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Zum 25.6.1950 – Beginn des Koreakrieges

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25. Juni 1950: Beginn des Korea – Krieges und einer monströsen Geschichtslüge

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Korea is one

Korea is one

So ehern und unverrückbar wie einstmals die These von der Scheibengestalt der Erde steht in unseren Geschichtsbüchern, dass der Koreakrieg 1950-53 durch den “überraschenden” Überfall des “kommunistischen” Nordkorea auf das “demokratische” Südkorea begann.

„Am 25. Juni 1950 überschritten nordkoreanische Truppen den 38. Breitengrad“ – so oder so ähnlich kann man es bis in unsere Tage immer wieder lesen. Und überschätzen Sie auch Historiker nicht, liebe Leser, jedenfalls die meisten. Auch die schreiben oft nur ungeprüft ab, was sie irgendwo gelesen. Sie hat obiger Satz auch fast nirgendwo so etwas wie eine Quellenangabe. Das ist wahres „Wahrnehmungsmanagement“ – wiederhole etwas so oft, bis es als eherne Weisheit akzeptiert wird.

Doch es handelt sich nicht einfach nur um einen Streit um die Interpretation historischer Fakten. Die Konsequenzen einer Geschichtslüge können bis in die Gegenwart reichen. Gewiss finden besonders unverschämte und dreiste Lügen Jahrzehnte später unauffällig ihre Aufklärung, wie etwa die Legende vom „Zwischenfall im Golf von Tonking“ oder das Märchen vom polnischen Überfall auf den Sender Gleiwitz.

Doch das ist gewissermaßen alles „Schnee von gestern“, denn der Vietnamkrieg ist längst (ruhmreich für die vietnamesische, schändlich für die US-amerikanische Seite) beendet, und dass Hitler eine üble Socke war wissen wir ja alle.

Doch wenn heutzutage von „Schurkenstaaten“ die Rede ist, dann fällt doch immer und konstant der Name Nordkorea. Gewiss handelt es sich um ein sehr skurriles Regime, eine Mischung aus „fossilisiertem“ Stalinismus und Merkmalen einer asiatischen Despotie. Jedoch werden diesem Staat angesichts seiner Atombomben- und Raketentests immer wieder aggressive Angriffsabsichten unterstellt, etwa „Seoul in ein Meer aus Feuer“ verwandeln zu wollen. Das Aushängeschild der nordkoreanischen Bürokratie, Kim Yong Ill, wird als der „Verrückte von Pyöng Yang“ tituliert. Obwohl die westliche „öffentliche Meinung“ skeptischer gegenüber solchen Charakterisierungen geworden ist (wir denken an den „Irren von Bagdad“ oder den „Irren von Teheran“) scheinen solche Titulierungen dann angebracht, wenn

38th Parallel

auf die gebetsmühlenartig wiederholte Legende verwiesen wird, wonach „Pyöngyang“ ja schon 1950 das „arglose“ „demkratische“ „Südkorea“ „überraschend“ „überfallen“ hätte.

Ich will Sie nicht auf die Folter spannen, liebe Leser, sondern will Ihnen gleich offenbaren, dass an dieser Legende fast nichts einer gründlichen historischen Untersuchung standhalten kann. Vielmehr werden die Umrisse einer monströsen Geschichtslüge offenbar. Dieser Artikel ist umfangreich, weil er in zusammenhängender Form im deutschen Sprachraum Fakten zur Verfügung stellen soll, die bislang hier nicht verfügbar waren.

Der eigentliche Koreakrieg begann am 25.6.1950 nachweislich mit dem Überfall südkoreanischer Einheiten auf die nordkoreanische Stadt Haeju(1). Es handelt sich um das einzig durch zeitgenössische Quellen belegbare Faktum an Kriegsgeschehnissen, das DIREKT genau dem 25.Juni 1950 zuzuordnen ist. Alles andere ist ein Gemenge von Halbwahrheiten, Gerüchten, Interpretationen, vertuschten oder aus dem Zusammenhang gerissener Fakten.

Doch wir werden das alles sehr genau betrachten.

Nur zur Klarstellung: um der historischen Wahrheit gerecht zu werden, muss man keinesfalls Anhänger des nordkoreanischen Systems sein. Im Gegenteil offenbart der genauere Blick auf die historischen Fakten Dinge, die auch für das nordkoreanische Regime alles andere als schmeichelhaft sind.

Bevor wir die Ereignisse im Juni 1950 genauer betrachten, werfen wir einen Blick zurück auf das Jahr 1945.

Antiimperialistische Revolution in Korea

1945: Jubel über die Befreiung

1945: Jubel über die Befreiung

Im Dunkeln liegt für viele Europäer die Vorgeschichte des Koreakrieges. Nur umrisshaft möchte ich erwähnen, dass Korea seit 1910 de facto und de jure eine Kolonie des Japanischen Kaiserreiches war. Die koreanische Oberschicht (Landbesitzer und die Ansätze eines „nationalen“ koreanischen Bürgertums) hatte mehrheitlich die Annektion unterstützt, um das in feudalen Strukturen erstarrte Land zu modernisieren. Zwar wurde das Land auch modernisiert, aber um den Preis einer rücksichtslosen Kolonialpolitik, die Korea einerseits gewaltsam japanisieren wollte, andererseits die Koreaner auf den Status eines „Hilfsvolkes“ minderer Rechte verbannte (was analog zu den völkisch-rassistischen Vorstellungen etwa der deutschen Nazis zu den „Ostvölkern“ zu sehen ist). Die koreanische Oberschicht war bei den breiten Massen der Bauern und vor allem der in der Kolonialzeit entstandenen Industriearbeiterschaft diskreditiert.

Der Zusammenbruch des japanischen Kaiserreiches  1945 führte direkt zur koreanischen Revolution, die in jeder Hinsicht eine klassische Revolution war. „Volkskomitees“ spießten „wie Pilze aus dem Boden und übernahmen die Kontrolle über das Land und die Industrie (4). Der koreanischen Oberschicht war durch die Kapitulation der Boden unter den Füssen weggezogen.

Der letzte japanische Gouverneur Koreas übergab formell die Macht an Selbstverwaltungsstrukturen der koreanischen Bevölkerung.

Ist der Begriff „Revolution“ für diese Ereignisse angebracht? In jeder Hinsicht. Die Beherrschten wollten sich nicht mehr beherrschen lassen und die Herrschenden konnten nicht mehr herrschen. Die Verflechtungen der koreanischen Oberschicht mit dem besiegten japanischen Imperialismus (und die daraus zwangsläufigen Enteignungen von japanischem und Kompradoreneigentum) machten die Frage der nationalen Befreiung zu einer revolutionären Angelegenheit.

1945 begann aber auch der chinesische Bürgerkrieg, an dem in der Mandschurei auch koreanische Partisanen teilnahmen (in der Mandschurei lebte und lebt eine beträchtliche koreanische Minderheit). Die koreanische Revolution war sehr schnell nicht mehr eine Angelegenheit der Koreaner allein, sondern befand sich im Spannungsfeld neuer internationaler Machtkonstellationen.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges, bei dem das Stalin-Regime mit den westlichen Alliierten gegen Hitlerdeutschland verbündet gewesen war, änderten die Stäbe in der US-regierung und dem US-Militär unter der Truman – Regierung die Stossrichtung.Nunmehr war „containment“ und „rollback“ angesagt. Die Truman – Regierung schickte sich an, die niedergehenden Kolonialmächte Großbritannien, Frankreich und Niederlande in Ostasien zu beerben.

Dem stand die sich ausbreitende antikoloniale Revolution dort entgegen, die sich im Rahmen des Kampfes gegen das besiegte japanische Imperium entwickelte.

Die USA betrieben von Anfang an einen Separatstaat im Süden

Die Initiative zur Trennung Korea in zwei Separatstaaten ging von den US-Besatzungsbehörden aus. Am 6. September 1945 wurde in Seoul (also dem heutigen Südkorea) durch verschiedene politische Kräfte und Repräsentanten der Volkskomitees die Koreanische Volksrepublik (Korean People’s Republic KPR) proklammiert, und zwar auf der Basis eines 27-Punkte-Programms, das Landverteilung, Nationalisierung der großen Industrien, Mindestlohn, 8-Stundentag usw. beinhaltete. Diese KPR setzte sich aus vielen Parteien zusammen (eine Kommunistische Partei Koreas existierte noch gar nicht wirklich) und war zweifellos vom breiten Willen des koreanischen Volkes getragen.

Die us-amerikanischen Streitkräfte erreichten erst am 8. September 1945 den 38. Breitengrad, der als Demarkationslinie zwischen Washington und Moskau vereinbart worden war(3). Wie auch in Deutschland trafen russische und amerikanische Truppen freundschaftlich aufeinander. Die koreanische Bevölkerung hielt indessen die Besatzung (und damit die Teilung in zwei Zonen) für vorübergehend.

Nicht so die USA.

Am 9.September 1945 wurde das US Military Government in Korea (USMGIK) eingerichtet. Die Existenz einer existierenden provisorischen Regierung Gesamtkoreas passte ihr nicht in den Kram. Also wurde diese am 12. Dezember 1945 verboten und die Volkskomitees zur Auflösung aufgefordert. Zuvor waren (8.Dezember) bereits Streiks durch die USMGIK verboten worden(3).

Die US-Besatzungsbehörden (es handelte sich teilweise um sehr stumpfsinnige Offiziere, für die alle 2Schlitzaugen“ ohnehin nur „gooks“ waren und die teilweise zwischen Koreanern und Japanern kaum zu unterscheiden in der Lage waren) betrachteten alle Koreaner als „Feinde“. Übertrieben? Originalzitat des US-Gouverneurs Hodge: Korea „is an enemy of the United States, (and therefore) subject to the provisions and terms of surrender.“ Auf Flugblättern aus US-Flugzeugen wurden die Koreaner der amerikanischen Besatzungszone aufgeklärt: „any Korean who harms either Japanese or American personnel will be punished by death.“

Zügig ging die USMGIK an den Aufbau einer von ihr abhängigen Verwaltungsstruktur, bei der sie gezielt auf ehemalige Kollaborateure mit dem japanischen Kaisserreich zurückgriff. Hierbei spielte der eingeflogene Syngman Rhee (der persönlich kein Kollaborateur gewesen war) eine Schlüsselrolle. Syngman Rhee begründete im Februar 1946 das Representative Democratic Council (RDC), zu dem einige “zentristische” Mitglieder der PRK überliefen (Kim Ku and Kim Kyu-Shik – diese wurden später von Rhee-Kräften ermordet). Schon am 18. Dezember 1945 wurde aus ehemaligen Offizieren der japanischen Armee eine “südkoreanische” Armee aufgestellt. Syngman Rhee, der vom USMGIK von Anfang an protegiert und unterstützt wurde, sammelte flüchtige enteignete “Landlords” (Großgrundbesitzer) aus dem Norden und ehemalige Beamte und Offiziere in japanischen Diensten und begründete ein Terrornetzwerk, darunter eine Organisation namens Sobuk, die sogar die US-Besatzungsbehörden mit ihrer Brutalität in Erstaunen setzten (3).

Mit diesen Voraussetzungen wurden die südkoreanische Arbeiterbewegung und ihre zahlreichen Organisationen und Gewerkschaften blutig zerschlagen. Mit Unterstützung der USMGIK entfalteten Rhee und seine Leute eine gewalttätige Terrorkampagne gegen die National Council of Trade Unions (Jun-pyoung) und die Kommunistische Partei Koreas (wir sprechen hier immer noch vom Süden!!).

September bis Oktober 1946 wurde eine Streikwelle in Südkorea gewaltsam gebrochen, es gab zahlreiche Todesopfer. Ein amerikanischer Offizier  gab zu den Vorgängen später zu, dass „wir Konzentrationslager (concentration camps) aufbauten und Streikende dort festhielten, als die Gefängnisse überfüllt waren“. (3)

Einmarsch der US-Armee in Südkorea

Einmarsch der US-Armee in Südkorea

Die harte Repression der US-Besatzung und seines Marionettenregimes um Rhee provozierte in den folgenden Jahren weitere Aufstände in Südkorea, darunter der Aufstand auf der Insel Jeju oder die Soldatenerhebung von Yosu. Nordkorea spielte bei diesen Aufständen definitiv nur eine geringe Rolle, spätere Historiker und sogar Quellen der US-Armee gaben zu, dass das Rhee-Regie keine wirkliche Basis in der südkoreanischen Bevölkerung hatte. Es stützte sich fast ausschließlich auf ehemalige japanische Soldaten und Beamte (die als Kollaborateure Bestrafung fürchteten) und auf aus dem Norden geflohene enteignete Großgrundbesitzer, die auf Rache für die Expropriationen brannten.

Ursprünglich sollte die Verwaltung des Landes bis zur Bildung einer gesamtkoreanischen Regierung nur provisorisch von den USA und der Sowjetunion übernommen werden. Gegen die Stimme der UdSSR setzten die USA in der Generalversammlung der UNO getrennte Wahlen in beiden Landesteilen durch, was nicht nur von der UdSSR, sondern auch von der großen Mehrheit des koreanischen Volkes damals abgelehnt wurde. Ein Syngman Rhee hätte nicht die geringste Chance bei gesamtkoreanischen Wahlen gehabt. Nun fanden also Wahlen im Mai 1948  im Süden statt. Aus heutiger Sicht handelte es sich um gefälschte Wahlen, da alle Parteien der Linken und auch die der nationalistischen „Mitte“ verboten waren (dementsprechend hatte die Opposition auch zum Boykott aufgerufen).

Auf der Grundlage der gefälschten Wahlen 15. August 1948 kam es dann zur Staatsgründung der Republik Korea („Südkorea“).

