kann (wie für den Nationalismus jeder unterdrückten Nation). Nicht zufällig stellt sich auch die Kim-Regierung Nordkoreas vorzugsweise nationalistisch dar, während die südkoreanische Regierung selbst im eigenen Land bei vielen Menschen als US-Marionette gilt (ganz sicher nicht zu Unrecht).

Ich verweise in diesem Zusammenhang nochmals auf die seltsamen Todesumstände des südkoreanischen EX-Präsidenten Roh Moo-myun und die denkwürdigen Begleiterscheinungen bei dessen Begräbnis (beide Artikel von Radio Utopie). Hier der entsprechende wikipedia – Artikel über ihn (wie üblich sind wikipedia-Texte mit kritischer Vorsicht zu lesen, da grabschen sehr viele Finger rein)

Written by bronsteyn

2. Juni 2009 at 5:27 pm

Veröffentlicht in Korea, Korea-Krieg

Fotodokumente des Bodo-League-Massakers während des Korea-Krieges

with 3 comments


Ein wichtiger Nachtrag zu meinem letzten Artikel Haeju und die Verbrechen der USA am koreanischen Volk, der auch in der Linken Zeitung erschien. Einige Rechercheergebnisse machen einen Nachtrag zu diesem Artikel sinnvoll.

Im Zusammenhang mit der Dämonisierung der DRVK im Zuge des Medienhypes um nordkoreanische Versuche unterirdischer Atombombenzündungen ist es notwendig und sinnvoll, essentielle Fakten der koreanischen Geschichte zu kennen.

Es geht dabei ausdrücklich nicht darum, das Kim-Regime in Nordkorea zu idealisieren. Diesem Thema werde ich einen eigenen Artikel widmen. Für mich aber offenbart sich mehr und mehr, dass das stalinistische nordkoreanische Regime eine unmittelbare Folge der brutalen und absolut menschenverachtenden Vorgehens der USA und ihrer Verbündeten in der (aus ehemaligen Kollaborateuren mit der japanischen Besatzung bestehenden) koreanischen „Elite“ war.

Die Verbrechen der USA in Korea 1950-53 dürfen gerade wegen des Medienhypes um nordkoreanische Raketen usw. nicht unter den Tisch gekehrt werden, sondern müssen gerade jetzt aufgedeckt werden.

Das war der wichtigste Zweck meines letzten Artikels zum Thema Korea.

In diesem Zusammenhang schrieb ich:

Es deutet alles drauf hin, dass das Regime von Syngman Rhee, das im wesentlichen aus ehemaligen Kollaborateuren mit den japanischen Besatzungsbehörden bestand (die “Elite” Koreas hatte die japanische Annektion 1910 unterstützt), den Krieg benutzt, um mit Hilfe der US- Armee die koreanische Arbeiterbewegung auszurotten.

Dieser Vorgang ist besser dokumentiert als ich ursprünglich dachte.

Er trägt auch einen Namen: das Bodo-League-Massaker. Über dieses Massaker gibt es auch einen englischen wikipedia – Artikel (keinen aber in deutsch).

Das Bodo League – Massaker ereignete sich im Sommer 1950. In meinem letzten Artikel konzentrierte ich mich auf die Frage des Kriegsausbruchs und nannte westliche Quellen, die verifizieren, dass am 26. Juni 1950 mehrere internationale Presseorgane übereinstimmend von der Eroberung der Stadt Haeju berichteten.

Beim folgenden Gegenangriff der nordkoreanischen Armee brach die südkoreanische Armee innerhalb von Wochen völlig zusammen. Anzahl der unmittelbaren Kriegsopfer scheint vergleichsweise gering gewesen zu sein.

Das englische wikipedia, das die Einnahme von Haeju völlig verschweigt, schreibt über die ersten Kamphandlungen:

Under the guise of a counter-attack, the North Korean Army struck in the pre-dawn hours of Sunday, June 25, 1950, crossing the 38th parallel behind a firestorm of artillery.[29]:14 The North claimed Republic of Korea Army (ROK) troops under the “bandit traitor Syngman Rhee“ had crossed the border first, and that Rhee would be arrested and executed.[34] While certainly true that both Southern and Northern militaries had for the past year exchanged gunfire and crossed over the 38th parallel, the attack on June 25 was considered by some nations to be an extension of the North’s plan to unify the country and not a direct result of a particular attack from the South.

Vorsichtig, sehr vorsichtig ausgedrückt. Die nordkoreanische Behauptung ist also angesichts der im letzten Artikel genannten Quellen als zutreffend anzusehen.

Weiter:

North Korean forces occupied Seoul on the afternoon of June 28. An air battle took place over the city in which 37 South Korean fighters were shot down while only 9 North Korean fighters were downed. Two days later, the largest battle between only North and South Korean forces happened. The North Koreans destroyed 89 tanks, 76 artillery pieces, 19 bombers, and 21 fighters. South

Skelett in einem exhumierten Masengrab in Südkorea

Korean casualties were 7,000, while 16,000 were captured. Many of these South Koreans later fought for North Korea. Many South Koreans deserted after the battle.

Hochinteressant. Die Einnahme von Seoul (vier Tage nach Kriegsausbruch) kostete 46 Todesopfer insgesamt (Nord wie Süd). Die „größte Schlacht“ in dieser Phase des Krieges führte demnach zu 7000 südkoreanischen Opfern. Ansonsten scheint es so gewesen zu sein, dass die südkoreanische Armee durch Desertationen quasi zusammenbrach.


Aber genau in dieser Phase fand das Bodo League Massaker statt!

