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Streik bei EDEKA 2013

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Written by bronsteyn

1. Juni 2013 at 7:45 am

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Ein Diskussionsbeitrag, der auf dem Marx-Forum nicht mehr erscheinen durfte.

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Antwort auf: Wal Buchenberg (03.04.2012, 10:24) und Kim B.

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Autor – Meno Hochschild (Veröffentlichung nicht im Forum, sondern hier):
Über das bürgerliche Menschenbild

Eine erstaunliche Debatte, die inzwischen die Administration des Karl-Marx-Forums veranlaßt hat, die ärgsten Kritiker des Bochumer Kommunismusverständnis auszusperren und das bisher im Hinblick auf Schreibrechte öffentliche Forum zu schließen. Dennoch möchte ich gewisse Aspekte von Wal Buchenbergs Antwort auf meinen Beitrag nicht einfach so stehen lassen und veröffentliche meine Erwiderung eben außerhalb des Forums zum Nachlesen.

Zitat von W. Buchenberg: die Überlegungen von Fourier sind vor allem im Sowjetsystem „ernst genommen“ worden. Da hat man „sozialistische Wettbewerbe“ veranstaltet.

Mit Verlaub: Das Sowjetsystem mit all seinen bürokratischen Entstellungen und Arbeitsformen hatte mit Fourier rein gar nichts zu tun, viel eher schon mit im Kapitalismus abgekupferten verzerrten Wettbewerbsmodellen, die vielfach nach außen Anlaß für Satire boten. Im Ernst: Wie kann man in Anbetracht von GULAGs zu Stalins Zeiten (bis hin zu mitunter tödlicher Zwangsarbeit) nur entfernt an Fouriers Modell der anziehenden Arbeit denken??? Ein empörender Vergleich.

Buchenbergs Ausführungen zu Wettstreits …

Ein „Wettstreit“ hat Teilnehmer, das sind nach deiner Vorstellung die Arbeitenden. Aber jeder „Wettstreit“ hat auch welche, die die Ziele setzen. Die nehmen selber an dem „Wettstreit“ gar nicht teil. Und dann hat jeder „Wettstreit“ auch (Schieds)Richter, die über richtig und falsch oder gut und böse richten. Auch diese sind keine Teilnehmer. Jeder Wettstreit ist für die Teilnehmer eine Zwangsjacke. Den Sportlern/Teilnehmern ist nicht erlaubt, sich zusammenzutun und die Regeln ihres Wettkampfes zu ändern und zu bestimmen. Die linken Utopisten von Fourier bis zu dir sehen sich alle in der Rolle der Richter, nicht in der Rolle der Teilnehmer. Nur so kann man den Wetteifernden ein Glücksgefühl andichten. Jeder Wettstreit und jeder sportliche Wettkampf ist ein Abbild von entfremdeter Arbeit, wo andere die Ziele setzen, die die Teilnehmer erreichen sollen, und um die sie mit anderen „wetteifern“. Da gibt es erstens die Zielbestimmer (Planbürokraten oder Kapitalisten), zweitens gibt es die Schiedsrichter (Manager) und drittens die Malocher (Teilnehmer).

… sind längliche Betrachtungen des Wettstreits, wie er in seiner schlimmsten Form im Kapitalismus als Farce vorkommen kann. Aber leider mangelt es hier W. Buchenberg an Phantasie. Es kommt ihm nicht entfernt in den Sinn, daß sich die Teilnehmer eines Wettstreits auch selbst Regeln und gemeinsame Übereinkünfte geben können. Man denke nur an Fußball und andere sportliche Wettkämpfe. Von Zwang kann da keine Rede sein. Niemand MUSS Fußball spielen, Sportverbände hin oder her, aber mit Sicherheit wirkt der sportliche Wettstreit motivierend. Warum nicht auch in der kommunistischen Gebrauchswertproduktion?