Appeasementpolitik des Stalinismus

Die Rolle des Stalinismus unmittelbar nach dem Ende des 2. Weltkrieges ist heutzutage durch Jahrzehnte antikommunistischer Propaganda weitgehend verstellt. Doch darf auf keinen Fall übersehen werden, dass gerade die Koreakriegslegende („Überfall“ Nordkoreas auf ein „demokratisches“ Südkorea) erst die systematische antikommunistische Propagandawelle der 50er und 60er Jahre eröffnete. Hierbei wurde natürlich von den us-amerikanischen Propagandaapparaten der Stalinismus stets mit „Kommunismus“ gleichgesetzt.

Tatsächlich zeichnete sich schon der Vorkriegsstalinismus (bei aller Repression im Inneren gegen jede Opposition gegen den Machtanspruch der totalitären Bürokratie) im wesentlichen durch eine Appeasement (Beschwichtigungs-) Politik gegenüber dem Imperialismus und sogar dem Nationalsozialismus aus. Beispiele hierfür ist die konterrevolutionäre Rolle des Stalinismus im spanischen Bürgerkrieg 1936-39. Auch der Hitler-Stalin-Pakt war von der stalinistischen Bürokratie keineswegs taktisch, sondern strategisch verstanden worden, was fast zur Eroberung der UdSSR durch die deutsche Wehrmacht geführt hatte.

Hintergrund dieser Appeasementpolitik der stalinistischen Bürokratie war natürlich letztlich ihr Bestreben nach dem eigenen Machterhalt, was durch jede Ausweitung der Revolution gefährdet wurde.

Nicht anders verhielt es sich in Korea 1945, und im übrigen auch in China, wo 1945 der Bürgerkrieg zwischen der KPC (Kommunistische Partei Chinas) und der bürgerlich-nationalistischen Kuomintang (KMT) begann. Schon in den 20er Jahren hatte Stalin die chinesischen Kommunisten zur Unterordnung unter die KMT gezwungen, was diese fast ihre Existenz kostete. Selbst noch nach Ausbruch des chinesischen Bürgerkrieges ab 1945 versuchte Stalin noch zwischen KMT und KPC zu vermitteln. Doch die KMT-Herrschaft war längst zu marode, und im Niedergang noch zu aggressiv, um noch zu Pakten mit der KPC zu kommen. Der entscheidende Bürgerkrieg war unvermeidbar.

Die Vereinbarung zwischen Stalin und Truman über die Teilung Koreas in zwei Besatzungszonen war ein Ausfluss dieser Appeasementpolitik. Korea war ja japanische Kolonie gewesen und keine besiegte kriegführende Nation (etwa im Unterschied zu Deutschland, mit dem Korea ja gern verglichen wurde). Zwar vertrat die UdSSR eine Wiedervereinigung auf neutraler Grundlage (eine Art Volksfrontregierung für Gesamtkorea), doch entsprach dies nicht den Intentionen des Imperialismus. Schließlich hatte ja die amerikanische Plutokratie den Aufstieg der deutschen Nazis ja letztlich deswegen finanziert, um der russischen Revolution den Garaus zu machen. Für die aggressiven Teile der amerikanischen „Elite“ war „Rollback“ angesagt, und die Truman – Regierung war weltweit auch schon ans Werk gegangen. Darüber war sich die Stalinsche Regierung in Moskau möglicherweise (ähnlich wie 1940/41 im Falle Hitlerdeutschlands) nicht im Klaren.

Doch der Charakter des totalitären Stalinismus machte es der imperialistischen Propaganda leicht, die beabsichtigten Massakerkriege unter dem Banner von „Freiheit und Demokratie“ auszuführen.

Charakter der Syngman Rhee – Regierung und der Republik Südkorea vor 1950

Ein wesentlicher Bestandteil der imperialistischen Propagandalegende zum Koreakrieg ist die Behauptung, bei Südkorea habe es sich um einen „demokratischen Staat“ gehandelt. Es handelt sich bei diesem ganzen Themenkomplex zwar nicht um die schlimmste imperialistische Lüge, aber um die dreisteste.

Dreist deswegen, weil Syngman Rhee im Jahr 1960 später sogar im Rahmen einer „förmlichen Revolution“ wegen wiederholt gefälschter Wahlen gestürzt und ausser Landes gejagt wurde (um nur einer neuen US-hörigen Militärdiktatur Platz zu machen).

Doch bemerkenswert ist, dass das Syngman Rhee – Regime ausser enteigneten Großgrundbesitzer und ihre Klientel sowie den herrenlos gewordenen Beamten und Soldaten des besiegten Kaiserreiches gar keine Basis in der Bevölkerung hatte. Es handelte sich um die typischste oligarchische Regierung, die es jemals gegeben hat, und sie wurde zudem von der Bevölkerung auch noch als landesverräterisch betrachtet.

Die Jahre 1946-48 waren durch fast  ununterbrochene Aufstände gekennzeichnet, die mit aller Härte niedergeworfen wurden.

Unter diesen Bedingungen waren die Losungen von „Freiheit und Demokratie“ in der koreanischen Bevölkerung – auch und vor allem in der südkoreanischen – natürlich lächerlich und kamen nicht an. Lediglich die enteignete Gentry (Landbesitzer) und die herrenlosen Kollaborateure konnten ihre restaurativen Absichten trefflich hinter solchen Phrasen (und das waren sie im damaligen Korea) verbergen. Diese Klientel war allerdings in einem aussergewöhnlichen Masse radikalisiert, da sie sozial buchstäblich vor dem Nichts stand und aus ihrer Sicht gar keine andere Alternative hatte als sich bis zur Selbstverleugnung mit dem US-Imperialismus zu verbinden. Das Bündnis des koreanischen „Ancien Regime“ mit den USA war also in der Tat geradezu symbiontisch.

Das Problem war nur, dass eine „gewöhnliche“ formale Demokratie (wie etwa in vielen europäischen Ländern dieser Zeit) keine politische und soziale Umgebung war, in der diese verzweifelte Oligarchie überleben konnte (was sich allein schon an den Wahlen zur südkoreanischen Nationalversammlung von 30.5.1950 zeigte). Ihr drohte früher oder später Entmachtung und Enteignung (sie war schließlich durch ihre Rolle in der japanischen kolonialzeit völlig im eigenen Land diskreditiert).

Selbst eine durch Terror, Gewerkschafts- und Parteienverbote zurechtgestutzte Scheindemokratie erwies sich da nicht als zuverlässig. Nur ein allgemeiner Krieg, in dem diese Oligarchie zum Vasallen des US-Imperialismus agierte, konnte sie noch vor dem Absturz in die soziale und politische Bedeutungslosigkeit retten. Und genau diesen Krieg strebte sie auch an.

Nordkorea vor 1950

Nordkorea, das ist ein wichtiger Umstand, verstand sich in dieser Phase nicht als Separatstaat. Die Regierung in Pyoengyang sah sich als Fortsetzung der von den Volkskomitees 1950 eingerichteten Korean People’s Republic KPR, die am 6. September 1945 in Seoul proklammiert worden war. Ursprünglich war Pyöngyang nur der Sitz des nordkoreanischen Büros der Kommunistischen Partei Koreas (Oktober 1945), der Schwerpunkt dieser Partei war  stets in Südkorea gewesen. Im Zuge der llegalisierung und Verfolgung der Kommunisten in Südkorea gewann die nordkoreanische Abteilung unter Kim Il Sung an Eigenständigkeit. 1946 erfolgte die Vereinigung mit der “Neuen Volkspartei”, die sich aus Exilanten zusammensetzte, die aus China (und nicht der UdSSR) heimgekehrt waren. Am 29. Juli 1946 erfolgte die Gründung der Arbeiterpartei Nordkoreas.

Es gab damals in ganz Korea, so auch in Nordkorea viele Parteien, sogar mehrere kommunistische Parteien.  Ein „Volkskomitee Nordkoreas“ übernahm am 17. Februar 1947 die provisorische Regierungsgewalt. In dieser Zeit fanden umfangreiche Konfiskationen des Eigentums ehemaliger Kollaborateure mit dem japanischen Kaiserreich statt. Nach zeitgenössischen amerikanischen Beobachtern wurden diese Maßnahmen gegen die früheren Dorfherren ohne Blutvergiessen vorgenommen, aber „mit extremer Sorgfalt darauf, dass diese nicht wieder an die Macht zurückkämen“. Entsprechend eine Welle von Flüchtlingen aus dem Norden in den Süden (ca. 400000 nach ungeprüften amerikanischen Angaben).

russische Soldaten in Nordkorea 1945

russische Soldaten in Nordkorea 1945

Die sowjetischen Truppen in Nordkorea – das ist wenig bekannt – zogen sich 1948 vollständig aus dem Land zurück und hatten anschließend keine militärische Präsenz mehr im Land. Erst im späteren Koreakrieg bekämpften auch sowjetrussische Piloten (sehr erfolgreich) mit den neuen MIG-15 die imperialistischen Bomberflotten.

Aus den kampferfahrenen Veteranen sowohl des antijapanischen Kampfes als auch später des chinesischen Bürgerkrieges, die in der mandschurischen Armee der KP Chinas gekämpft hatten, bildete sich eine sehr schlagkräftige nordkoreanische Armee.

Die Proklammierung der Demokratischen Volksrepublik Korea fand im September 1948 NACH der Ausrufung des südkoreanischen Separatstaates statt (dieser war am 25.August nach den von Rhee gefälschten Wahlen deklariert worden). Indessen sah sich die DVRK nicht als Separatstaat an, betrachtete weiterhin Seoul als Hauptstadt Koreas und forderte die Wiedervereinigung nach gesamtkoreanischen Wahlen. Dieser Umstand wird von der imperialistischen Propaganda gewöhnlich Ausdruck des aggressiven Charakters Nordkoreas ausgelegt. Indessen wurde von der Mehrheit der koreanischen Bevölkerung – auch im Süden – die Bildung des südkoreanischen Separatstaates als illegitim angesehen, was aber die us-hörige Geschichtsfälschung natürlich in ihrem Sinne verdreht.

Nach verschiedenen Quellen ersuchte Kim Ill Sung 1950 bei Stalin um Genehmigung einer Invasion des Südens, was dieser aber verweigerte. Dies wird von imperialistischen Autoren gern als Beleg für die Verantwortung Nordkoreas für den Kriegsausbruch angeführt. Auch hier geht die imperialistische Geschichtsfälschung völlig an der Tatsache vorbei, dass der Süd-Staat Rhees sich als Separatstaat ausgerufen hatte, während der Norden gar kein Separatstaat sein wollte und sich selbst nur als Provisorium ansah.

Letztes Argument der imperialistischen Geschichtsfälscher ist letztlich die Legende, wonach „der Kommunismus“ „ohnehin“ aggressive Absichten gehabt hätte und die Wahlen im Norden ja nicht „demokratisch“ gewesen wären. Aus heutiger Sicht lässt sich eindeutig sagen, dass die damalige (!) provisorische Regierung in Pyongyang mit Sicherheit eher den Willen des Volkes, und zwar ironischerweise des gesamten koreanischen Volkes (in seiner Mehrheit) zum Ausdruck brachte als das durch Terror zustandegekommene Süd-Parlament, dessen Wahlen fast von allen Parteien außer der Ultrarechten boykottiert worden war.

Tatsächlich bestand die politische Linie der (stalinistischen) Arbeiterpartei Koreas damals darin, eine Art Volksfrontregierung für ganz Korea zustandezubringen. Daß dieses Vorhaben in Anbetracht der radikalisierten Ultrarechten im Süden und der strategischen Pläne des US-Imperialismus völlig aussichtslos war, zeigten die folgenden Entwicklungen.

Wichtig ist aber festzuhalten, dass Nordkorea in der Phase bis 1950 noch nicht das „fossilisierte“ stalinistische Kim-Regime war, wie wir es heute von Nordkorea kennen. Zwar spielte Kim Ill Sung eine wichtige Rolle (er war aufgrund seiner Partisanenerfahrung für das Militär verantwortlich), aber es existierten noch die räteartigen Volkskomitees und die Parteienlandschaft war sehr „bunt“ (es gab allein schon mehrere kommunistische Organisationen, die teilweise miteinander rivalisierten). Die eigentliche „bürokratische Degeneration“ Nordkoreas (das damals ja gar kein Separatstaat sein wollte), setzte erst im Laufe des Koreakrieges ein, als jede Formierung einer autonomen Arbeiterbewegung unmöglich wurde und das Militär den absoluten Vorrang hatte.

Dauernder Grenzkrieg am 38. Breitengrad schon im Jahr 1949

Die koreanische Ultrarechte war bitter entschlossen, den ersehnten Bürgerkrieg herbeizuführen, denn sie wußte die US-Armee in ihrem Rücken. Eine Reihe von Zusammenstössen entlang des 38. Breitengrades im Frühjahr und Sommer 1949, „meist initiiert durch den Süden“ (so Hugh Deane(4)), hatten „evident“ Bürgerkriegscharakter. Militäreinheiten in Battalionsgröße waren in diese Kampfhandlungen involviert und es gab erhebliche Opfer. Dieser Umstand ist sehr wichtig, um die „Überraschungshypothese“ zum Ausbruch des Koreakrieges zu bewerten.