Was bedeutet Bodo League?

Der entsprechende englische wikipedia – Artikel zum Bodo League – Massaker schreibt:

In the run up to the Korean War the first president of South Korea, Syngman Rhee had about 30,000 alleged communists in his jails, and had about 300,000 suspected sympathizers enrolled in an official „re-education“ movement known as the Bodo League or (National Rehabilitation and Guidance League, Gukmin Bodo Ryeonmaeng).

Der „Präsident“ Südkoreas, Syngman Rhee, hatte also 30000 angebliche Kommunisten zu Beginn des Koreakrieges in Gefängnissen, und zusätzlich 300000 Personen, die als „kommunistische Sympathisanten“ angesehen wurden, in eine Zwangorganisation namens Bodo League gesteckt („Nationale Rehabilitations- und Führungsliga“). Es ist anzunehmen (es gibt Hinweise darauf), dass diese Bodo League im wesentlichen ein System aus Arbeitslagern, Blockwarten etc bestand.

Die „Mitglieder“ dieser Bodo League, die „politisch suspekte“ Personen erfasste, wurden nun zum Opfer des Bodo League Massakers.

Die „Südkoreaner“ (gemeint sind die faschistischen Truppen Syngmans Rhee) hatten also „besseres“ zu tun als den nordkoreanischen Truppen zu widerstehen. Es musste die politische Opposition ausgerottet werden.Wussten sie, dass es sich „lohnte“, da mit der US – Intervention zu rechnen war.

Passt so gar nicht zu den Legenden vom armen „demokratischen

Südkorea“, das vom „kommunistischen Nordkorea“ arglistig überfallen wurde

Auf die Medien konnten sich die damaligen Massenmörder offenbar absolut verlassen. Bis heute ist die Lüge vom nordkoreanischen Überfall in die Hirne der meisten Menschen hineingeschissen.

Nichts anderes war das, was heute als Bodo league Massaker bezeichnet wird:

South Korea massacr

ed civilians who were suspected

as members of the Bodo League. The casualties were from 10,000 to 100,000 (see Wiki Link on Bodo League massacre), other estimates say the casualties were 200,000 to 1,200,000.

Zusammengefasst in deutsch: „Südkorea“ (gemeint sind die faschistischen Truppen von Syngman Rhee) massakrierten Zvilisten, die Mitglied von Bodo league waren, und zwar mindestens 10000, nach höchsten Schätzungen 1 200 000.

Die (aus innenpolitischen Gründen) mit äusserter Vorsicht agierende südkoreanische Wahrheits- und Versöhnungskomission spricht von „mindestens 100000“.

Ein Ausmass nicht auszudenken, selbst wenn die „Wahrheit „in der Mitte liegen sollte.

Vor einiger Zeit erschien auch in freitag.de (01.07.2005) ein Artikel von Rainer Werning, Leiter des Korea Kommunikations- und Forschungszentrums im Asienhaus (Essen):

Mehr als 50 Jahre mussten vergehen, bis ein verdrängtes, verschwiegenes und fast schon vergessenes Kapitel des Koreakrieges ins öffentliche Bewusstsein rückte – zahlreiche Massaker von Südkoreanern an der eigenen Zivilbevölkerung. Noch bis zum Jahr 2000 galten solche Gräueltaten als Teufelswerk nordkoreanischer Militärs.

Dieser „Hirnschiss“ durch die CIA-gelenkten Massenmedien sitzt seit über 50 Jahren in den Köpfen der meisten bewusstlosen Presse- und Fernsehkonsumenten, und so ist es aus immer wieder möglich, das Zerrbild von einem „die Welt bedrohenden“ Nordkorea wieder wachzurufen. Gewiss ist Nordkorea als eine bürokratische, oligarische Diktatur zu betrachten (eine Einschätzung dieses Regimes werde ich noch zur Diskussion stellen), doch weder hatte die Kim-Il-Sung-Regierung im damaligen Nordkorea den Kriegsausbruch zu verantworten, noch hat sie solche monströsen Verbrechen in diesem Ausmaß zu verantworten.

Rainer Werning, der im übrigen auf die Frage des Kriegsausbruchs 1950 nicht eingeht, schreibt weiter:

Aber die vom Kriegsschauplatz berichtenden Korrespondenten hatte es seinerzeit schon schockiert, dass die US-Soldaten alle Koreaner abschätzig „gooks“ nannten, was soviel meinte wie „Untermenschen“ und „zum Abschuss frei gegeben“.

Massenmörder MacArthur

Anscheinend gab es damals noch Journalisten mit Ehre und Gewissen. Erinnern wir uns übrigens auch, dass „Gooks“ auch für die US – Soldaten im verbrecherischen Vietnamkrieg die Standardbezeichnung für „den Feind“ (den „Vietcong“ und alle sonstigen „Schlitzäugigen“) war. Weiter Rainer Werning:

James Cameron, der aus Korea für die Londoner Picture Post berichtete, beschrieb im Spätsommer 1950 seine Eindrücke über ein Camp in der Hafenstadt Pusan, das er ein „südkoreanisches Konzentrationslager“ nannte: „Diese Menschenmenge – nicht verurteilt, nicht einmal angeklagt, Südkoreaner in Südkorea, die man lediglich für ›unzuverlässig‹ hält. Es sind Hunderte – bis auf das Skelett abgemagert, Marionetten mit ergrauten Gesichtern, in Ketten gelegt und aneinander gebunden – zur Schau gestellt, in klassischer Manier der Unterwerfung kauernd oder wie Fötusse im Dreck liegend. Neben dieser mittelalterlich anmutenden Szene hielten sich in sicherer Entfernung amerikanische Soldaten auf. Sie beäugten lässig die Szenen und fotografierten. Mich empörte das dermaßen, dass ich die UN-Kommission darüber informierte. Dort teilte man mir lapidar mit: ›Nun gut, das ist erschütternd. Doch vergessen Sie bitte nicht – es sind Asiaten, mit unterschiedlichen Verhaltensweisen, allesamt sehr schwierig‹.“