Und was sagt Buchenberg zur Arbeit? Das kommunistische Arbeitsleben ist selbstbestimmt und nicht fremdbestimmt. Selbstbestimmt heißt zuallerst, dass die Arbeitenden ihre Ziele und Zwecke selbst bestimmen und sich nicht durch „Leidenschaften“ und „Wettbewerbe“ von irgendwelchen „Zielebestimmern“ zum Arbeiten verführen und manipulieren lassen. Ganz in diesem Tenor lästert Wal Buchenberg auch über die Fourier’sche Spaßgesellschaft als Gegenstück zur Bochumer Kommune. In letzterer ist Arbeit also ohne Leidenschaft, nur mit stocknüchternem Verstand zu verrichten. Wie traurig und phantasielos! Quasi Roboterarbeit. Übrigens: Was passiert mit denjenigen, die aus der Reihe tanzen und sich nicht in dieses Korsett zwängen lassen? Forenausschluss. Zu mehr reicht die Macht der Bochumer Kommune glücklicherweise nicht.

Und weiter sagt Buchenberg provokativ in Verletzung der von ihm selbst verantworteten Forenregeln (-Vermeidung persönlicher Ansprache-): Und was ist mit allen notwendigen Arbeiten, die erst die natürliche Basis für freies Arbeiten schaffen? Freies Programmieren ist für dich der Kommunismus. Okay. Aber wer beschafft dir was zum Anziehen? Wer beschafft dir was zu Essen? Wer unterhält deine Wohnung? Wer putzt deinen Clo? Wer klärt deine Scheiße weg, die du den Clo runterspülst? Wer beseitigt deinen Müll, den du produzierst? Das sind alles Tätigkeiten, die durch äußere Zwänge anfallen, und die im Kommunismus nicht verschwinden werden.

Ich kann Wal Buchenberg beruhigen. Selbstverständlich besorge ich mir selber meine Kleidung, kann mich auch selbst anziehen, gehe täglich einkaufen, nicht nur für mich allein. Nein, auch für eine größere Familie, beteilige mich an der Hausarbeit, Müllbeseitigung usw. Im Ernst, das sind alles Tätigkeiten des alltäglichen Lebens, die noch nicht in die Sphäre der kapitalistischen Warenzirkulation und -produktion fallen, aber ebensowenig auch in die Sphäre der kommunistischen Gebrauchswertproduktion in einer kommunistischen Gesellschaft. Das Thema der Debatte ist ein anderes: Gesellschaftliche notwendige Arbeit und was daraus im Kommunismus werden kann. Hausfrauen- oder Hausmannsarbeit gehören nicht dazu.

Zweitens: Die von Buchenberg vorgenommene starre Trennung in notwendige und freie Arbeit wird im Kommunismus selbstverständlich so nicht existieren. Siehe dazu auch Bronsteyns hervorragende Ausführungen über die komplexe zusammengesetzte Arbeit. Oder bei Engels: Ein Architekt kann auch mal die Karre schieben. Im übrigen ist auch Universitätsdozenten und Studenten zumutbar, z.B. 2-3 mal im Jahr ein Klo auf der Uni zu putzen – als Mitbenutzer des Klos und Voraussetzung für eine attraktive Dozenten- oder Studientätigkeit. Und was das freie Programmieren in meinem Fall angeht: Es kommen dabei Teiltätigkeiten vor, die für mich alles andere als spaßig, ja öde sind. Trotzdem bleibt es eine meiner Leidenschaften, besonders dann, wenn ich schwierige Probleme lösen kann. Andererseits kann das für viele Zeitgenossen wie der blanke Horror erscheinen, sogar schlimmer als Kloputzen, zum Beispiel, wenn es um höhere Mathematik geht. Freie Arbeit muß also nicht für jeden gleichermaßen attraktiv sein, ebensowenig wie notwendige Arbeit für jeden gleichermaßen unattraktiv ist. Und was den ach so starren unversöhnlichen Gegensatz zwischen notwendiger und freier Arbeit angeht: Meine notwendige Arbeit bzw. mein Brötchenerwerb besteht ebenfalls aus Programmieren. Ich würde allerdings auch sagen, im Kommunismus wäre meine jetzige notwendige Arbeit zu mindestens 95% überflüssig, während meine jetzige freie Arbeit weitaus nützlicher wäre. Soviel als persönliche Fußnote zum Thema Produktivkräfteentwicklung und Charakter und Bedeutung der gesellschaftlich notwendigen Arbeit im Kommunismus. Es ist vor diesem Hintergrund wirklich nicht schwer, sich vorzustellen, wie die Aufhebung der Entfremdung der Arbeit im Kommunismus gehen kann.