Syngman Rhees Selbstbewusstsein war gewachsen durch die Niederschlagung der Aufstände (im „eigenen Land“) von Jeju und Yosu (das Massaker von Jeju und das Massaker von Yosu), obwohl weiterhin eine Guerilliabewegung (vor allem in den Cholla – Provinzen, heute Gwangju) existierte. Mit dem durch Terror zusammengeschobenen südkoreanischen Parlament fühlte er sich sicher, auch in der von amerikanischen Medien beherrschten „Weltmeinung“ bestehen zu können. Er rief nun auch öffentlich zur Eroberung des Nordens auf. Vom Regime organisierte Demonstrationen rechtsradikaler Studenten forderten vor der US – Botschaft: „Gebt uns Waffen!“. Soziale Basis Rhees waren hier natürlich die enteigneten Landlords, die aus dem Norden geflohen waren und ein dringendes Interesse an einer gewaltsamen Restauration hatten (vgl. die Emigranten des Ancien Regime während der französischen Revolution)

Mai 1949 organisierte die Armee des südkoreanischen Regimes einen vier Tage dauernden Vorstoß auf der Onjin – Halbinsel. Rhee – Truppen stießen bis zu sieben Kilometer in nordkoreanisches Gebiet vor. 400 gefallene nordkoreanische und 22 südkoreanische Soldaten wurden gemeldet, was nach einem taktischen Erfolg des Südens aussieht. An der Operation waren sechs Infantriekompanien Südkoreas beteiligt(4).Kurz zur Onjin – Halbinsel. Damals verlief die innerkoreanische Grenze exakt entlang des 38. Breitengrades. Die Onjin – Halbinsel im Westen Koreas wird vom 38.Breitengrad zur Hälfte durchschnitten. Eine der bedeutensten Städte der Onjin – Halbinsel ist die Stadt Haeju. Kommt Ihnen der Name bekannt vor? Richtig, es handelt sich um die Stadt, deren Einnahme durch südkoreanische Truppen am 26. Juni 1950 durch die westlichen Medien verbreitet wurde.

Zurück zu dem Vorstoß der südkoreanischen Truppen Mai 1949 an diesem Ort.

Trotz der erheblichen nordkoreanischen Verluste passierte etwas seltsames: zwei der südkoreanischen Kompanien desertierten nämlich im Rahmen dieses (für den Süden eigentlich erfolgreichen) Gefechtes nach Nordkorea. Hugh Deane (4)berichtet, dass er im Jahr 1997 in Pyöngyang Kang Tae Mu sprach, der damals der Kommandant einer dieser desertierenden Kompanien war. So war es ihm möglich, Hintergründe dieses doch seltsamen Ereignisses zu erfahren.

Kang Tae Mu war Mitglied der (linksnationalistischen) All-Koreanischen Bauernunion gewesen, bevor er der südkoreanischen Konstabulary betrat. Aus dieser Konstabulary ging die südkoreanische Armee hervor. In dieser südkoreanischen Armee wurde Kang Tae Mu zum Offizier ausgebildet und erhielt das Kommando über eine Frontkompanie. Er wurde dann zunehmend feindselig gegen das Rhee-Regime eingestellt, als dieses sich in der Unterdrückung der südkoreanischen Guerillia engagierte, vor allem wegen der wachsenden dominierenden Rolle des US – Militärs. Die US – „Berater“ „berieten“ nicht, so seine Aussage, sondern sie kommandierten in Wahrheit. Er und andere hörten heimlich Radio Pyöngyang und beschlossen zu desertieren. Sie wussten zunächst nicht, wie sie im Norden aufgenommen werden würden. Doch die überlaufende Kompanie wurde von Kim Il Sung herzlich empfangen und Kang Tae Mu wurde später mit 29 Jahren General der nordkoreanischen Armee.

Das Ereignis ist insofern bedeutsam, als es ein Licht wirft auf die allgemeine Situation, in der sich die „südkoreanische Armee“ befand. Auch später im Vietnamkrieg wurden bis 1965 US-Militär“berater“ bei der südvietnamesischen Armee eingesetzt, die tatsächlich in Wahrheit diese Einheiten anführten. Das Versagen dieses Konzeptes führte schließlich im Vietnamkrieg dazu, dass direkt US-Truppen eingesetzt wurden, und nach dem Abzug der US-Einheiten brach die südvietnamesische Armee relativ schnell zusammen, zuerst 1972, und endgültig 1975.

Es gab also ganz offenkundig einen mehr oder weniger verbreiteten Widerwillen in der südkoreanischen Armee, unter amerikanischem Kommando gegen den Norden zu kämpfen. Erinnern wir uns auch, dass der Yosu – Aufstand (Cholla-Provinzen) von rebellierenden Einheiten der Konstabulary ausging, die sich weigerten am Jeju – Massaker teilzunehmen (1948). Eine latent verbreitete Bereitschaft zur Meuterei und zur Desertation zur Gegenseite (Widerwille gegen die amerikanischen Kommandeure und gegen einen Krieg gegen Landsleute) in der südkoreanischen Armee kann von daher angenommen werden.

August 1949 gab es ein mehrtägiges Feuergefecht um den Berg Unpa (nördlich des 38. Breitengrades, also im damaligen Nordkorea). Nach der Vernichtung zweier südkoreanischer Kompanien auf nordkoreanischem Gebiet wollte Syngman Rhee eine allgemeine Invasion des Nordens darauf anschliessen. Auf „Rat“ seiner amerikanischen Berater aber verweigerte sich aber Captain Shin diesem Regierungsbefehl. Aus militärtaktischer Sicht scheint das sinnvoll gewesen zu sein.Ein Memorandum des US-Botschafters in Südkorea Muccio stellt fest, dass die Situation auf der Onjin – Halbinsel nach dem fehlgeschlagenen Vorstoß alarmierend sei und beruft sich auf den Lagebericht von Captain Shin. Ein unmittelbarer allgemeiner Angriff auf den Norden sei dringend empfohlen.

Captain Shin wurde laut Muccio aber von der Rhee – Regierung scharf kritisiert wegen seiner Weigerung, eine offenkundig militärisch aussichtslos (Teil-)Offensive weiter voranzutreiben. Dies wirft ein Licht auf Rhee, auf seine Ungeduld, endlich den Krieg auszulösen und den Norden zu unterwerfen, aber auch seine offensichtlichen fehlenden taktischen Fähigkeiten (er war ja auch kein Militär).

Ein späteres Memorandum Muccios spricht wiederum von einem wachsenden aggressiven Geist in der „Armee“ (gemeint ist wohl die südkoreanische Armee), einen Angriff gegen den Norden vorzutreiben. Es ist anzunehmen, dass es sich vor allem um einen „Geist“ im Offizierkörper handelte, der fast ausschließlich aus ehemaligen Offizieren der kaiserlichen japanischen Armee (also aus koreanischer Sicht: Kollaborateuren) bestand.

Wie passt das alles zusammen?

Stellen wir zunächst einmal fest, dass allein schon diese Fakten jede Legende eines „überraschenden Angriffs“ auf ein „unvorbereitetes“, gar „friedliches“ Südkorea endgültig ins Land der Märchen verweisen. Schon vor dem „offiziellen“ Kriegsausbruch 1950 gab es also 1949 schon ausgedehnte militärische Auseinandersetzungen am 38. Breitengrad mit „evidentem“ (bewiesenem) Bürgerkriegscharakter. Die aktive Rolle der Süd – Armee – als Angreifer – ist gemäß diesen Quellen auch „evident“.Gleichzeitig scheint in der südkoreanischen Armee, die aus der Konstabulary hervorgegangen war und die zunehmend unter amerikanischem Kommando agierte, ein verbreiteter Unwille existiert haben, den aggressiven Offensivplänen der Rhee-Regierung und der Kräfte des „Ancien regime“ hinter ihr zu willfahren. Dies hatte sowohl politische als auch militärische Gründe.

Scheinbar widerspricht das den Aussagen Muccios, wird aber plausibel, wenn wir erhebliche Differenzen und Bruchlinien innerhalb dieser Armee annehmen, salopp ausgedrückt, im wesentlichen zwischen oben und unten.

Kang Tae Mu war ein Beispiel für einen Offizier, der mit seiner Kompanie – trotz eines für den Süden erfolgreichen Scharmützels – in den Norden desertierte.

Ein anderer Offizier namens Shin verweigerte sich auf amerikanischem „Rat“ einem militärisch aussichtslosen Auftrag.

Eine aggressive, zum Angriffskrieg gegen den Norden neigende Rhee- Regierung hatte es also mit einer zwar von US-„Beratern“ kommandierten, aber grundsätzlich eher kriegsunwilligen südkoreanischen Armee zu tun und neigte offensichtlich auch zu törichten militärischen Entscheidungen.

Nochmals: wie passt das zusammen?

War die südkoreanische Regierung sich nicht darüber im Klaren, dass bei einer größeren militärischen Auseinandersetzung mit dem Norden (im Falle einer Invasion des Nordens durch den Süden) die südkoreanische Armee recht schnell zusammenbrechen musste?

Ich glaube, dass das Rhee- Regime bei allem Fanatismus sich darüber durchaus im Klaren sein musste (zumal ja die Guerilliaherde in Südkorea etwa in der Provinz Cholla ja immer noch schmorten und selbst der Jeju – Aufstand noch bis 1952 andauerte).

Die historische Parallele Vietnam spricht dabei Bände. Mit der Tet-Offensive 1968 war in Südvietnam klar, dass die Vietcong – Guerillia nicht gebrochen war. Die amerikanische Politik versuchte dem Dilemma (militärisch vergebliche Bombenangriffe auf Nordvietnam, aussichtsloser Kampf gegen den Vietcong im Süden) durch eine „Vorwärtsstrategie“ zu entrinnen, und zwar durch die Ausweitung des Krieges auf Kambodscha und Laos ab 1970. Damals wurden sogar auch Vorstöße nach Nordvietnam selbst geplant, und zwar von der US-Marionette Diem.

Diese „Vorwärtsstrategie“ lag offenkundig auch der US-Politik und ihrer Rhee-Marionettenregierung 1950insgesamt  zugrunde. Denn es standen ja nicht nur die nordkoreanische Armee (zuzüglich der Rhee-feindlichen Guerilliaarmeen in Südkorea) und die immer wieder (durch Desertationen) auseinanderbrechende südkoreanische Armee auf koreanischem Boden – sondern auch die US – Armee (die sowjetische Armee war ja bereits aus Nordkorea abgezogen).

Grundsätzlich aber war Rhee Politiker und kein Militär. Bei einem offenen Bürgerkrieg, das wusste er, konnte er sich der Unterstützung durch die US-Armee sicher sein. Von daher war es gleichgültig, ob die südkoreanische Armee (politisch und militärisch) der nordkoreanischen gewachsen war.  Ich vermute, dass in den Stäben der US-Armee damals bereits mit den Planungen einer großangelegten Invasion  begonnen wurde, denn der Zusammenbruch des südkoreanischen Regimes drohte.

Gleitender Übergang vom ständigen Grenzkrieg zum „Koreakrieg“

Dass Syngman Rhee sich darauf verlassen konnte, dass die US- Armee und ihre Verbündeten ihn „raushauen“ würden, braucht nicht bewiesen zu werden, sondern ist durch die folgenden Ereignisse 1950-53 eindeutig belegt.

Es gab nur ein Problem, und das war ein US-innenpolitisches. Die öffentliche Meinung in den USA war nämlich keineswegs auf einen Krieg gegen Nordkorea eingestimmt. Der 2. Weltkrieg war gerade erst beendet worden und die Sowjetunion wurde ja im Prinzip immer noch als Verbündete im Krieg gegen Nazideutschland und Japan angesehen.

Eine nicht auf Krieg gestimmte öffentliche Meinung, das wissen wir ja, lässt sich nur „zum Kippen bringen“, wenn die Gegenseite glaubhaft zum Aggressor gestempelt werden kann. Dies kennen wir vom „Zwischenfall im Golf von Tonking“ und jüngst von den mutmaßlichen „Massenvernichtungswaffen“ im Irak, nicht zu vergessen der 11.September 2001 (Attentat auf das WTC), das zur Rechtfertigung der Afghanistan – Invasion herhalten musste.

Es kommt bei diesen Akten des „Wahrnehmungsmanagements“ auch nicht so sehr auf Perfektion im Detail an, sondern darauf, mit der geballten Medienmacht die „Tatsache“ der Aggression durch die Gegenseite durch beharrliche Wiederholung glaubhaft zu machen.

Das aber ist letztlich eine Aufgabe der „Diplomatie“ und der Propaganda.

Genau dies sind die Hintergründe der Geschichtslegende, wonach „am 25. Juni 1950 nordkoreanische Verbände den 38.Breitengrad überschritten“ (wo genau?). Denn selbst dieser Fakt ist eine Lüge. Diese Behauptung wird zwar immer wiederholt, aber es fehlten damals und fehlen bis heute nähere Angaben, etwa wo nordkoreanische Truppen „die Grenze überschritten“.

Wir wissen aber nun, dass südkoreanische Truppen seit 1949 ständig „die Grenze überschritten“.

Nordkoreanische Verbände überschritten 1950 natürlich den 38. Breitengrad und am 28. Juni 1950 standen sie definitiv in den Vororten von Seoul. Aber was sagt das in Anbetracht all dieser Fakten aus? Seoul ist vom 38. Breitengrad (damalige Grenze, die Grenze heute liegt nördlicher) keinen Tagesmarsch entfernt – das ist untertrieben (Die geografischen Koordinaten Seouls sind 37° 34′ N, 126° 59′ O, ein Breitengrad hat 111 Kilometer Differenz). Die Einnahme Seouls am 29.6.1950 durch die nordkoreanische Armee (unter dem Jubel der Bevölkerung) ist kein Beleg dafür, dass sie schon am 25.6.1950 (und noch dazu „überraschend“) die Grenze zu einem „friedlichen“ „demokratischen“ Südkorea überschritten hätte.

Aber was war genau am 25. Juni 1950, an dem der Krieg angeblich ausbrach? Was passierte genau an diesem Tag?

Milchman schreibt:

The earliest reports of the outbreak of the war by UN observers and by the American head-quarters in Tokyo described the South Koreans as heavily attacked North Korea.