Busan oder Pusan, das sei noch gesagt, war die letzte Region Südkoreas, die nach dem Vormarsch der nordkoreanischen Armee noch von US-amerikanischen und faschistisch-südkoreanischen Truppen gehalten wurden. Diese Region konnte die nordkoreanische Armee nie erobern. Aus der Sicht der (bis zu 1,2 Mio) dahingeschlachteten Menschen, die teilweise nur wegen ihrer Sippenzugehörigkeit summarisch als „kommunistische Sympathisanten“ ermordet wurden, wäre es sicher besser gewesen, die nordkoreanische Armee wäre nicht nur schneller gewesen, sondern hätte das gesamte Mördergesindel ins Meer auf ihre amerikanischen Schiffe getrieben.

Ich fand nun in youtube zwei Videos eines in den USA lebenden Japaners mit Fotodokumenten über dieses Bodo League Massaker aus verschiedenen Archiven, u.a. der US – Armee (Sperrfristen abgelaufen).

Sie sind so grauenhaft wie sehenswert.

Mass Kilings in Korea: Hidden history of 1950 (1/2) -Bodo League massacre

Mass Killings in Korea: Hidden History of 1950 (2/2) -Bodo League massacre

In dem Zusammenhang empfehle ich auch den Artikel bei www.kvdr.de, der offenkundig näherer Beachtung würdig sein sollte, weil zumindestens die Aussage in diesem Text, dass Syngman Rhees südkoreanische Truppen am 25.Juni 1950  die nordkoreanische Stadt Haeju einnahmen, sich ja durch „westliche“ Quellen verifizieren liess. Ja, es ist eine „kimilsungische“, aber die Aussagen dieser Webseite zur Frage des Kriegsausbruchs und der Einnahme der nordkoreanischen Stadt Heaju konnten (siehe meinen letzten Artikel) durch westliche Quellen verifiziert werden, während sich die „westliche“ Sicht als ein einziges monströses Lügengebäude herausgestellt hat. Es ist also nicht mehr als gerecht, wenn auch die anderen Angaben dieses Artikels ernsthaft überprüft werden.

Nochmals zu Rainer Werning. Er schrieb damals.

Erst im September 1999 konnte ein Team der Nachrichtenagentur AP nach aufwendiger Recherche beweisen, dass Kriegsflüchtlinge in Korea, selbst Frauen, Kinder und ältere Menschen, tatsächlich von südkoreanischen Kommandos mit Wissen und Duldung von US-Offizieren in verschiedenen Orten des Landes systematisch massakriert wurden. Kill ´em All: American Military Conduct in the Korean War nannte der Journalist Lee Williams seinen Beitrag, den die BBC am 1. Februar 2002 ausstrahlte. Williams stützte sich auf deklassifizierte Militärdokumente aus US-Archiven und auf die Recherche seiner AP-Kollegen vom Herbst 1999.

Nein, es handelt sich dabei NICHT um das Bodo League – Massaker, denn trotz seiner Monstrosität war es bei weitem nicht das einzige in diesem Krieg. In Kill ´em All: American Military Conduct in the Korean War geht es um das Massaker von Nogeun-ri, wovon in jeder Hinsicht unschuldige  und sogar vollkommen unwissende Zivilisten (Flüchtlinge) betroffen waren.

Diesen BBC – Beitrag kann man sich auch auf youtube anschauen.

Kill ‚Em All American War Crimes in Korea

Teil 1 URL:http://www.youtube.com/watch?v=q8fKj9V_9EA

Teil 2 URL:http://www.youtube.com/watch?v=XtlYrq2otVg

Teil 3 URL:http://www.youtube.com/watch?v=NJxGbvO4AY8

Teil 4 URL: http://www.youtube.com/watch?v=_saZpN5gyGM

Teil 5 URL: http://www.youtube.com/watch?v=3WXjOqP5DMs

Übrigens malte Pablo Picasso, der wohl bekannteste Maler der Welt, 1951 das Bild „Massaker in Korea“, dessen Abbildung im englischen wikipedia ich hier wiedergeben möchte:

Es waren also schon 1951 interessierten und engagierten Menschen, zu denen man Pablo Picasso zählen darf, die schockierenden Fakten über die US-amerikanischen Massaker in Korea bekannt. Sie wurden aber entweder unter den Tisch gekehrt oder für unglaubwürdig erklärt, weil es sich um „kommunistische“ Angaben handelte (Pablo Picasso war seit 1945 Mitglied der Kommunistischen Partei Frankreichs).

Gleichwohl fiel es den imperialistischen Machtapparaten wohl damals leicht, den – zumindestens in der Mehrheitsmeinung der Länder des „Westens“ – diskreditierten Stalinismus für unglaubwürdig darzustellen. Aus heutiger Sicht muss man sagen, dass selbst die übelsten Lügen des Stalinismus nicht an die Perfektion imperialistischer „Gehirnwäsche“ herankommen, allein schon deswegen, weil die stalinistischen Lügen relativ schnell aufflogen.

