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Die südkoreanische Guerillia gegen das Rhee-Regime vor Ausbruch des Koreakrieges

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Wenig bekannt für die Vorgeschichte des Koreakrieges 1950-53 ist die Existenz einer südkoreanischen Aufstandsbewegung gegen das faschistische Syngman Rhee – Regime. Ein wichtiger Schauplatz dieser Kämpfe war die heutige Provinz Gwanju im Südwesten Koreas und auch Südkoreas. Diese Fakten sind im deutschen Sprachraum noch weitgehend unbekannt.

Die sogenannte Yosu – Rebellion fand im Oktober 1948 statt. Sie begann damit, dass zwei Einheiten der Constabulary (einer Art Militärpolizei) unter dem Einfluss linker Organisationen meuterten. Sie sollten zur Niederwerfung des Aufstandes auf die Insel Jeju (manchmal Cheju geschrieben) geschickt werden, verweigerten sich aber in geradezu heroischer Weise diesem Auftrag. Etwa 2000 dieser Meuterer, verstärkt durch Zivilisten, besetzten Souchon nördlich der Hafenstadt Yosu und einige andere umliegende Ortschaften.

Sie umzingelten rechtsradikale Kräfte der Rhee-Regierung und „jeden, der gut angezogen war“, wobei sie Polizisten der Regierung exekutierten, die (nord)koreanische Flagge hissten und die nationale Einheit Koreas forderten.

Unter den Zivilisten bei den Rebellen waren 70 Lehrer. Der Leiter des Volkskomitees von Yosu war Song Uk, der Leiter der Mittelschule für Mädchen von Yosu. Die Mädchen wurden als „röter als das Innere einer Wassermelone“ charakterisiert. Sie kämpften später mit japanischen Waffen bewaffnet bei der Verteidigung der Stadt.

In Souchon wurden einige Polizisten summarisch erschossen, aber andere vor ein Volksgericht gestellt. Einige wurden dort als unschuldig befunden, einige misshandelt, viele exekutiert.  Der Polizeichef wurde verstümmelt, seine  Leiche durch die Strassen geschleift und an einem Pfahl verbrannt.

Etwa 900 Personen, darunter 400 Polizisten, sollen in Souchon durch die Rebellen getötet worden sein.

Der Aufstand erregte internationales Aufsehen und schockierte das Rhee – Regime. Ausländische Journalisten kamen nach Südkorea wegen dieser Story. Das US -State Department sprach von der „Barbarei“ der Rebellen von Yosu.

Amerikanische Offiziere nahmen an den Planungen zur Niederwerfung der Rebellion teil – nach geheimen Protokollen hatten sie die verdeckte Leitung über die südkoreanischen Militäreinheiten.

Der Widerstand der Rebellen war couragiert, aber schlecht organisiert und wurde in wenigen Tagen gebrochen.

Ein Reporter der Times berichtete von 5000 Gefangenen, die mit Stöcken, Eisenketten und Gewehrkolben misshandelt wurden. Viele (unbekannt wie viele) wurden exekutiert.

Der US-amerikanische Counter-Insurgency-Experte James Hausman, der an der Unterdrückung des Aufstandes teilnahm, berichtete später, dass so viele loyale Zivilisten getötet worden waren, dass „die Leute anfangen zu denken, dass wir so schlimm wie der Feind sind“.

Yosu wurde im Häuserkampf verteidigt und schwer zerstört. Die Stadt lag in Schutt und Asche. Leichen und zerbrochenes Mobiliar lag auf den Reisfeldern und in den Höfen.

Syngman Rhee, der erklärte, dass Korea niemals viele Verräter in seiner Geschichte gekannt hatte (welcher Zynismus…), nutzte die Gelegenheit, um ein Nationales Sicherheitsgesetz durchzusetzen. Es richtete sich gegen alles, was von der südkoreanischen Linken verblieben war, aber auch gegen viele andere tausende, die ohne linke Verbindungen waren.

Allen großen Organisationen wurde nachgestellt und diese wurden ausgelöscht.

Im Frühjahr 1950 waren etwa 60000 Menschen in den Gefängnissen, und 50 bis 80 Prozent von ihnen wegen Verstosses gegen das Nationale Sicherheitsgesetz. Die Constabulary wurde ausgelöscht, über tausend Offiziere und andere wurden festgesetzt.

Auch die „Nationalversammlung“ war nicht immun: 16 Abgeordnete saßen im Gefängnis.