Also: die frühesten Berichte über den Ausbruch des Krieges seitens von UN Beobachtern und durch das amerikanische Hauptquartier in Tokio beschreiben, dass Südkoreaner Nordkorea „schwer attakierten“.

Die harten Fakten zum 25.6.1950

Wenn wir die historischen Quellen prüfen, so gibt es über den 25. Juni 1950 folgende zeitgenössische Aussagen:

–         Der nordkoreanische Rundfunk sprach am 25.Juni von einem Überraschungsangriff  auf die nordkoreanische Stadt Haeju. Außerdem hätten am 23. und am 24. Juni südkoreanische Flugplätze Ort in Nordkorea bombardiert, (Blum) (2).

–         Ein amerikanischer Militärbericht aus dieser Zeit sagt aus, dass am Abend des 25. Juni das gesamte südkoreanische Territorium westlich des Imjin – Flusses auf einer Tiefe von drei Kilometern verloren gegangen sei außer im Gebiet des „Haeju Gegenangriffs“. (Blum) (2)Es hat demzufolge zuvor einen Angriff gegeben.

–         Am frühen Morgen des 26. Juni erklärte das südkoreanische Informationsministerium, dass südkoreanische Truppen die nordkoreanische Stadt Haeju eingenommen hätten. Dies hätte am gleichen Morgen (also „gerade eben“) statt gefunden (Blum)(2).

–         In den Ausgaben der Tageszeitungen London Daily Herald, The Guardian, New York Herald Tribune vom 26. Juni 1950 wurde übereinstimmend berichtet, dass südkoreanische Truppen am Vortag die nordkoreanische Stadt Haeju eingenommen hätten (Milchman)(1).

–         Die New York Times schrieb am gleichen Datum (26.6.1950), dass Synman Rhee mehrere Male erklärt hätte, dass seine Armee die Offensive gegen den Norden ergreifen würde, wenn Washington sein Einverständnis gäbe. Die NYT hält auch fest, dass die kriegerischen Reden meistens von den südkoreanischen „Führern“ ausging.(Milchman)(1).

–         Am gleichen Tag (26.Juni 1950) schon legte die USA dem UN – Sicherheitsrat eine Resolution (Nummer 82) vor, in der Nordkorea der „unprovozierten Aggression“ bezichtigt wurde. Es wurde abgelehnt, von einem koreanischen Bürgerkrieg zu sprechen und die zaghaften Einwände des ägyptischen und jugoslawischen Delegierten (die ohnehin kein Vetorecht hatten) wurden ignoriert. Jugoslawien sprach von einem „Fehlen zuverlässiger Information“, Ägypten hatte in Anbracht der zurückliegenden von Südkorea provozierten Grenzzwischenfälle (die genannten von 1949) das Adjektiv „unprovoziert“ abgelehnt. Die UdSSR war – welch ein Zufall  – abwesend, weil sie aus Protest gegen die Nichtaufnahme Chinas den Sicherheitsratssitzungen demonstrativ fernblieb. Sie hätte diese Resolution durch ihre Vetomacht verhindern können.

Das sind die Fakten.

Haeju ist im übrigen kein kleines Dorf, sondern eine mittelgroße Industriestadt – bis heute. William Blum (2) vermerkt, dass diese Fakten sich schwer mit der westlichen Version in Einklang bringen lassen, wonach die nordkoreanischen Truppen in einer verheerenden Flut einen Überraschungsangriff, ja eine Invasion durchgeführt hätten.Die Beweislast ist eigentlich erdrückend, eine von langer Hand geplante konzertierte Aktion von Rhee – Regierung und Truman – Administration liegt eigentlich so nahe, dass sie schier unwiderlegbar scheint.

„Wahrnehmungsmanagement“ durch die imperialistische Propaganda

US-Soldaten in Korea

US-Soldaten in Korea

Doch schauen wir uns an, mit welchen semantischen Tricks trotzdem die Legende vom nordkoreanischen Überfall auf das arglose Südkorea gestrickt werden konnte.

–         Die Aussagen von Pyoengyang (Angriff durch den Süden am 25.6.) wurden natürlich als „kommunistische Propaganda“ abgetan.

–         Die Siegesmeldungen der Einnahme von Haeju durch Südkorea wurde später von der südkoreanischen Regierung dementiert. Als Begründung für diese „Falschmeldung“ wurde angegeben, dass ein Offizier da „übertrieben“ hätte. Spätere Historiker versuchten das damit zu erklären, dass „schlechte Kommunikation“ vorgelegen hätte und außerdem diese Siegesmeldung den Kampfwillen der südkoreanischen Armee hätte stärken sollen. William Blum bemerkt zu der südkoreanischen Meldung der Einnahme von Haeju, dass offensichtlich alle südkoreanischen Angaben (der Rhee – Regierung) zu dieser Zeit wenig (wenn überhaupt) zuverlässig gewesen wären. (Blum)(2)

–         Ansonsten genügte späteren Autoren die gebetsmühlenartige Wiederholung der durch nichts belegten Formel, dass „am 25. Juni 1950 nordkoreanische Truppen den 38. Breitengrad überschritten“. Das Gegenteil dieser Formel, haben wir gesehen, ist ebenso wahr.

In jedem Fall kann von folgendem ausgegangen werden:

–         Es gab ganz offenbar Kämpfe am 25.6.1950 um die nordkoreanische Stadt Haeju. Selbst wenn die südkoreanische Regierung die eigenen Siegesmeldungen später als „übertrieben“ bezeichnete. Haeju ist im übrigen – soweit ich feststellen konnte –  der einzige namentlich in Quellen benannte Ort in dieser Anfangsphase des Krieges (25.-26. Juni).

–         Sowohl die Rhee – Regierung als auch die US – Regierung (vor allem Truman, die Dulles-Brüder) hatten ein nachweisbares hohes Interesse am Kriegsausbruch.

–         Um die amerikanische Öffentlichkeit für den Krieg in Korea zu gewinnen, musste natürlich zwingend Nordkorea als Aggressor dargestellt werden. Eine andere sinnvolle Möglichkeit gab es nicht. Die Bevölkerung der USA war kriegsmüde nach dem gerade zurückliegenden Ende des 2.Weltkrieges. Bei voller Kenntnis nur der hier in diesem Artikel genannten Fakten hätte allerdings die UNO-„Polizeiaktion“ mit Sicherheit nicht die Zustimmung der öffentlichen Meinung in den westlichen Ländern gefunden.

–         Von einer „Überraschung“ des Südens durch den Norden kann schon gar nicht gesprochen werden, wenn bereits ein ganzes Jahr zuvor schon ein ständiger Grenzkrieg am 38. Breitengrad tobte, wobei zudem sogar nach westlichen die Initiative durchweg vom Süden (d.h. von den Rhee-Truppen) ausging.

–         Die Orchestrierung der UNO – Sicherheitsratsresolution schon am 26. Juni 1950 (also einen Tag nach dem 25.) deutet darauf hin, dass die entsprechend durchgesetzte Resolution, platt gesagt, wohl schon längst in der Schublade lag. Ganz abgesehen von der Frage, welcher Informationsstand am 26. Juni in Washington und New York wirklich vorlag. Obwohl die Medien am gleichen Tag Siegesmeldungen der südkoreanischen Armee präsentierten, deklarierte die US – Resolution Nordkorea zum „unprovozierten Aggressor“. Dieser „Schönheitsfehler“ musste dann später durch die Behauptung „schlechter Kommunikation“ und „übertriebener Siegesmeldung“ überschminkt werden.

–         Der Zeitpunkt der Resolution war natürlich hervorragend abgepasst mit dem gerade erfolgten Protestauszug des sowjetischen Delegierten aus dem Sicherheitsrat. Dieser Umstand widerlegt auch schlagend, dass ein nordkoreanischer „Überfall“ auf Südkorea in der Intention der UdSSR gelegen haben könnte. Sie hätte sonst kaum auf ihre Vetomacht verzichtet.

–         Die UdSSR und Stalin fuhren in dieser Zeit wie schon ausgeführt im wesentlichen eine Apeasement – Politik gegenüber den USA.

–         Für das rasche Vorrücken der nordkoreanischen Armee war ganz offensichtlich nicht nur deren Kampfkraft verantwortlich, sondern auch der Unwillen von Teilen der südkoreanischen Armee, diesen vom Rhee – Regime und den USA erzwungenen Krieg überhaupt zu führen. Die Meuterei von Yosu scheint nur die Spitze eines Eisberges gewesen zu sein.

Gesamteinschätzung der Juni-Ereignisse 1950

Aufständische

Aufständische

Von einem „überraschenden“ Angriff Nordkoreas auf Südkorea kann in Anbetracht des auch von amerikanischen Quellen zugegebenen „ständigen Grenzkrieges“ am 38. Breitengrad keine Rede sein(Blum). Insofern ist die Frage, wer am 25.Juni 1950 „den ersten Schuss“ abgegeben hat, eigentlich von relativ geringer Signifikanz. Trotzdem weisen alle zeitgenössischen Quellen auf einen südkoreanischen Angriff auf die nordkoreanische Stadt Heju hin. Ein anderes militärisches Ereignis wird für diesen Tag (dem offiziellen Kriegsausbruch) von keiner Seite gemeldet.

Die Resolution des UN-Sicherheitsrates vom Folgetag, nämlich den 26. Juni 1950 , die allein Nordkorea zum Angreifer erklärte, war zum einen wohl schon von langer Hand vorbereitet worden (der Delegierte der UdSSR fehlte aus Protest gegen die Nichtaufnahme der VR China in die UNO) und abstrahierte völlig von den tatsächlichen Gegebenheiten am 38. Breitengrad.

Im wesentlichen war Resolution 82 des UNSC eine der gelungensten PsyOp-Operationen in der US – Geschichte (neben dem „Zwischenfall im Golf von Tonking“).

Auch muss klar sein, dass „Nordkorea“ und „Südkorea“ 1950 zwei andere Länder waren als wir sie heute kennen. Weder verstanden sich die Bewohner Nordkoreas als Nordkoreaner noch die Bewohner Südkoreas als Südkoreaner. Angehörige der japanisch orientierten Oberklasse waren in den Süden,von Syngman Rhee verfolgte Kommunisten, Sozialisten und Nationalisten in den Norden.

In Südkorea tobte überdies ein verbissener Guerilliakrieg gegen die Rhee-Regierung. Diese war ja in der Bevölkerung verhasst, weil sie die Oberschicht aus ehemaligen Kollaborateuren mit dem japanischen Kaiserreich repräsentierte.

Hierbei hatte zu diesem Zeitpunkt die (nord-)koreanische Regierung in Pyoengyang in den Augen der Gesamtbevölkerung mehr Legitimität als die von den US – Besatzungsbehörden zusammengeschobene Süd-Regierung, die aus heutiger Sicht unzweifelhaft auf massivem Wahlbetrug beruhte.  Zu allem Unglück für die USA und das Rhee-Regime kam noch die – trotz Repression – katastrophale Wahlniederlage vom 30.Mai 1950, bei der im südkoreanischen Separatparlament Syngman Rhee auch noch seine formelle Mehrheit verlor. Die Mehrheit im südlichen Separatparlament hatten nun Unabhängige, die die schnellstmögliche Vereinigung Koreas wünschten. Die Regierung in Pyoengyang schickte Unterhändler zu den Parlamentariern im Süden, die Rhee schnell erschiessen lassen musste (Dean, S. 83)

Die Tage des Syngman Rhee – Regimes wären also in diesen Juni – Tagen des Jahres 1950 im Prinzip gezählt gewesen.Es musste also schon ein „Wunder“ geschehen.

Und dieses „Wunder“ geschah auch: es handelte sich um das PsyOp-Manöver der USA, mit der sie ihr eigenes offenes Eingreifen in den eigentlich schon entschiedenen innerkoreanischen Bürgerkrieg im eigenen Interesse legitimierte und es damit sogar auch schaffte, andere Länder mit in einen verheerenden Krieg gegen das koreanische Volk hineinzuziehen.

Sicher ist aber auch richtig, dass die nordkoreanische Regierung, in der Kim Ill Sung und seine Fraktion eine wachsende Rolle spielten (nachdem die eigentliche Zentrale der Kommunistischen Partei Koreas in Seoul von der Syngman Rhee – Diktatur blutig zerschlagen worden war), bei aller politischen Appeasement-Politik Stalins gegenüber den USA sich auf die unvermeidliche militärische Auseinandersetzung gut vorbereitetet hatte. Stalinisten mögen zur Appeasementpolitik gegenüber dem Imperialismus neigen, aber speziell die leute Kim Ill Sungs waren auf militärischer Ebene nicht naiv. Der Kern der nordkoreanischen Armee bestand im Juni 1950 aus kampferfahrenen Veteranen, die in der chinesisch-koreanischen Partisanenarmee in der Mandschurei gekämpft hatten und die überdies aus Beständen der Sowjetarmee bestens ausgerüstet waren (besser als später die chinesische Freiwilligenarmee ab Okt 1950). Sie war eindeutig sowohl in Ausrüstung als auch in Kampfmoral den Truppen Syngman Rhees weit überlegen, zumal dessen Verbände immer wieder zum Gegner überliefen. Indessen bestand das Rückgrat der südkoreanischen Armee auch letztlich in der US-Armee.