Aber dass gerade der „vergessene Krieg“ in Korea 1950-53 bis heute von imperialistischer Legendenbildung geprägt ist, sehe ich schon als schwer erschütternd an. Die Korea – Lüge hat sich bis heute gehalten.

Das Ausmass der durch die USA und ihrer faschistischen Gefolgschaft in der koreanischen Oberschicht angerichteten Massaker lassen sich nur in den Dimensionen etwa des Massakers des (von der CIA gelenkten)  Militärs 1965 in Indonesien messen (G30S/PKI), wo womöglicherweise auch bis zu 1,5 Millionen Menschen innerhalb kurzer Zeit ermordet wurden. Oder mit den verheerenden Massakern der janpanischen Imperialisten in China während des 2. Weltkrieges.

Das Bodo League – Massaker ist insofern bedeutsam für die Beurteilung der heutigen Situation in beiden Koreas, weil es den vollendeten und erfolgreichen Versuch darstellte, die unabhängige Arbeiterbewegung in Südkorea nicht nur zu schlagen, sondern physisch zu vernichten. Während die südkoreanische Armee gegenüber den nordkoreanischen Truppen zusammenbrach (und die einfachen Soldaten der südkoreanischen Armee wohl – berechtigterweise – in Massen desertierten) verübte die faschistische Militärpolizei der Syngman – Rhee – Regierung im „freien“ („noch“ „demokratischen“) Südostzipfel Südkoreas (Region um Busan) „in aller Ruhe“ eines der grauenhaftesten Massaker der jüngeren Geschichte.

Dieses leider erfolgreiche Massaker war die Voraussetzung dafür, dass nach dem Kriege es nur noch zwei Mächte in Korea gab: die USA im Süden, die sich bis 1987 auf eine Reihe aufeinanderfolgender folterungsfreudiger Militärdiktaturen stützte (eine „Demokratie“ selbst nur im formalen bürgerlichen Sinne ist Südkorea nämlich erst seit 1987), und ein stalinistisches System (mit Aspekten populistischer „asiatischer Despotie“) im Norden, das im Grunde aus der nordkoreanischen Armee hervorgegangen ist.

Im wesentlichen ist diese Situation bis heute geblieben.

Es ist in diesem Themenkomplex Korea offenkundig noch zeitgeschichtlich und politisch vieles aufzudecken.

—–

Ach ja, und zum aktuellen Thema „Nordkorea – Krise“:

Abzug aller US-amerikanischen Besatzungstruppen von koreanischem Boden sofort und für immer!

Schluss mit der Erpressung und der Blockade der KVDR!


Written by bronsteyn

30. Mai 2009 at 11:41 pm

Haeju und die Verbrechen der USA am koreanischen Volk

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Die Frage, wer eigentlich wirklich den Korea-Krieg begonnen hatte, wurde nach meinem Wissen in der deutschen Bloggerei erstmals von nemetico im damaligen politblog aufgeworfen.Bislang war der Widerspruch zu den geltenden imperialistischen Propagandalegenden den Anhängern der (stalinistischen) nordkoreanischen Juche – Ideologie vorbehalten gewesen, eine Strömung, die wenig Einfluss auf die öffentliche Meinung hat. Im Zuge der aktuellen Berichterstattung über die nordkoreanischen Weltraumraketen und unterirdischen Atombombenversuche gewinnen diese Fragen wieder an Aktualität. Der Blog Mein-Parteibuch griff das Thema angesichts des jüngsten Medienhypes über den „Irren von Pyöngyang“ auf.

Tatsächlich fällt es ins Auge, dass die aktuellen Schlagzeilen der durch imperialistische Pressure Groups („Agenturen“) gleichgeschalteten Medien allesamt wie selbverständlich von der Legende einem nordkoreanischen Angriffskrieg 1950 gegen das „demokratische“ Südkorea ausgehen, gewissermassen als die Mutter aller Lügen über Nord- und Südkorea. Daraus werden dann die üblichen „Der Irre von Pyöngyang“ – Szenarien gestrickt bis hin zu öffentlichen Kriegs- und Mordaufrufen durch bezahlte Kommentatoren („Trolle“) in diversen Foren.

In den letzten Jahren wurden dank des Internets eine Menge imperialistischer Lügen aufgedeckt, beispielsweise die Brutkastenlüge oder die Zwischenfall-im-Golf-von-Tonking-Lüge, und für viele Menschen offenbarte sich angesichts solcher Dinge, dass sie bisher in einer medialen Scheinwelt gelebt hatten.

Wer griff am 25. Juni 1950 wirklich an?

Doch wenden wir uns der immer wieder debattierten Gretchenfrage zu, wer denn damals am 25.Juni 1950 wirklich den Krieg begann. Nemetico schrieb damals in seinem Artikel im politblog (der nicht mehr existiert):

Wie brach dieser Krieg aus?

Kommen wir zur Frage des Ausbruchs des Krieges. Es ist wirklich nicht leicht, Faktenmaterial dazu zu finden.
Durchweg lautet die “westliche” Lesart auch in den Quellen, die ich im Internet finden konnte: die Nordkoreaner hätten versucht, in einem “Blitzkrieg” Südkorea zu erobern. Aber wirkliche Belege fand ich nicht außer der sich formelhaft wiederholenden Formulierung, am 25.Juni 1950 hätten die nordkoreanischen Truppen die Demarkationslinie “überschritten”.