Ich deutete in meinem vorherigen Beitrag die fatale Möglichkeit von Aufsehern an: Wie will die Bochumer Kommune dafür sorgen, daß notwendige Zwangsarbeit verrichtet wird, wenn freiwillige Arbeit nicht in Frage kommen soll? Von Buchenberg selbst kommt da praktisch nur Schweigen im Walde. Ein anderer Genosse namens Kim B. wird hier deutlicher. Er schreibt in einem Disput mit Bronsteyn: Die Anwendung des Verstandes ist die einzige Möglichkeit, Gewalt und Zwang zu verhindern. Der Verstand? Das passt zu Buchenbergs Definition der Arbeit als zweckbestimmte Problembeseitigung. Eine merkwürdige Argumentation für einen, der sich zum (materialistischen) Marxismus bekennt. Sind Menschen wirklich durch irgendwie über den Menschen schwebende Vernunftsprinzipien statt durch eigene soziale Interessen und Leidenschaften geleitet? Um das von Kim B. bemühte Beispiel der Altenpflege in einem seiner Beiträge zu bemühen: Jeder soll sich rein rational sagen (zwingen?), daß die mühsame Pflege der eigenen Großmutter notwendig sei (warum eigentlich? – vielleicht um selber im Alter besser behandelt zu werden – ein eigennütziges Motiv). Natürlich, Leidenschaft, Mitgefühl und Fürsorge gelten nicht (oder sind bestenfalls von nebensächlicher Bedeutung). Es muß die „Vernunft“ regieren. Aber halt, ist die notwendige Arbeit in der Bochumer Kommune nicht ewiger unverhinderbarer Zwang? Ja, genau das schreibt Kim B. in einem vorherigen Beitrag:

Weil sich aus rationalen Gründen nie ein gesunder Mensch aus freien Stücken um das Scheiße wegschaffen bemühen wird, ergibt sich zwingend, dass im Kommunismus niemand die Scheiße wegschaffen wird, sie also im Plumpsklo, hinterm haus oder sonstwo in der Natur landen wird.

Der Widerspruch ist offenkundig. Derselbe Verstand bzw. die rationalen Gründe gebieten nach Kim B. es, die unangenehmen menschlichen Hinterlassenschaften nicht freiwillig zu beseitigen. Was nun? Wenn es nicht einmal der Verstand schafft, wer oder was sorgt dann dafür, daß notwendige Zwangsarbeit verrichtet wird? Vielleicht wird es doch Aufseher in der Bochumer Kommune geben.