Es ist unstrittig, dass die nordkoreanische Armee zu offensiven Operationen massiv überging, nachdem sich die Gelegenheit dazu günstig ergab (Einnahme Seouls am 29.6.1950). Jedoch kann aus den unbestreitbaren Anfangserfolgen der nordkoreanischen Armee  bis Sept. 1950 (und zwar erst NACH der scheinheiligen „Verurteilung“ durch den US-hörigen UNSC) nicht die Verantwortung für den gesamten Krieg hergeleitet werden. Zum einen war Korea ohnehin gegen seinen Willen geteilt worden. Zum anderen regierte im Süden ein Regime, das auch in der „eigenen“ Bevölkerung keine Akzeptanz hatte und dessen Überleben nachweislich davon abhing, daß ein offener Krieg ausbrach. Der Kern der imperialistischen Geschichtslegende, wonach der nördliche Separatstaat wider Willen den südlichen Separatstaat (wider Willen seiner Bevölkerung) „überraschend“ „überfallen“ habe, lässt sich nach Sicht aller Fakten in keinem Fall aufrecht erhalten. Vielmehr trat Ende Juni 1950 ein lange geführter ständiger Grenzkrieg in eine heisse Phase ein.

Begeisterter Empfang der nordkoreanischen Armee in Seoul

Begeisterter Empfang der nordkoreanischen Armee in Seoul

Ein sehr deutliches Indiz und ein schlagender Beweis ist ein CIA-Bericht aus den Anfangstagen des Krieges, der beklagt, dass die „Fehler“ der Südregierung dazu geführt hatten, dass mehr als die Hälfte der „Studentenklasse“ die aktiv die „kommunistischen Invasoren“ unterstütze und sich davon viele freiwillig der nordkoreanischen Armee anschlossen. Insgesamt war das Bild aber noch düsterer für die Rhee-Regierung und die US-Besatzungsbehörden: „The working class generally supports the Northern Koreans, while merchants are neutral and the intelligentsia continue to be pro-Southern…The streets are crowded, especially with youths engaging in Communist demonstrations.“ – Die Arbeiterklasse unterstützte demnach „generell“ die „Nordkoreaner“, während Händler neutral blieben und nur die „Intelligenzia“ (es dürfte das koreanische „Ancien Regime“ gemeint sein) „pro-Süden“ gestimmt war. Die Strassen waren nach diesem Bericht „überfüllt“ mit Jugendlichen, die „kommunistische Demonstrationen“ durchführten. Die Rede ist wohlgemerkt von Südkorea! Korrigiert man die suggestiven Formulierungen dieses Berichtes (der notorisch von „Kommunisten“ spricht, wann immer es sich um Anti-Rhee-Kräfte handelte), so kann kein Zweifel bestehen, dass die nordkoreanischen Truppen von der südlichen Bevölkerung enthusiatisch begrüsst und der Vormarsch nordkoreanischer Verbände (unstrittig ab 28.6.1950) als der endlich ersehnte Sturz der verhassten Separat- und Marionettenregierung angesehen wurden. Für die jubelnden Menschenmassen etwa in Seoul am 29.6.1950 waren die einrückenden Panzer der nordkoreanischen Armee keine Invasoren sondern Befreier von einer verhassten Fremdherrschaft.

Die imperialische Geschichtsschreibung sieht bis heute darin zynischerweise „kommunistische Infiltration“, die eine ganze Bevölkerung „angesteckt“ haben muss, und nicht den authentischen Ausdruck des tatsächlichen Willens der damaligen koreanischen Bevölkerung. Daher auch die Vehemenz, mit der die Legende vom „Überfall“ bis heute entgegen allen historischen Fakten festgehalten wird. Denn aus den aufgeführten Fakten geht ja letztlich nichts anderes hervor, als dass die Rhee-Marionettenregierung und ihr Master gewaltsam den Willen der Mehrheit der damaligen koreanischen Bevölkerung zu brechen bereit war und das dann auch in der Folgezeit unter monströsen Opfern für die Zivilbevölkerung umsetzte. Es muss aber auch gesagt werden, dass die damalige nordkoreanische Regierung (die sich selbst als provisorisch betrachtete) etwas anderes war als das stalinistische nordkoreanische Regime heute (das in dieser Form erst nach dem Koreakrieg entstand). Für die südkoreanische Bevölkerung waren die eintreffenden Truppen des Nordens Ausdruck des Unabhängigkeits- und Einheitswillens des gesamten koreanischen Volkes.

Mag sein, dass die USA die südkoreanische Rhee-Armee überschätzt und die nordkoreanische Armee unterschätzt hatten, doch hatte dies nur geringe Auswirkungen auf den Kriegsverlauf insgesamt, nur bis zum Erreichen des „Pusan-Perimeters“ durch nordkoreanische Verbände (die durch südkoreanische Deserteure und Freiwillige neu aufgefüllt wurden). Mag sein, dass der Zerfall der südkoreanischen Armee bei energischen Gegenangriffen der nordkoreanischen Armee das USMGIK ebenso überraschte wie die offenkundig stattgefundenen massiven Demonstrationen der südkoreanischen Bevölkerung GEGEN die Rhee-Regierung und FÜR die Vereinigung Koreas. Doch die „Überfall“-Theorie lässt sich mit all dem in keiner Weise rechtfertigen. Dann müsste man konsequenterweise die Invasion der Alliierten 1944 in der Normadie auch als „Überfall“ der kriegslüsternen Alliierten auf das arglose Hitlerdeutschland sprechen, das Frankreich seit 1940 besetzt gehalten hatte.

Studenten begrüssen den Sturz der Rhee-Regierung

Studenten begrüssen den Sturz der Rhee-Regierung

Der Krieg, den General MacArthur bis nach China hineintragen wollte, war indessen von langer Hand offensichtlich schon geplant gewesen. Nicht zufällig war Frühjahr 1950 ja auch die Proklamation der Volksrepublik China erfolgt und es war höchste Zeit für den US-Imperialismus, mit den Mitteln der Intervention den zusammenbrechenden Kolonialismus mit den Mitteln der massiven militärischen Intervention noch zu retten zu versuchen. Nachvollziehbar, dass diese blutrünstige Intervention propagandistisch gerechtfertigt werden musste, und zwar lautstark auf der internationalen Tribüne der „öffentlichen Meinung“ als „Verteidigung von Freiheit und Demokratie“. Und dass dazu auch umfangreiche diplomatische Manöver (in der UNO z.B.) erfolgen mussten, die dem gigantischen Propagandafake sekundierten, erscheint auch logisch.

Doch die nähere Sicht der Fakten lässt keinen anderen Schluss zu, dass der Krieg im wesentlichen ein konterrevolutionärer Kolonialkrieg war, in dem die USA das japanische Kaiserreich zu beerben versuchte und gleichzeitig gegen die gerade proklamierte Volksrepublik China vorzugehen versuchte.

Der Krieg kostete mehrere Millionen Menschen das Leben und war Schauplatz einer noch unbekannten Anzahl US-amerikanischer Massaker mit mindestens 1000 Einzelereignissen, die als Genozid eingestuft werden.

Der „Ausbruch“ des Koreakrieges zählt mithin zu den gigantischsten historischen Verbrechen des US-Imperiums und stellt in der Konsequenz sogar die blutigen Massaker in Indonesien 1965/66 (wo die US-Truppen gar nicht direkt eingriffen), den Vietnamkrieg und die verbrecherischen Militärputsche in Guatemala 1954, in Chile 1973 usw weit in den Schatten.

Ein wichtiges und sehr essentielles Ereignis zu Kriegsbeginn: das Bodo League Massaker

Massaker von Daejon

Massaker von Daejon

Ich möchte noch einen anderen sehr wichtigen Fakt anzufügen. Im Rahmen des (bis zum Jahre 2000 sowohl in Korea als auch weltweit fast unbekannten) Bodo League Massakers wurden zwischen 100000 („gesicherte“ Mindestzahl) und 1,2 Millionen (höchste Schätzungen) Südkoreaner von Truppen der Syngman Rhee Regierung ermordet.

Bodoyeonmaeng hiess eine Zwangsorganisation des Syngman Rhee- Regimes, in dem „Kommunisten“ und alle sonstigen suspekten (oppositionellen) Personen erfasst worden waren (angeblich zur „Umerziehung“).

In der Phase von Juni bis September 1950 (also in nur drei Monaten) wurden summarisch die (Zwangs)Mitglieder (über 300000 an der Zahl) Massenerschiessungen ausgesetzt (Seit wenigen Jahren werden viele aufgefundene Massengräber durch die südkoreanische Wahrheits- und versöhnungskomission exhumiert). Angeblich geschah das Massaker aus „Panik“, weil die Bodo League – Mitglieder summarisch für geneigt gehalten wurden, sich mit der heranrückenden nordkoreanischen Armee zu verbünden (was Bände spricht). Naheliegender scheint mir aber ein von langer Hand geplanter Massenmord an der politischen Opposition zu sein. Dieser stellt in seiner rasanten Ausführung selbst die Verbrechen der Nazis in den Schatten (die immerhin Jahre brauchten, um auf ihre Massenmordquoten zu kommen).

Dieses Massaker, das offenbar ganze Bevölkerungsteile ausrottete, sowie den Kern der politischen Opposition in Südkorea, hat aus meiner Sicht eine nicht zu übersehende Schlüsselstellung in dieser frühen Kriegsphase. Es gab mehrere Guerilliaherde in Südkorea und eine  zähe Opposition der verbotenen Gewerkschaften sowie linken und nationalistischen Parteien im Untergrund.

Andere historische Beispiele zeigen, dass Massaker dieser Größenordnung eine gründliche logistische und organisatorische Vorbereitung brauchen. Weder die Bartholomäusnacht, noch der Holocaust an den europäischen Juden (sowie die Ermordung russischer Kriegsgefangener usw.) oder etwa das Massaker an der indonesischen Arbeiterbewegung 1965 geschahen spontan. Massenmorde in einer solchen grotesken Dimension benötigen „Personal“, Planung und organisierte Durchführung.

Da auch bei Massenvernichtungsaktionen durchaus mit Widerstand zu rechnen ist (und in Anbetracht der geradezu wütenden Aufstände gegen Rhee 1946-1948 allemal), muss die Zahl der daran mittelbar und unmittelbar beteiligten Kräfte wohl in die zehntausenden geschätzt werden. Fotos aus dieser Zeit zeigen, dass es sich (teilweise?) um reguläre Militärkräfte handelte, die die Massaker durchführten. Die Größe der (wie aufgewiesen in großen Teilen unzuverlässigen) südkoreanischen Armee wird für diese Zeit 1950 mit ca 180000 Soldaten angegeben.

Die Durchführung des Bodo League Massakers durch eine politische Minderheit in Südkorea (Syngman Rhee hatte nachweislich die Wahlen zur südkoreanischen Separat-Nationalversammlung verloren) muss demnach mit einem personellen Einsatz von mehreren zehntausend Soldaten veranschlagt werden.

US-Soldaten beim Massakrieren in Daejon

US-Soldaten beim Massakrieren in Daejon

Kein Wunder, dass die südkoreanische Armee unter diesen Umständen der vorrückenden nordkoreanischen Armee (die auf 200000 Soldaten geschätzt wurde) auf keinen Fall standhalten konnte.

Möglicherweise kam es auch darauf gar nicht an, denn die Invasion der USA und ihrer Vasallen in der UNO war ohnehin beschlossen und in Durchführung begriffen (Sept Landungsoperation von Incheon).

Nachrichtensendungen aus dieser Zeit zeigen auch, dass die Verteidigung des „Pusan Perimeters“ (die letzte von den US- und südkoreanischen Truppen gehaltene Fronlinie in Südost-Korea – siehe GIF – vor der US – Invasion bei Incheon) vor allem von US – amerikanischen Truppen gehalten wurde.

Die US – Armee bekämpfte die anrückende nordkoreanische Armee, während die Rhee – Truppen hinter der Frontlinie systematisch in der eigenen Bevölkerung massakrierten.

Das lässt nur eine Schlussfolgerung zu:

Die US – Armee (auf die Syngman Rhee sich wie gesagt verlassen konnte) – mit Rückendeckung der UNO – hielt den Rhee Truppen bewusst den Rücken frei für eines der grausigsten Massaker der jüngeren Geschichte.

Der Koreakrieg ist also letztlich auch die militärische Kaschierung einer blutigen Konterrevolution gewesen. Es ist an der Zeit, dass sich die Wahrheit herumspricht.

Wie fälscht man Geschichte? Was war mit den Resolutionen des UN-Sicherheitsrates gegen Nordkorea?

Nordkoreanische Soldatin

Nordkoreanische Soldatin

In den vom US-Militär mitgeschriebenen Geschichtsbüchern wird immer wieder die Resolution Nummer 85 des UNSC (UN Security Council) genannt (datiert auf den 31.Juli 1950), mit dem die UNO (unter Abwesenheit des UdSSR-Vertreters) den USA „freie Hand“ zu einer UNO-„Polizeiaktion“ gaben. Damit hätte also der UNSC erst „spät“ reagiert, über einen Monat nach Kriegsbeginn. Das scheint für manche Historiker ein Beweis für den „Langmut“ der damaligen „internationalen Gemeinschaft“ zu sein.

Doch das ist eine sehr trügerische und vor allem listige Geschichtsschreibung, sie vertuscht wesentliches.

Wie oben schon genannt, hatte es am 26. Juni schon eine UNSC-Resolution (Resolution 82) gegeben, die Resolution 85 in allen Punkten bereits vorwegnahm. Das war einen Tag nach dem angeblichen Überschreiten des 38. Breitengrades durch nordkoreanische Truppen, wofür es aber keinen Beweis gibt, nur für das Gegenteil (Haeju).

Hier in Resolution 82 wird sich auf die Resolutionen der UN-Generalversammlung 195 und 293 von 1949 bezogen, die seinerzeit die terroristische südkoreanische Rhee-Regierung zur „gesetzlichen“ erklärte in dem Teil Koreas, der von der United Nations Temporary Commission on Korea überwacht werden würde. Resolution 82 erklärt Nordkorea zum Angreifer (obwohl die internationale Presse am gleichen Tag weltweit von der Einnahme der nordkoreanischen Stadt Heju durch Südkorea berichtet) und fordert Nordkorea zum Rückzug hinter den 38. Breitengrad auf. Alle Mitgliedsstaaten werden aufgefordert, bei der „Exekution“ dieser Resolution Unterstützung zu leisten und keinerlei Unterstützung Nordkorea zukommen zu lassen.