Audiatur et alterna pars (höre auch den anderen Teil), sage ich mir und schlage auf den Seiten des Freundeskreises der Juche-Ideologie in der Kommunistischen Partei Deutschlands. Ich weiß zwar nicht, um welche Kommunistische Partei es sich handelt, aber mich interessiert ja die Geschichte des Korea – Krieges. Und verläßlicher als Spiegel Online sind solche Seiten wahrscheinlich auch (kleiner Scherz). Hier findet sich ein ausführlicher Text: Die Wahrheit über den imperialistischen Krieg gegen die Koreanische Demokratische Volksrepublik, der vor 50 Jahren ausbrach

Genau die interessiert mich. Der Text ist umfangreich. Es wird sich aber aber nicht nur auf kimilsungische Quellen bezogen, sondern auch auf damalige “westliche” Pressemeldungen.

Wichtigster Fakt ist hierbei folgender: Die südkoreanische Marionettenarmee konnte am 25. Juni bis auf 2 Kilometer tief in das Territorium der KDVR (Koreanische Demokratische Volksrepublik) vordringen. Eingenommen wurde trotz tapferen Widerstands der Grenztruppen der KDVR der Ort Haeju (Hädschu). Das ging seinerzeit schon als südkoreanische Siegesmeldung über die Nachrichtenticker der ganzen Welt. Die westliche Presse meldete das in Schlagzeilen, so die New York Times, die Londoner Daily Herald und der Londoner Guardian vom 26. Juni 1950. Das sollte die kapitalistische Welt in eine Art antikommunistische Siegesstimmung versetzen und die südkoreanischen Marionettentruppen zum Kampf motivieren. Die Aggression der “Südkoreaner” hatte genaugenommen schon eher begonnen. Am 23. und 24. Juni wurde nordkoreanisches Gebiet unter massiertes Artillerie- Feuer genommen und bombardiert. Schon das meldete seinerzeit die amerikanische und britische Presse. (2) Das und andere Quellen (2) widerlegen die amerikanische Version über den Koreakrieg.

Nun wird behauptet, daß UN-Beobachter den Erstangriff der Nordkoreaner gesehen hätten. Das ist ebenfalls eine plumpe Lüge. UN-Beobachter konnten trotz gegenteiliger Behauptungen auch in deutschen Publikationen, den Angriff der Nordkoreaner nicht gesehen haben. Die waren schon am 23. Juni auf Betreiben der USA-Regierung vollständig abgezogen worden, was übrigens auch von Presseorganen aus aller Welt bestätigt wurde. Sicherlich war den USA-Imperialisten daran gelegen, daß alle neutralen UNO-Beobachter vom 38. Breitengrad am 24. und 25. Juni 1950 abgezogen sind, um keine unmittelbaren UNO-Zeugen der heimtückischen Aggression der südkoreanischen Marionettenarmee zu haben. Die Aggression der südkoreanischen Aggression wird auch von allen inzwischen der Öffentlichkeit zugänglichen Dokumenten des Pentagons bestätigt.

Außerdem läßt auch der Biograph des damaligen Oberbefehlshabers der USA-Truppen im Pazifik-Raum MacArthur, John Gunther in seinem Veröffentlichungen keinen Zweifel daran, daß die “Südkoreaner” die Aggressoren waren, wenn er auch seinem Chef, der dann der Oberbefehlshaber der westlichen Aggressionstruppen in Korea wurde, bewunderte und vielfach von Kriegsschuld und Aggressionslüsternheit zu entlasten versuchte. In (5) schildert er zum Beispiel die Situation im Hauptquartier der USA-Pazifikstreitkräfte in Tokio an jenem Morgen des 25. Juni, als dort die Nachricht eintraf, daß die Südkoreaner Nordkorea angegriffen haben. Er schreibt unmißverständlich, daß amerikanischen Militärs im Stab Mac Arthurs in Tokio am frühen Morgen des 25. Junis die Meldung erhielten, daß die Südkoreaner die Grenze zum Norden überschritten haben. Schon mit dieser Schilderung bricht die Standardversion von Nordkorea als angeblicher Angreifer in sich zusammen.

Dazu werden folgende Quellen angegeben:

(1) Olaf Groehler “Der Koreakrieg 1950-1953″, Militärverlag der Deutschen Demokratischen Republik, Berlin 1980; (2) The US imperialists started the Korean war (Die USA-Imperialisten haben den Koreakrieg begonnen), Foreign languages Publishing house, Pyongyang”; (3) Modern history of Korea” (Geschichte von Korea der Neuzeit), Foreign languages Publishing house, Pyongyang; (5) The riddle of MacArthur (Das Rätsel von MacArthur), Hamish Hamilton, London 1951; (6) Outstanding leadership and brilliant victory, (Herausragende Führungskunst und glänzender Sieg), Korea pictorial, Pyongyang, 1993.

Doch es ist seit diesem politblog – Artikel wieder Zeit vergangen, und siehe da, aus den Archiven tauchen Dinge auf, die man nicht gerade als Schätze, sondern als Leichen im Keller des US-Imperialismus bezeichnen muss.

Im Zusammenhang der Frage des Ausbruchs des Koreakrieges fällt immer wieder der Name der Stadt Haeju in der Provinz Süd Hwanghae. Die Einnahme dieser nordkoreanischen Stadt wurde tatsächlich am 26. Juni 1950 vom Daily Herald, vom britischen Guardian und von der New York Herald Tribune gemeldet, aber ohne nähere Angabe darüber, wann diese Einnahme genau stattgefunden hatte. Der Ton dieser Pressemeldungen war „triumphalistisch“ und berief sich auf amerikanische Militärkreise. (1).