Das Menschenbild dieser Bochumer Kommune kommt mir irgendwie bekannt vor. Unangenehme Tätigkeiten werden angeblich nie freiwillig angenommen, mit anderen Worten: Menschen sind von Natur aus faul. Wo haben wir das schon mal gehört? Richtig! Die Kapitalisten und ihre bürgerlichen Medien sagen es tagtäglich. Arbeiter müssen zur Lohnarbeit gezwungen werden. Mithin erscheinen sie aus kapitalistischer Perspektive als tendenziell faul (wollen nicht mehr arbeiten), egoistisch und eigennützig (fordern zu viel). Gut, das sagen vielleicht nur hartgesottene Konservative und denken es nicht immer so laut. Etwas klügere bürgerliche Vertreter sagen wie auch sehr viele Arbeiter: Ja Kommunismus ist eine schöne Utopie, nur leider nicht möglich, weil die Menschen von Natur aus eben faul, egoistisch etc. wären. In Wirklichkeit handelt es sich um eine Projektion der herrschenden Klassenverhältnisse in die menschliche biologische Natur. Es ist aber der ideologische Widerhall der kapitalistischen Lohnarbeit, die notwendig Zwangscharakter hat. Ich fürchte, die Vertreter der Bochumer Kommune sitzen leider auch diesem bürgerlichen Menschenbild auf. Stimmen kann dieses Bild aus proletarischer Perspektive ohnehin nicht. Beispiel Altenpflege: Viele junge Arbeiter entscheiden sich aus freien Stücken für den Ausbildungsberuf der Altenpflege, wohl wissend, daß dazu auch übelriechende Tätigkeiten wie das Abwischen eines Hinterns gehören. Einen Zwang der Berufswahl gibt es nicht. Und die eher schlechte Bezahlung kann als Motivation nur eine untergeordnete Rolle spielen. Vielmehr sind offensichtlich soziale und fürsorgerische Motive für ihre Berufswahl von Bedeutung – auch das sind wichtige Fourier’sche Leidenschaften.

Written by bronsteyn

6. April 2012 at 8:30 pm

Fumiaki Hoshino – Seit 38 Jahren unschuldig im Gefängnis?

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„HOSHINO O KA‘ESE! OKINAWA NO KIJI O NAKUSE!“ Laute Rufe durchschallten am 5. Februar 2012 das Tokushima Gefängnis auf der japanischen Insel Shikoku. 600 Demonstranten waren aus ganz Japan angereist, hatten die Haftanstalt umrundet und forderten lautstark: „Freiheit für Hoshino! Weg mit den Militärbasen in Okinawa!“ Einer der Sprecher stellt fest: „Wie viele Arbeitsplätze wurden nach dem Großen Erdbeben und dem AKW-Unfall vernichtet, wie viele Kinder wurden verstrahlt? Nicht Hoshino, sondern die verdorbene Oberschicht Japans und die Politiker gehören hinter Gitter!“ Der 66 jährige Fumiaki Hoshino sitzt seit 38 Jahren im Gefängnis, seit 1987 in Tokushima. Verurteilt wurde er wegen angeblichen Mordes an einem Polizisten bei einer Demonstration im Jahre 1971 gegen US-Militärbasen und Atomwaffen auf Okinawa. Er selbst beteuert seine Unschuld, und seine Unterstützer sind davon überzeugt, dass ihm als Sündenbock die Schuld in die Schuhe geschoben wurde.

Bildunterschrift: Demonstration vor Hoshinos Gefängnis in Tokushima, Januar 2012

US-Militärstützpunkte in Okinawa

Nach dem 2. Weltkrieg wurde Japan von den USA besetzt, und erlangte 1952 nach dem Friedensvertrag von San Francisco seine Souveränität zurück. Neben einigen kleineren Inseln stellte die südlichste japanische Inselgruppe Okinawa eine Ausnahme dar, und stand weiterhin unter einer US-amerikanischen Militärregierung. Durch den forcierten Ausbau von Armeestützpunkten entwickelte sich Okinawa zum größten US-amerikanischen Truppenstandpunkt im Pazifikraum, welcher u.a. im Koreakrieg und im Vietnamkrieg eine zentrale Rolle spielte. Erst 1972 sollte Okinawa in den japanischen Staat wiedereingegliedert werden, was nicht zuletzt als Erfolg der andauernden Proteste der Zivilbevölkerung gegen die Militärregierung gewertet werden kann. Bedingung für die Rückführung war jedoch eine Zusicherung des Weiterbestehens der US-Militärstützpunkte sowie Zahlungen der japanischen Regierung für deren Unterhalt. Überdies wurden Geheimabsprachen über die Stationierung von Nuklearwaffen in Okinawa getroffen. Die Bevölkerung von Okinawa reagierte u.a. mit einem Generalstreik am 10. November 1971. Der Protest fand große Unterstützung in ganz Japan, in allen Teilen des Landes wurden Großdemonstrationen mit zehntausenden von Menschen organisiert. Im Vorfeld der Ratifizierung des Rückführungsvertrags von Okinawa erließ die japanische Regierung ein Versammlungs- und Demonstrationsverbot in Tokyo. Am 14. November kam es daraufhin zu heftigen Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Staatsgewalt, wobei eine Demonstrantin und ein Polizist getötet wurden.