Insgesamt ein grausig-geniales Machwerk diplomatischer Manipulation, lesen Sie es selbst:

Quelle: wikisource UNSC Resolution 82

Doch damit nicht genug. Am folgenden Tag schon (27.Juni 1950) setzte es eine weitere verschärfte Resolution. Es wird „festgestellt“, dass Nordkorea „den Frieden gebrochen“ habe und fordert „dringende militärische Massnahmen“, „empfiehlt“ die militärische Unterstützung Südkoreas, um die „bewaffnete Attacke“ zurückzuweisen.

Seoul war an diesem Tag von der nordkoreanischen Armee noch nicht eingenommen worden (gilt später als „Beweis“). Aber für jeden wirklich unabhängigen Beobachter hätte an diesem Tag klar sein müssen, dass die USA die UN für ihre Zwecke krass missbrauchte.

Quelle: wikisource UNSC Resolution 83

Eine weitere Resolution 84 vom 7.Juli übergibt formell den USA das Oberkommando über die militärischen Operationen der „UN forces“. Im Prinzip war das US-Propaganda. Da die US-Truppen in Südkorea von Anfang schon an in die Kämpfe verwickelt waren UND faktisch das K0ommando über die Rhee-Armee innehatte, wird der bereits geplanten massiven Invasion der USA nur der Heiligenschein der UNO verliehen. Die US-Armee hatte schon lange vor Kriegsbeginn nicht nur das faktische Oberkommando über die südkoreanischen Truppen, sondern über „Berater“ bis auf die Regiments- und Battallionsebene. Aber das alles erhält nun den Heiligenschein der UNO, die mithin – ich erlaube mir formell zu sein – damit auch vor der Geschichte die Verantwortung für das Bodo-League-Massaker trägt.

Quelle: wikisource UNSC-Resolution 84

Am 31. Juli erst erfolgt die vielgenannte Resolution 85, die in den Geschichtsbüchern notorisch zitiert wird. Hier wird zynischerweise gesagt:

Recognizing the hardships and privations to which the people of Korea are being subjected as a result of the continued prosecution by the North Korean forces of their unlawful attack..

Und das zu einem Zeitpunkt, als – unter dem Heiligenschein der UNO – das monströse Bodo-League-Massaker nach heutigen Erkenntnissen in vollem Gange war. Grundsätzlich bringt diese Resolution (und darin besteht auch die Geschichtsfälschung) nichts neues ausser dass…

to exercise responsibility for determining the requirements for the relief and support of the civilian population of Korea and for establishing in the field the procedures for providing such relief and support

Hier wird also auf einmal von der “Bevölkerung Koreas” gesprochen, und nicht mehr von Nord und Süd. Zu diesem Zeitpunkt war die Landungs-Invasion der US-Truppen in Incheon noch nicht erfolgt (erst September 1950), doch wird hier bereits geschickt die „Befreiung ganz Koreas“ von der „kommunistischen Diktatur“ subliminal unterlegt, und das zynischerweise, als das Bodo – League – Massaker der südkoreanischen Rhee-Regierung vermutlich seinen Höhepunkt erreichte. Der eigentliche Sinn dieser Resolution war demnach nicht – wie in den verbreiteten Geschichtsfälschungen behauptet – die Verurteilung des „nordkoreanischen Überfalls“ und der Beschluss von UNO-Massnahmen dagegen (das war bereits mit den Resolutionen 82 bis 84 erfolgt), sondern die Legitimierung eines gewaltsamen Eroberungskrieges, der das gesamte Korea der faschistischen Diktatur Syngman Rhees unterwerfen sollte.

Eine ewige Schande für die UNO.

Kriegsgefangen

Es versteht sich von selbst, dass bei allen Resolutionen von 82 bis 85 der (schlafmützige?) Delegierte der UdSSR im UNSC aus Protest gegen die Nichtaufnahme der VR China fehlte und insofern kein veto einlegen konnte.

Jedenfalls ist es eine Geschichtsklitterung, wenn Resolution 85 in so gut wie allen Geschichtsbüchern als Reaktion des UNSC auf den Kriegsausbruch ausgegeben wird. Resolution 85 fügte der schändlichen Resolution 82 nichts inhaltlich wesentliches hinzu. Mit Resolution 85 hatten lediglich die USA und die Rhee-Faschisten freie Hand für ihre Massaker nun auch im Norden.

Quelle: wikisource UNSC – Resolution 85

Die Geschichte der UNO – Resolutionen zu Korea ist also eine Geschichte von aufeinander aufbauenden Fälschungen und Propagandalügen, angefangen von Resolution 293 von 1949, über 82, 83, 84 bis zu 85 (Legitimierung eines imperialistisch-faschistischen Eroberungskrieges).

Bemerkenswert, dass es nur noch eine UNSC-Resolution zu Korea in der Folgezeit gibt, Resolution 88 (8.11.1950). Hier wird die verfemte Volksrepublik China, die unterdessen in den Krieg (seit 19.10.1950) eingegriffen hatte, dazu eingeladen, an den Beratungen des UNSC teilzunehmen. Die VR China war ja auf Betreiben der USA gar kein Mitglied der UNO.

War war geschehen?

Nachdem die US-geführten Invasionsstreitkräfte fast ganz Korea (bis auf einen schmalen Streifen im Norden) erobert hatten (unter neuerlichen Massakern, jetzt auch im Norden), hatten 300000 chinesische Soldaten die Grenze am Jalu überschritten und es sah schlecht aus für die Invasionsstreitmacht. Diese befand sich nun in einer sehr ernsten Situation. Der Paria-Staat VR China sollte nun auf einmal an den Konsultationen des UNSC teilnehmen. Zu diesem Zeitpunkt war also bereits klar, dass die Eroberung Nordkoreas militärisch vor dem Scheitern stand.

Bezeichnend , dass es zwei Gegenstimmen zu dieser Resolution gab: Taiwan (mit US-gestütztem Diktator Chiang Kai Chek) und Kuba (mit US-hörigem Diktator Batista, später von Fidel Castros Partisanen gestürzt).

http://en.wikisource.org/wiki/United_Nations_Security_Council_Resolution_88

Der Krieg dauerte allerdings noch drei lange Jahre an 1951-53 und führte zur fast völligen Verwüstung gesamt Koreas.

Die Panzerüberlegenheit Nordkoreas – Beweis für die Überfalltheorie?

Vormarsch der nordkoreanischen Armee ab 28.6.1950

Vormarsch der nordkoreanischen Armee ab 28.6.1950

Als vermeintlich listiger Beweis für die aggressiven Invasionsabsichten der Nordkoreaner wird von vielen Historikern und imperialistischen Propagandisten angeführt, dass „Südkorea“ (gemeint die Rhee-Regierung) ja gar keine Panzer und schweren Waffen gehabt hätte.

Klingt plausibel, ist es aber nicht, wenn man in US-Archiven ein wenig nachstöbert.

Zum einen standen die südkoreanischen Truppen, wie schon aufgewiesen, ohnehin faktisch unter US-Kommando. Aber es standen auch reine US-Verbände in Südkorea. In Nordkorea hingegen gab es damals weder sowjetische noch volkschinesische Truppen.

Werfen wir einen Blick auf die US-Truppen, die zum Zeitpunkt des Kriegsausbruchs (angeblich 25.Juni 1950) in Südkorea standen.

Ein amerikanisches Armeedokument über die militärische Ausstattung der US-Armee während des Koreakrieges wiederholt zwar getreulich die Behauptung, dass Nordkorea am 25.Juni 1950 “plötzlich” Südkorea attackiert hätte, gibt aber zu erkennen, dass beträchtliche Kampftruppenverbände der USA in Südkorea standen, und zwar vier Infantriedivisionen mit insgesamt vier Panzerbataillionen.

Es wird für Juli und August 1950 die Zahl von insgesamt etwa 270 amerikanischen Panzern genannt. (Tank battalions in the early Korean fighting of July and August 1950 were the 6th, 70th, 72d, 73d, and 89th, averaging 69 tanks each.)

Nach dieser Quelle waren amerikanische Panzer (um es nochmals zu betonen: Panzerverbände) bereits am 10.Juli (also zwei Wochen nach “Kriegsausbruch”) in Gefechte verwickelt. Die Quelle merkt wohl an, dass die Nordkoreaner in dieser Zeit „erfolgreich“ T-34 – Panzer aus WKII – Beständen einsetzten. Aber bereits für die Kämpfe entlang des „Pusan Perimeters“ (weitestes Vordringen der nordkoreanischen Armee) August-September 1950 wird von einer amerikanischen Panzerüberlegenheit von 5:1 gesprochen und die Anzahl der (im Südwesten) eingesetzten amerikanischen Panzer auf „mehr als 500“ beziffert. Ergo kann die vorangegangene Panzerüberlegenheit der Nordkoreaner nur auf 100 Panzern basiert haben. Das ist wirklich seltsam, oder? Rechnen Sie mal nach!

Abgesehen davon, dass die heldenhaften Verteidiger der „Demokratie“ damals ja auch noch die Kleinigkeit des Bodo-League-Massakers (mit 100000 bis 120000 ermordeten Zivilisten) zu erledigen hatten, ist die haushohe waffentechnische „Überlegenheit“ der nordkoreanischen „Invasionstruppen“ kaum noch glaubhaft zu machen mit diesen Zahlen.

Zum einen kämpften in dieser Phase nordkoreanische Truppen gegen südkoreanische unter US-Kommando PLUS reinen US-Kampfverbänden.

Eher ist zum anderen zu vermuten, dass – wie sich schon an vorangegangenen Zusammenstössen 1949 abzeichnete – südkoreanische Truppenverbände massenweise desertierten.

Filmberichte über die Kämpfe entlang des Pusan – Perimeters legen zudem nahe, dass vor allem amerikanische Truppen die Last des Kampfes gegen die nordkoreanischen Truppen trugen. Auch das widerlegt die Geschichtslegenden vom nordkoreanischen Überfall auf das arglose Südkorea, denn bis auf Battalionsebene hatten amerikanische „Militärberater“ de facto das Kommando inne.

T-34 der nordkoreanischen Streitkräfte 1950

T-34 der nordkoreanischen Streitkräfte 1950

Der zeitweilige Zusammenbruch der US/Rhee-Truppen (bis September 1950) ist demzufolge kaum durch „Überraschung“ oder durch waffentechnische Überlegenheit zu erklären. Die Existenz einer südkoreanischen Anti-US und Anti-Rhee- Guerillia (vor allem im Südwesten der Halbinsel) sowie die vorangegangenen zahlreichen Beispiele von Meutereien und Desertationen in der südkoreanischen Armee sind da plausiblere Erklärungsmuster.

Es sei abschließend noch darauf hingewiesen, dass die US – Truppen im gesamten Verlauf des Koreakrieges auch kaum auf die Panzerwaffe verliessen, sondern auf ihre Luftüberlegenheit setzten, mit der sie gesamt Korea in Schutt und Asche bombten.

Quelle zu den damaligen US-Truppenstärken: http://en.wikisource.org/wiki/ARMOR-CAVALRY:_Part_1;_Regular_Army_and_Army_Reserve#Korean_War

Schlusswort

Nicht eingehen werde ich auf die unglaublichen Kriegsverbrechen, die die US-Armee und ihre Vasallenarmeen während des weiteren Verlaufes des Koreakrieges begangen. Dies würde endgültig den quantitativen Rahmen dieses Artikels sprengen.

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Quellen im Überblick

(1) Aufsatz von Milchman http://www.mein-parteibuch.com/wiki/images/c/cb/Alan_milchman_cold_war_analysis.pdf

(2) William Blum: Killing Hope, http://books.google.com/books?id=XMJpnYmKNQsC&printsec=frontcover&hl=de#PPA83,M1 bzw.

http://books.google.com/books?id=-IbQvd13uToC&printsec=frontcover&dq=william+blum&hl=de

(3) HISTORICAL FEATURE: The Korean War — a war of counter-revolution http://www.greenleft.org.au/2000/412/23267

(4) The Korean War 1945-1953 von Hugh Dean http://books.google.com/books?id=-IbQvd13uToC&pg=PA45#PPA46,M1

(5) wikisource: die Resolutionen des UNSC zu Korea

http://en.wikisource.org/wiki/United_Nations_Security_Council_Resolution_82

http://en.wikisource.org/wiki/United_Nations_Security_Council_Resolution_83

http://en.wikisource.org/wiki/United_Nations_Security_Council_Resolution_84

http://en.wikisource.org/wiki/United_Nations_Security_Council_Resolution_85

http://en.wikisource.org/wiki/United_Nations_Security_Council_Resolution_88

(6) wikisource: Reguläre Armee und Armeereserve im Koreakrieg

http://en.wikisource.org/wiki/ARMOR-CAVALRY:_Part_1;_Regular_Army_and_Army_Reserve#Korean_War

(7) Truth and Concilliation Comission,Republic of Korea: 1222 Ereignisse des Koreakrieges als Genozid klassifiziert

http://www.jinsil.go.kr/English/Information/general/read.asp?num=13&pageno=&stype=&sval=&data_years=&data_month=

(8) Voices from the Korean war  Von Richard A. Peters, Xiaobing Li

http://books.google.com/books?id=U9s3n-AIICgC&printsec=frontcover&hl=de&source=gbs_similarbooks_r&cad=2

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Bisherige Artikel von B.I.Bronsteyn zum Thema Koreakrieg:

Haeju und die Verbrechen der USA am koreanischen Volk

Fotodokumente des Bodo-League-Massakers während des Korea-Krieges

Weitere Facts und Fotos zum “Bodo League” – Massaker in Korea 1950

Video zum Bodo League Massaker 1950 in Korea

Die südkoreanische Guerillia gegen das Rhee-Regime vor Ausbruch des Koreakrieges

1222 Ereignisse während des Koreakrieges als Genozid (Völkermord) klassifiziert

US-Kriegsverbrechen in Korea 1950-53 (einige Videos)

Koreakrieg 1950-53: Krieg als Vehikel zur Wahlfälschung und zum Militärputsch?