Wann hat der Koreakrieg „offiziell“ begonnen? Richtig, am 25. Juni. Das deutsche wikipedia indessen lügt, natürlich ohne näheren Nachweis:

Am 25. Juni 1950 überschritten die Truppen der Nordkoreanischen Volksarmee nach abwechselnden Grenzverletzungen beider Konfliktparteien die Grenze.

Heaju wird hier überhaupt nicht erwähnt. Es kommt hier wirklich aufs Detail mal an. Denn das Überschreiten der Demarkationslinie durch nordkoreanische Truppen ist das Axion, das bis heute die Rolle Nordkoreas als Aggressor in jenen Tagen 1950 rechtfertigt. nemetico berief sich bei seinen Zweifeln noch auf „östliche“, kimilsungische Quellen, nunmehr liegen eindeutig „westliche“ vor.

Koreakrieg (von wikipedia)

Koreakrieg (von wikipedia)

William Blum (1) hat aber noch mehr zu berichten. Demnach berichtet der (unbedingt US-loyale) MacArthur-Biograph John Gunter an einer Stelle, dass er am 25. Juni in Japan als Tourist weilt und miterlebte, wie ein Vertreter der US-Besatzungsbehörden einen Telefonanruf bekam, wonach „die Südkoreaner Nordkorea angegriffen“ hätten, eine „big story“. Am gleichen Tag aber gaben die US-Dienststellen die Parole aus, Nordkorea sei der alleinige Aggressor. Gunter gab auch eine Erklärung für den seltsamen Telefonanruf, wonach die US-Militärs sich wohl hätten von der „marktschreierischen“ Propaganda Nordkoreas beeindrucken lassen (Nordkorea verkündete anklagend den Angriff der südkoreanischen Kräfte über Rundfunk). Diese Erklärung bezeichnet Blum zu Recht als ungereimt, aber sie passt zu der schon vorbereiteten Gleichschaltung der Medien.

Von der Einnahme der Stadt Haeju war später in den westlichen Medien nicht mehr die Rede.

William Blum verweist auch auf einen anderen Artikel in der New York Times am 26.Juni (also am Tag nach offiziellem Ausbruch des Krieges), wo darauf hingewiesen wurde, dass der südkoreanische Regierungschef Syngman Rhee stets ie gewaltsame Eroberung des Nordens gefordert hatte und dafür das amerikanische Einverständnis verlangt habe (1).

Doch er weist noch auf einen weiteren sehr interessanten Fakt hin. Demnach hatte ein amerikanischer Offizieller (American Aid Mission in South Korea) vor seiner Remission unmittelbar nach Kriegsausbruch gesagt, dass das südkoreanische Regime ein „oppressives Regime“ sei, das „wenig tat, um dem Volk zu helfen“ und daß sich in jedem Fall eine südkoreanische Aufstandsbewegung  gegen das Rhee-Regime entwickelt hätte, wenn die Truppen des Nordens nicht gekommen wären. Doch das ist noch eine ganz andere Geschichte.  Bleiben wir noch bei der Frage des Kriegsausbruchs.

Entgegen allgemeinen Glaubens gab es am 38. Breitengrad keine unabhängigen Beobachter der UNO, die irgendeine Aussage hätten treffen können. Deren Mandat war nämlich am 23. Juni 1950 abgelaufen. Es hielten sich danach auch keine unabhängigen Beobachter, sei es der UNO, sei es von sonst wem, mehr am 38. Breitengrad auf. Alle Behauptungen dieser Art wurden ausschließlich von der Rhee-Regierung oder den US-Militärs in die Welt gesetzt.

Wie kam es, dass die Rhee-Regierung durch ihr Informationsministerium schon am Morgen des 26. Januar die Einnahme Haejus durch einen „Gegenangriff“ verkündete, aber später (als der Kriegsverlauf sehr ungünstig zu verlaufen drohte) diese Meldung dementierte? (1)

Milchman (16) wartet sogar mit noch erstaunlicheren Fakten auf:

It is a matter ot record that Rhee and his Defence Minister had been threatening to invade North Korea for months…. It is further established, also, that Rhee had been decisively defeated in the election of May 30. 1950, an election which the American  government forced-upon him. His regime was ‚left tottering.‘
He had no political future unless war broke out, and his will power was entirely sufficient to bring war about. His prewar
threats to march north were discounted during the war, hut after it began the report that Secretary of State Acheson
’never was quite sure that Rhee did not provoke the Red attack of 1950″ was amply justified.

Wie denn? Es – „gesichert“ – fanden Wahlen am 30. Mai in Südkorea statt, bei denen Rhee „entscheidend“ geschlagen worden war? Nach dieser Quelle war es ein Kalkül von Syngman Rhee und John Foster Dulles gewesen, den Krieg zu provozieren und ein amerikanisches Eingreifen zu erzwingen.

In der Tat gilt in der politikwissenschaftlichen und zeitgeschichtlichen Forschung längst:

Es bedarf keiner Geheimdokumente, um nachzuweisen, dass Südkorea zur Herbeiführung der Wiedervereinigung mit gewaltsamen Mitteln bereit war.(5)

Demnach kann als sehr wahrscheinlich gelten, das Syngman Rhee den Krieg bewußt von Zaum brach. Er hatte Motiv, Gelegenheit und die Mittel dazu. Was das Motiv angeht, so stoßen wir bei der zeitgeschichtlichen Wahrheitssuche noch auf mehr interessante Fakten.