Politischer Gefangener?

Als einer der Organisatoren dieser Demonstration wurde Fumiaki Hoshino für den Tod des Polizisten verantwortlich gemacht, 1975 festgenommen und 1983 schließlich zu lebenslanger Haft verurteilt. Seine Unterstützer vermuten hinter der Verurteilung einen politischen Hintergrund, und setzen sich seit nunmehr drei Jahrzehnten für seine Freilassung ein. Es gibt keine materiellen Beweismittel für den Mord, als Schuldbeweis gelten nur die Zeugenaussagen von sechs Demonstranten, die in abgeschlossenen Verhörräumen der Polizei aufgezeichnet wurden. Fünf dieser angeblichen Augenzeugen widerriefen später ihre Aussagen und gaben an, dass sie zu den Aussagen gezwungen wurden. Der sechste verweigerte bei der Gerichtsverhandlung seine Aussage. Hoshinos Anhänger gehen deshalb davon aus, dass Polizei und Staatsgewalt an Hoshino ein Exempel statuieren wollten, um die Bewegung gegen die US-Basen zu schwächen. 1996 wurde der erste Antrag zu Wiederaufnahme des Verfahrens gestellt, welcher abgelehnt wurde. 2009 wurde ein zweiter Antrag gestellt, diesmal mit vielversprechenden neuen Beweismitteln: Nach der Freigabe von Polizeiarchiven tauchten neue Fotos auf, welche die Unschuld Hoshinos eindeutig belegen sollen. Außerdem kann altes Beweismaterial durch neue elektronische Verfahren genauer analysiert werden. Mit den neuen Beweismitteln sind sich Hoshinos Anwälte sicher, dass er in zwei bis drei Jahren entlassen wird.

Der demonstrierende Student Fumiaki Hoshino

Bildunterschrift: Der demonstrierende Student Fumiaki Hoshino

Die wachsende Bewegung „Free Hoshino!“

Seit seiner Festnahme ist der Kreis von Hoshinos Unterstützern ständig gewachsen. Dazu zählen unter anderen ehemalige Mitstreiter, Verwandte, Anwälte, politische Aktivisten, und seit der Katastrophe von Fukushima auch Atomkraftgegner. Einmal pro Jahr kommen Vertreter von Unterstützergruppen aus allen Teilen Japans in Tokyo zusammen, die letzte Versammlung im November 2011 war mit ca. 600 Teilnehmern die bisher größte. Neben zahlreichen Vertretern von Arbeitergewerkschaften waren auch mehrere Aktivisten der neuen japanischen Anti-Atomkraftbewegung anwesend, einige waren direkt aus Fukushima angereist. Was die Atomkraftgegner mit der Hoshino-Bewegung zu tun haben, formulierte Hoshino persönlich in einer Nachricht an die Konferenzteilnehmer: „Wie von bestimmten Tageszeitungen und Politikern inzwischen offen ausgesprochen wird, können mit AKWs und Plutonium unkompliziert Nuklearwaffen hergestellt werden. AKWs dienen somit der nuklearen Abschreckung. Um den eigenen Profit zu steigern, klammert sich das neoliberalistische System bis zum Äußersten an AKWs, beschäftigt irreguläre Arbeiter, und nimmt es in Kauf, dass die Bürger radioaktiver Strahlung ausgesetzt sind. (…) Lasst uns solidarisch mit 99% der Menschen gemeinsam dieses kapitalistische System abschaffen, und eine humanistische Gesellschaft aufbauen.“ Für Hoshino symbolisieren AKWs das, wogegen er schon auf der Demo 1971 gekämpft hat: Atomwaffen, Militarisierung, Kumulation von Macht.