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weiterführene Hinweise und Links

Das Buch „The Hidden history of the korean war“ von  kommt wohl zu ähnlichen Ergebnissen wie ich, ich habe es allerdings nicht gelesen.

Video: UNCOVERING THE HIDDEN HISTORY OF THE KOREAN WAR: THE WORK OF SOUTH KOREA’S TRUTH AND RECONCILIATION COMMISSION

Statistics on Crimes Committed by US Troops in south Korea by Korea International War Crimes Tribunal, June 23, 2001, New York Report on US Crimes in Korea 1945-2001 (sehr lesenwert!)
Indictment for Offenses Committed by the Government of the United States of America Against the People of Korea, 1945-2001 (Klageschrift gegen die Regierung der USA wegen Verbrechen gegen das koreanische Volk durch den us-amerikanischen Bürgerrechtler und Anwalt Ramsey Clark)

Über die Frage der amerikanischen Verantwortlichkeit bei der Unterdrückung des Chejudo Aufstandes 1948.

Report from the Korean Truth Commission (South) on U.S. War Crimes During the Korean War
June 24, 2000 (Bericht der (Süd-)Koreanischen Wahrheitskomission über US-Kriegsverbrechen während des Koreakrieges)

Report from the Democratic People’s Republic of Korea on U.S. War Crimes During the Korean War

(Bericht der Demokratischen Volksrepublik Korea / Nordkorea über US-Kriegsverbrechen während des Koreakrieges; es handelt sich um die erste nordkoreanische Quelle, die ich überhaupt heranziehe)

Koreanische Überlebende erinnern sich an US- Kriegsverbrechen

Korea, Like Vietnam: A War Originated and Maintained by Deceit (Korea, wie Vietnam, ein Krieg durch Betrug verursacht und unter Betrug durchgeführt)

Artikel von H.Ploppa in telepolis

Ein Augenzeuge des Krieges (ehemals aus der koreanischen Oligarchie) mit hochinteressanten Details (vertritt naturgemäß die „Überfall-Theorie“, bestätigt aber unfreiwillig zahlreiche der von mir genannten Items, quellenkritisch mit Vorsicht zu behandeln, aber hochinteressant)

Written by bronsteyn

18. Juni 2009 at 5:19 pm

Haeju und die Verbrechen der USA am koreanischen Volk

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Die Frage, wer eigentlich wirklich den Korea-Krieg begonnen hatte, wurde nach meinem Wissen in der deutschen Bloggerei erstmals von nemetico im damaligen politblog aufgeworfen.Bislang war der Widerspruch zu den geltenden imperialistischen Propagandalegenden den Anhängern der (stalinistischen) nordkoreanischen Juche – Ideologie vorbehalten gewesen, eine Strömung, die wenig Einfluss auf die öffentliche Meinung hat. Im Zuge der aktuellen Berichterstattung über die nordkoreanischen Weltraumraketen und unterirdischen Atombombenversuche gewinnen diese Fragen wieder an Aktualität. Der Blog Mein-Parteibuch griff das Thema angesichts des jüngsten Medienhypes über den „Irren von Pyöngyang“ auf.

Tatsächlich fällt es ins Auge, dass die aktuellen Schlagzeilen der durch imperialistische Pressure Groups („Agenturen“) gleichgeschalteten Medien allesamt wie selbverständlich von der Legende einem nordkoreanischen Angriffskrieg 1950 gegen das „demokratische“ Südkorea ausgehen, gewissermassen als die Mutter aller Lügen über Nord- und Südkorea. Daraus werden dann die üblichen „Der Irre von Pyöngyang“ – Szenarien gestrickt bis hin zu öffentlichen Kriegs- und Mordaufrufen durch bezahlte Kommentatoren („Trolle“) in diversen Foren.

In den letzten Jahren wurden dank des Internets eine Menge imperialistischer Lügen aufgedeckt, beispielsweise die Brutkastenlüge oder die Zwischenfall-im-Golf-von-Tonking-Lüge, und für viele Menschen offenbarte sich angesichts solcher Dinge, dass sie bisher in einer medialen Scheinwelt gelebt hatten.

Wer griff am 25. Juni 1950 wirklich an?

Doch wenden wir uns der immer wieder debattierten Gretchenfrage zu, wer denn damals am 25.Juni 1950 wirklich den Krieg begann. Nemetico schrieb damals in seinem Artikel im politblog (der nicht mehr existiert):

Wie brach dieser Krieg aus?

Kommen wir zur Frage des Ausbruchs des Krieges. Es ist wirklich nicht leicht, Faktenmaterial dazu zu finden.
Durchweg lautet die “westliche” Lesart auch in den Quellen, die ich im Internet finden konnte: die Nordkoreaner hätten versucht, in einem “Blitzkrieg” Südkorea zu erobern. Aber wirkliche Belege fand ich nicht außer der sich formelhaft wiederholenden Formulierung, am 25.Juni 1950 hätten die nordkoreanischen Truppen die Demarkationslinie “überschritten”.

Audiatur et alterna pars (höre auch den anderen Teil), sage ich mir und schlage auf den Seiten des Freundeskreises der Juche-Ideologie in der Kommunistischen Partei Deutschlands. Ich weiß zwar nicht, um welche Kommunistische Partei es sich handelt, aber mich interessiert ja die Geschichte des Korea – Krieges. Und verläßlicher als Spiegel Online sind solche Seiten wahrscheinlich auch (kleiner Scherz). Hier findet sich ein ausführlicher Text: Die Wahrheit über den imperialistischen Krieg gegen die Koreanische Demokratische Volksrepublik, der vor 50 Jahren ausbrach

Genau die interessiert mich. Der Text ist umfangreich. Es wird sich aber aber nicht nur auf kimilsungische Quellen bezogen, sondern auch auf damalige “westliche” Pressemeldungen.

Wichtigster Fakt ist hierbei folgender: Die südkoreanische Marionettenarmee konnte am 25. Juni bis auf 2 Kilometer tief in das Territorium der KDVR (Koreanische Demokratische Volksrepublik) vordringen. Eingenommen wurde trotz tapferen Widerstands der Grenztruppen der KDVR der Ort Haeju (Hädschu). Das ging seinerzeit schon als südkoreanische Siegesmeldung über die Nachrichtenticker der ganzen Welt. Die westliche Presse meldete das in Schlagzeilen, so die New York Times, die Londoner Daily Herald und der Londoner Guardian vom 26. Juni 1950. Das sollte die kapitalistische Welt in eine Art antikommunistische Siegesstimmung versetzen und die südkoreanischen Marionettentruppen zum Kampf motivieren. Die Aggression der “Südkoreaner” hatte genaugenommen schon eher begonnen. Am 23. und 24. Juni wurde nordkoreanisches Gebiet unter massiertes Artillerie- Feuer genommen und bombardiert. Schon das meldete seinerzeit die amerikanische und britische Presse. (2) Das und andere Quellen (2) widerlegen die amerikanische Version über den Koreakrieg.

Nun wird behauptet, daß UN-Beobachter den Erstangriff der Nordkoreaner gesehen hätten. Das ist ebenfalls eine plumpe Lüge. UN-Beobachter konnten trotz gegenteiliger Behauptungen auch in deutschen Publikationen, den Angriff der Nordkoreaner nicht gesehen haben. Die waren schon am 23. Juni auf Betreiben der USA-Regierung vollständig abgezogen worden, was übrigens auch von Presseorganen aus aller Welt bestätigt wurde. Sicherlich war den USA-Imperialisten daran gelegen, daß alle neutralen UNO-Beobachter vom 38. Breitengrad am 24. und 25. Juni 1950 abgezogen sind, um keine unmittelbaren UNO-Zeugen der heimtückischen Aggression der südkoreanischen Marionettenarmee zu haben. Die Aggression der südkoreanischen Aggression wird auch von allen inzwischen der Öffentlichkeit zugänglichen Dokumenten des Pentagons bestätigt.

Außerdem läßt auch der Biograph des damaligen Oberbefehlshabers der USA-Truppen im Pazifik-Raum MacArthur, John Gunther in seinem Veröffentlichungen keinen Zweifel daran, daß die “Südkoreaner” die Aggressoren waren, wenn er auch seinem Chef, der dann der Oberbefehlshaber der westlichen Aggressionstruppen in Korea wurde, bewunderte und vielfach von Kriegsschuld und Aggressionslüsternheit zu entlasten versuchte. In (5) schildert er zum Beispiel die Situation im Hauptquartier der USA-Pazifikstreitkräfte in Tokio an jenem Morgen des 25. Juni, als dort die Nachricht eintraf, daß die Südkoreaner Nordkorea angegriffen haben. Er schreibt unmißverständlich, daß amerikanischen Militärs im Stab Mac Arthurs in Tokio am frühen Morgen des 25. Junis die Meldung erhielten, daß die Südkoreaner die Grenze zum Norden überschritten haben. Schon mit dieser Schilderung bricht die Standardversion von Nordkorea als angeblicher Angreifer in sich zusammen.

Dazu werden folgende Quellen angegeben:

(1) Olaf Groehler “Der Koreakrieg 1950-1953″, Militärverlag der Deutschen Demokratischen Republik, Berlin 1980; (2) The US imperialists started the Korean war (Die USA-Imperialisten haben den Koreakrieg begonnen), Foreign languages Publishing house, Pyongyang”; (3) Modern history of Korea” (Geschichte von Korea der Neuzeit), Foreign languages Publishing house, Pyongyang; (5) The riddle of MacArthur (Das Rätsel von MacArthur), Hamish Hamilton, London 1951; (6) Outstanding leadership and brilliant victory, (Herausragende Führungskunst und glänzender Sieg), Korea pictorial, Pyongyang, 1993.

Doch es ist seit diesem politblog – Artikel wieder Zeit vergangen, und siehe da, aus den Archiven tauchen Dinge auf, die man nicht gerade als Schätze, sondern als Leichen im Keller des US-Imperialismus bezeichnen muss.

Im Zusammenhang der Frage des Ausbruchs des Koreakrieges fällt immer wieder der Name der Stadt Haeju in der Provinz Süd Hwanghae. Die Einnahme dieser nordkoreanischen Stadt wurde tatsächlich am 26. Juni 1950 vom Daily Herald, vom britischen Guardian und von der New York Herald Tribune gemeldet, aber ohne nähere Angabe darüber, wann diese Einnahme genau stattgefunden hatte. Der Ton dieser Pressemeldungen war „triumphalistisch“ und berief sich auf amerikanische Militärkreise. (1).

Wann hat der Koreakrieg „offiziell“ begonnen? Richtig, am 25. Juni. Das deutsche wikipedia indessen lügt, natürlich ohne näheren Nachweis:

Am 25. Juni 1950 überschritten die Truppen der Nordkoreanischen Volksarmee nach abwechselnden Grenzverletzungen beider Konfliktparteien die Grenze.

Heaju wird hier überhaupt nicht erwähnt. Es kommt hier wirklich aufs Detail mal an. Denn das Überschreiten der Demarkationslinie durch nordkoreanische Truppen ist das Axion, das bis heute die Rolle Nordkoreas als Aggressor in jenen Tagen 1950 rechtfertigt. nemetico berief sich bei seinen Zweifeln noch auf „östliche“, kimilsungische Quellen, nunmehr liegen eindeutig „westliche“ vor.

Koreakrieg (von wikipedia)

Koreakrieg (von wikipedia)

William Blum (1) hat aber noch mehr zu berichten. Demnach berichtet der (unbedingt US-loyale) MacArthur-Biograph John Gunter an einer Stelle, dass er am 25. Juni in Japan als Tourist weilt und miterlebte, wie ein Vertreter der US-Besatzungsbehörden einen Telefonanruf bekam, wonach „die Südkoreaner Nordkorea angegriffen“ hätten, eine „big story“. Am gleichen Tag aber gaben die US-Dienststellen die Parole aus, Nordkorea sei der alleinige Aggressor. Gunter gab auch eine Erklärung für den seltsamen Telefonanruf, wonach die US-Militärs sich wohl hätten von der „marktschreierischen“ Propaganda Nordkoreas beeindrucken lassen (Nordkorea verkündete anklagend den Angriff der südkoreanischen Kräfte über Rundfunk). Diese Erklärung bezeichnet Blum zu Recht als ungereimt, aber sie passt zu der schon vorbereiteten Gleichschaltung der Medien.

Von der Einnahme der Stadt Haeju war später in den westlichen Medien nicht mehr die Rede.

William Blum verweist auch auf einen anderen Artikel in der New York Times am 26.Juni (also am Tag nach offiziellem Ausbruch des Krieges), wo darauf hingewiesen wurde, dass der südkoreanische Regierungschef Syngman Rhee stets ie gewaltsame Eroberung des Nordens gefordert hatte und dafür das amerikanische Einverständnis verlangt habe (1).