Das Jeju – Massaker

Ein grauenhaftes Vorspiel zum Koreakrieg war das Jeju – Massaker. Dieses fand VOR dem Koreakrieg statt, auf zwar auf Jeju, einer koreanischen Insel südlich des Festlandes. Nach dem Ende des 2. Weltkrieges und der provisorischen Teilung Koreas (davon weiter unten) hatte die rechtsgerichtete Regierung in Seoul eines rechtsgerichtete Lokalregierung auf dieser Insel eingesetzt. Da die Einsetzung dieser Regierung gegen den Willen der Inselbevölkerung erfolgte, kam es zu Massakern an Teilen der Inselbevölkerung und anschliessend zum bewaffneten Aufstand gegen die Repression.

Um die Aufständischen im bergigen Landesinnern zu isolieren, wurden alle Dörfer, die mehr als vier Kilometer von der Küste entfernt waren, dem Erdboden gleichgemacht. Nach offiziellen koreanischen Angaben wurden dadurch zwischen April 1948 und August 1949 270 von insgesamt 400 Dörfern auf der Insel ausgelöscht.

Der Widerstand der Inselbevölkerung wurde vor Ausbruch des Koreakrieges völlig erstickt, erst in den 80er Jahren begann in Südkorea die Aufarbeitung dieser Vorgänge. Am Aufstand der Inselbevölkerung war sowohl Nordkorea als auch die Kommunistische Partei Koreas nicht beteiligt.

wikipedia:

beispielsweise empfand der selbst an der Niederschlagung der Unruhen beteiligte General Kim Ik Ruhl († 1988) die in den Jahrzehnten danach in Südkorea vorherrschende Erklärung der Ereignisse als kommunistischen, separatistischen Aufstand als falsch: einem nach seinem Tod veröffentlichten Manuskript zufolge war Nordkorea an ihnen nicht wesentlich beteiligt; das Handeln der Insulaner sei weniger ideologisch motiviert, als viel mehr eine Reaktion auf eine vermeintliche Gefährdung der örtlichen Schmuggelwirtschaft sowie auf Plünderungen, Morde und Vergewaltigungen seitens rechtsgerichteter Marodeure von der Halbinsel, die nach Jejudo geschickt worden waren. Auch das amerikanische Militär hatte Anteil an der Entwicklung.

Soviel nur zu der Frage, ob Syngman Rhee hätte mit einem Aufstand in Südkorea rechnen müssen, wären die Nordkoreanischen Truppen dem nicht zuvor gekommen.


Schwere Kriegsverbrechen der USA und ihrer Marionetten

Als „dokumentiertes Kriegsverbrechen“ kann das Massaker von   gelten.

Als besonders grauenhaft ist der „Plan“ des US-amerikanischen Generals MacArthur hervorzuheben, im Falle eines siegreichen Vorstosses bis an die chinesische Grenze und ggfs. darüber hinweg die chinesisch.koreanische Grenze durch Atombomben zu verseuchen und einen „Strahlungsgürtel“ gegen den „Kommunismus“ einzurichten. Meines Wissens ist MacArthur niemals von unseren gleichgeschalteten Medien als der „Irre vom US-Oberkommando“ bezeichnet worden (4).

In der Kriegführung der USA, die es geschafft hatte, sich ein UNO – Mandat zu erschwindeln (die Vetomacht UdSSR hatte gerade den Sicherheitrat verlassen aus Protest gegen die Nichtaufnahme der jungen VR – China – wäre ein schlechter Zeitpunkt gewesen für die „von Stalin angeordnete nordkoreanische Aggression“, wie die imperialistischen Legenden behaupten), wurde fast jedes Völkerrecht gebrochen, es wurden Zivilisten, darunter zahllose Kinder (als Angehörige von „Kommunisten“) massakriert, Staudämme bombardiert, Napalm eingesetzt, alles was man später von Vietnam auch her kannte (2) (4) (6).

Die Massaker der Syngman-Rhee-Truppen an der politischen Linken und Gewerkschaftsbewegung

Es deutet alles drauf hin, dass das Regime von Syngman Rhee, das im wesentlichen aus ehemaligen Kollaborateuren mit den japanischen Besatzungsbehörden bestand (die „Elite“ Koreas hatte die japanische Annektion 1910 unterstützt), den Krieg benutzt, um mit Hilfe der US- Armee die koreanische Arbeiterbewegung auszurotten (6) (14) (15).

„Zuerst sei der US-amerikanische Oberst Rollins S. Emmerich »aufgewühlt« gewesen und habe versucht, die Aktion hinauszuzögern. Dann aber habe er seinen südkoreanischen Offizierskollegen »die Erlaubnis gegeben«, 3500 politische Gefangene mit Maschinengewehren niederzumähen, damit die vorrückenden Truppen des kommunistischen Nordkoreas sie nicht befreien könnten. Das geht aus jüngst entdeckten US-Dokumenten in den einst geheimen Archiven Washingtons hervor, berichtete die Nachrichtenagentur AP am Wochenende. »In nur wenigen Wochen im Sommer 1950 haben amerikanische Offiziere Massenexekutionen, die von ihren südkoreanischen Verbündeten durchgeführt wurden, beobachtet, fotografiert und vertraulich kommentiert. Bei diesen Massenmorden sind 100000 oder mehr politisch linksgerichtete Menschen und verdächtige Sympathisanten ohne Anklage oder Richterspruch umgebracht worden«, so AP .“ (4 )

Der Zeitgeschichtler Herrmann Ploppa schreibt (15):

Seit 1997 versuchen koreanische Regierungsausschüsse, u.a. der Ausschuss für Wahrheit und Versöhnung, durch Zeugenbefragungen und Ausgrabungsaktionen Licht in dieses dunkle Kapitel zu bringen. Es geht vornehmlich um den Frühsommer 1950. In dieser ersten Phase des Koreakrieges drangen nordkoreanische Truppen in das südkoreanische Staatsgebiet ein. Sie trieben die südkoreanischen Streitkräfte und deren US-amerikanische Militärberater vor sich her, bis die Südkoreaner nur noch ein kleines Gebiet um die Hafenstadt Busan im Südosten kontrollierten. Panisch durchkämmten die Südkoreaner ihr Gebiet nach möglichen nordkoreanischen Kollaborateuren.

