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Die erstaunliche Nähe Wilhelm Reichs zu Grundgedanken Charles Fouriers

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WILHELM REICH:

Die charakterliche Struktur des heutigen Menschen, der eine sechstausend Jahre alte patriarchalisch- autoritäre Kultur fortpflanzt, ist durch charakterliche Panzerung gegen die innere Natur und gegen die äußerlich gesellschaftliche Misere gekennzeichnet. Sie ist die Grundlage von Vereinsamung, Hilfsbedürftigkeit, Autoritätssucht,Angst vor Verantwortung, mystischer Sehnsucht, sexuellem Elend, neurotisch hilfloser Rebellion, ebenso wie krankhaft-widernatürlicher Duldsamkeit. Die Menschen haben sich dem Lebendigen in sich feindselig entfremdet. Die Entfremdung ist nicht biologischen sondern sozial- ökonomischen Ursprungs. Sie fehlt in den Stadien der Menschheitsgeschichte vor der Entwicklung des Patriarchats. An die Stelle der natürlichen Arbeitsfreude und Tätigkeit ist seitdem die Zwangspflicht getreten.

Der Lebens- und sexualverneinend erzogene Mensch erwirbt eine Lustangst, die physiologisch in chronischen Muskelspannungen verankert ist. Die neurotische Lustangst ist die Grundlage der Reproduktion der lebensverneinenden, Diktatur begründeten Weltanschauung durch den Menschen selbst. Sie ist der Kern der Angst vor selbständiger freiheitlicher Lebensführung. Dies wird die wichtigste Kraftquelle jeder Art politischer Reaktion, der Herrschaft von Einzelpersonen oder Gruppen über die Mehrheit der arbeitenden Menschen. Sie ist biophysische Angst und bildet das Kernproblem des psychosomatischen Forschungsgebietes. Sie war bisher das größte Hindernis im Erforschen der unwillkürlichen Lebensfunktionen, die der neurotische Mensch nur unheimlich und angstvoll erleben kann.

Die Lebenskräfte regeln sich natürlicherweise selbst ohne Zwangspflicht und Zwangsmoral; beide sind sichere Anzeichen für vorhandene antisoziale Regungen. Die antisozialen Handlungen entstammen sekundären, durch die Unterdrückung des natürlichen Lebens entstandenen Trieben, die der natürlichen Sexualität widersprechen.

Die seelische Gesundheit hängt von der orgastischen Potenz ab, das heißt vom Ausmaß der Hingabe – und Erlebnisfähigkeit am Höhepunkt der sexuellen Erregung im natürlichen Geschlechtsakt. Ihre Grundlage bildet die unneurotische charakterliche Haltung der Liebesfähigkeit. Die seelischen Erkrankungen sind Folgen der Störung der natürlichen Liebesfähigkeit. Bei orgastischer Impotenz, unter der die überwiegende Mehrheit der Menschen leidet, entstehen Stauungen biologischer Energie die zu Quellen irrationaler Handlungen werden.

Die Heilung seelischer Störung fordert in erster Linie die Herstellung der natürlichen Liebesfähigkeit. Sie ist von sozialen Bedingungen ebenso abhängig wie von psychischen. Die seelischen Krankheiten sind Ergebnisse der gesellschaftlichen Sexualunordnung. Diese Unordnung hat seit Jahrtausenden die Funktion, die Menschen in den jeweils vorhandenen Seinsbedingungen psychisch zu unterwerfen, die äußere Mechanisierung des Lebens zu verinnerlichen. Sie dient der seelischen Verankerung der mechanisierten und autoritären Zivilisation durch Verunselbständigung der Menschen.

(Wilhelm Reich – Die Funktion des Orgasmus/Entdeckung des Orgons I, 1940)

Soweit ich weiß hat sich Wilhelm Reich niemals positiv auf Charles Fourier bezogen.

http://de.wikipedia.org/wiki/Wilhelm_Reich

Um so auffälliger die gemeinsamen Schlussfolgerungen, z.B.:

Die Menschen haben sich dem Lebendigen in sich feindselig entfremdet. Die Entfremdung ist nicht biologischen sondern sozial- ökonomischen Ursprungs.

Fourier hätte dem entschieden zugestimmt, und was die Entfremdung angeht, so basiert dieser Gedanke ohnehin auf den Marxschen ökonomischen Frühschriften.