Aber die Städte waren leichter zu handhaben für Rhee als das Land. Etwa 1000 oder mehr Teilnehmer des Yosu – Aufstandes flohen in das nahe Chiri Gebirge, das mit Wäldern bedeckt war. Sie wurden Teil eines Guerilliakrieges, der von der Südkoreanischen Arbeiterpartei organisiert wurde und der bald weite Teile des Landes erfasste. Junge Kämpfer erkundeten die Berge nach geeigneten Orten für Basen sicheren Plätzen. Ein Trainigscenter basierend auf den Methoden von Chinas Achter Feldarmee und den Schriften von Mao Zedong wurde in der Provinz Cungchong eingerichtet.

Im Frühjahr 1949 wurden die Guerillias auf mindestens 3500 bis zu 6000 von der CIA geschätzt, aber es gibt einige Belege, dass ihre Zahl weit höher war.

Ein früherer amerikanischer Ausbilder erklärte die Schwierigkeiten, die Guerillias zu greifen. Die Berge waren demnach dicht bewaldet, schroff, felsig und rau, ein ideales Versteck für die Guerilliagruppen, aber ein Hindernis für größere Truppenbewegungen, denen die Guerillias ausweichen konnten. Ein Eingriff aus der Luft war gar völlig unmöglich.

Es gab spektakuläre Erfolge der Guerillias, aber auch schwere Niederlagen, darunter die Aufdeckung und Einnahme ihres Hauptquartiers in Süd Cholla (Heute: Provinz Gwanju).

In den Lagern der Guerillia herrschte puritanische Strenge. Es gab zwar viele Frauen unter den Kämpfern, aber Zölibat herrschte. Übergriffe gegen die Bevölkerung wurden streng bestraft, z.B. Vergewaltigung durch Enthauptung mit dem Schwert. Ausstattung und Versorgungslage der Guerillia war gut (sie wurde wohl von der Landbevölkerung aktiv unterstützt und versorgt).

Es wurde damals und später von imperialistischer Seite (zeitgenössische Kommentatoren und später „Historiker“) behauptet, dass nordkoreanische Agenten und Militärs hinter der Guerillia steckten, also gewissermaßen ein nordkoreanischer Exprt gewesen seien. Allerdings handelte es sich um die zwei Provinzen Nord- und Süd – Cholla (heute: Provinz Gwanju) am äussersten Südwestzipfel Koreas. Der 38. Breitengrad war sehr sehr weit entfernt und auch das in Nordkorea existierende „Kangdong Institut“, das Guerilliaeinheiten ausbildete.

Jedoch auch zeitgenössische amerikanische Beobachter konstatierten, dass der Norden kaum in die südliche Partisanenbewegung involviert war, wohl aber auf der Gegenseite das amerikanische Militär, das den Repressionskräften jede Unterstützung gab, ihre Aktionen plante und sie oft auch selbst kommandierten.

Im März 1950 schrieb der Korrespondent der New York Times sinngemäß, dass weite Teile Südkoreas von einer Landguerillia kontrolliert wurden. Summarische Exekutionen gefangener Guerillias und verdächtiger Bauern waren an der Tagesordnung.

Die südkoreanische Guerilliabewegung war noch jung, aber am Lernen, erlitt Rückschläge in einigen Gebieten, hielt sich aber in anderen, und das alles vor dem Kriegsausbruch Juni 1950.

Als aber der Norden seinen Vormarsch begann ( ab 27.6.1950) nahm die Guerilliaaktivität sprunghaft zu. In den ersten zwei Monaten des Krieges war die Anzahl der Opfer des südkoreanischen Guerilliakrieges (einschließlich eliminierter Verdächtiger) doppelt so hoch wie die Gesamtzahl der gefallenen amerikanischen Soldaten im gesamten Koreakrieg.

Quelle:

The Korean War 1945-1953

Von Hugh Deane

Veröffentlicht von China Books, 1999

ISBN 0835126447, 9780835126441

246 Seiten

http://books.google.com/books?id=XMJpnYmKNQsC&hl=de

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Written by bronsteyn

5. Juni 2009 um 9:23 pm

Veröffentlicht in Geschichte, Korea, Korea-Krieg, US-Imperium

Eine Antwort

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  1. […] In Südkorea tobte überdies ein verbissener Guerilliakrieg gegen die Rhee-Regierung. Diese war verhasst, weil sie die Oberschicht aus ehemaligen Kollaborateuren mit dem japanischen Kaiserreich repräsentierte. […]


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