Dieser Personenkreis war schon unter der Diktatur von Rhee Syngman[1] , der seit 1948 Südkorea beherrschte, erfasst worden. Rhee ließ eine Umerziehungsorganisation gründen, die National Guidance League. Rhees Gefolgsleute rekrutierten 300.000 Bürger zur Umerziehung. Um das vorgegebene Soll zu erreichen, wurden auch analphabetische Bauern, die gar nichts mit den politischen Spannungen zu tun hatten, der Indoktrination unterzogen. Zudem befanden sich in Rhees Haftanstalten 30.000 politische Gefangene.

Die Gefängnisinsassen waren die ersten, die nunmehr der vorsorglichen Hinrichtung unterzogen wurden.

In diesem Zusammenhang verweise ich auf eine Playlist bei youtube zum Koreakrieg (3).

In unseren Medien wird immer das Bild von einem von einem „Irren“ regierten Nordkorea und einem „demokratischen“ Südkorea erzeugt. Es handelt sich um eine Scheinwirklichkeit. Bis 1987 war Südkorea sogar eine ganz gewöhnliche Diktatur, die keinen Vergleich mit den Regimen eines Videla oder Pinochet scheuen musste.

Die Umstände des jüngsten „Selbstmordes“ eines Ex-Präsidenten, der sich für eine Aussöhnung mit Nordkorea leidenschaftlich eingesetzt hatte, sind sehr bedenklich und deuten darauf hin, dass eine mörderische und zu allem entschlossene mafiotische „Elite“ in Südkorea seit 1950 ungebrochen die Strippen zieht und der bedingungslosen Unterstützung durch den US-Imperialismus sicher sein kann.

Es ist an der Zeit, diese Propagandalegenden aufzubrechen.

Natürlich darf das nordkoreanische Regime, das eine Mischung aus klassischen Stalinismus mit traditionellen Elementen der asiatischen Despotie (asiatische Produktionsweise) verbindet, deshalb nicht idealisiert werden. Das Kim – Regime ist entstanden als Ergebnis des Koreakrieges, in dessen Verlauf die unabhängige Arbeiterbewegung Koreas fast völlig vernichtet wurde. Aber es war ganz offensichtlich nicht verantwortlich für den Ausbruch des Koreakrieges. Dieser war eine Inszenierung der übelsten und mörderischsten Sektoren des US – Imperialismus einerseits und der korrupten kollaborationistischen südkoreanischen „Elite“ andererseits.

Ich bitte alle angegebenen Quellen zu beachten, die Autoren haben teilweise sehr aufwendige Recherchearbeit hinter sich.

Brechen wir die Propagandalegenden!

Playlist zum Koreakrieg

Quellen:

(1) Killing hope: US military and CIA interventions since World War II, William Blum, Zed Books, 2003, ISBN 1842773690, 781842773697

(2)Washingtons OK zum Massenmord (Artikel in der Jungen Welt)

(3)Playlist bei youtube über den Koreakrieg und US-amerikanische Kriegsverbrechen

(4)Napalm über Korea, Artikel in Le Monde Diplomatique

(5)Die Koreakrise – Seminarbeit von Sebastian Heisig

(6)Photodokumente: Exumierung von Skeletten und Leichen in Südkorea, u.a. wurden ungezählte Kinder von den US – Marionettentruppen massakriert

(7)Essays on international law and organization, behandelt die Frage, wie Enthaltung im Sicherheitsrat der UN geregelt ist

(8)Nachweis über die betrügerische Rückdatierung der UN-Resulution, mit der Invasion und Massakerkrieg der USA legitimiert wurde

(9)Seltsame Umstände des aktuellen „Selbstmordes“ des ehemaligen südkoreanischen Präsidenten

(10) Die Webseite der (süd)koreanischen Wahrheitskomission über Kriegsverbrechen während des Koreakrieges

(11) CIA – Operationen in Korea 1950-55 von Lee Wha Rang

(12) deutscher wikipedia-Artikel zum Korea-Krieg (sehr mit Vorsicht und Misstrauen zu behandeln)

(13) wikipedia – Webseite zur Insel Jeju-do

(14) sogar im Spiegel gabs mal einen informativen Artikel zu den Massakern der USA  im Koreakrieg

(15) Herrmann Ploppa über die Massenexekutionen der US-Armee und ihrer Marionetten

(16) Alan Milchman 1965:  D.F. Fleming on „The Origins of the Cold War“

(17) Mein Parteibuch zu Korea, besonders  „Die Nordkorea-Lüge“

Weiterführende Hinweise auf Arbeiterkämpfe in Südkorea:

Interview mit Kwon Young Kil, Chef des illegalen südkoreanischen Gewerkschaftsverbandes KCTU

Südkoreas neues Arbeitsgesetz ist keinem recht

Playlist über jüngste Arbeiterkämpfe in Südkorea bei Youtube.

Written by bronsteyn

28. Mai 2009 at 9:55 pm