An die Stelle der natürlichen Arbeitsfreude und Tätigkeit ist seitdem die Zwangspflicht getreten.

 Als zweite wesentliche Form der Entfremdung (neben der Entfremdung vom Arbeitsprodukt). Arbeit aufgrund eines äusseren Zwanges ist eben eine andere Form der „Entäusserung“.

Zwar greift Wilhelm Reich das Stichwort der anziehenden Arbeit von Fourier und Marx nicht auf, aber eines seiner bekanntesten Zitate lautet:

»Liebe, Arbeit und Wissen sind die Quellen unseres Lebens, sie sollten es auch beherrschen«

Der darin enthaltene Begriff von Arbeit ist offensichtlich positiv und kann nur letzlich auf anziehende Arbeit im Kommunismus hinauslaufen.

In der Sexualmoral geht Reich sogar über Fourier hinaus. Für Fourier waren die Leidenschaften der Sexualität nur ein Zweig unter vielen anderen, die in der Harmonie zum Aufflug kommen.

Für Reich aber ist die Unterdrückung der Sexualität ein wesentliches Merkmal von Herrschaft.

Die Heilung seelischer Störung fordert in erster Linie die Herstellung der natürlichen Liebesfähigkeit. Sie ist von sozialen Bedingungen ebenso abhängig wie von psychischen. Die seelischen Krankheiten sind Ergebnisse der gesellschaftlichen Sexualunordnung. Diese Unordnung hat seit Jahrtausenden die Funktion, die Menschen in den jeweils vorhandenen Seinsbedingungen psychisch zu unterwerfen, die äußere Mechanisierung des Lebens zu verinnerlichen.

Auch die Theorien eines Wilhelm Reich gehören dazu, wenn es gilt, einen zeitgenössischen, auf der Höhe der Aufgaben unserer Zeit entsprechenden revolutionären Marxismus zu rekonstruieren.

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Written by bronsteyn

11. April 2012 at 10:34 pm

Veröffentlicht in Psychoanalyse

Gefunden: „emotionelle Pest“

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Reich wies auf einen Sozialcharakter hin, den er als „Emotionelle Pest bezeichnete“. Er ist häufig in progressiven sozialen Zirkeln anzutreffen. Im Gegensatz zum neurotischen Charakter kann er freies Leben nicht ertragen und so brütet er Rationalisierungen aus, mittels er das aufkeimende Leben zu behindern versucht, wo er nur kann. Die Inquisition des Mittelalters ist ein Beispiel dafür, ebenfalls der deutsche Faschismus und die McCarthy-Ära in den USA der 50er Jahre.

 http://www.wilhelm-reich-sexpol.de/

Ein Begriff, dem sich nachzuforschen lohnt.

Emotionale Pest
Nach Wilhelm Reich handelt es sich hierbei um das destruktive Verhalten des neurotischen Charakters im zwischenmenschlichen Umgang. Die Körper- und Charakterpanzerung zerstört die emotionale Erlebnisfähigkeit des Menschen. Wenn andere Menschen glückhafte emotionale Erlebnisse haben, z. B. in Form einer sexuellen Umarmung, so dringt eine Ahnung dieses Glücks auch zum Gepanzerten durch. Er empfindet daraufhin starkes Unbehagen, Peinlichkeit und Schuldgefühle. Als Reaktion darauf entsteht der intensive Wunsch, das auslösende Verhalten zu eliminieren, zu verbieten und zu zerstören. Dieser Wunsch, die Emotionale Pest, äußert sich in allen sozialen Organisationen, die das Ziel haben, ihre Verhaltensnormen anderen aufzuzwingen. Das kann natürlich nicht offen erfolgen. Deshalb ist Täuschung und Manipulation ein unverzichtbares Merkmal der Emotionalen Pest. Sie kann nur dadurch überleben, daß sie in ihrem grundsätzlichen Wesen nicht wahrgenommen wird. Zum Zwecke der Kaschierung wird dann oft eine starke Betonung auf Gepflogenheiten der Moral gelegt und deren strikter Vorrang vor allem spontanen Natürlichen gefordert.

(irgendwo mal gefunden)

Written by bronsteyn

11. April 2012 at 10:07 pm