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Aufstand in Guadeloupe

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Auf der „Ferieninsel“ Guadeloupe ist wohl die Hölle los, in verschiedenen Pressemeldungen ist schon seit Tagen von Unruhen die Rede, die nunmehr auch ein Todesopfer gekostet haben sollen.

Nach wochenlangen Streiks st es auf der französischen Karibikinseln Guadeloupe zu schweren Zusammenstössen mit der Polizei gekommen. Beim Versuch, Barrikaden abzubauen, wurden Polizisten am Montag mit Steinen beworfen. Etwa 50 Personen wurden festgenommen, wie der für die Insel zuständige Regierungsbeamte Nicolas Desforges mitteilte.

Die Polizei setzte nach Angaben der linksgerichteten Partei NPA Tränengas ein. Mehrere Streikende wurden offenbar verletzt, unter ihnen der Gewerkschaftsführer Alex Lollia.

Gut vier Wochen nach Beginn eines Generalstreiks auf der französischen Karibikinsel Guadeloupe ist es in der Nacht auf Mittwoch zu gewaltsamen Ausschreitungen gekommen. Dabei wurde auch ein Mann von einer Jugendbande erschossen. Mindestens sechs Polizisten wurden durch Schüsse verletzt. Mehrere Geschäfte wurden geplündert und in Brand gesetzt. Demonstranten errichteten zahlreiche Straßensperren.

Bei dem Erschossenen handelte es sich nach Behördenangaben um einen Gewerkschafter. Dieser sei nach einer Kundgebung in seinem Auto tödlich getroffen worden, als zahlreiche Jugendliche auf Polizisten feuerten.

Die Bevölkerung fühle sich im Stich gelassen, sagte der Bürgermeister von Pointe-a-Pitre, Jacques Bangou. Er habe die ganze Nacht „zugeschaut, wie die Stadt in Schutt und Asche gelegt wird“. In mindestens neun Fällen sei die Polizei nicht eingeschritten, als Jugendbanden Autos oder Geschäfte in Brand gesetzt hätten. Er warf der französischen Regierung vor, zu langsam zu handeln.

Auslöser der sozialen Unruhen waren die hohen Lebenshaltungskosten auf der Inselgruppe. Die französischen Überseegebiete werden vom Festland subventioniert. Die eigene Wirtschaft ist kaum entwickelt, der Tourismus ist die Haupteinnahmequelle. Zahlreiche Produkte werden importiert. Die Proteste richten sich zunehmend auch gegen die ungleiche Verteilung der Reichtümer zwischen der überwiegend weißen Oberschicht und der mehrheitlich dunkelhäutigen Bevölkerung.

Auch auf der Nachbarinsel Martinique steht das öffentliche Leben praktisch still, weil die Menschen gegen die teuren Lebenshaltungskosten protestieren. Schulen, Ämter, Banken und Geschäfte sind auf beiden Inseln größtenteils geschlossen, die Müllabfuhr hat ihre Arbeit eingestellt, an den Tankstellen gibt es kaum noch Benzin. 10.000 Touristen stornierten bereits ihre Urlaubsbuchungen auf beiden Inseln.

Quellen:

FTD

Arlette Laguillers Solidaritätsadresse mit den Aufständischen in Gouadeloupe von Lutte Ouvriere am 16.2.2009

Schweizer Tagesschau

AFP am 18.2.2009

Focus am 18.2.2009

Die Welt am 18.2.2009

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Written by bronsteyn

18. Februar 2009 at 5:58 pm

Veröffentlicht in Karibik