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Einige Filme und Videos aus und über Südkorea – Nachkriegsgeschichte

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Da ich mich derzeit aktualitätshalber (Atom- und Raketenkrise um Nordkorea) mit der koreanischen Geschichte beschäftige, möchte ich einige sehr interessante Videos aus youtube im deutschen Sprachraum vorstellen und knapp kommentieren.

Da wäre zunächst ein Wochenschaubericht in englischer Sprache, der im Jahr 1960 (also sieben Jahre nach dem Ende des Koreakrieges) vom Sturz des Massenmörders Syngman Rhee berichtet. „Unruhen auf dem Level einer Revolution“ (O-Ton). Bei der Gelegenheit wurde auch in westlichen Kinos ruchbar, dass Sygman Rhee die damaligen Wahlen (sowie alle vorangegangenen) gefälscht hatte.

Hören und sehen Sie selbst:

Doch die Kräfte, die Syngman Rhee an die Macht getragen hatten, waren nicht entmachtet. Südkorea erlebte dann eine neuerliche Diktatur unter Park Chung-Hee 1961-1979. In der offiziellen imperialistischen Propaganda der US-Apparate nannte sich das natürlich auch eine „Demokratie“, wie zuvor das Massakerregime Syngman Rhees. Park Chung-Hee war auch persönlich ein direkter Vertreter der ehemals mit dem japanischen Imperium kollaborierenden Oberschicht. Er wurde denn auch standesgemäß von seinem eigenen Geheimdienstchef – wohl aus persönlichen Gründen – umgebracht, was allerdings für die „Stabilität“ Südkoreas im Sinne des US-Imperiums untragbar war. Eine neue Diktatur musste her.

Ein wichtiger Wendepunkt war dann 1980 der Aufstand von Gwangju, auch das Massaker von Gwangju genannt. Der damalige neue Militärmachthaber Chun Doo Hwan liess Demonstrationen gegen seine neue Militärdiktatur zusammenschiessen und vor allem in der von jeher rebellischen Stadt Gwanju (Süd-Südwestkorea) richtete das Militär ein Massaker an, das zwar gemessen an dem Gemetzel des Bodo League Massakers „nur“ zwischen 200 (allerniedrigste Schätzungen) bis ca. 2000 (Angaben der Opferverbände) kostete, aber „dummerweise“ sich teilweise vor den Augen einer nicht mehr ganz so gehirngewaschenen „Öffentlichkeit“ stattfand. Immerhin berichteten damals auch deutsche Medien (sehr knapp) über diese Massenmorde, aber es reichte aus, das Militärregime (das natürlich die uneingeschränkte Unterstützung der Reagan-Regierung in den USA hatte) zumindest zu diskreditieren. Trotzdem regierte der Massenmörder von Gwanju noch bis 1988 und Südkorea wurde natürlich im medialen Hirnschiss hierzulande weiterhin eine „Demokratie“ genannt.

Für Südkorea war das Gwanju-Massaker ein Wendepunkt, die Bewegung zur Erkämpfung von echter und wirklicher Demokratie liess sich auch unter der neuen Diktatur nicht mehr unterdrücken. Gwanju gilt wegen des Mutes der damaligen Bevölkerung, die sich (anfangs völlig gewaltlos) dem Militär entgegenstellte, heute als „Schrein der koreanischen Demokratie“. Wie schon vor dem Koreakrieg stellte die Bevölkerung nach den ersten Massakern allerdings Einwohnerwehren auf und versuchten, international auf ihren Kampf gegen die Diktatur aufmerksam zu machen.

2007 erschien in Südkorea ein Spielfilm, der von diesem Massaker erzählt. Sein Name ist „18.Mai“ oder 518. Sie können unter dem Suchbegriff  „518“in youtube und diversen Suchmaschinen suchen, ich glaube so ziemlich allen Koreanern ist geläufig, was der Begriff bedeutet.

Im ostasiatischen Raum erregte dieser Film sehr viel Aufsehen und Zuspruch. Es versteht sich – angesichts unserer völlig verblödeten und von US-Produktionen aus Hollywood geprägten Kinolandschaft – fast von selbst, dass dieser Film zwar in japanisch usw synchronisiert wurde, aber nicht etwa in deutsch (ob in englisch entzieht sich meiner Kenntnis).

In Youtube kursieren verschiedene Trailer dieses Filmes und in den üblichen 10Min-Bruchstücken ist er sogar insgesamt vorhanden.

Hier der Filmbeginn gerippt (die restlichen Stücke müssen Sie sich zusammensuchen…). Die völlig arglose Bevölkerung wird in Filmschnitten dargestellt, sowie das nahende Verhängnis.

Hier ein Trailer zu dem Film:

Ein weiterer Trailer:

Und noch ein Trailer von 518:

Hier die vollständige Sequenz aus dem Spielfilm, in der das Militär das Feuer auf die Bevölkerung eröffnet. Die Szene ist den realen Ereignissen fast minutiös nachgestellt. Eine dramaturgische Meisterleistung, auch wenn ich kein Wort verstehe:

Achtung! Ab hier „real life“. Das folgende sind keine Spielfilmausschnitte mehr.

Hier ein Videomitschnitt, der den Angriff der Polizei auf eine Gedenkveranstaltung zu dem Thema am 18.5.2008 zeigt (es ist offensichtlich immer noch nicht ausgestanden):

Dieses Video zeigt – von Musik untermalt – originale Bilder aus dem „Gwanju Uprising“. Zu sehen sind hier auch Bilder der Selbstverteidigungsgruppen der Einwohner, Milizen, die nach den ersten Gewalttätigkeiten des Militärs gebildet wurden.

Dieses Video enthält Filmaufnahmen aus dieser Zeit (1980) aber auch von der Bewegung der folgenden Jahre, die für die gefallenen Helden von Gwanju Gerechtigkeit einforderte. Eine in den 1990er Jahren eingesetzte Kommission gab die Zahl der Opfer des Gwangju-Massakers mit 207 Toten und etwa 1000 Schwerverletzten an. Opferorganisationen gehen von mindestens 1000 Toten und 15.000 Verletzten aus.

Schauen Sie sich die Filme ruhig an, sie machen klug, vor allem, wenn mal wieder von der südkoreanischen Demokratie die Rede ist. Jedes demokratische Recht musste nämlich in hartem und opferreichen Kampf der Diktatur abgetrotzt werden. Und der Kampf ist noch lange nicht zu Ende.

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Written by bronsteyn

18. Juni 2009 at 10:02 pm

Veröffentlicht in Korea, US-Imperium

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