Hoshinos Anhänger beim Jahrestreffen in Tokyo, November 2011

Bildunterschrift: Hoshinos Anhänger beim Jahrestreffen in Tokyo, November 2011

Eine Flagge der „Free Hoshino“ Bewegung

Eine Flagge der „Free Hoshino“ Bewegung

Bildunterschrift: Eine Flagge der „Free Hoshino“ Bewegung

Eine zentrale Rolle in der Bewegung spielt Akiko, die Ehefrau von Fumiaki Hoshino. Das erste Mal sahen sie sich auf einer Gerichtsverhandlung im Jahre 1986, und nach mehreren Gefängnisbesuchen heirateten die beiden. Neben der Freilassung setzt sich Akiko auch vehement für eine Verbesserung der Haftbedingungen ein, die von Willkür und teilweise unmenschlicher Behandlung gekennzeichnet sind. So werden ihre Briefe an den Ehemann teilweise geschwärzt, Besucher werden aus unverständlichen Gründen abgewiesen. Aus humanistischer Sicht sind die Zustände in Japans Gefängnissen aber nicht nur im Fall Hoshino „grausam, unmenschlich oder erniedrigend“, wie in einem Jahresbericht von Amnesty International angegeben wird. Dieser Bericht von 1998 geht auch konkret auf die Haftbedingungen Hoshinos ein. Durch internationale Zusammenarbeit von Arbeitergewerkschaften erfährt Hoshino in letzter Zeit auch in den USA Unterstützung. Gleichzeitig zum Jahrestreffen der Hoshino-Bewegung in Tokyo fand im November 2011 eine Protestaktion vor dem japanischen Konsulat in San Francisco statt, im Juli 2011 gab es eine Ausstellung von Bildern, die Hoshino im Gefängnis gemalt hat. Seine Frau bringt jährlich einen Kalender mit seinen Gemälden, meist Stillleben, heraus.

Hoshinos Frau Akiko spricht zu ihren Mitstreitern auf dem Jahrestreffen

Hoshinos Frau Akiko spricht zu ihren Mitstreitern auf dem Jahrestreffen

Bildunterschrift: Hoshinos Frau Akiko spricht zu ihren Mitstreitern auf dem Jahrestreffen

Stillleben gemalt von Hoshino mit seiner Frau Akiko

Stillleben gemalt von Hoshino mit seiner Frau Akiko

US-Militär und Okinawa heute Auch nach fast einem halben Jahrhundert ist das Thema der US-Militärstützpunkte auf Okinawa noch genauso aktuell wie der Kampf um die Befreiung Hoshinos. Die Pazifik-Region ist militärstrategisch gekennzeichnet durch aufsteigende Rivalitäten zwischen den Supermächten China und den USA, und mit 25.000 Soldaten ist Okinawa noch immer der größte US-Armeestützpunkt im West-Pazifik. Durch zähen Widerstand hat die Bevölkerung von Okinawa erreicht, dass 8.000 Soldaten aus Okinawa abgezogen werden sollen. Es ist geplant, diese unter anderem in Guam zu stationieren, was als größter US-amerikanischer Stützpunkt der Region ausgebaut werden soll. Außerdem soll der US-Marineinfanterie-Luftwaffenstützpunkt Futenma verlegt werden, wodurch Okinawa viel Land zurückbekommen würde. Die japanische Zentralregierung und das Pentagon bevorzugen jedoch eine Verlegung von Futenma innerhalb Okinawas, konkret eine Integration in den bereits bestehenden Stützpunkt Camp Schwab in Henoko, wo eine neue Landebahn gebaut werden soll. Dies stößt auf massiven Widerstand der lokalen Bevölkerung und wird gegenwärtig heiß diskutiert. Wie seine zahlreichen Texten belegen, nimmt Fumiaki Hoshino aus der Gefangenschaft rege am gegenwärtigen politischen Geschehen teil, und wie es eine seiner Anhängerinnen ausdrückte: „Hoshinos Kampf im Gefängnis und unser Kampf für seine Freilassung gibt uns hier draußen Zusammenhalt und Motivation, uns weiterhin politisch zu engagieren.“ Umfangreiches Material der Hoshino-Bewegung auf Japanisch, teilweise mit Englischer Übersetzung, findet man auf diesen Internetseiten.