Doch er weist noch auf einen weiteren sehr interessanten Fakt hin. Demnach hatte ein amerikanischer Offizieller (American Aid Mission in South Korea) vor seiner Remission unmittelbar nach Kriegsausbruch gesagt, dass das südkoreanische Regime ein „oppressives Regime“ sei, das „wenig tat, um dem Volk zu helfen“ und daß sich in jedem Fall eine südkoreanische Aufstandsbewegung  gegen das Rhee-Regime entwickelt hätte, wenn die Truppen des Nordens nicht gekommen wären. Doch das ist noch eine ganz andere Geschichte.  Bleiben wir noch bei der Frage des Kriegsausbruchs.

Entgegen allgemeinen Glaubens gab es am 38. Breitengrad keine unabhängigen Beobachter der UNO, die irgendeine Aussage hätten treffen können. Deren Mandat war nämlich am 23. Juni 1950 abgelaufen. Es hielten sich danach auch keine unabhängigen Beobachter, sei es der UNO, sei es von sonst wem, mehr am 38. Breitengrad auf. Alle Behauptungen dieser Art wurden ausschließlich von der Rhee-Regierung oder den US-Militärs in die Welt gesetzt.

Wie kam es, dass die Rhee-Regierung durch ihr Informationsministerium schon am Morgen des 26. Januar die Einnahme Haejus durch einen „Gegenangriff“ verkündete, aber später (als der Kriegsverlauf sehr ungünstig zu verlaufen drohte) diese Meldung dementierte? (1)

Milchman (16) wartet sogar mit noch erstaunlicheren Fakten auf:

It is a matter ot record that Rhee and his Defence Minister had been threatening to invade North Korea for months…. It is further established, also, that Rhee had been decisively defeated in the election of May 30. 1950, an election which the American  government forced-upon him. His regime was ‚left tottering.‘
He had no political future unless war broke out, and his will power was entirely sufficient to bring war about. His prewar
threats to march north were discounted during the war, hut after it began the report that Secretary of State Acheson
’never was quite sure that Rhee did not provoke the Red attack of 1950″ was amply justified.

Wie denn? Es – „gesichert“ – fanden Wahlen am 30. Mai in Südkorea statt, bei denen Rhee „entscheidend“ geschlagen worden war? Nach dieser Quelle war es ein Kalkül von Syngman Rhee und John Foster Dulles gewesen, den Krieg zu provozieren und ein amerikanisches Eingreifen zu erzwingen.

In der Tat gilt in der politikwissenschaftlichen und zeitgeschichtlichen Forschung längst:

Es bedarf keiner Geheimdokumente, um nachzuweisen, dass Südkorea zur Herbeiführung der Wiedervereinigung mit gewaltsamen Mitteln bereit war.(5)

Demnach kann als sehr wahrscheinlich gelten, das Syngman Rhee den Krieg bewußt von Zaum brach. Er hatte Motiv, Gelegenheit und die Mittel dazu. Was das Motiv angeht, so stoßen wir bei der zeitgeschichtlichen Wahrheitssuche noch auf mehr interessante Fakten.

Das Jeju – Massaker

Ein grauenhaftes Vorspiel zum Koreakrieg war das Jeju – Massaker. Dieses fand VOR dem Koreakrieg statt, auf zwar auf Jeju, einer koreanischen Insel südlich des Festlandes. Nach dem Ende des 2. Weltkrieges und der provisorischen Teilung Koreas (davon weiter unten) hatte die rechtsgerichtete Regierung in Seoul eines rechtsgerichtete Lokalregierung auf dieser Insel eingesetzt. Da die Einsetzung dieser Regierung gegen den Willen der Inselbevölkerung erfolgte, kam es zu Massakern an Teilen der Inselbevölkerung und anschliessend zum bewaffneten Aufstand gegen die Repression.

Um die Aufständischen im bergigen Landesinnern zu isolieren, wurden alle Dörfer, die mehr als vier Kilometer von der Küste entfernt waren, dem Erdboden gleichgemacht. Nach offiziellen koreanischen Angaben wurden dadurch zwischen April 1948 und August 1949 270 von insgesamt 400 Dörfern auf der Insel ausgelöscht.

Der Widerstand der Inselbevölkerung wurde vor Ausbruch des Koreakrieges völlig erstickt, erst in den 80er Jahren begann in Südkorea die Aufarbeitung dieser Vorgänge. Am Aufstand der Inselbevölkerung war sowohl Nordkorea als auch die Kommunistische Partei Koreas nicht beteiligt.

wikipedia:

beispielsweise empfand der selbst an der Niederschlagung der Unruhen beteiligte General Kim Ik Ruhl († 1988) die in den Jahrzehnten danach in Südkorea vorherrschende Erklärung der Ereignisse als kommunistischen, separatistischen Aufstand als falsch: einem nach seinem Tod veröffentlichten Manuskript zufolge war Nordkorea an ihnen nicht wesentlich beteiligt; das Handeln der Insulaner sei weniger ideologisch motiviert, als viel mehr eine Reaktion auf eine vermeintliche Gefährdung der örtlichen Schmuggelwirtschaft sowie auf Plünderungen, Morde und Vergewaltigungen seitens rechtsgerichteter Marodeure von der Halbinsel, die nach Jejudo geschickt worden waren. Auch das amerikanische Militär hatte Anteil an der Entwicklung.

Soviel nur zu der Frage, ob Syngman Rhee hätte mit einem Aufstand in Südkorea rechnen müssen, wären die Nordkoreanischen Truppen dem nicht zuvor gekommen.


Schwere Kriegsverbrechen der USA und ihrer Marionetten

Als „dokumentiertes Kriegsverbrechen“ kann das Massaker von   gelten.

Als besonders grauenhaft ist der „Plan“ des US-amerikanischen Generals MacArthur hervorzuheben, im Falle eines siegreichen Vorstosses bis an die chinesische Grenze und ggfs. darüber hinweg die chinesisch.koreanische Grenze durch Atombomben zu verseuchen und einen „Strahlungsgürtel“ gegen den „Kommunismus“ einzurichten. Meines Wissens ist MacArthur niemals von unseren gleichgeschalteten Medien als der „Irre vom US-Oberkommando“ bezeichnet worden (4).

In der Kriegführung der USA, die es geschafft hatte, sich ein UNO – Mandat zu erschwindeln (die Vetomacht UdSSR hatte gerade den Sicherheitrat verlassen aus Protest gegen die Nichtaufnahme der jungen VR – China – wäre ein schlechter Zeitpunkt gewesen für die „von Stalin angeordnete nordkoreanische Aggression“, wie die imperialistischen Legenden behaupten), wurde fast jedes Völkerrecht gebrochen, es wurden Zivilisten, darunter zahllose Kinder (als Angehörige von „Kommunisten“) massakriert, Staudämme bombardiert, Napalm eingesetzt, alles was man später von Vietnam auch her kannte (2) (4) (6).

Die Massaker der Syngman-Rhee-Truppen an der politischen Linken und Gewerkschaftsbewegung

Es deutet alles drauf hin, dass das Regime von Syngman Rhee, das im wesentlichen aus ehemaligen Kollaborateuren mit den japanischen Besatzungsbehörden bestand (die „Elite“ Koreas hatte die japanische Annektion 1910 unterstützt), den Krieg benutzt, um mit Hilfe der US- Armee die koreanische Arbeiterbewegung auszurotten (6) (14) (15).

„Zuerst sei der US-amerikanische Oberst Rollins S. Emmerich »aufgewühlt« gewesen und habe versucht, die Aktion hinauszuzögern. Dann aber habe er seinen südkoreanischen Offizierskollegen »die Erlaubnis gegeben«, 3500 politische Gefangene mit Maschinengewehren niederzumähen, damit die vorrückenden Truppen des kommunistischen Nordkoreas sie nicht befreien könnten. Das geht aus jüngst entdeckten US-Dokumenten in den einst geheimen Archiven Washingtons hervor, berichtete die Nachrichtenagentur AP am Wochenende. »In nur wenigen Wochen im Sommer 1950 haben amerikanische Offiziere Massenexekutionen, die von ihren südkoreanischen Verbündeten durchgeführt wurden, beobachtet, fotografiert und vertraulich kommentiert. Bei diesen Massenmorden sind 100000 oder mehr politisch linksgerichtete Menschen und verdächtige Sympathisanten ohne Anklage oder Richterspruch umgebracht worden«, so AP .“ (4 )

Der Zeitgeschichtler Herrmann Ploppa schreibt (15):

Seit 1997 versuchen koreanische Regierungsausschüsse, u.a. der Ausschuss für Wahrheit und Versöhnung, durch Zeugenbefragungen und Ausgrabungsaktionen Licht in dieses dunkle Kapitel zu bringen. Es geht vornehmlich um den Frühsommer 1950. In dieser ersten Phase des Koreakrieges drangen nordkoreanische Truppen in das südkoreanische Staatsgebiet ein. Sie trieben die südkoreanischen Streitkräfte und deren US-amerikanische Militärberater vor sich her, bis die Südkoreaner nur noch ein kleines Gebiet um die Hafenstadt Busan im Südosten kontrollierten. Panisch durchkämmten die Südkoreaner ihr Gebiet nach möglichen nordkoreanischen Kollaborateuren.

Dieser Personenkreis war schon unter der Diktatur von Rhee Syngman[1] , der seit 1948 Südkorea beherrschte, erfasst worden. Rhee ließ eine Umerziehungsorganisation gründen, die National Guidance League. Rhees Gefolgsleute rekrutierten 300.000 Bürger zur Umerziehung. Um das vorgegebene Soll zu erreichen, wurden auch analphabetische Bauern, die gar nichts mit den politischen Spannungen zu tun hatten, der Indoktrination unterzogen. Zudem befanden sich in Rhees Haftanstalten 30.000 politische Gefangene.

Die Gefängnisinsassen waren die ersten, die nunmehr der vorsorglichen Hinrichtung unterzogen wurden.

In diesem Zusammenhang verweise ich auf eine Playlist bei youtube zum Koreakrieg (3).

In unseren Medien wird immer das Bild von einem von einem „Irren“ regierten Nordkorea und einem „demokratischen“ Südkorea erzeugt. Es handelt sich um eine Scheinwirklichkeit. Bis 1987 war Südkorea sogar eine ganz gewöhnliche Diktatur, die keinen Vergleich mit den Regimen eines Videla oder Pinochet scheuen musste.

Die Umstände des jüngsten „Selbstmordes“ eines Ex-Präsidenten, der sich für eine Aussöhnung mit Nordkorea leidenschaftlich eingesetzt hatte, sind sehr bedenklich und deuten darauf hin, dass eine mörderische und zu allem entschlossene mafiotische „Elite“ in Südkorea seit 1950 ungebrochen die Strippen zieht und der bedingungslosen Unterstützung durch den US-Imperialismus sicher sein kann.

Es ist an der Zeit, diese Propagandalegenden aufzubrechen.

Natürlich darf das nordkoreanische Regime, das eine Mischung aus klassischen Stalinismus mit traditionellen Elementen der asiatischen Despotie (asiatische Produktionsweise) verbindet, deshalb nicht idealisiert werden. Das Kim – Regime ist entstanden als Ergebnis des Koreakrieges, in dessen Verlauf die unabhängige Arbeiterbewegung Koreas fast völlig vernichtet wurde. Aber es war ganz offensichtlich nicht verantwortlich für den Ausbruch des Koreakrieges. Dieser war eine Inszenierung der übelsten und mörderischsten Sektoren des US – Imperialismus einerseits und der korrupten kollaborationistischen südkoreanischen „Elite“ andererseits.

Ich bitte alle angegebenen Quellen zu beachten, die Autoren haben teilweise sehr aufwendige Recherchearbeit hinter sich.

Brechen wir die Propagandalegenden!

Playlist zum Koreakrieg

Quellen:

(1) Killing hope: US military and CIA interventions since World War II, William Blum, Zed Books, 2003, ISBN 1842773690, 781842773697

(2)Washingtons OK zum Massenmord (Artikel in der Jungen Welt)

(3)Playlist bei youtube über den Koreakrieg und US-amerikanische Kriegsverbrechen

(4)Napalm über Korea, Artikel in Le Monde Diplomatique

(5)Die Koreakrise – Seminarbeit von Sebastian Heisig

(6)Photodokumente: Exumierung von Skeletten und Leichen in Südkorea, u.a. wurden ungezählte Kinder von den US – Marionettentruppen massakriert

(7)Essays on international law and organization, behandelt die Frage, wie Enthaltung im Sicherheitsrat der UN geregelt ist

(8)Nachweis über die betrügerische Rückdatierung der UN-Resulution, mit der Invasion und Massakerkrieg der USA legitimiert wurde

(9)Seltsame Umstände des aktuellen „Selbstmordes“ des ehemaligen südkoreanischen Präsidenten

(10) Die Webseite der (süd)koreanischen Wahrheitskomission über Kriegsverbrechen während des Koreakrieges

(11) CIA – Operationen in Korea 1950-55 von Lee Wha Rang

(12) deutscher wikipedia-Artikel zum Korea-Krieg (sehr mit Vorsicht und Misstrauen zu behandeln)

(13) wikipedia – Webseite zur Insel Jeju-do

(14) sogar im Spiegel gabs mal einen informativen Artikel zu den Massakern der USA  im Koreakrieg

(15) Herrmann Ploppa über die Massenexekutionen der US-Armee und ihrer Marionetten

(16) Alan Milchman 1965:  D.F. Fleming on „The Origins of the Cold War“

(17) Mein Parteibuch zu Korea, besonders  „Die Nordkorea-Lüge“

Weiterführende Hinweise auf Arbeiterkämpfe in Südkorea:

Interview mit Kwon Young Kil, Chef des illegalen südkoreanischen Gewerkschaftsverbandes KCTU

Südkoreas neues Arbeitsgesetz ist keinem recht

Playlist über jüngste Arbeiterkämpfe in Südkorea bei Youtube.

Written by bronsteyn

28. Mai 2009 at 9:55 pm