http://fhoshino.u.cnet-ta.ne.jp/

Von Sascha Klinger

Written by bronsteyn

22. Februar 2012 at 2:04 pm

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Arbeitskampf von Doro-Mito erfolgreich

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Mitteilung aus Japan:

Der zweite Streik von Doro-Mito(der erste war am 8.) am 13. Oktober war ganz erfolgreich.
Die JR Zugbetreibergesellschaft in Mito wollte, dass die Arbeiter am 13. Oktober den hochatomverseuchten Zug K544 reinigen, inspektieren und reparieren.
Aber das konnte sie nicht durchsetzen. Ihr Versuch ist am Streik von Doro-Mito gescheitert!

Hintergrund:
http://www.marxismus-online.eu/display/dyn/x1e7d1fc0-f62e-11e0-b82f-ef8f0677fd34/content.html

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15. Oktober 2011 at 1:06 pm

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Bild-Kommentar zur Berlin-Wahl

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Written by bronsteyn

21. September 2011 at 2:02 am

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Video über den Arbeitskampf bei den Ssangyong Motorenwerken

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UPDATE!

Leider nur in koreanisch und japanisch, aber mal sehen, ob wir ein eigenes Video dazu produzieren können mit dem Material:

Die URL: http://www.dailymotion.com/video/x9n677_20090621yyyyyyyyyyyyy_news

Der japanische Genosse und youtube-Nutzer dc2video lud den kompletten Film noch in zwei Teilen nach youtube hoch und stattete ihn mit einer deutschsprachigen Beschreibung aus, die einem Artikel der Linken Zeitung entnommen ist.

Herzlichen Dank an dc2video für die freundliche Unterstützung!

URL: http://www.youtube.com/watch?v=SnEsTgCyryQ

URL: http://www.youtube.com/watch?v=zguNkjUSz8U

Ergänzend ein historisches Video des youtube-Nutzers dc2video über die Aktionsform des Besetzungsstreiks, welcher besonders in den USA der 30er Jahre eine grosse Rolle spielte:

Written by bronsteyn

21. Juni 2009 at 3:40 pm

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Ssangyong Motorenwerke: Streikbrecher zurückgeschlagen

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Streikposten

Streikposten

EILMELDUNG: Wir berichteten über den Streik und die Fabrikbesetzung bei den Ssangyong Motorenwerken in Pyeongtaek / Südkorea. Über unsere Kontakte nach Japan erreichte uns folgende Eilmeldung: Eine „company salvation squad“ (offensichtlich eine aus Leitenden Angestellten und diversen Streikbrechern zusammengesetzte Truppe aus „Scabs“) versuchte mittels eines vermeintlich „wasserdichten“ Plans am Morgen des 16. Juni das von den Arbeitern besetzte Werk zu erstürmen. Sie wurden jedoch von den Arbeitern und den sie unterstützenden Familienangehörigen wieder hinausgedrängt (gegen 11:45 Ortszeit).

Lesen Sie weiter in der Linken Zeitung

Written by bronsteyn

18. Juni 2009 at 5:15 pm

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